"Strohzopf im Mittelalter" - Mittel der Ausgrenzung aus der Gesellschaft?

Dieses Thema im Forum "Alltag im Mittelalter" wurde erstellt von Gast, 15. September 2005.

  1. Gast

    Gast Gast

    Hallo liebe Community,

    Bin auf dieses Forum gestoßen weil mir seit längerem eine Frage unter den Nägeln brennt:

    Ich bin Schüler der 13. Klasse mit Leistungskurs Deutsch, z.Z. nehmen wir Faust I. durch. In der Szene "Am Brunnen" spricht Gretchen mit Lieschen, wobei sich die beiden über die Schande unterhalten die einem blüht sollte man ein uneheliches Kind zur Welt bringen. Zeilenummer: 3575 Zitat: " Das Kränzel reißen die Buben ihr,
    Und Häckerling streuen wir vor die Tür!"

    Nach dieses Aussage entspann sich eine Diskussion zwischen mir und meiner Lehrerin: Ich hatte in den Sommerferien dieses Jahres auf einer Interrail-Tour das "Foltermuseum" in Siena (Italien) besucht. Dort wurden vorrangig Folterinstrumente des Mittelalters ausgestellt unter anderem aber auch Methoden aufgeführt mit Hilfe derer Menschen aus der Gesellschaft ausgegrenzt werden konnten (Narrenkappe, Brandmarkungen etc. ).

    Auf einer Schautafel wurde erklärt das man Frauen die ein uneheliches Kind geboren hatten mit sogenannten Strohzöpfen "schmückte" und sie dann durch das Dorf "trieb". Als Zeichen ihrer "Schande" musste sie diese Zöpfe mit sich herumtragen so das jeder über ihr vermeintliches "Verbrechen" Bescheid wusste.

    Während unserer Unterrichtsdiskussion äußerte ich mein zugegeben leider nicht sehr fundiertes Wissen, welches ich ja auch nicht wirklich beweisen konnte. Ich behauptete das eine weitere Möglichkeit eine Frau zu ächten darin Bestand ihr die besagten Strohzöpfe aufzusetzen. Meine Deutschlehrerin tat das als Quatsch ab...

    Nun würde ich gerne wissen ob es sich bei dem "Strohzopfritual" wirklich um eine angewendete Methode handelt. Wurde diese "Mobing-Folter" im Mittelalter wirklich angewandt? Habe ich mich verlesen?
    Ich habe versucht dazu etwas dazu auf der Seite des Museums zu finden, aber wie erwartet leider nichts gefunden!
    Vielleicht kennt sich jemand mit solchen Bräuchen aus dem Mittelalter aus, weiß etwas dazu etc.
    Ich bin für jede Antwort dankbar! ;)


    Gruß, Robert
     
  2. Schini

    Schini Neues Mitglied

    Ich vermute mal, dass dir der folgende Eintrag aus dem LexMA weiterhilft:

    Die Gebrüder Grimm haben ebenfalls etwas zum Strohkranz geschrieben:

    Du musst unbedigt erzählen, was sie dazu sagt!
     
  3. askan

    askan Neues Mitglied

    In manchen Gegenden Deutschland war es bis vor kurzem noch Brauch, das bei Eheschliessungen von ledigen Müttern oder geschiedenen, anstelle eines Schleiers ein Strohkranz getragen wird. Eine Erinnerung daran ist das sogenannte beige Brautkleid (farblich dem Stroh nahe), das heute noch bekannt ist.

    Der Begriff Strohwitwe stammt auch aus diesem Zusammenhang.

    Bis 1994 konnte ein Mädchen seinen Freund auf Schadensersatz für die verlorene Jungfräulichkeit verklagen, bis max. 2000 DM.
    Der sogenannte "Kranzgeldparagraph" im BGB war aber dann doch etwas zu altmodisch.
     

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