Stuttgarter Psalter

Dieses Thema im Forum "Die Franken" wurde erstellt von Sascha, 25. Juli 2008.

  1. Sascha

    Sascha Neues Mitglied

  2. Legat

    Legat Aktives Mitglied

    Uiii. Klasse :D
     
  3. Norimberga

    Norimberga Mitglied

    Wo war er den vorher, kann man den Weg dorthin rekonstruieren?
     
  4. Tannhaeuser

    Tannhaeuser Aktives Mitglied

    Geschrieben wurde er in Saint-Germain-des-Prés. Der Handschriftenkatalog ist noch nicht online, aber zum Faksimile gibt es einen umfangreichen Kommentarband, der garantiert auch die Provenienz detailliert beschreibt..
     
  5. Norimberga

    Norimberga Mitglied

    Mich interessiert jetzt eher der Weg von Saint-Germain-des-Prés nach Stuttgart. Warum ist er dort Anfang des 19.Jhd angekommen.

    Wie war der Weg dort hin? Über St Gallen, Lorsch oder Aachen? Ist doch Stuttgart ein eher unüblicher Platz für dieses Stück.
     
  6. Hiltibold

    Hiltibold Neues Mitglied

    Was ist von der Darstellung der Kleidung, die im Stuttgarter Psalter ja überaus üppig ist, zu halten?
    Übertrieben (zu bunt, zu viel Stickereien)?
    Dem ausführenden Buchmaler ging es wohl nicht um Authentizität, sondern um eine möglichst große Pracht der Handschrift. Ob das Detail dann aber immer mit dem Alltag der Menschen korrespondierte?
    Ich bin da skeptisch.
    Bedeutung hat die Frage für mich deshalb, weil der Stuttgarter-Psalter die wohl beliebteste Quelle für eine ambitionierte Frühmittelalterdarstellung im Living-History-Bereich ist.
    Überhaupt stellt sich die Frage, inwieweit den Darstellungen in Handschriften zu trauen ist. Siehe z.B die teils enorme Raffung der Tunika im Gürtelbereich. Da stellt sich die Frage, ob das eine künstlerische Übertreibung ist? Wie ja auch massiv gebauschte Segel von Schiffen, in den Darstellungen des 16. Jahrhunderts sehr beliebt waren. Ist es keine Übertreibung, dann ist die maximal knielange Tunika des Frühmittelalters, zumindest nicht im derzeitigen Ausmaß, zu halten. (Vernünftige Textilfunde gibt es ja aus dieser Zeit kaum).
     
  7. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    Hiltibold, könntest Du bitte mal Beispiele bringen??
    Und viel kürzer als knielang war ein germanisches Hemd eigentlich nie.
     
  8. Hiltibold

    Hiltibold Neues Mitglied

    Kann ich :)
    Schau dir z.B. das Liuthar Evangeliar an:
    http://upload.wikimedia.org/wikiped...r-Evangeliar.jpg/770px-Liuthar-Evangeliar.jpg
    Die Tunika reicht, ohne die Raffung, bis ca zur Mitte der Waden.
    Und es gibt einige solcher Beispiele.
    Jetzt kann man natürlich sagen, das ist hier bloß deshalb so, weil es sich um hochgestellte Männer handelt und diese auch mal längere Kleidung trugen (zumindest ab ottonischer Zeit).
    Nur stimmt das leider so nicht. Es gibt auch einfache Leute, die mit Gewändern dargestellt wurden, die doch deutlich über das Knie reichten (was nur durch die Raffung mehr oder verborgen wird) - wie z.B. auf einem Mailänder Situla aus dem 10. Jh.
    Die Tuniken reichen, wenn man die Raffung am Gürtel auflöst, oft deutlich über die Knie.

    Die "germanischen Hemden" werden für die Völkerwanderungszeit häufig mit einer Länge angegeben, die bis ca Mitte der Oberschenkel reichte (ich würde das durchaus als "viel kürzer als knielang" bezeichnen).
    Danach, bis ins 11. Jh, so heißt es, gingen sie in der Regel bis max zu den Knien (siehe z.B. den Teppich von Bayeux).
    Das mag auch stimmen. Aber nur dann, wenn man davon ausgeht, dass viele der Raffung, künstlerische Übertreibungen sind.
    Was natürlich möglich sein kann.

    Ich habe selbst mit Tuniken experimentiert und möchte behaupten, dass ich mittlerweile an der bildlichen Darstellung einer gerafften Tunika sehr gut erkennen kann, wie lang sie in Wirklichkeit wäre.
    Aber sei's drum, wahrscheinlich haben einfach die Längen stärker variiert, als man gemeinhin glaubt.
    Ich plädiere bloß dafür, dass man den überlieferten Darstellungen nicht allzu blind vertraut und irgendwelche strikten Regeln für den Living-History-Bereich daraus ableitet. Um mehr gehts mir eigentlich nicht.
    Gleiches gilt für die Farbenpracht.
    Das Mittelalter war wohl nicht so strahlend bunt, wie es im Stuttgarter Psalter vermittelt wird. Alleine schon deshalb nicht, weil dem Buchmaler ganz andere Farben/Pigmente zur Verfügung standen, als dem einfachen Mann für seine Kleidung.
    Meint ein leidenschaftlicher Skeptiker :)
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. Juli 2012
  9. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    nun ja, Caesar ?? oder wars Tacitus äußerte sich über die Farbenpracht der chaukischen Kleidung ..
    Dann, bitte , was verstehst Du unter einer "Tunica"?? Die lateinischen Wörterbücher geben "wollenes Untergewand" aus, ich habe mal "Hemd" als Übersetzung gelernt.

    Was auf den Bildern zu sehen ist, sind für mich "lange Kittel", MA-Szene Bezeichnung "Cotten" oder so ähnlich. Das , was wir heute als "Mönchskutte" kennen.

    Ansonsten sehe ich beim Stuttgarter Psalter so von den Farben her keine Probleme. Man muß natürlich gucken, wer dargestellt wird. Die "Guten" tragen Toga ;-)

    Zu behaupten, "Das ist so im Stuttgarter Psalter, das trugen die damals " ist natürlich mit Vorsicht zu genießen. Aber es gibt durchaus auch Funde von Textilien, die die "Fablichkeit" untermauern.
     
  10. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Caesar kennt die Chauken nicht und Tacitus äußert sich nicht über die Farbenpracht ihrer Kleidung. Tacitus schreibt über die Chauken, dass sie ein sehr edles Volk seien und in diesem Bewusstsein zwar immer kampfbereit, aber nicht sehr aggressiv. Das ist im Prinzip -außer der gegographischen Verortung der Chauken - schon alles.

    Die Übersetzung 'Hemd' ist natürlich defektiv, weil wir sonst Tunica mit 'Tunika' übersetzen müssten. Das Wort Hemd evoziert wiederum ganz andere Vorstellungen.
    Die Tunika ist etwa knielang und hat nichts mit dem Habit zu tun:
     

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