Traklson

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Von Homer und dem römischen Dichter Vergil erfahren wir, dass es zwei Tore in die Traumwelt gibt. Eines aus Horn. Durch dieses Tor kommen die "wahren" Träume, also Zukunftsvisionen oder Botschaften der Götter. Dem legendären Odysseus soll die Idee vom Trojanischen Pferd durch Athene in einem Traum eingeflüstert worden sein.Das andere Tor ist aus Elfenbein. Hier versenden die Manen "falsche Gesichte", also gewöhnliche Träume.
Auch im Alten Testament gibt es einige göttliche Botschaften, die im Traum vermittelt werden. Einem dieser Träume verdankt Bethel sogar seinen Namen. Jakob nimmt einen Stein, bettet seinen Kopf darauf und schläft ein. Im Traum erscheint ihm eine Leiter zum Himmel, die bekannte Jakobsleiter. Da hatte er einen Traum: Er sah eine Treppe, die auf der Erde stand und bis zum Himmel reichte. Auf ihr stiegen Engel Gottes auf und nieder.
Ein weiterer berühmter Traum aus der Bibel ist der des babylonischen Königs Nebukadnezar. Er will niemandem den Traum verraten, aber Daniel erhält von Gott nicht nur den Inhalt des Traumes sondern auch seine Deutung. Auch über einen Traum. Der König hat im Traum ein riesiges metallisches Standbild mit Füßen aus Eisen und Ton gesehen. Ein von einem Berg rollender Stein hat die Füße zertrümmert, das Standbild hat sich in Staub verwandelt, der Stein ist zu einem Berg geworden, der die ganze Erde erfüllt. Im Buch Daniel finden sich noch weitere Träume.
Der griechische Dichter Aischylos soll der Sage nach selbst von Dionysos im Traum zum Dichter geweiht worden sein. In seiner Tragödie "Die Perser" spielt ein Traum eine zentrale Rolle. Das Stück handelt von der Seeschlacht von Salamis. In ihm hat die Mutter des Xerxes einen Traum von zwei Frauen, die eine in griechischem, die andere in persischem Gewand. Die Frauen streiten. Daraufhin spannt sie Xerxes unter ein Joch. Doch eine der Frauen wehrt sich, zerbricht das Joch und bringt Xerxes zu Sturz. Im Mittelalter fungiert der Traum auch als Rahmen für Jenseitsreisen.
In Dantes Göttlicher Komödie spielen Träume eine solche Rolle. Der Traum von einem goldgefiederten Adler, der aus dem Himmel herabstößt, um den Träumenden zu packen und in eine Feuersphäre zu verschleppen, in der dieser zu verglühen glaubt, lässt Dante vor Schreck erwachen. In dem Nibelungenlied träumt Kriemhild, dass sie einen Falken großzieht, den zwei Adler zerfleischen. Ihre Mutter weiß den Traum zu deuten. Der Falke sei ein edler Mann, dem Unglück drohe, wenn Gott ihn nicht beschützt. Darauf fasst Kriemhild den Entschluss, nie einen Mann nahe zu lassen. Im Epos "Parzival" träumt Herzeloydes, dass sie Amme eines Drachen sei, der ihren Leib zerreisst, an ihren brüsten saugt und dann auf Nimmerwiedersehen davonfliegt. Der Traum deutet auf die Geburt Parzivals und seinen Aufbruch 14 Jahre später voraus. In Novalis Roman "Heinrich von Ofterdingen" kommt der Traum von der brühmten Blauen Blume vor, die zum Symbol der Romantik werden sollte.
Seit Signmund Freuds Psychoanalyse und Traumdeutung kommt der Verbindung von Literatur, Traum und syche eine neue Relevanz zu. Der Traum steht jetzt nicht mehr für in die in Bildern offengelegte Seele, sondern für verschobene Bilder der Triebe. Ein Beispiel dafür ist Artur Schnitzlers "Traumnovelle". Unter der Oberfläche einer scheinbar harmonischen Beziehung eines Ehepaars, werden beide von ungestillten Begierden und Träumen heimgesucht, die zu einer Ehekrise führen.
Auch in der Schauerliteratur spielen Träume eine Rolle. Den 1922 erstmals von H. P. Lovecraft verwendete Begriff Necronomicon will dieser in einem Traum erfunden haben. In seinem Kurzroman „Die Traumsuche nach dem unbekannten Kadath" begleiten wir den Protagonisten Randolph Carter in eine Welt des Traums, in der er fantastische Abenteuer erlebt. Von Edgar Alan Poe stammen die Gedichte "Ein Traum in einem Traum" und "Traumland".
Eine große Rolle spielt der Traum in "Die Rättin" von Günter Grass. Gekonnt wird mit der Frage gespielt: Träume ich oder werde ich geträumt? "Mir träumte ein Mensch, sagte die Ratte, von der mir träumt. Ich sprach auf ihn ein, bis er glaubte, er träume mich und im Traum sagte: die Ratte, von der ich träume, glaubt mich zu träumen;" Der Daoismus setzt Traum und Wirklichkeit gleich. Im berühmten Schmetterlingstraum aus dem „wahren Buch vom südlichen Blütenland“, träumt der Gelehrte, er sei ein Schmetterling. Nach dem Aufwachen fragt er sich, ob er nicht ein Schmetterling sei, der träumt ein Mensch zu sein. Auch im Werk des japanischen Autors Haruki Murakami sind die Grenzen zwischen Realität und Traum fließend. In seinem neuesten Buch "Die Stadt und ihre ungewisse Mauer" arbeitet der Protagonist als "Traumleser" in einer Bibliothek der Träume. Shakespeares „Sommernachtstraum“ entführt uns in eine Welt der Täuschungen und Märchen. Alice im Wunderland zeigt eine Welt, in der die Traumgesetze herrschen. Die physikalischen Gesetze und die der Logik lösen sich im Traum auf.

Hier soll alles Platz finden, was mit Träumen zu tun hat. Aus allen Zeiten und allen Kulturen.
  • Traumprotokolle, Traumnotate, Traumsammlungen
  • Historische Traumdeutungs-Bücher (z.B. Artemidor von Daldis)
  • Träume, die Geschichte geschrieben haben, berühmte Träume
  • Träume als literarische Figur, aber auch Träume als Motiv im Film (z.B. Brazil)
  • Gerne auch der Traum in Kunst und Musikgeschichte (z.B. am "traumhaftesten" empfinde ich "Lord of the Rings" von Bo Hansson)
  • Und hoffentlich viele, viele Träume (gerne auch eure eigenen)
 
"Fische
Ich ging eine enge Straße hinauf, unweit des Hafens, da sah ich dicht vor mir in der Luft, in halber Haushöhe, zwei große, silbergraue Fische schwimmen. Sie schwammen in einem natürlichen Abstand übereinander – sie bewegten gleichmäßig, ruhig und schön ihre Flossen: sie behandelten die Luft, als ob sie Wasser wäre. Aufgeregt blickte ich mich nach Zuschauern um, nach mehr Zeugen, und da kam auch gerade eine schwarze Gestalt um die Ecke gebogen: ein Gelehrter, das Käppchen der Meisterwürde auf den greisen Locken. Heftig winkte ich ihn heran, und mit dem Finger auf die noch immer gelassen in der Luft schwimmenden Fische deutend, rief ich ihm entgegen: ›Können Sie mir dieses unwahrscheinliche Ereignis erklären?‹ Der Gelehrte warf einen langen, begeisterten Blick auf die seltsamen Fische und sagte dann zu mir gewendet mit erhobener Stimme: ›Hier haben Sie ein wunderbares Beispiel für die Ausnahme, die die Regel bestätigt.‹"

(Paula Ludwig: Träume, Traumaufzeichnungen und Texte aus dem Nachlass, Wallenstein, S. 13)
 
Eine der "Tristanstudien" aus den Wesendonckliedern von Wagner heißt - Träume! Dieses Kunstlied beschließt den Zyklus, vertont das Gedicht "Träume" von Mathilde Wesendonck.
 
Am 6. Mai 1912 notiert Franz Kafka in sein Tagebuch: "Traum vor kurzem: Ich fuhr mit Vater durch Berlin in der Elektrischen. Das Großstädtische vor vorgestellt von unzähligen regelmäßig aufrechtstehenden zweifarbig gestrichene, am Ende stumpf abgeglätteten Schlagbäumen. [...] Das Gedränge dieser Schlagbäume war groß. [...] Wir kamen vor ein Tor, stiegen ohne es zu fühlen aus, traten durch das Tor ein. Hinter dem Tor stieg eine sehr steile Wand aufwärts, die mein Vater fast tanzend erstieg, die Beine flogen ihm dabei so leicht wurde es ihm. [...] Es lag sicher auch einige Rücksichtslosigkeit darin, dass er mir gar nicht half, denn ich kam nur mit äußerster Mühe, auf allen vieren, häufig wieder zurückrutschend hinauf, als sei die Wand unter mir steiler geworden. Peinlich dabei war auch, dass sie mit Menschendreck bedeckt war, so dass mir Flocken davon, vor allem auf der Brust hängen blieben. Ich sah sie mit geneigtem Gesicht an und fuhr mit der Hand darüber hin.“

(Franz Kafka: Tagebücher, 1994, zitiert nach Barbara Hahn: Endlose Nacht, Suhrkamp 2016, S. 139)
 
Berühmter Besuch im Traum - Kafka

Am 25. Februar 1938 notiert Elsa Morante „K.s Tod“ in ihr Traumtagebuch. Die Träumerin sitzt gut angezogen in einem großen Raum, der ihrem Arbeitszimmer ähnlich ist. Sie sitzt „ auf einem niedrigen, gelben kleinen Diwan“, wo sie das eine oder andere Buch in die Hand nimmt und dann nachlässig weglegt.
„Niemand schien darauf zu achten, dass dort, an derselben Wand wie der Bücherschrank, ein Bett stand oder, besser gesagt, eine ganz mit hellen Schleiern bedeckte Wiege. In dieser prächtigen Wiege starb Franz Kafka. Da kommen sie schon, um ihn abzuholen. Was ist das doch für eine Unsitte, die sie da angenommen haben, den Sterbenden die Augen zu verbinden und sie noch lebendig im Grab einzuschließen; ja, sie machen kurzen Prozess. Es kommen also zwei Männer in Zivil, braun und taubengrau gekleidet, dem Äußeren nach kleine Angestellte, einer hat ein etwas stutzerhaftes Gesicht mit dunkelblondem Schnurrbärtchen. Sie nehmen nicht einmal den Hut ab. Kafka verlässt seine Wiege. Er ist groß, sehr korrekt in einen dunklen Anzug gekleidet und trägt sogar den Hut auf dem Kopf. Armer Junge, ich erkenne Dich wieder, du bist wirklich genau wie auf der Fotografie.“ Die Männer streifen Kafka über den Anzug ein geblümtes Baumwollkleidchen, sie nehmen ein Haarband der Träumerin, um ihm die Augen zu verbinden. Schließlich führen sie ihn weg. »Nun ist es soweit, nun holen sie ihn mir fort, eine dumpfe Qual, wie ein Schaben, ein inneres Nagen erfaßt mich. Leb wohl, K., lieber K."
(Elsa Morante: Traumtagebuch, Zürich 1990)

Avigdor Dagans Geschichte Kafka in Jerusalem beginnt in einem Zugabteil. Man ist auf dem Weg von Tel Aviv nach Jerusalem.
»Ich hätte schwören können, daß er es war. Ich kannte diese großen, von Schmerz weit geöffneten, traurigen Augen in dem länglichen, blassen Gesicht mit dem spitzen Kinn, den leicht abstehenden Ohren und den schwarzen Haaren, die von allen Seiten tief in die Stirn wuchsen; ich kannte das Gesicht von zahllosen Aufnahmen. Er mußte es sein. Ich hätte es schwören können." Der Mann steckt in zu großen und zu warmen Kleidern Auch das Alter kann nicht stimmen, Er scheint eben so alt, wie Kafka als er fünfzig Jahre zuvor starb.Dann fbemerkt der Träumer die Aktentasche, die der vermeintliche Kafka auf dem Schoß hält. Auf einem Anhänger ist nur zu lesen: "Josef K."
"Vielleicht hätte ich den Mann trotzdem angesprochen, doch kaum hatte sich der Zug in Bewegung gesetzt, da schloß er die Augen. Die bläulichen Lider, die seine großen, traurigen Augen verdeckten, waren fast durchsichtig. Ich weiß nicht, ob er schlief oder nur seinen Tagträumen nachhing - auf jeden Fall wollte er eindeutig allein und ungestört bleiben. Zu guter Letzt schloß ich ebenfalls die Augen. Nicht um zu schlafen, denn ich wußte, daß ich nach dieser aufregenden, geheimnisvollen Begegnung sowieso nicht einschlafen würde, sondern um mich zu beruhigen und wieder festeren Boden unter die Füße zu bekommen."
(Avigdor Dagan. Kafka in Jerusalem und andere Erzählungen, München 1983)
 
Berühmter Besuch im Traum – Goethe

„Traum 3.9. (80) - Ich lese, in Anwesenheit von Frauen, (dem alten) Goethe aus der Hand (er amüsiert sich über meine stotternden Auskünfte: er weiß darüber mehr. Seine linke Lebenslinie ist auffällig kurz, die rechte lang + kräftig (wie bei mir). G. liest meine Hand. Ich steige eine Leiter hinab in ein Untergeschoss (von Kindern bevölkert). G. untersucht mich - Diagnose: nostalgischer Krebs.“
(Heiner Müller. Traumtexte, Frankfurt am Main 2009)

„In einem Traume sah ich mich in Goethes Arbeitszimmer. Es hatte keine Ähnlichkeit mit dem zu Weimar. Vor allem war es sehr klein und hatte nur ein Fenster. An die ihm gegenüberliegende Wand stieß der Schreibtisch mit seiner Schmalseite. Davor saß schreibend der Dichter im höchsten Alter. Ich hielt mich seitwärts, als er sich unterbrach und eine kleine Vase, ein antikes Gefäß, mir zum Geschenk gab. Ich drehte es in den Händen. Eine ungeheure Hitze herrschte im Zimmer. Goethe erhob sich und trat mit mir in den Nebenraum, wo eine lange Tafel für meine Verwandtschaft gedeckt war. Sie schien aber für weit mehr Personen berechnet, als diese zählte. Es war wohl für die Ahnen mitgedeckt. Am rechten Ende nahm ich neben Goethe Platz. Als das Mahl vorüber war, erhob er sich mühsam und mit einer Gebärde erbat ich Verlaub, ihn zu stützen. Als ich seinen Ellenbogen berührte, begann ich vor Ergriffenheit zu weinen.“
(Walter Benjamin: Einbahnstraße, Berlin 1928)
 
Berühmter Besuch im Traum – Wilhelm II.

Adorno begegnet dem Kaiser gleich in zwei Träumen.

„Auf einer Gesellschaft recht alkoholischen Wesens, die sich in mehreren Räumen abspielte, stieß ich mit einem älteren, eleganten Herrn zusammen - sei es, dass ich in ihn hineinrannte, sei es dass ich ihm auf den Fuß trat. Bekannt kam mir der hochgezwirbelte Schnurrbart des Herrn vor. Ich entschuldigte mich höflich, vielleicht zu eifrig. Wütend wandte der Herr mir den Rücken. Da kam ein anderer auf mich zu, ein Neger von rotbrauner Gesichtsfarbe, mit etwas geschlitzten, mandelförmigen. Augen und einem herumzottelnden Kottelettenbart. Er zeigte sich eifrig bemüht und gab sich als Adjutanten des Herrn zu erkennen (beide waren in Zivil). Der Herr sei der Kaiser Wilhelm. Ich hätte einen schrecklichen faux pas begangen. Nicht daß ich ihm auf den Fuß getreten wäre - so etwas nähme er gar nicht übel. Aber es sei die strengste Vorschrift der Etikette, dass keiner, und in gar keiner Situation, zu dem Kaiser zuerst rede und er halte leidenschaftlich darauf, dass diese Regel innegehalten werde. Durch meine Entschuldigung hätte ich mich dagegen vergangen. Schließlich aber sei es nicht unverzeihlich und er, der Adjutant werde alles tun, die Sache in Ordnung zu bringen.“
(Adorno: Traumprotokolle, Frankfurt 2005)

22. Dezember 1964
Einladung bei dem Konsul Schubert, aber nicht in dessen Prunkvilla, sondern in einer eher bescheidenen bürgerlichen Etagenwohnung, etwa wie die meines Onkels Louis auf der Eschersheimer Landstraße. Ehrengast: der Kaiser Wilhelm, der recht unprätentiös eintrat, alter Mann doch mit der Barttracht vor 1914, Schnurrbart und Haare schwarz gefärbt. Seine Frau war, ebenfalls sehr alt, Else Herzberger. Sie begrüßte mich mit größter Herzlichkeit und Natürlichkeit, da bist du ja, mein Bub, alles wird wie früher. Der Kaiser setzte sich auf einen Diwan. Er begann, mit den Händen sich Geldscheine von großem Wert zwischen Füße und eingeknickte Zehen zu klemmen. So, mit den Füßen, verteilte er sie als Trinkgeld an zahlreiche anwesende Domestiken. Dazu gab es die Erklärung, es könne von ihm nicht verlangt werden, dass er deren Hände mit den seinen berühre. Von den anderen Anwesenden war kaum etwas zu merken.
(Adorno: Traumprotokolle, Frankfurt 2005)
 
Der wichtigste Beitrag der Antike zur Traumforschung ist wohl das Traumbuch des Artemidoros von Daldis (Oneirocritica), der im 2. Jh lebte. Michel Foucault hat einiges zu ihm geschrieben, vor allem in "Sexualität und Wahrheit", Bd. 3: "Die Sorge um sich", Kap. 1. Artemidoros geht davon aus, dass die Götter im Traum Ratschläge geben, doch er bleibt in seinem Ttaumbuch nicht im Numinösen, sondern gibt eine Reihe von Analysetechniken an die Hand, die um einiges rationaler ausfallen als etwa die wilden Spekulationen Freuds zum selben Thema. Insofern ist das ein durchaus modernes Buch. Er widmete es ja auch seinem Sohn, den er mittels dieser Techniken zum führenden Traumdeuter ausbilden wollte.

Die Vorläufer des Artemidoros hießen (die Liste stammt von ihm selbst), falls jemand weiterforschen will:
Nikostratos von Ephesos​
Panyassis von Halikarnassos,​
Apollodoros aus Telmessos​
Phoibos von Antiocheia,​
Dionysios von Heliopoliss​
Alexandros von Myndos​
Aristandros aus Telmessos​
Geminos aus Tyros​
Demetrios aus Phaleron​
Artemon aus Milet​
von denen allerdings entweder nichts oder nur Fragmentarisches überliefert ist.

In der Spätantike hat Synesius von Kyrene ein vielbeachtetes Traktat über die Träume geschrieben, worin er den Traum sls ein Orakel versteht, "das in uns wohnt". Konsequenterweise hat er auch über die Chaldäischen Orakel berichtet - immerhin als christlicher Bischof. Nicht ganz ungefährlich, sich als Bischof mit heidnischen Orakeln auseinanderzusetzen, wenn man an die Zaubereiprozesse Valentinians denkt.

Erwähnenswert ist sicher auch der sogenannte Traumschlaf im Asklepius-Tempel, wo der Sieche sich niederlässt und der Gott des Nachts zu ihm kommt und ihn heilt. Darüber hat uns der Theurge Iamblichos einiges berichtet, aber Jahrhunderte vorher auch schon Aristophanes.
Der Kranke sollte erst einmal fasten. Dann begab er sich in einen "Inkubationsraum" des Tempels. Es ist ganz interessant, dass es dort weniger wunderbare Wunderheilungen gab, sondern im Grunde eine Anleitung von Ärzten, die von Asclepius medizinische Ratschläge erhielten und diese an ihren Patienten ausprobierten. Auch in diesem Fall hatte das Ganze ein durchaus modernes Gepräge, wozu dem Kranken sogar Bibliotheken und ein Theater im temenos zur Verfügung stand. (Die Tempelanlage war somit recht umfangreich.)

Doch das eigentliche Highlight war natürlich der "göttliche Traum", wozu auch die Schlangen des Asklepius mit ihren Zungen halfen:
Long underground tunnels joined the various shrines, sleeping chambers, perhaps, though their exact purpose is uncertain. Aristophanes was not being mischievous when he described how the long, tame snakes of Asclepius’s shrines glided between the sleepers at night in their dark rooms: on Attic reliefs of the fourth century B.C. we see snakes licking the sleeping patient, and cures on display referred to this “licking” of the snakes. At Pergamum, as night fell, the worshippers had the choice of the Lesser incubation chamber or the Greater, for which the offering to the god was more expensive. (Lane Fox, Pagans and Christians, p.153)

Wie heutzutage war auch damals die Behandlung nicht ganz billig.
 
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