Ja, in Ostdeutschland gibt es anscheinend einen Hang, Fundamentalopposition zu betreiben –
Zitat:
Opposition (lateinisch oppositio ‚Entgegensetzung‘) steht in der Politik für eine Auffassung, die im Gegensatz zu programmatischen Zielvorstellungen einer politischen Bewegung,[1] zu Denk- und Handlungsweisen von Autoritäten,[2] zu einer herrschenden Meinung oder zu einer Politik der Regierung steht.[3]
Wenn man genau hinschaut, dann opponieren sie gegen Autoritäten, herrschenden Meinung und die Politik der Regierung. Das war in Thüringen wohl schon 1930 der Grund, NSDAP in die Landesregierung zu wählen, und ab 1932 konnte NSDAP dort sogar allein regieren. Tühringen und Oberfranken (da kenne ich mich aus) waren in der Weimarer Republik zuerst Rot, dann Braun, nach dem Krieg wieder Rot, dann Schwarz und jetzt Schwarzblau - d.h. sie waren jedesmal gegen jene, die im Gesamtstaat regierten.
Wie bereits dargelegt, was ein Großteil dieses Territoriums in der Weimarer Zeit vor der Weltwirtschaftskrise SPD-Hochburg.
Die SPD war allerings keine Fundamentaloppoistion.
Es gab Wahlkreisverbände, die traditionell in den Händen der Fundamentalopposition waren. Pommern und Ostpreußen waren Gebiete, die in der Weimarer Zeit und auch schon vorher im Kaiserrecht tendenziell sehr weit rechts standen, hier hatte die DNVP ihre Hochburgen, in Ostpreußen ab 1930 auch die NSDAP.
Auf der anderen Seite waren das vor allem Berlin und der Wahlkreis "Düsseldorf Ost", die bei den Reichstagswahlen in der Weimarer Zeit, eine recht starke Tendenz zur KPD aufwiesen.
Die Gebiete der ehemaligen DDR, waren damit auf Ebene der Reichstagswahlen bis zur Weltwirtschaftskrise nicht unbdingt aufgefallen.
Einen Konflikt zwischen den Regionen Thüringen und Sachsen und dem Reich gab es in der Weimarer Zeit tatsächlich insofern sich um 1923 herum in beiden Ländern Koalitionsregierungen aus SPD und KPD, bzw. von der KPD tolerierte Minderheitsregierungen der SPD bildeten, was dann von Seiten des Reiches her durch "Reichsexekution" unterbunden wurde.
Begründet wurde das damit, dass die KPD verfassungsfeindlicher Weise an der Aufstellung paramilitärischen Potentials arbeitete, allerdings scheint bis heute nicht ganz geklärt zu sein, ob das Vorgehen gegen die beiden Landesregierungen unter Einsatz von Kontingenten der Reichswehr in der Form, wie das stattfand verfassungskonform war.
Es wäre zumindst in der Hinsicht einseitig gewesen, als dass ein Eingreifen der selben Regierung gegenüber Bayern, wo Kahr und Hitler gerade an ihren Staatsstreich herumbastelten unterblieben ist, obwohl ein Eingreifen des Reichs zur widerherstellung der verfassungsmäßigen Zustände in Bayern nicht weniger angezigt gewesen wäre.
Thüringen spielte seit der FNZ kaum eine Rolle im HRR, wurde mehrfach aufgeteilt und bis 1918 praktisch immer fremdregiert. Das hinterlässt Spuren im kollektiven Gedächtnis mit der Folge: Den Regierenden wird mit Misstrauen begegnet.
Thüringen unter diesem Namen, spielte keine Rolle, weil es unter diesem Namen während der FNZ nicht existierte.
Das Territorium war über Jahrhunderte, wie auch Sachsen in der Hand der Wettiner und die tanzten, was Herrschaftsgepflogenheiten angeht, etwas aus der Reihe, insofern bei den Wettinern sich die anderswo eingeführte Unteilbarkeit der Erblande nicht, bzw. nur teilweise durchsetzte (Kursachsen konnte auf Grund seines Status als Kurfürstentum nicht einfach aufgeteilt werden).
Das hatte zunächst die Aufteilung der Erbmasse zwischen der "ernestinischen" und der "albertinischen" Linie der Wettiner zur Folge, die grob die Trennung zwischen dem heutigen Sachsen und dem heutigen Thürringen vorzeichnete, der dann in den östlichen Herrschaftsgebieten der Wettiner, also dem Thürringischen Raum weitere Erbteilungen folgten, die zur Zersplitterung des Gebiets und zur Benennung der daraus entstehenden Kleinfürstentümer führte, die Häufig den Zusatz "Sachsen" im Namen führten.
Z.B. "Sachsen-Coburg-und Gotha", "Sachsen-Weimar-Eisenach" und so weiter.
Im Gegensatz zu diversen Territorien, die nach dem Wiener Kongress umverteilt wurden, blieben diese Territorien zum großteil bei ihren angestammten sich in irgendeiner Form aus Nebenlinien der Wettiner herleitenden angestammten Fürstenhäusern.
Ein Teil Thürringens, der zuvor tatsächlich noch zu Kursachsen gehörte, wurde nach dem Wiener Kongress Preußen zugechlagen und Teil der preußischen Provinz "Sachsen", die administrativ einen Großteil des heutigen Sachsen-Anhalt und einen Teil des nördlicheen Thürringens umfasste.
Nach der Revolution 1918 und der Abdankung der ganzen Fürsten und Kleinfürsten, wurde da am Beginn der Weimarer Republik Flurbereinigung betrieben und die gannzen administrativ nicht besonders sinnvollen Kleinstatten mit den 1815 an Preußen gegangenen territorien des östlichen Sachsen zum Land "Thüringen" vereinigt, mit Ausnahme eines Teils von Sachsen-Coburg-Gotha, namentlich des Gebiets um Coburg, dass sich per Abstimmung damals für einen Anschluss an Bayern und gegen eine Zugehörigkeit zu Thüringen etschied.
So viel zur Regionalgsschichte von der FNZ zur Weimarer Zeit.
Gemessen daran, wie es anderen Gebieten ging, hatte Thüringen oder der großteil davon bis 1918 eigentlich nicht mit dauernden willkürlichen Herrschaftswechseln zu tun, oder damit unter die Herrschaft irgendwelcher weltfremder Fürsten zu landen, die mit der Region nichts zu tun hatten.
Im Übrigen, auch der Befund, nach der Wiedervereinigung würde in den neuen Bundesländern traditionell vor allem Fundameentalopposition betrieben worden sein, ist so nicht zutreffend, jedenfalls ist es nicht aus den Wahlergebnissen Herleitbar.
Im Westen mag man die PDS und später die Linke als eine Fundamentalopposition warnehmen oder wahrgenommen haben, in den Ostdeutschnen Ländern zeigte sie allerdings, dass sie durchaus in der Lage war Regierungsverantwortung zu übernehmen und durchaus keine reine "dagegen-Partei" darstellte.
Es gab in diesen Gebieten natürlich immer einige DDR-Nostalgiker und in den 1990er und frühen 2000er Jahren auch eine aktive Neonazi-Szene, aber das führte auf Ebene der Landtagswahlen bis vor etwa 10 Jahren durchaus nicht dazu, dass es zunehmnd schwierig wird dort demokratische Regierungen zu bilden.
Das ist eine neuere Entwicklung, die den ersten 20 Jahren seit der Wende nur bedingt entspricht.
Jetzt aber zurück zu James Hawes und zu seiner Hypothese, dass der deutsch-slawische Konflikt
Brauchen wir nicht hin zurückgehen, die sogenannte Hypothese kann man offensichtlich in der Pfeiffe rauchen.
Seit den Tagen Friedrichs des Großen gab es für Preußen immer nur zwei Optionen: Mit den Russen muss man sich vertragen oder man muss sie endgültig besiegen. Schon 1887, als Russland schwach wirkte, sprach sich der spätere Reichskanzler Bernhard von Bülow, der damals Botschaftsrat in St. Petersburg war, für einen Krieg gegen Russland und einen Vorstoß bis an die Wolga aus. Aber im Moment wirkt Wladimir Putin für viele stark und bedrohlich, deshalb greift die zweite Taktik: Appeasement.
Ich frage nochmal: Gibt es irgendeinem mächtigen Nachbarn gegenüber eine andere Option als sich mit ihm entweder zu vertragen oder ihn möglichst dauerhaft zu besiegen?
Tausche in der Aussage das Wort "Russland" gegen "Frankreich" und sie genau so wahr.
Auch was Frankreich angeht, hatte das neuzeitliche Deutschland immer zwei Optionen: Entweder sich mit dem mächtigen Nachbarn im Westen einigen, wie es Adenauer getan hat und Stresemann gern getan hätte oder es als Großmacht auszuschalten, wie es die Alldeutschen im Ersten Weltkrieg, die Nazis im Zweiten und andere chauvinistische Vereine gern gesehen hätten.
Mit einem mächtigen Nachbarn kann man nur in einer dieser zwei Weisen umgehen.
Daraus lässt sich keine gesonderte Mentalität diesem Nachbarn gegenüber konstruieren, genau so wenig wie ein Dauerkonflikt à la "Erbfeindschaft", wenn man damit vernünftig umgeht.
Man muss schon sehen, dass in Deutschland die Ostdeutschen Erfahrungen mit den Russen haben
Übrigens ein guter Teil der Ostdeutschen, die Erfahrungen mit den Russen hatten, fanden sich dann nach 1945 in Westdeutschland wieder.
Man muss jetzt nicht so tun, als wären Flucht und Vertreibung aus den alten preußischen Ostgebieten an der westdeutschen Gesellschaft komplett vorbei gegangen, in der politischen Kultur der Bonner Republik spielten die "Landsmannschaften" und "Vertriebenenverbände" natürlich durchaus eine prominente Rolle, vor allem in den ersten Jahrzehnten.
Sorry, aber was du zusammenschreibst ist mal wieder von vorne bis hinten unausgegoren.