Untersuchungsergebnisse zu Straßenstationen Südrätiens

Wenn wir uns einig sind, dass Cambodunum mit Kempten zu identifizieren ist, liefert auch die TP die Bestätigung dafür, dass Abodiacum mit Epfach zu identifizieren ist:


Da bin ich auch gerade noch drüber gestolpert:


Camboduno. XX . Escone. XVIII. Abodiaco.​

Anhang anzeigen 19310

Von Kempten bis Escone sind es 20 Meilen, von Escone bis Epfach 18.
Macht 57 Kilometer. Das passt ziemlich gut:

Wenn ich die Strecke - wo immer möglich, entlang der im Bayern-Atlas ausgewiesenen Römerstraße - messe, lande ich bei etwas mehr als 55 km.

Anhang anzeigen 19311

BayernAtlas

In diesem alten Beitrag habe ich nur gerundete Zahlen angegeben, in exakten Zahlen wären es laut TP 56,24 km, gemessen an der im Atlas ausgewiesenen Römerstraße habe ich 55,37 km...
 
Sternbach schrieb: Deshalb sah ich es bisher nicht als meine Aufgabe hier auf den Epfach-Abodiacum-Komplex sprachwissenschaftlich etc. näher einzugehen, weil das in einem solchen Fall mindestens zwei Tage Recherche in Anspruch nehmen würde.
Das ist natürlich der Offenbarungseid, sprachwissenschaftlich völlig unbeleckt zu sein.
Gemeint war die Recherche ergänzender historisch relevanter Urkundenbeziehungen etc. zum Epfach-Abodiacum-Komplex für dessen Einschätzungen ich auch dafür über ausreichende sprachwissenschaftliche Erfahrungen verfüge. Ich möchte aber in diesem Kontext nicht alles auf diese ein Karte setzen, wie Ihr das vormacht. Hier kommt man nur interdisziplinär weiter...
Die sicher erschließbare ursprüngliche lateinische Form lautet Abudiacum, die sicher erschließbare hochmittelalterliche Form lautet (wie im heutigen Deutschen) Epfach. (Die hochmittelalterliche Schreibweise Ephach ist Epfach zu lesen.) Die Entwicklung von Abudiacum zu Epfach ist sprachgeschichtlich (lateinisch - romanisch - althochdeutsch - mittelhochdeutsch) ohne Schwierigkeiten zu erklären.

Aus der (aus einer Kopie des 10. Jahrhunderts überlieferten) Form Eptaticus ist der Ortsname Epfach leider gar nicht zu erklären, es sei denn, man nimmt einen Schreib- oder zumindest Kopistenfehler an.
Auf einen Schreibfehler würde ich jedenfalls kein Kartenhaus aus irrwitzigen Hypothesen bauen.

Nur zum weiteren Verständnis: Lehnst Du auch die Gleichsetzung von Cambodunum=Kempten ab? Da haben wir dasselbe "Problem" wie im Fall Abo-: a wird zu e, -b- wird zu -p-, der unbetonte Vokal -o- schwindet.
Appianum Abudiacum Cambodunum
Epp-an Ep---acu Kemp-ten
Epf ach
Eppans und Kemptens linguitische Umformung benötigt nach der Antike nur ein marginales "Minus" und erhalten sich somit relativ direkt nachvollziehbar. Eppan heißt heute auch nicht Epfan und Kempten nicht Kempften. Bei Abudiacum sind im Vergleich zu Eppan und Cambodunum auch noch 4 zusätzliche "Minuspunkte" in der Verformung mit einzubeziehen. Hätte auch da nichts dagegen, wenn sich das von den streckenanalytischen Ergebnissen her bestätigen ließe. Das als Zwischenbemerkung.
Wo sogar zwei Silben flachgefallen sind. By the way: Bei der Gleichsetzung von Vetonina mit Veldidena müssen wir von sehr gravierenden Verschreibungen ausgehen, da siehst Du kein Problem?
Dies geschah noch innerhalb der rund 100 Jahre in der Römerzeit möglicherweise durch Besatzungswechsel (unterschiedlicher Ethnien/Einheiten) der Stationen, wie im Falle der drei unterschiedlichen Schreibungen für Abodiaco. Hier lassen sich die Gründe eruieren. Wenn sich dies zudem von den streckenanalytischen Ergebnissen bestätigen lässt, dann erschließen sich auch weitläufigere historische Entwicklungen wie: Veldidena-Vetonina-Veldena...Wilten
Ich dachte, die gängige Gleichsetzung von Matreio mit Matrei lehnst Du auch ab, zumindest liest sich der Eingangsbeitrag so:
Von einer Ableitung Matreis aus Matreia ist nichts einzuwenden. Meine Arbeit bezieht sich aber auf die Verortung der Straßenstationen und die fällt im Falle der Station Matreio deutlich außerhalb des heutigen Marktes und Gemeindegebietes Matrei.
Wenn die Methode daraus besteht, auf alle anderen wissenschaftlichen Methoden zu pfeifen, nur um möglichst viele "richtige Zahlen" zu erhalten, dann ist bei bei der Methode etwas faul, das lässt sich bei allen genannten Beispielen denn auch an den Ergebnissen nachweisen.
Ich übernehme nur die textkritisch ermittelten, "originalen Zahlen" und pfusche erst mal nicht wegen uneindeutigen Funden und Befunden grundlos herum…. Am Ende werden wir sehen, ob Du an den linguistischen Kunststücken bei Abodiacum-Epfach noch etwas nachfeilen musst.
Weil Deine Hilfshypothese durch nichts begründet ist. Auch auf meinen Einwand hin kam nicht einmal der Versuch einer Begründung. Vielleicht liegt hier auch irgendein Missverständnis vor. Was Mommsen im Fall Sublavione geglaubt hat und inwieweit er damit falsch lag, spielt jedenfalls nicht die geringste Rolle bei der Bewertung der offensichtlich "gerundeten" Zahlen in den römischen Itinerarien. Hier können wir einfach Ockhams Rasiermesser walten lassen, bis Fakten auf dem Tisch liegen, die tatsächlich eine neue Hypothese erforderlich machen.
Nochmals: Ich begründete/verdächtigte oben bereits diese Anomalie durch kirchenpolitische Einwirkung (anfänglich über Bischof Wikterp) und legendarische Überlieferungen bringen ohne zusätzliche Hinweise nicht wirklich weiter. Sollte Epfach tatsächlich besser aus einer Herleitung von Abudiacum passen, als aus einer griechisch-christlichen Herleitung (etwa mit Grundform éptá-kis), dann könnte noch eine kirchenpolitisch geleitete Umsiedlung der Leute vom ursprünglichen Abudiacum nach Epfach in den Raum gestellt werden, die ihren Ortsnamen mitnahmen. Der Schlachtlegende von Epfach zufolge, soll ja in dieser Zeit Epfachs Siedlung ausgerottet worden sein... Jedenfalls muss Epfachs originaler antiker Name untergegangen sein. Gäbe es beispielsweise eine VCA-Dokumentation wäre dies anders…. Eine derartige Umsiedlungsmöglichkeit könnte die linguistische Abudiacum-Epfach-Herleitung noch "retten". Andernfalls müsste an der noch nachgefeilt werden.

Der Barrington-Atlas liegt hier (Untersuchungsbereich) immer noch auf den Stand um Mommsens Zeit herum (um 1910), worauf sich wahrscheinlich auch noch alle historischen Schulatlanten beziehen dürften…. Die Schüler müssen also seit vielen Jahrzehnten Falsches lernen und bekommen dafür auch noch schlechte Noten, wenn das nicht schön brav befolgt wird.
 
Wenn wir uns einig sind, dass Cambodunum mit Kempten zu identifizieren ist, liefert auch die TP die Bestätigung dafür, dass Abodiacum mit Epfach zu identifizieren ist:



In diesem alten Beitrag habe ich nur gerundete Zahlen angegeben, in exakten Zahlen wären es laut TP 56,24 km, gemessen an der im Atlas ausgewiesenen Römerstraße habe ich 55,37 km...
Das Problem bei derartigen Einzelmessungen ist, dass die Ergebnisse immer einseitig bleiben, solange nicht mehrere Strecken und Stationen kohärent einbezogen werden. Wenn Du, wie erwähnt, beispielsweise von Isunisca aus misst, sieht das Ergebnis wieder anders aus.
 
Eppan heißt heute auch nicht Epfan

Dann scheint Dir wohl nicht bekannt zu sein, dass Eppan in einer Gegend liegt, in der länger romanisch gesprochen wurde als im schwäbisch-bayerischen Alpenvorland. Als der romanisch-deutsche Sprachwechsel Südtirol erreichte, war die althochdeutsche Lautverschiebung schon vorbei. Die Lautverschiebung hat punktuell noch das Inntal erreicht (Teriolis > Zirl, Veldidena > Wilten). Ortsnamen, die das lateinischen Wort pons 'Brücke' enthalten, lauten in Oberbayern Pfünz oder Pfunzen, in Südtirol Pontigl oder Pontifes.

Dies geschah noch innerhalb der rund 100 Jahre in der Römerzeit möglicherweise durch Besatzungswechsel (unterschiedlicher Ethnien/Einheiten) der Stationen, wie im Falle der drei unterschiedlichen Schreibungen für Abodiaco. Hier lassen sich die Gründe eruieren.
Die Gründe für die drei unterschiedlichen Schreibungen für Abodiacum habe ich bereits erläutert, sie lassen sich restlos mit allgemein bekannten Erscheinungen innerhalb der spätlateinischen/frühromanischen Sprachentwicklung erklären. Auch das wurde anscheinend nicht zur Kenntnis genommen:

2. Die antiken Belege zeigen klar die ursprüngliche lateinische Form *Abudiacum.
Ptolemaios: Ἀβουδίακον mit griechischer Endung (-on, die übrigens auch der keltischen entspricht): gesprochen Abudiakon.
IA: Abuzaco, gesprochen: Abudjako (Vergleichsbeispiel: DIEBUS wird auch als ZEBUS geschrieben: 11. Phonologie des Lateinischen und Vulgärlateinischen )
TP: Abodiaco, gesprochen: Abodjako, zeigt wie oben referiert die romanische Senkung u > o. (Beispiele für diese Regel: bucca 'Mund' wird zu bocca, musca 'Fliege' wird zu mosca vgl. Moskito)
Das -b- wurde sehr weich gesprochen und wird im späten Latein praktisch nicht mehr vom -v- unterschieden: taberna wird zu taverna, caballus 'Pferd' wird zu cavallus (vgl. Kavallerie) Das erklärt die zweite Form der TP: Avodiaco.

Für Veldidena/Vetonina gibt es dagegen keine sprachliche Erklärung. Das sind zwei verschiedene Namen!
Falls damit derselbe Ort gemeint sein sollte, muss entweder eine Umbenennung stattgefunden haben, oder wir haben es mit einer massiven Fehlschreibung zu tun.


Nochmals: Ich begründete/verdächtigte

"Begründete" ist das falsche Wort, "verdächtigte" kommt der Sache schon näher. Es sind substanzlose Spekulationen, mithilfe derer die Fakten vom Tisch gewischt werden sollen.


Das Problem bei derartigen Einzelmessungen ist, dass die Ergebnisse immer einseitig bleiben, solange nicht mehrere Strecken und Stationen kohärent einbezogen werden. Wenn Du, wie erwähnt, beispielsweise von Isunisca aus misst, sieht das Ergebnis wieder anders aus.

Das ist nicht einseitig, sondern von zwei Seiten aus gerechnet. Augsburg und Kempten sind zwei unbestreitbare Fixpunkte (der dritte ist Epfach, aber das willst Du ja nicht wahrhaben). Dann nehmen wir halt erst mal die beiden Fixpunkte, über die wir uns einig sind, messen die 38 Meilen ab Kempten und die 36 Meilen ab Augsburg entlang der archäologisch erschließbaren Straßenverläufe und landen beim Straßenknotenpunkt Epfach, was will man mehr?

Die Lokalisierung von Isunisco ist hingegen hypothetisch. Ich habe grundsätzlich nichts gegen eine Lokalisierung im Raum Aying, nur kommen wir dann nicht um das Eingeständnis herum, dass die TP hier irgendwo eine falsche Zahl haben muss.

Camboduno. XX - Escone. XVIII - Abodiaco. XIII. Urusa. XII. Bratananio. XII. Isunisca.

1790455695774.png


Macht 75 Meilen = 111 km von Cambodunum bis Isunisca, das wäre schon für Luftlinie etwas zu knapp bis kurz vor Kleinhelfendorf. Eine Straße entlang der Luftlinie kann es aber nicht gegeben haben, die hätte mitten durch den Starnberger See gehen müssen.

Der mehrmals gestellten Frage, wo Du Abudiacum verorten willst, bist Du bisher unverständlicherweise immer ausgewichen. Ich frage mal so: Welcher römische Straßenkreuzungsort ist denn Deiner Meinung nach auf römischen Straßen von Kempten aus in 38 Meilen und von Augsburg aus in 36 Meilen zu erreichen?
 
Ich habe noch die Distanz anhand der im BayernAtlas verzeichneten Römerstraße gemessen und komme auf 54,20 km, das sind schon ziemlich genau 36 Meilen.
Vergiss aber bitte nicht, dass Augsburg ja verlegt wurde, weil der ursprünglich ausgewählte Ort nicht genau auf der Luftlinie Mailand-Stettin lag. Dadurch ist der auf Mommsen zurückgehende Atlas natürlich fehlerhaft. ;)
 
Wenn wir uns einig sind, dass Cambodunum mit Kempten zu identifizieren ist, liefert auch die TP die Bestätigung dafür, dass Abodiacum mit Epfach zu identifizieren ist:



In diesem alten Beitrag habe ich nur gerundete Zahlen angegeben, in exakten Zahlen wären es laut TP 56,24 km, gemessen an der im Atlas ausgewiesenen Römerstraße habe ich 55,37 km...
Wie viele dieser Satzhülsen wird uns die K"I" in diesem Thread noch präsentieren?
Ich habe noch die Distanz anhand der im BayernAtlas verzeichneten Römerstraße gemessen und komme auf 54,20 km, das sind schon ziemlich genau 36 Meilen.
Ich komme mit dem BayernAtlas (ohne KI), wo eine Römerstraße bis ungefähr Marktoberdorf eingetragen ist auf 50-51 km, das sind rund 34 m.p. Das ist bereits eine Abweichung von 5-6%. Die Abweichungen der offiziell dafür angenommen Strecke von Kempten über Epfach bis Helfendorf sind noch deutlich größer. Wie ich bereits erwähnte ergibt das insgesamt inakzeptable 14% ! Ich messe allerdings nicht ganz bis zur zivilen Stadtgrenze hin, was ich auch im Falle Augsburg nicht mache – aus oben bereits erklärten historisch-archäologisch Befunden. Für Augsburg ist das bewiesen, für Kempten ist es ebenso anzunehmen. Anders im Falle Tridento, die bereits eine Stadt in "Reichsitalien" ist. Dort ist an der Ostseite, wo die Hauptstrecke in den Norden startet, auch kein zusätzliches Militärlager bekannt – im Westen der Stadt (Doss Trento) muss hingegen eines gestanden haben. Außerdem hat diese Stadt bis ins Früh-Hochmittelalter die Form eines größeren Doppelkohortenlagers bewahrt, was hier auf verlängerte militärische Funktionen hinweist. In Augsburg lagen beispielsweise im Bereich Friedberg-Kissing, südlich von St. Afra zwei Militär- bzw. Straßenlager. Da das Militär im Norden solche Messungen durchführte, haben sie diese höchstwahrscheinlich nur bis zu ihren Stationen durchgeführt, die das Militär bereits zum Bezirk Augusta V. Betrachtete und keinen Unterschied machten. Solche Spielräume müssen in der TP an Stadtbezirken ursprünglich vielleicht zu komplexeren Darstellungen geführt haben, die später bei den Kopisten für Verwirrung und Auslassungen sorgten. Noch Venantius Fortunatus erwähnt bei seiner Wallfahrt über die Alpen nach Tours im 6. Jh. bei St. Afra einen bajoarischen Straßenwärterposten (bzw. eine Straßenstation), der von dort aus die Straße gen Süden bis über die Alpen kontrollierte.
Dann scheint Dir wohl nicht bekannt zu sein, dass Eppan in einer Gegend liegt, in der länger romanisch gesprochen wurde als im schwäbisch-bayerischen Alpenvorland. Als der romanisch-deutsche Sprachwechsel Südtirol erreichte, war die althochdeutsche Lautverschiebung schon vorbei. Die Lautverschiebung hat punktuell noch das Inntal erreicht (Teriolis > Zirl, Veldidena > Wilten). Ortsnamen, die das lateinischen Wort pons 'Brücke' enthalten, lauten in Oberbayern Pfünz oder Pfunzen, in Südtirol Pontigl oder Pontifes.
Ja ist mir bekannt. Bekannt ist aber auch das Phänomen von romanischen/deutschen Sprachinseln, die zu Ausreißern geführt haben könnten. Mir gings hier in erster Linie klarzustellen, dass die Namensentwicklung in Kempten nicht mit jener in Epfach vergleichbar ist. Epfach-Abudiacum ist für mich vorerst eine Art Ausreißer in die eine oder andere Richtung. Damit ist für mich dieses überstrapazierte Thema abgeschlossen.
Die Gründe für die drei unterschiedlichen Schreibungen für Abodiacum habe ich bereits erläutert, sie lassen sich restlos mit allgemein bekannten Erscheinungen innerhalb der spätlateinischen/frühromanischen Sprachentwicklung erklären. Auch das wurde anscheinend nicht zur Kenntnis genommen:
Das ist kein großer Unterschied. Du bist in der sprachtheoretischen Deutung befangen, ich übersetze/beschreibe diese in historische Entwicklungen: Hier trafen sich Leute, Einheiten die unterschiedliche vulgär-lateinische, kelto-römische etc. Dialekte benutzten. Thema abgeschlossen.
Für Veldidena/Vetonina gibt es dagegen keine sprachliche Erklärung. Das sind zwei verschiedene Namen!
Falls damit derselbe Ort gemeint sein sollte, muss entweder eine Umbenennung stattgefunden haben, oder wir haben es mit einer massiven Fehlschreibung zu tun.
Das, was Du hier als massive Fehlschreibung oder zweites Kastell verstehst, interpretiere ich wieder in erster Linie als potentiell größere Varianz vorhandener vulgär-lateinischer, kelto-räto-römischer etc. Dialekte, insbesondere bei den logistischen Einheiten. Hinzu kommt hier noch ein weiteres Brückenkastell Teriolis, das in der IA auch schon mal als Veldidena bezeichnet wurde. Beide Kastelle stehen in Sichtweite zueinander und bildeten wohl eine logistische Einheit.
"Begründete" ist das falsche Wort, "verdächtigte" kommt der Sache schon näher. Es sind substanzlose Spekulationen, mithilfe derer die Fakten vom Tisch gewischt werden sollen.



Das ist nicht einseitig, sondern von zwei Seiten aus gerechnet. Augsburg und Kempten sind zwei unbestreitbare Fixpunkte (der dritte ist Epfach, aber das willst Du ja nicht wahrhaben). Dann nehmen wir halt erst mal die beiden Fixpunkte, über die wir uns einig sind, messen die 38 Meilen ab Kempten und die 36 Meilen ab Augsburg entlang der archäologisch erschließbaren Straßenverläufe und landen beim Straßenknotenpunkt Epfach, was will man mehr?
Hierzu gibt es genauer betrachtet auch noch keine Einigkeit. Zu den unterschiedlich zu behandelten "städtischen Fixpunkten" siehe noch ein letztes Mal oben.... Ich wiederhole mich nicht gerne, denn die Problematik dieser Bezirke wurde ebenfalls bereits umrissen, und dass die Epfach-Augsburg-Linie der undokumentierten VCA gehörte ebenfalls. Damit scheidet diese Messung a priori aus. Diese Mühe kann man sich zwar machen, doch das Ergebnis würde bei mir auf dem Abstellgleis landen. Verbleibt die Strecke Epfach-Kempten, dessen Ergebnis ich auch schon oben behandelte: 50-51 km, das sind rund 34 m.p. mit relativ hoher Abweichung von 5-6%. Hinzu kommt die insgesamt inakzeptable Abweichung von 14 % der offiziell angenommen Strecke von Kempten über Epfach bis Helfendorf.
Die Lokalisierung von Isunisco ist hingegen hypothetisch. Ich habe grundsätzlich nichts gegen eine Lokalisierung im Raum Aying, nur kommen wir dann nicht um das Eingeständnis herum, dass die TP hier irgendwo eine falsche Zahl haben muss.

Camboduno. XX - Escone. XVIII - Abodiaco. XIII. Urusa. XII. Bratananio. XII. Isunisca.

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Macht 75 Meilen = 111 km von Cambodunum bis Isunisca, das wäre schon für Luftlinie etwas zu knapp bis kurz vor Kleinhelfendorf. Eine Straße entlang der Luftlinie kann es aber nicht gegeben haben, die hätte mitten durch den Starnberger See gehen müssen.
Nur die genauere Lokalisierung von Isunisco im Großraum Helfendorf ist nicht gesichert. Eine Kritik an der womöglich "falschen" Zahlenreihe würde mindestens genauso auf die womöglich "falsche" antike topographische Position Abodiacum in Epfach zurückfallen. "Luftlinie" nach sprachwissenschaftlichen Gesichtspunkten und Analysen vielleicht, an denen aber, wie gesagt, noch an einigen Punkten etwas gefeilt werden müsste.
Der mehrmals gestellten Frage, wo Du Abudiacum verorten willst, bist Du bisher unverständlicherweise immer ausgewichen. Ich frage mal so: Welcher römische Straßenkreuzungsort ist denn Deiner Meinung nach auf römischen Straßen von Kempten aus in 38 Meilen und von Augsburg aus in 36 Meilen zu erreichen?
Vergiss aber bitte nicht, dass Augsburg ja verlegt wurde, weil der ursprünglich ausgewählte Ort nicht genau auf der Luftlinie Mailand-Stettin lag. Dadurch ist der auf Mommsen zurückgehende Atlas natürlich fehlerhaft. ;)
Die Frage habe ich doch nun schon zu über 70 % beantwortet. Jetzt brauchst Du nur noch etwas technisch differenzierter an die Streckenmessung herangehen. Ich empfehle dabei auch gewisse städtische Bezirksgrenzen zu berücksichtigen. Wofür ich 15 Minuten benötigte, beansprucht die Behörde (und Leute wie Stradivari ;)) jetzt schon seit über ein Jahrhundert und kann wohl nur durch den Heiligen Geist überwunden werden. Der scheint den meisten in der zu über 80 % ineffizienten Schul-"Er---ziehung" bzw. "Unter-richtung" ausgetrieben zu werden.:oops:
 
Das argumentum ad populum ist kein Argument. Für zumindest einen Südtiroler, und zwar einen, der sich sehr eingehend mit den Südtiroler Ortsnamen beschäftigt hat, ist das wohl gar nicht "einsichtig". In seinem Buch Die Ortsnamen Südtirols und ihre Geschichte (Band 1, Bozen 1991, S. 208f) zieht er einen Zusammenhang mit Sublavione nicht einmal in Erwägung, sondern geht vom Erstbeleg Legian aus, was auf ein praedium Legianu(m) bzw. Lagianu(m) zurückzuführen sei. Vgl. dazu die Ausführungen des Romanisten Guntram A. Plangg: https://www.istladin.net/web/pdf/MondoLadino/ml2011.pdf
Ein weiser Schritt vom Sprachwissenschaftler sich da erst mal raus zu halten und sich eventuell dann einzuschalten, wenn die Sache historisch-topographisch, technisch-analytisch abgeklärt ist.

Von Endidae nach Sublavio sollen es 24 Meilen sein. Nun liegt Castelfelder aber von Lajen 53 km entfernt, nicht 36. Die 40 km nach Trient (ebenfalls 24 Meilen) passen da schon eher. Im Übrigen liegt zwischen Castelfelder als Endidae ein Vermessungsfehler von einer ähnlichen Qualität vor, wie zwischen Augsburg und Epfach.
Hier hätte ich dann die methodische Nachfrage, warum du bei Augsburg - Abodiacum Epfach als Kandidat für Abodiacum so vehement abstreitest, obwohl das a) auf einer logischen Verkehrsachse liegt, b) in Epfach römische Anwesenheit über Jahrhunderte gut nachweisbar ist c) die Distanz annähernd stimmt und d) vom germanistischen Standpunkt her auch alles passt, mit dem Argument, dass die Distanz eben zu ungenau sei, dies aber bei der Entfernung Lajen - Castelfelder bzw. Castelfelder - Trient vollkommen ignorierst?
Geht es hier um den Rosengarten oder um die Streckenverläufe?
btw. auch beim Rosengarten geht es um Strecken, Abmessungen etc.

a) Diese "logische Verkehrsachse" liegt wie gesagt auf der nicht detailliert dokumentarisch überlieferten VCA
b) Das sind nur Indizien für eine VCA-Station, dessen Name nicht gesichert überliefert ist.
c) Spielt wegen a) keine Rolle. Es ist eine übliche Distanz, die auch bei anderen Strecken vorkommt.
d) Germanistischer Standpunkt nur irgendwie passend. Und wenn es am Ende doch nicht stimmen würde, gibt es sicher eine Ausrede. Der Fall Kempten erscheint hingegen eindeutiger.
e) Ich habe nie behauptet das Lajen Sublavione ist. Säben/Klausen war es früher einmal auch hauptsächlich aus der Sicht der Sprachwissenschaft. Derzeit offiziell Kollmann und Waidbruck hauptsächlich archäologisch indiziert, wegen kleiner Zivilsiedlung und nur passend, wenn an den PQ-Parameterschrauben gedreht wird. Gemäß Primärquellen sind das alles falsche Zuordnungen. Von der korrekten Endidae-Station aus die orig. 24 m.p. und vom korrekten Pons Drusi (Sigmundskron) die orig. 13 m.p. enden gemeinsam im Zielbereich von Sublavione.
 
...weil der ursprünglich ausgewählte Ort nicht genau auf der Luftlinie Mailand-Stettin lag.

Nach 8 Seiten "Diskussion" zeigt sich nun immer klarer, dass der Threaderöffner, bei all seiner Ignoranz der Sprachwissenschaft, der Archäologie, der Klimaforschung und anderer Disziplinen letztlich auch nur mit dem Geo-Dreieck zu Hause vor dem Diercke-Atlas sitzt und meint, er habe die Weltformel, diesmal zur Erklärung römischen Straßenbaus, gefunden.
Leider ist das Ganze nicht neu. Wir wissen längst, dass die Entfernung zweier beliebiger Punkte in der Römischen Welt immer 42 ist.
Man muss nur jeweils noch die Einheit dazu finden. Und natürlich in Leugen umrechnen.
 
Die Frage habe ich doch nun schon zu über 70 % beantwortet. Jetzt brauchst Du nur noch etwas technisch differenzierter an die Streckenmessung herangehen. Ich empfehle dabei auch gewisse städtische Bezirksgrenzen zu berücksichtigen. Wofür ich 15 Minuten benötigte, beansprucht die Behörde (und Leute wie Stradivari ;)) jetzt schon seit über ein Jahrhundert und kann wohl nur durch den Heiligen Geist überwunden werden. Der scheint den meisten in der zu über 80 % ineffizienten Schul-"Er---ziehung" bzw. "Unter-richtung" ausgetrieben zu werden.:oops:
Ja, zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich in den letzten hundert Jahren leider keine einzige "technisch differenzierte[]" Streckenmessung antiker Straßen unter Berücksichtigung "städtische[r] Bezirksgrenzen" durchgeführt habe. Vielleicht gelingt es mir ja im nächsten Jahrhundert, wenn ich Dein Werk aufmerksam gelesen habe, sobald es erschienen ist?

Meine ehemalige Schule möchte ich dafür aber nicht verantwortlich machen. Dort wurde ich nie davon abgehalten, mich zum römischen Vermessungstechniker ausbilden zu lassen oder dem Heiligen Geist Raum zu geben.
 
Ich komme mit dem BayernAtlas (ohne KI), wo eine Römerstraße bis ungefähr Marktoberdorf eingetragen ist auf 50-51 km, das sind rund 34 m.p.
Von wo nach wo? Könntest Du einfach mal Deine Messung verlinken, damit man das nachvollziehen kann?


Ich messe allerdings nicht ganz bis zur zivilen Stadtgrenze hin, was ich auch im Falle Augsburg nicht mache – aus oben bereits erklärten historisch-archäologisch Befunden.

Welche archäologischen Befunde belegen eine Meilen- oder Leugenzählung weit außerhalb der Stadt?

Konkrete Befunde, die gegen Deine fiktiven Messpunkte sprechen, wären beispielsweise:
- Die Meilenzählung der Via Appia begann an einem der Stadttore der Servianischen Mauer, der Porta Capena.
- Die Leugenzählung der Via Agrippa in Köln begann, dem ersten Leugenstein nach zu schließen, sogar direkt im Stadtzentrum: Leugenstein in Köln - Via Belgica


Für Augsburg ist das bewiesen
Was ist wodurch genau bewiesen?


Noch Venantius Fortunatus erwähnt bei seiner Wallfahrt über die Alpen nach Tours im 6. Jh. bei St. Afra einen bajoarischen Straßenwärterposten (bzw. eine Straßenstation),

Er erwähnt weder einen Straßenwärterposten noch eine Straßenstation. Er erwähnt nur den Baioarius. Der konnte wahrscheinlich die Straße blockieren, wo immer er wollte.


Ein weiser Schritt vom Sprachwissenschaftler sich da erst mal raus zu halten und sich eventuell dann einzuschalten, wenn die Sache historisch-topographisch, technisch-analytisch abgeklärt ist.
Der Sprachwissenschaftler "hält sich nicht raus", sondern macht das, was seine Aufgabe ist: Er vergleicht verschiedene Namenformen und stellt anhand der belegbaren Regelmäßigkeiten fest, ob es sich um verschiedene lautliche Ausprägungen desselben Namens handeln kann oder eben nicht.

Er kann also darüber Auskunft geben, dass es sich beim historisch belegten Legian und dem modernen Lajen um ein und denselben Namen handelt, der sich über die Jahrhunderte gewandelt hat, dass hingegen (Sub)-Labione und Legian zwei verschiedene Namen sind.
Und ebenso kann er darüber Auskunft geben, dass es sich bei Abodiacum und Epfach um ein und denselben Namen handelt, dass hingegen Vetonina und Veldidena zwei verschiedene Namen sind.


Du bist in der sprachtheoretischen Deutung befangen, ich übersetze/beschreibe diese in historische Entwicklungen: Hier trafen sich Leute, Einheiten die unterschiedliche vulgär-lateinische, kelto-römische etc. Dialekte benutzten.

Der Sprachwissenschaftler ist sicherlich nicht "befangen", wenn er das macht, was seine Aufgabe ist. Und wenn ich hier die Ergebnisse der Sprachwissenschaft referiere, bin ich auch nicht "befangen", nur weil ich mich halt ein kleines wenig mit der romanischen und germanischen Sprachentwicklung beschäftigt habe, insbesondere damit, welche sprachlichen Belege es für die Kontaktzonen im Verlauf der Geschichte gab. Die sprachlichen Entwicklungen, denen die Varianten Abudiacum>Abodiaco/Avodiaco/Abuzaco zugrundeliegen, sind alle belegbar (Belege wurden genannt) und lassen sogar Regelmäßigkeiten erkennen. Dazu braucht man keine Fabeleien über unbekannte Ethnien und ihre Phantomdialekte (mit derlei Quark könnte man man dann auch versuchen, die Identität von Laien und Sublabione zu "beweisen"). Solche Fabeleien braucht nur, wer eine sachliche Auseinandersetzung mit den reichlich vorhandenen sprachlichen Belegen scheut. Insofern gilt auch für mich: Thema abgeschlossen.
 
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