Vergleich Zollverein/EWG

Dieses Thema im Forum "Wirtschaftsgeschichte" wurde erstellt von Shiradino, 26. April 2011.

  1. Shiradino

    Shiradino Neues Mitglied

    Hallo,

    ich habe mich grade hier angemeldet (kann trotzdem unter "Schulprojekte" kein neues Thema machen?) da ich eine kleine Hilfe bei einer Präsentation fürs Abitur bräuchte...

    Keine inhaltliche Hilfe! Ich habe nur Probleme, die Aufgabenstellung zu verstehen :rotwerd: Mein Lehrer hat mich echt auf dem falschen Fuß erwischt - Wirtschaftsgeschichte ist absolut nicht meine Stärke!

    Meine Aufgabenstellung lautet:
    "Der Deutsche Zollverein und die Europäische Wirtschafts-Gemeinschaft - wirtschaftliche Vereinigungen als Keimzellen neuer Staatlichkeit?"

    Ich habe im Moment noch keine Ahnung, was ich damit anfangen soll...
    Als Stichwort fiel "Überwindung nationaler Staatlichkeit" - Aber was ist damit gemeint??

    Auch den Ausdruck "Keimzelle neuer Staatlichkeit" verstehe ich nicht so recht...

    Wäre echt toll, wenn mir jemand den Einstieg in das Thema "für Doofe" erklären könnte. Bin für jeden kleinen Schubs in die richtige Richtung dankbar.

    Grüße

    Laura, die vom Thema ziemlich überrumpelt ist...
     
  2. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Es geht einfach darum, dass wirtschaftliche Zusammenschlüsse von Staaten manchmal der erste Schritt zu einem folgenden politischen Zusammenschluss sind, im Extremfall zu einem neuen Staat. Also: Zuerst schließen sich ein paar Staaten (eingeschränkt) wirtschaftlich zusammen, indem sie z. B. eine Zollunion gründen, später werden dann eventuell noch weitere Bereiche vereinheitlicht, eventuell auch Kompetenzen von den Regierungen der Einzelstaaten an gemeinsame Organe übertragen. Am Ende kann dann eventuell die völlige Vereinigung zu einem neuen Staat stehen.
    Auf die Gründung des deutschen Nationalstaates trifft das aber nur sehr eingeschränkt zu: Letztlich entstand das Deutsche Reich nicht durch einen freiwilligen Zusammenschluss der Mitglieder des Zollvereins, sondern wurde von Preußen mit mehr oder weniger deutlichem Druck durchgesetzt, wobei als Zwischenschritt der Norddeutsche Bund gegründet wurde. Über die Details kannst Du bestimmt selbst etwas finden.
    Die EU hingegen entstand aus drei wirtschaftlichen Zusammenschlüssen (EGKS, EWG, EAG), wobei die Zusammenarbeit über zahlreiche Zwischenschritte immer mehr vertieft und ausgebaut wurde, bis zur Gründung der EU, die seither auch mehrmals ausgebaut wurde. Auch da kannst Du die Details sicher leicht selbst recherchieren.
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. April 2011
  3. Shiradino

    Shiradino Neues Mitglied

    Danke schonmal für die Antwort - jetzt bin ich einen ganzen Schritt weiter :)
    Also mit nationaler Staatlichkeit ist der Aufbau eines Nationalstaats gemeint, so wie ich das jetzt verstanden habe. Darüber lässt sich ja leicht nachlesen...

    Ich soll, laut Aufgabe, die Entwicklung der beiden Wirtschaftsvereinigungen im Hinblick auf die Überwindung nationaler Staatlichkeit untersuchen (Ausgangssituationen politisch / wirtschaftlich, Aussenpolitik sowie wirtschaftl. Entwicklung), da danke ich für den Denkanstoß mit dem Norddeutschen Bund :)
     
  4. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Moment Ravenik, in der Themenstellung steht ein "?", die Thematik soll also anhand der Beispiele Zollverein und EU erörtert und nicht nur beantwortet werden, also These - Antithese- Synthese.
     
  5. Klaus P.

    Klaus P. Aktives Mitglied

    Als weiteren Denkanstoß möchte ich dich darauf aufmerksam machen, dass der Deutsche Zollverein zwischen verschiedenen deutschen Staaten auf dem Gebiet des "Deutschen Bundes" gebildet wurde.
    Bevor es dann 1871 zur Reichseinigung durch massiven Druck Preußens kam, gab es ja noch den deutschen Vormärz und die 48er Revolution, in denen - wenn auch nicht erfolgreich - ganz andere Vorstellungen von deutscher nationalstaatlicher Einheit verfochten wurden als 1871.
     
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  6. jschmidt

    jschmidt Aktives Mitglied

    Am Rande gefragt: Die "preußischen Ostgebiete" lagen - vgl. http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/d/d2/ZollvereinBIG_1834.png - außerhalb der Grenzen des Deutsches Bundes. Gehörten diese Gebiete trotzdem zum Zollverein?
     
  7. Klaus P.

    Klaus P. Aktives Mitglied

  8. Shiradino

    Shiradino Neues Mitglied

    Zwei kleine Verständnisfragen hätte ich noch an euch, bevor ich meine Präsentation morgen halte...

    1) Kann der deutsche Zollverein als "Wegweiser" bzw als hinführung zum deutschen kaiserreich angesehen werden? Da wäre ja dann die "neue Staatlichkeit" absolut sichtbar!

    2) Kann man die deutsche Teilstaaten, die sich letztlich zum Zollverein zusammenschließen, als "kleine Nationalstaaten" ansehen? Laut -MEINER- Definition ist ein Nationalstaat ja eine Zusammenführung von Nation (Historisch begründete Bevölkerungsgruppe, mit dem Willen des Zusammenlebens) udn souveränem Staat. Beides sehe ich bei den Splitterstaaten, aber stimmt das so...?

    3) Wenn bei beiden Fragen die Antwort JA lautet - führt dann nich der Zollverein von vielen kleinen Nationalstaaten zu einem großen Nationalstaat? Dann wäre die "Überwindung" ja nicht wirklich gegeben...!?
     
  9. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied

    Ich wuerde es verneinen wollen, weil ich mich mit einer bayrischen, preussischen, hessischen "Nation" doch schwer tue. Und gucke ich mir z.B. an, wie z.B. Hessen seinerzeit zersplittert war, kann ich nicht einmal sagen, dass diese "Nation" vereinigt war.
    Die Grenzen zwischen den deutschen Teilstaaten haben sich oft verændert, Teilstaaten sind geschaffen worden und wieder verschwunden, und sie sind keine Trennung zwischen "Nationen" oder Volksgruppen. Entschieden haben ueber diese Grenzziehungen und Gebietswechsel stets die regierenden Fuersten/Kønige, nicht die Bevølkerung.
    Ein Streben nach einem vereinten Hessen in der Bevølkerung ist mir nicht bekannt, wohl aber des Streben nach der deutschen Nation.

    Gruss, muheijo
     
  10. Shiradino

    Shiradino Neues Mitglied

    ...dann stellt sich mir nur die Frage, ob hier überhaupt eine ÜBERWINDUNG nationaler Staatlichkeit vorliegt, wenn es garkeinen Nationalstaat gab...? Eigentlich ist es doch dann umgekehrt, dass der Zollverein zum Nationalstaat HINFÜHRT (Zollverein -> Norddeutscher Bund -> Kaiserreich), besonders auch weil das Volk ja auch für eine große Vereinigung war.

    Ich glaube, ich hab irgendwo einen großen Denkfehler...
     
  11. Klaus P.

    Klaus P. Aktives Mitglied

    Zu 1. Der Zollverein war ein wirtschaftlicher Zusammenschluss und stärkte vor allem das liberale Bürgertum, die sicher auch an einem einheitlichen Nationalstaat interessiert waren. Der Z. beinhaltete aber m. W. keinerlei allgemeinpolitischen Regelungen - weder innen- noch außenpolitisch.
    Die politischen Ambitionen des liberalen Bürgertums waren eher auf parlamentarische Staatsformen orientiert, also nicht auf ein Kaiserreich.
    Der (die) Zollverein(e) schuf allerdings m. E. Bedingungen für einen Zusammenschluss (s. Frage 3) zu einem deutschen Einheitsstaat und die "Überwindung von Kleinstaaterei". Über dessen Form und Inhalt gab es aber bekanntlich sehr unterschiedliche Vorstellungen.

    2. Das ist schwierig zu sagen, weil es nach dem Selbstverständnis des einen oder anderen Staates schon eine staatliche Souveränität gab.
    Die Mitglieder des Zollvereins waren (weitestgehend) staatsrechtlich Teile des Deutschen Bundes, vor 1806 Teile des Heiligen Römischen Reiches, keine Nationalstaaten, aber eben relativ selbstständige Mitglieder dieses Staatenbundes - s. Bundesakte des Deutschen Bundes.
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. Mai 2011
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