Verhältnis Staufer - Papst

Dieses Thema im Forum "Das Papsttum" wurde erstellt von Gast, 16. Januar 2006.

  1. Gast

    Gast Gast

    Hallo,
    mich interessiert das Verhältnis der Staufer zum Papst im Allgemeinen, bin jedoch weder im Internet noch in Büchern fündig geworden. Ich wäre euch sehr dankbar wenn ihr ein paar nützliche Links habt oder mir einfach mitteilen könnt was ihr wisst.
    Danke und mit freundlichen Grüßen
    Michael
     
  2. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Hallo Michael, ganz verkürzt gesagt:

    Generell sind solche Beziehungen im Mittelalter sehr wechselhaft.
    In der Regel war das Verhältnis zwischen Staufern und Papst nicht sehr gut.
    Das hing, so denke ich, vor allem mit der Italienpolitik der Staufer zusammen, die quasi Ansprüche auf den ganzen Stiefel und Sizilien erhoben und dieses Ziel 1194 schließlich auch erreichten. Aber bereits Barbarossa war erbitterter Gegner der amtierenden Päpste, versuchte mehr als einmal, Gegenkandidaten durchzubringen. Erst nach der Niederlage von Legnano der Deutschen kam es zu einer Entspannung, die ihren Höhepunkt in Barbarossas Teilnahme am 3. Kreuzzug fand (auf dem er starb).
    Kaiser Friedrich II. kämpfte praktisch sein Leben lang gegen die Päpste und wurde zweimal (1227 + 1232) gebannt, also aus der Kirche ausgestoßen.
    Für Vertiefung ließ dir am besten mal die Biografien von Barbarossa und Friedrich II. auf Wikipedia durch und ebenso die Biografien der in diesen Artikeln erwähnten Päpste. Für das Verständnis der damaligen Politik kann ich noch das allerdings etwas trockene Buch von Odilo Engels, "Die Staufer" , nenen.
     
  3. Seldschuk

    Seldschuk Aktives Mitglied

    Der Gegensatz Staufer-Welfen oder Guelfen, d.h. päpstliche ist hinlänglich bekannt. Die Welfen auf seiten des Papstes und die staufischen Anhänger waren die kaiserlichen!
    Das erklärt auch warum immer wieder ein Gegenkandidat aufgestellt wurde und die staufischen Könige und Kaiser nicht anerkannt wurden. Das hängt aber nicht nur mit dem Papst zusammen, sondern auch mit der Adelsopposition, die mehr Rechte für sich in Anspruch nehmen wollten. :winke:
     
  4. Speaker

    Speaker Aktives Mitglied

  5. Triere

    Triere Mitglied

    Ein recht gutes Buch, in dem man was zum Thema des wechselvollen Verhaltens finden kann ist "Die Ketzerpolitik der deutschen Kaiser und Könige in den Jahren 1152 - 1254" von Hermann Köhler. Hier betrachtet der Autor die Ketzerpolitik der Stauferherrscher und den anderen ihrer Zeit anhand des jeweils aktuellen Verhältnisses zur Kirche. Hier sieht man schön das schwankende.
    Vielleicht findet sich das ja in einer Unibibliothek.
     
  6. Triere

    Triere Mitglied

    Das ist so etwas zu vereinfacht, da zB Kaiser Friedrich II am Anfang nichts anderes war als seinerseits ein Gegenkandidat von Innozenz III zu Otto IV.
    Ebenso wie Konrad III der vom Papst (äh, Name beim Teufel) favorisierte Kandidat war, im Gegensatz zu Heinric dem Stolzen.
    Es kam weniger auf die Familie an, zumindest anfangs, sondern mehr auf die Macht und die dadurch erzeugte Gefahr für Rom. Zu einem Vernichtungskampf gegen die Staufer ganz speziell wurde es, weil sie sich durch Friedrich II als scheinbar zu mächtig und gefährlich erwiesen haben, aber speziell durch den Besitz Siziliens und den dadurch erzeugten Klammergriff um Rom und Umgebung.
     
  7. Gast

    Gast Gast

    Hallo,
    vielen Dank euch allen, hat leider etwas gedauert, deswegen habe ich mich auch nicht mehr gemeldet, aber dank wikipedia und euch bin ich jetzt einigermaßen im Bilde. Demnach beschränkt sich die Beziehung auch hauptsächlich auf Friedrich Barbarossa, Heinrich VI und vor allem Friedrich II. Nur eine Frage konnte ich nicht ganz klären. Wieso war der Papst für Kaiser so wichtig? Wikipedia sagt dass die Kaiser den Papst zur Krönung nicht benötigten, was ich zuerst dachte. Demnach war der Papst den Kaisern ja nur im Weg, weil sie Oberitalien und Sizilien erobern wollten/erobert hatten. Und in einem Punkt wurde ich auch nicht ganz fündig. hat Heinrich VI "nur" Sizilien und Oberitalien erobert oder ganz Italien? Wikipedia sagt ganz Italien, ich dachte aber es wäre nur Oberitalien und Sizilien. Und vielen Dank, wüsste sonst nicht wen ich fragen könnte, seid echt hilfsbereit und nett.
    Danke und mit vielen Grüßen
    Michael
     
  8. Seldschuk

    Seldschuk Aktives Mitglied

    Oberitalien + Königreich Sizilien = gesamt Italien!

    siehe dazu:
    http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6nigreich_beider_Sizilien

    Verinnerliche dir bitte die Karte. Das Königreich Sizilien ist unter den Normannen entstanden, unter Roger II. v. Sizilien.

    Zu dem Verhältniss Staufer-Papst:

    Kampf mit dem Papst: Gegensätzliche Auffassungen über das Verhältnis von Kaisertum und Papsttum (vgl. Investiturstreit) und die Angst vor einem Machtzuwachs des Kaisers in Italien führten zu einem neuen Kampf zwischen Kaiser und Papst, bei dem sich der Papst mit den lombardischen Städten verbündete.
    1177 kam es in Venedig zum Frieden. Der Kaiser musste Papst Alexander III. anerkennen. Vor der Markuskirche kniet Barbarossa vor dem Papst, dieser richtet den Kaiser wieder auf. Die beiden reichen sich die Hände und geben sich den Friedenskuss.
    http://www.wcurrlin.de/links/basiswissen/basiswissen_staufer.htm#bwitalienpolitik

    Ganz wichtig ist also, das der Kaiser eigentlich auch die geistliche Macht beanspruchte durch den Investiturstreit!​
     
  9. hyokkose

    hyokkose Gast

    Wo und in welchem Zusammenhang?
     
  10. Triere

    Triere Mitglied

    Daß der Papst zur Kaiserkrönung nicht benötigt wurde, wäre mir auch neu. Wer sollte ihn denn sonst zum Kaiser krönen?
    Auch sonst war das Verhältnis zum Papst wichtig, da der den Herrscher bannen und zumindest theoretisch absetzen konnte, wie er es bei Friedrich II getan hat. Das unangenehme daran - von geistigen Problemen mal abgesehen - war, daß damit gleichzeitig alle Untertanen automatisch der Treue zum gebannten Herrscher entbunden waren.

    Zu Heinrich VI und dem Königreich Sizilien, stimmt schon, daß er es erst mal erobern mußte, strenggenommen gehörte es ihm über seine Frau Konstanze von Hauteville aber bereits. Nur, daß die Sizilier das wohl anders gesehen haben.
     
  11. Seldschuk

    Seldschuk Aktives Mitglied

    @Triere

    http://www.welt-jahrtausend.de/zl11.htm

    Hier wird allerdings geshrieben, dass die Krönung des Kaisers nicht zwingend durch den Papst erfolgen muss. Siehe anno domini 1338!

    Das ist ja der casus knaktus! Der König oder Kaiser braucht sich nicht mehr vom Papst krönen lassen. Er ist durch seinen Stand sowieso durch Gott bestätigt und braucht deswegen die Reichsinsignien nicht vom Papst erhalten.
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. Januar 2006
  12. Mark Mallokent

    Mark Mallokent Neues Mitglied

    Meines Erachtens immer noch am besten zu dem Thema ist Johannes Haller, Das Papsttum. Zwar etwas alt (50iger Jahre), aber sehr gut und anschaulich geschrieben, zudem mit einer enormen Quellenkenntnis. Bd. 3 und 4 wären für dich einschlägig.
     
  13. Enginger

    Enginger Neues Mitglied



    ...oder auch Krönung Lothars I 817 - kein römischer Anspruch - und die bedeutendste Fälschung der Weltgeschichte: Die konstantinische Schenkung
     
  14. hyokkose

    hyokkose Gast

    1338 kann man allerdings nicht mehr mit der Stauferzeit vergleichen. Der Papst saß in Avignon und traute sich nicht einmal mehr nach Rom.
     
  15. Triere

    Triere Mitglied

    Exakt. Wir reden ja von den Staufern, und die haben sich als Herrscher im 13. und 12. Jahrhundert bewegt. Ca. 100 Jahre (1220 wurde mit Friedrich II der letzte Staufer zum Kaiser gekrönt) sind vielleicht in der Geschichte ein Wimpernschlag, aber, wenn man darin lebt, eine verflucht lange Zeit. Vergleich mal 2006 mit 1906.
     
    Zuletzt bearbeitet: 23. Januar 2006
  16. Seldschuk

    Seldschuk Aktives Mitglied

    Recht habt ihr. Ich bin 100 Jahre zu weit. :hoch:
     

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