Wäre Büsingen im Falle eines Konfliktes von der Schweiz verteidigt worden?

Griffel

Mitglied
Ich habe mal eine Frage, zum Kalten Krieg. Durch verschiedene Verwicklungen besitzt Deutschland, ja eine Exklave in der Schweiz. Oder besser gesagt, sie ist von der Schweiz umgeben.
https://de.wikipedia.org/wiki/Büsingen_am_Hochrhein

Nun könnte man ja sagen, dass der Ort, im Falle eines Falles, "Glück" gehabt hätte.:rolleyes: Aber eigentlich, wäre es ja die Aufgabe der Bundeswehr gewesen, Büsingen zu "verteidigen", auch wenn die Gefahr eines sowjetischen Angriffes wahrscheinlich, nie bestand. Rechtlich, ist es ja Bundesgebiet. Aber wäre es in diesem Fall nicht besser gewesen, ein Abkommen mit der Schweiz zu schließen? Sofern, dass nicht die Neutralität verletzt hätte.

Man kann natürlich auch auf dem Standpunkt stehen, dass die Ortschaft bedeutungslos gewesen ist.
 
Die Büsinger haben doch mal abgestimmt, dass sie zur Schweiz wollen.
Warum hat man sie nicht gelassen!
 
Vor vor vierzig oder so Jahren bin ich oefter mit meinem Schwager durch die Enklave gefahren. Er kannte alle Beamten und hatte seinen Spass mit
ihnen. Damals hatte es noch Schlagbaeume gegeben, ich fand das so anachronistisch. Die enklave ist so klein, dass sie leicht in die Edmonto Mall passen wuerde.
 
Ach, was ist das herzig: Das kleine Büsingen ist für beide Länder, Deutschland und die Schweiz, eine Laus im Pelz.

Und kabarettistisch fast, als wär's ein Stück von Zuckmayer, ist die Seite "Kontakt" der Internetadresse der Gemeinde Büsingen:

[Mod an. Bitte keine Kontaktdaten ins Forum stellen. Link zur Kontakseite würde reichen Mod aus]

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Traurig die Liste der Toten beider Weltkriege, aus Büsingen:
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Ach, was ist das herzig: Das kleine Büsingen
Büsingen ist nicht nur herzig, sondern geradezu filmreif, vielleicht unter dem Titel "Babylon Büsingen".:)

Im von @ursi verlinkten Artikel auf der Webseite der Gemeinde Büsingen fielen mir zwei Sätze auf:
Ein britischer Unterhausabgeordneter machte nach dem 2. Weltkrieg den Vorschlag, die deutsche Exklave Büsingen der Schweiz anzugliedern. Dem setzte der schweizerische Bundesrat ein entschiedenes Nein entgegen.
und
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Büsingen durch ein französisches Truppenkontingent besetzt.

Was hat ein britischer Unterhausabgeordneter mit Büsingen am Hut und was der schweizerische Bundesrat mit dem britischen Unterhaus?
Wie gelangten die Franzosen nach Büsingen?

Im ersten Fall handelte es sich nicht um einen Vorschlag, sondern um eine Anfrage vom 4. April 1949 des Labour-Abgeordneten John Parker an das britische Außenministerium, ob dieses gedenke einen Beitritt Büsingens zur Schweiz bei den Friedensverhandlungen vorzuschlagen. Die Antwort des britischen Außenministeriums fiel denkbar kurz aus: "No".
Der schweizerische Bundesrat befasste sich mW nicht mit dieser Anfrage. Die schweizerische Presse schon.
Zu den Beweggründen für Parkers Anfrage liegen mir keine Erkenntnisse vor. Spekulieren ließe sich eine Verbindung zum damaligen Bürgermeister von Büsingen, der in einem Spiegel-Interview 1949 auch schon mal den Anschluss Büsingens an Großbritannien vorgeschlagen hatte.

Im zweiten Fall ist fraglich, ob allenfalls die schweizerische Neutralität nicht eingehalten wurde. Den 11 Franzosen* wurde im Mai 1945 wohl von den lokalen schweizerischen Grenzorganen, ohne Nachfrage bei übergeordneten Behörden, Durchlass nach Büsingen gewährt. Dort beschlagnahmten die Franzosen alle Radios, Waffen und Fotoapparate, verhafteten einen ehemaligen Nazi-Bürgermeister und kehrten abends nach Gailingen zurück, von wo aus sie zuerst tagsüber durch schweizerisches Territorium nach Büsingen pendelten, bis sie dann dort eine permanente Station errichteten.
Das Vorgehen wurde erst im November 45 durch ein französisch-schweizerisches Abkommen in einer "gebührenden Rechtsform verankert"**. Da gab es aber schon keine Franzosen mehr in Büsingen, denn die wurden im Oktober zurückbeordert, weil sie in Schmuggelgeschäfte involviert waren und sich deswegen, laut Zeitungsmeldungen, gewalttätig gegen Bewohner Büsingens gezeigt hatten.

* je nach Quelle auch 10.

** Zitat aus einem Schreiben von 1956 der Direktion der Eidgenössischen Militärverwaltung in:

 
Etwa 5,5km nördlich von Büsingen liegt die Ortschaft Büttenhardt, deren Ortsteil Verenahof als ehemalige badische Exklave von der Bundesrepublik 1967 per Staatsvertrag an die Schweiz übergeben wurde. Man beachte den Staatsvertrag, der mit detaillierten Karte ausgestattet ist: https://dipbt.bundestag.de/doc/btd/05/010/0501031.pdf

Ende April 1945 gelang einigen deutschen Soldaten die Flucht hierhin, wurden aber, da die Schweizer Polizei das Gebiet vertraglich kontrollierte, wieder von dort vertrieben.

D.h. hier hatte die Schweiz zumindest eine Polizeihoheit, die in Büsingen. so denke ich, nicht gegeben war. Eine potentielle Verteidigung dieses Gebietes wäre höchstwahrscheinlich durch die Schweiz erfolgt, vermutlich hätten aber mögliche Kontrahenten dieses kleine Gebiet noch nicht einmal wahrgenommen.
 
Wie war denn die Schweizer Grenze 1940 in Büsingen gesichert? Durften Büsinger überhaupt nach Schaffhausen zum Markt fahren und dort Rüben gegen Schoggi tauschen?
Gab es Grenzzaun, Wall und Graben, oder gar ein Reduit, wenn die Büsinger oder deren militärische Vertretung die Schweizer Nachbarn überfallen hätten?
Oder waren die Einwohner selber vielleicht dem deutschen Regime suspekt?

Wie gesagt, die Zahl der Toten beider Weltkriege auf den Gedenktafeln in der Kirche des kleinen Ortes ist erschreckend.
 
Wie war denn die Schweizer Grenze 1940 in Büsingen gesichert? Durften Büsinger überhaupt nach Schaffhausen zum Markt fahren und dort Rüben gegen Schoggi tauschen?
Gab es Grenzzaun, Wall und Graben, oder gar ein Reduit, wenn die Büsinger oder deren militärische Vertretung die Schweizer Nachbarn überfallen hätten?
Oder waren die Einwohner selber vielleicht dem deutschen Regime suspekt?

Wie gesagt, die Zahl der Toten beider Weltkriege auf den Gedenktafeln in der Kirche des kleinen Ortes ist erschreckend.. Vielleicht steht ihr was drin.
Vielleicht steht ihr was drin.
 
Falls nicht, dann vielleicht hier:

Darin beschreibt der ehemaligen Kreisarchivar von Konstanz die Nazi-Zeit in Büsingen.
Bemerkenswert die Bilder vom Besuch des Reichsstatthalters Wagner 1935 in Büsingen auf Seite 285 und die Bemerkung:
In keinem anderen Hegaudorf wurde ein Dorfsippenbuch zusammengestellt, nur in Büsingen.
Büsinger Soldaten auf Heimaturlaub mussten an der Grenze die Waffen und Mütze ablegen und beim Transit durch schweizerisches Gebiet einen Zivilmantel tragen.

Nur mit den von der NSdAP gestellten Bürgermeistern hatten sie kein Glück. Der erste wurde wegen Verfehlungen bald wieder abgesetzt, den zweiten fand man eines Tages erschossen im Rathaus und der dritte wurde 1943 wegen Spionagetätigkeit zusammen mit einem Gestapomann in Schaffhausen verhaftet, verurteilt und mit Landesverweis abgeschoben. Er führte dann seine Geschäfte von Gailingen aus.

Es war nicht immer nur Schoggi, was die Besucher aus Büsingen von Schaffhausen zurückbrachten.
 
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