Ach, was ist das herzig: Das kleine Büsingen
Büsingen ist nicht nur herzig, sondern geradezu filmreif, vielleicht unter dem Titel "Babylon Büsingen".
Im von
@ursi verlinkten Artikel auf der Webseite der Gemeinde Büsingen fielen mir zwei Sätze auf:
Ein britischer Unterhausabgeordneter machte nach dem 2. Weltkrieg den Vorschlag, die deutsche Exklave Büsingen der Schweiz anzugliedern. Dem setzte der schweizerische Bundesrat ein entschiedenes Nein entgegen.
und
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Büsingen durch ein französisches Truppenkontingent besetzt.
Was hat ein britischer Unterhausabgeordneter mit Büsingen am Hut und was der schweizerische Bundesrat mit dem britischen Unterhaus?
Wie gelangten die Franzosen nach Büsingen?
Im ersten Fall handelte es sich nicht um einen Vorschlag, sondern um eine Anfrage vom 4. April 1949 des Labour-Abgeordneten John Parker an das britische Außenministerium, ob dieses gedenke einen Beitritt Büsingens zur Schweiz bei den Friedensverhandlungen vorzuschlagen. Die Antwort des britischen Außenministeriums fiel denkbar kurz aus: "No".
SWITZERLAND (GERMAN TERRITORY) (Hansard, 4 April 1949)
api.parliament.uk
Der schweizerische Bundesrat befasste sich mW nicht mit dieser Anfrage. Die schweizerische Presse schon.
Zu den Beweggründen für Parkers Anfrage liegen mir keine Erkenntnisse vor. Spekulieren ließe sich eine Verbindung zum damaligen Bürgermeister von Büsingen, der in einem Spiegel-Interview 1949 auch schon mal den Anschluss Büsingens an Großbritannien vorgeschlagen hatte.
Im zweiten Fall ist fraglich, ob allenfalls die schweizerische Neutralität nicht eingehalten wurde. Den 11 Franzosen* wurde im Mai 1945 wohl von den lokalen schweizerischen Grenzorganen, ohne Nachfrage bei übergeordneten Behörden, Durchlass nach Büsingen gewährt. Dort beschlagnahmten die Franzosen alle Radios, Waffen und Fotoapparate, verhafteten einen ehemaligen Nazi-Bürgermeister und kehrten abends nach Gailingen zurück, von wo aus sie zuerst tagsüber durch schweizerisches Territorium nach Büsingen pendelten, bis sie dann dort eine permanente Station errichteten.
Das Vorgehen wurde erst im November 45 durch ein französisch-schweizerisches Abkommen in einer "gebührenden Rechtsform verankert"**. Da gab es aber schon keine Franzosen mehr in Büsingen, denn die wurden im Oktober zurückbeordert, weil sie in Schmuggelgeschäfte involviert waren und sich deswegen, laut Zeitungsmeldungen, gewalttätig gegen Bewohner Büsingens gezeigt hatten.
* je nach Quelle auch 10.
** Zitat aus einem Schreiben von 1956 der Direktion der Eidgenössischen Militärverwaltung in: