"Waffenmeister" im Mittelalter

Dieses Thema im Forum "Rittertum und Kreuzzüge" wurde erstellt von Clementina2020, 11. Oktober 2020.

  1. Hallo,

    ich habe mich gefragt, wie zu Zeiten des Mittelalters die Männer in einer Armee hießen, die Soldaten ausbildeten. Ich habe gegoogelt und herausgefunden, dass ein "Waffenmeister" sich eigentlich mit der Instandhaltung, d.h. dem Reparieren von Waffen beschäftigt, also nicht mit dem Ausbilden von Soldaten. Wisst ihr, ob es einen anderen speziellen Namen für den Mann gab, der Rekruten im Schwertkampf etc. ausbildete und sie das Kämpfen lehrte?

    Ich würde mich über Antworten freuen!

    Liebe Grüße,
    Clementina.
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Du müsstest deine Frage präzisieren. Das Mittelalter umfasst den Zeitraum vom Zusammenbruch des Weströmischen Reiches bis hin zum Buchdruck, Zusammenbruch des Oströmischen Reiches, Entdeckung Amerikas, und Reformation. Das sind 1000 Jahre. Stehende Heere wurden in dieser Zeit selten unterhalten. Im FrühMA wurden die freien Männer zu den Waffen gerufen und kamen zum Heerbann.
    Später gaben immer mehr Freie ihre Freiheit auf, um nicht mehr in den Krieg ziehen zu müssen, denn das war kostspielig und wurde ggf. mit dem Leben oder Verkrüppelung bezahlt.
    Daraus folgte dann der Aufstieg der Ministerialen (das waren ursprünglich Unfreie, die aber als Gutsverwalter über beträchtliche Geldmittel verfügten und schließlich den Ritterstand bildeten und somit in den Adel aufstiegen).
    Wie muss man sich nun die Ausbildung an Waffen vorstellen?
    Man muss davon ausgehen, dass im FMA die Kinder das Kriegshandwerk in der Familie lernten: den Umgang mit Waffen und ihre Reparatur, die Bildung eines Schildwalls etc. In der Schlacht stand man zwischen Onkel, Bruder, Vater, Cousin, d.h., wer floh, ließ nicht nur den König sondern auch die nächsten Verwandten im Stich: den eigenen Vater, den eigenen Sohn....
    Im HochMA wird die Ausbildung etwas besser gewesen sein, weil sich das Kriegshandwerk professionalisierte. Die Ministerialen mussten eben i.d.R. nicht, wie ein Freier Bauer 200 Jahre früher selber aufs Feld und hatten mehr Zeit, sich im Umgang mit Waffen zu üben, bzw. das war ihre Daseinsberechtigung, da sie als Feudalherren den Schutz der ihnen Untergebenen gewährleisten mussten.
    Auch hier dürften die Söhne zunächst von ihren Vätern gelernt haben. Im Alter von 7 oder 8 Jahren verließen diese Kinder dann das elterliche Gut, um bei einem befreundeten Ritter oder bei einem übergeordneten Adeligen zu leben, hier verrichteten sie Hilfsaufgaben, bei denen sie das militärische Handwerk erlernten, sie waren ihrem „Gastgeber“ dabei behilflich, die Abrüstung an- und abzulegen, reichten ihm seine Waffen und dergleichen. Learning by doing.
    Aber „Rekruten“ in dem Sinne gab es im europäischen MA nicht.
     
    flavius-sterius gefällt das.
  3. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    Im Spätmittelalter (und in der Renaissance) gab es "Fechtbücher", die eine gewisse Wissensübermittlung auch ohne pesönlichen Kontakt ermöglichten. Da nur sehr wenige Menschen lesen konnten, sind diese Bücher teilweise ikonografisch (comicmäßig). Weil Bücher aber ziemlich kostspielig waren, dürften nur verschwindend wenige dadurch die "Kampfkunst" erlernt haben.
     

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