Wagner- und Verdijahr 2013

ja, man kann Tomas Manns Meinung, dass der Tristantext über literarische Qualität verfüge, teilen oder nicht teilen

Dass Wagners Stabreime nicht unbedingt hohe literarische Kunst sind, dürfte unbestritten sein. Das tut seiner kompositorischen Kunst keinen Abbruch

weder die Qualität einer Bachschen Fuge noch die Qualität einer Oper hängen vom bloßen Geschmacksurteil ab

Es ging mir nicht um musikalische Qualität, sondern um die ganz persönliche Bevorzugung bestimmter musikalischer Richtungen. Der eine mag Opernmusik, der andere Heavy Metal. Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten.
 
Dass Wagners Stabreime nicht unbedingt hohe literarische Kunst sind, dürfte unbestritten sein. Das tut seiner kompositorischen Kunst keinen Abbruch
sagen wir so: es macht keinen großen Unterschied, ob man zittre und zage zäher Cetegus (Dahn, Kampf um Rom) oder als zullendes Kind zog ich dich auf (Wagner, Siegfried) liest, denn beides wirkt heute unfeiwillig komisch :) und was Wagners Ring betrifft, ist trotz der teilweise wunderlichen Sprache, die archaisch wirken will und dabei oft genug zum lachen anregt :), beides gut beobachtet: einerseits Fontanes Bonmot, dass dort überall die commissesten Gemeinheiten und niedersten Triebe herrschen, andererseits Shaws berühmte Deutung der Operngötter-Heldenwelt als quasi "kapitalistische Wirtschaft" --- übrigens bezog sich Thomas Manns Anerkennung auf den Tristan, weniger auf den Ring.
Und na klar: die Texte, mal halbwegs akzeptabel, oft unfreiwillig komisch, können der gekonnten Musik nicht schaden!

Es ging mir nicht um musikalische Qualität, sondern um die ganz persönliche Bevorzugung bestimmter musikalischer Richtungen. Der eine mag Opernmusik, der andere Heavy Metal. Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten.
war mir klar :) -- aber es kann nicht schaden, in der Diskussion der letzten Tage darauf hinzuweisen, dass die musikalische Qualität nicht von privaten Geschmäckern bestimmt wird
 
Und na klar: die Texte, mal halbwegs akzeptabel, oft unfreiwillig komisch, können der gekonnten Musik nicht schaden!

Marcel Reich-Ranicki hat sich in einem Interview zur literarischen Qualität von Wagners Texten geäußert. Er sagte:

Wären Richard Wagners Texte auch ohne Musik auf der Bühne aufführbar? Was halten Sie von ihrer literarischen Qualität?

Reich-Ranicki:
Erstens: Nein. Zweitens: Wozu sollte man es, um Himmels willen, denn eigentlich tun? Um die Zahl der guten deutschen Opern zu verkleinern und der schlechten deutschen Stücke zu vergrößern? Natürlich sind Wagners Operntexte von unterschiedlicher Qualität. Ich habe wenig Sympathie für das Libretto des „Lohengrin“, noch weniger für den „Siegfried“, vom „Parsifal“ ganz zu schweigen. Die Geschichte des Künstlers zwischen zwei Frauen (der „Tannhäuser“ also) hat mich dagegen immer interessiert.


Ich denke, so oder ähnlich kann man das sehen.
 
aber es kann nicht schaden, in der Diskussion der letzten Tage darauf hinzuweisen, dass die musikalische Qualität nicht von privaten Geschmäckern bestimmt wird
Ich finde aber, dass diese angeblich objektive Qualitätsdebatte oft ins Leere führt. Ein Fehlerkoefizient ist für mich immer gewesen, dass eine Musik daran gemessen wird, wie modern sie für ihre Zeit war und ob sie eine künftige Musik vorbereitet habe. Das scheint mir meines Erachtens heute überwunden. Man kann die Musik wie Dieter schon sagte, im Grunde wie die Dichtkunst nur aus ihrer Zeit heraus verstehen. Wenn ein fortschrittlicher Aspekt in der Musik eines Komponisten diesem zugute gehalten würde, inwiefern wird denn die damals aktuelle Musik überhaupt als Eigenwert geschätzt? Und was soll das überhaupt? Mal als Beispiel: Monsigny. Weil er zu den ersten Komponisten gehörte, die dann bspw. Beethoven als Vorbild dienten, soll deswegen seine Musik mehr wert gewesen sein, als die Rameaus, der zeitgleich komponierte? Und was ist dann mit einem Grétry, der sich mal den Spaß erlaubte wie in "Céphale et Procris" einfach mal im Stile alter Tragédie lyrique quasi die Aires und Ariettes wegfallen zu lassen? Na und! Um so genauer man hinschaut, so stärker relativieren sich doch in aller Regel die ehedem in Stein gehauenen Überzeugungen, dieser oder jener Komponist sei qualitativ enorm überlegen gewesen. Das passiert natürlich als erstes den Dirigenten, die sich mit den Partituren intensiv beschäftigen und ganz entscheidende Kriterien wie Originalität oder Esprit erkennen bzw. aufspüren.

Ich fände den Thread hier unterhaltsamer, wenn man vielleicht mal Verdi und Wagner mit anderen höchst erfolgreichen Bühnenkomponisten vergliche. Offenbach wäre so einer oder Sullivan (der Komponist von Gilbert und Sullivan ;) ).

Eine Qualitätsbestimmung läuft für den Außenstehenden am besten über einen Vergleich. (Und soviele Anglophile rennen hier ja nicht rum, dass man deswegen Angst haben müsste.=))
 
Weil hier auch die Rede von "Tristan und Isolde" ist ...<?xml:namespace prefix = o ns = "urn:schemas-microsoft-com:eek:ffice:eek:ffice" /><o:p></o:p>
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Vielleicht mal nicht ganz uninteressant, wie dieses Werk in der DDR bewertet wurde.<o:p></o:p>
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"In „Tristan und Isolde“ ist alles Ausnahme. Geistesgeschichtliches Phänomen, in seiner beschwörenden humanistischen Ausstrahlung nur mit Bachs Passionen, Händels Oratorien, Mozarts „Zauberflöte“, Beethovens „Neunter“ und Goethes „Faust“ vergleichbar.<o:p></o:p>
...<o:p></o:p>
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Ein Berufener wie Richard Strauss bezeichnete das Werk aus seinem Blickfeld als „allerletzte Conclusion von Schiller und Goethe und die höchste Erfüllung einer 2000jährigen Entwicklung des Theaters“; und Romain Rolland resümierte:<o:p></o:p>
„>Tristan< fährt fort, die höchsten Gipfel der Kunst seit Beethoven zu sein.“ <o:p></o:p>

Wohl ist die Tragödie der Liebe, die keine Grenzen will und darum in die Vereinigung im Tode einmündet, in ihrem Wesen pessimistisch; in der sie umgebenden Wirklichkeit kann die leidenschaftliche Liebe beider Menschen keine restlose Erfüllung finden.<o:p></o:p>
„Es war wohl zum Teil die ernste Stimmung, in welche mich Schopenhauer versetzt hatte und ich nun nach einem ekstatischen Ausdruck ihrer Grundzüge drängte, was die Konzeption eines „Tristan und Isolde“ eingab, hat Wagner bekannt.<o:p></o:p>
Aber: die nachtdunkle, irrationale Tristanwelt (Thomas Mann hieß sie in ihrem Außerordentlichkeitsanspruch kein Liebesdrama, sondern ein „Weltentstehungsdrama“) überwindet den Tod durch die Musik, die in ihrer sinnlichen leuchtenden Lebensfülle in entscheidenden Zügen der lebensverneinenden Philosophie Schopenhauers, die Wagner „wie ein Himmelsgeschenk“ vorkam, entgegengerichtet ist.<o:p></o:p>
Eine solche Erkenntnis scheint wichtig, um in der Hymne an die Nacht der Liebe, wo „Liebeswonne uns lacht“, mit ihrer Verwandtschaft mit Novalis, Schlegel, Brentano u.a. nicht nur den Hang zum Narkotischen und Egozentrischen zu sehen.<o:p></o:p>
In Wahrheit ist der „Tristan“ ein gewaltiges Zeugnis der Lebensbejahung, des Lebenswillens ...“.<o:p></o:p>
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Quelle: „Ein Opernführer von Ernst Krause“, Herausgeber: VEB Deutscher Verlag für Musik Leipzig“ 1985.<o:p></o:p>
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Ich habe diese Form des Zitates gewählt, weil, ich bin da ehrlich, so könnte ich es nicht ausdrücken, aber es entspricht meinen Wahrnehmungen, meiner Empfindung.<o:p></o:p>
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Nachtrag: Levi

@Dieter
...wer dirigierte die Uraufführung des Ring des Nibelungen von dem "infamen Antisemiten"? ...erraten: Hermann Levi ? Wikipedia
(es kann nicht schaden, diesen leider nur Wiki-Artikel zu lesen)

Ich bin gerade dabei, die frühen Seiten hier anzusehen. Soweit ich das überblicke, ist die Geschichte des Parsifal-Dirigats hier noch nicht vollständig erzählt worden:

Wagner sträubte sich dagegen, dass ein Ungetaufter seinen heiligen Parsifal dirigieren sollte. Erst als König Ludwig, der sich trotz seiner Wagnervernarrtheit und seiner sonstigen Macken noch einen Rest Vernunft bewahrt hatte, damit drohte, seine Hofkapelle nicht zur Verfügung zu stellen, knickte Wagner ein. Das ist also ein schlechtes Beispiel für Wagners Judenfreundschaft.

Gleichzeitig ist die Geschichte auch ein Beweis dafür, das Wagners Antisemitismus weit mehr als bloße Anpassung an die herrschende Denkweise war, sondern zu dieser teilweise sogar in Opposition stand. Die liberale Judenpolitik des jungen Reichs war Wagner geradezu ein Dorn im Auge. Während man hier die Gleichstellung verfolgte, versackte Wagner immer mehr in End-, Verzeihung! - Er-lösungs-, Untergangs- und Austreibungsfantasien.
 
Eine solche Geschichte würde mich auch interessieren. Schade nur, dass der "Tannhäuser" ein solches Stück nicht ist.

Wieso das?

Reich-Ranicki hat das gut gesehen. Die Story spielt immerhin zwischen zwei Polen: unserer christlich-keuschen thüringischen Landgräfin Elisabeth und der heidnisch-lüsternen Frau Venus. :D Daran entzündet sich der ganze innere Konflikt und auch das Schicksal unseres Helden Tannhäuser
 
Dass Wagners Stabreime nicht unbedingt hohe literarische Kunst sind, dürfte unbestritten sein. Das tut seiner kompositorischen Kunst keinen Abbruch

Das sagen Sie und sage ich auch. Aber die Meinungsführer im Wagnergespräch fahren und fuhren da einen völlig anderen Kurs, und da muss man, meine ich, einmal genauer hinsehen: Marcel Prawy, ein Opernpapst geradezu, bezeichnete Wagner als den "größten Dichter deutscher Zunge", Dieter Borchmeyer, der Wagnerbücher geradezu industriell herzustellen scheint, nennt den "Ring" ungeniert "große Poesie" und in Wagnerianerkreisen wird Wagner wie selbstverständlich mit Aischylos und Shakespeare auf eine Stufe gestellt - da kann man von "unbestritten" in Ihrem Sinn überhaupt nicht reden.

Die Trennung von Text und Musik ist außerdem bei Wagner höchst problematisch; die Musik ist bei ihm sozusagen die Haut des Textes, mehr als bei irgendeinem anderen Komponisten, und mit ihrer Hilfe sollen dem Zuschauer der Text und die fatale Botschaft darin wieder buchstäblich unter die Haut gehen. Wagner wollte missionieren, die Musik war ihm das Transportmittel, ja das Narkotikum dazu. Dass das noch heute wirkt, bezeugen Wagnerfans freiwillig, wenn sie von rauschartigen Zuständen sprechen, in die sie die Musik versetze, und unfreiwillig, wenn sie etwas von ihrer Weltsicht durchblicken lassen.
 
Marcel Prawy, ein Opernpapst geradezu, bezeichnete Wagner als den "größten Dichter deutscher Zunge", Dieter Borchmeyer, der Wagnerbücher geradezu industriell herzustellen scheint, nennt den "Ring" ungeniert "große Poesie" und in Wagnerianerkreisen wird Wagner wie selbstverständlich mit Aischylos und Shakespeare auf eine Stufe gestellt

Das ist ja nicht ernst zu nehmen. Es gibt eine Fülle anderer Stimmen, die Wagners Stabreime verspotten. Davon ganz abgesehen haben Wagners Textdichtungen eine ganz unterschiedliche Qualität. Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte, wenn man nicht extreme Positionen verfechten will. Immerhin ist Wagner bemüht, seinen Libretti einen geistigen Gehalt zu implantieren, und das verdient - wenn man andere Opern der Spätromantik betrachtet - Anerkennung.

Die Trennung von Text und Musik ist außerdem bei Wagner höchst problematisch;

Das wird ja auch kein vernünftiger Mensch tun.

Wagner wollte missionieren, die Musik war ihm das Transportmittel, ja das Narkotikum dazu. .

Was spricht dagegen, sich musikalisch narkotisieren zu lassen?

Davon abgesehen gibt es inzwischen auf allen deutschen Bühnen Produktionen, die die Wagneropern in alle Richtungen bürsten: Weltraum, Psychiatrie, Umweltchaos, Industriedynastie, Ölmagnaten usw. usw. Die Breite der Regieassoziationen ist immens und Wagners Aussagen meist nur ganz substanziell zu finden - wenn überhaupt.
 
Was spricht dagegen, sich musikalisch narkotisieren zu lassen?

Ist Musik das neue Opium?

Was nun die in den Raum gestellte Hypothese angeht, Wagner habe Musik dazu benutzt, seine Ideologie zu verbreiten, so möchte ich das in der vorliegenden Form, nämlich dass die Musik dabei nur ein Mittel zum Zweck gewesen sei, für abwegig halten. Wir haben hier keinen Vertreter einer Rechtsrockband des Zeitraums 1980 - 2013 vor uns.

Was Wagners Antisemitismus angeht, so hat dieser zweifelsohne Bestand gehabt.
Ist nun die Musik Wagners von seinem Antisemitismus nicht zu trennen? Ich denke nein. Die Bewertung der Musik Wagners ist nicht gleichzeitig die Bewertung der Person Richard Wagner. Das muss man trennen. Noten sind nicht antisemitisch. Die dazugehörigen Texte können es sein.

Was nun die Verwendung des Stabreims angeht: Die Verwendung des Stabreims ist in der germanischen Dichtung, so sie überliefert ist, etwas sehr typisches. Das Motiv zur Verwendung des Stabreims dürfte also bei einem germanentümelnden Wagner genau darin liegen: In dessen Germanentümelei.
 
Ist Musik das neue Opium?

Na klar! Ist preiswerter als eine traditionelle Linie.

Ist nun die Musik Wagners von seinem Antisemitismus nicht zu trennen? Ich denke nein. Die Bewertung der Musik Wagners ist nicht gleichzeitig die Bewertung der Person Richard Wagner. Das muss man trennen. Noten sind nicht antisemitisch. Die dazugehörigen Texte können es sein.

Wollte man die moralische Qualität eines Künstlers zum Messstab seines Werks machen, müssten wir mindestens die Hälfte unserer Dichter, Maler und Komponisten verbannen Wer fordert so was? Niemand.

Eine Ausnahme bilden z.B. die Israelis. Wagner darf wegen seiner antisemitischen Einstellung in Israel nicht gespielt werden. Wagner-Konzerte wurden in Israel bislang auf Druck von Holocaust-Überlebenden immer wieder abgesagt.

Was nun die Verwendung des Stabreims angeht: Die Verwendung des Stabreims ist in der germanischen Dichtung, so sie überliefert ist, etwas sehr typisches.

Ob nun typisch oder nicht: Wagner-Verse wie „Weia! Waga! Woge, du Welle, walle zur Wiege!" klingen heute komisch unfreiwillig lächerlich.
 
Wollte man die moralische Qualität eines Künstlers zum Messstab seines Werks machen, müssten wir mindestens die Hälfte unserer Dichter, Maler und Komponisten verbannen Wer fordert so was? Niemand.

Da muss man allerdings zwischen Musik auf der einen und der Dichtung sowie den bildenden Künsten auf der anderen Seite eine scharfe Trennlinie ziehen! Noten sind nicht antisemitisch oder rassistisch. Texte und Darstellungen können es sehr wohl sein. Da kann das handwerkliche Vermögen des Urhebers nicht alleiniges Qualitätsmerkmal sein.

Ob nun typisch oder nicht: Wagner-Verse wie „Weia! Waga! Woge, du Welle, walle zur Wiege!" klingen heute komisch unfreiwillig lächerlich.
Es ging keineswegs um eine Verteidigung auch schon im 19. Jahrhundert lächerlicher Verse, sondern um eine Erklärung dafür, warum Wagner den Stabreim wählte.
 
Da muss man allerdings zwischen Musik auf der einen und der Dichtung sowie den bildenden Künsten auf der anderen Seite eine scharfe Trennlinie ziehen!

Das betrifft durchaus auch viele Dichter, die weder rassistische noch antisemitische Texte schrieben. Es ging doch um die Qualität des Geschriebenen und Komponierten.

Es ging keineswegs um eine Verteidigung auch schon im 19. Jahrhundert lächerlicher Verse, sondern um eine Erklärung dafür, warum Wagner den Stabreim wählte.

Nun leben wir Opernfans mit diesen Stabreimen schon über 100 Jahre und werden auch die nächsten hundert noch durchhalten.
 
Eine Ausnahme bilden z.B. die Israelis. Wagner darf wegen seiner antisemitischen Einstellung in Israel nicht gespielt werden. Wagner-Konzerte wurden in Israel bislang auf Druck von Holocaust-Überlebenden immer wieder abgesagt.

Ich setze da auf Daniel Barenboim.<?xml:namespace prefix = o ns = "urn:schemas-microsoft-com:eek:ffice:eek:ffice" /><o:p></o:p>
Er hatte 2001 erstmalig anlässlich eines Konzertes in Israel als Zugabe etwas aus „Tristan“ gespielt. <o:p></o:p>
Weiterhin hoffe ich auf Erfolg der Wagner Gesellschaft unter Leitung von RA Jonathan Livny.<o:p></o:p>
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Hier mal etwas aktuelles aus dem Handelsblatt -> Klick.
 
@ElQ
zunächst einmal Danke für Deinen Beitrag, aus dem ich gleich zitiere, und für Deinen vorangegangenen Beitrag!

Da muss man allerdings zwischen Musik auf der einen und der Dichtung sowie den bildenden Künsten auf der anderen Seite eine scharfe Trennlinie ziehen! Noten sind nicht antisemitisch oder rassistisch.
rein theoretisch wäre absolute Musik mir antisemitischer Botschaft konstruierbar: dazu müssten eindeutig als jüdisch und eindeutig als arisch dechiffrierbare musikalische Floskeln verwendet werden und mit zielgerichteter Absicht kontrastiert werden, z.B. nach dem formalen Variantenmuster in Liszts Mephistowalzer (dort dominiert Thema B das Thema A in einer Kette von Doppelvariationen) -- aber ein solches denkbares Machwerk hat bislang kein ernstzunehmender Komponist verzapft.

Zwar hat man gelegentlich versucht, derartiges mit wirren Pseudoargumenten und mangelhafter Kenntnis musikalischer Mittel in Wagners und horribile dictu Mussorgskis Noten hineinzulegen, aber die Ergebnisse solcher Versuche sind gar zu dürftig. (das war vor ca. einem halben Jahr schon mal kurz in diesem Faden thematisiert)

Texte und Darstellungen können es sehr wohl sein. Da kann das handwerkliche Vermögen des Urhebers nicht alleiniges Qualitätsmerkmal sein.
möglicherweise ein Sonderfall sind die Texte von F.M. Dostojewski, deren literarische Qualität seit langem kein Geheimnis ist. Im Roman die Dämonen finden sich en passant antisemitische, antideutsche und antipolnische Passagen - hier allerdings aus dem Mund des personalen Erzählerchronisten, der zugleich beteiligte handelnde Figur ist und ansonsten in den Personenreden diverser Protagonisten. Das kann man dem Autor, der die personalen Erzählebenen arrangiert, quasi als Zeitkolorit und damit als realistisch durchgehen lassen. Komplizierter wird es im Roman die Brüder Karamazow, denn dieser enthält ebenfalls entsprechende Passagen, ist allerdings auktorial erzählt... Fakt ist, dass sich - wenn auch bzgl. der erzählten Ereignisse marginal - nebenbei, am Rande vereinzelte entsprechende Passagen in diesem Roman finden lassen - ich meine allerdings, dass sie nichts am Stellenwert der "Legende vom Großinquisitor" ändern.
...und dann das Tagebuch eines Schriftstellers von eben diesem Dostojewski, wo es geradezu wimmelt von rassistischen, sozusagen "russisch-völkisch-nationalen" Vorurteilen und Ressentiments... man mag kaum glauben, dass alles das (dieses erschreckend bescheuerte öffentliche Tagebuch, die großen Romane, die erschütternde Erzählung die Sanfte) von ein und demselben Autor stammen.

Es ging keineswegs um eine Verteidigung auch schon im 19. Jahrhundert lächerlicher Verse, sondern um eine Erklärung dafür, warum Wagner den Stabreim wählte.
ganz klar, dergleichen - egal mit welcher Absicht, sei es als archaisierend, sei es als deutschtümelnd - wirkt heute lächerlich und fand im 19. Jh. abenfalls genügend Spott (was schabst du Schello, schäbiger Schuft) :) - nicht grundlos hab ich zuvor Dahns und Wagners Stabreime auf z zitiert :rofl:
Fragt man in Sachen Deutschtümelei und (implizit?) völkisch-nationaler Ressentiments genauer nach, so ist beim Schriftsteller Dahn (Kampf um Rom) die Sache offensichtlich - der Librettist Wagner scheint da (beinahe schamhaft?) vorsichtiger zu Werke zu gehen: die Begriffe Germane, germanisch finden sich in keinem seiner Libretti, die Stabreime finden sich einzig in den Texten des "Ring des Nibelungen" - Holländer, Tannhäuser, Lohengrin, Tristan, Meistersinger und Parsifal sind frei von Stabreimen. Eindeutig patriotische Passagen finden sich im Lohengrin und in den Meistersingern (das kann man gegen den Verfasser lesen, das kann man auch einfach so, wie es dort ist, stehen lassen: Patriotismus muss nicht per se böse sein) -- die Deutschtümelei bei den Stabreimsachen im Ring, genauer gesagt, der Verdacht, es sei deutschtümelnd, muss von außen in den Text hineingebracht werden: klar wissen wir, dass Siegfried und Hagen Helden der germanischen Sagenwelt sind, dass Wotan und Walküren etc. dem rustikalen germanischen Pantheon entstammen, und selbstredend ist die Stabreimerei der überlieferten germanischen Heldendichtung bekannt. Und dann lesen wir eine verquere Commedia del´Arte voller lächerlicher Götter (das Rheingold ist komödiantisch!) als Anfang der Viertageoper... Ich erspare uns allen, den Fortgang der Ringgeschichte nachzuerzählen, weise nur darauf hin, dass die Handlung und ihre Figuren gar nicht zu nationalem Pathos taugen: Siegmund wird totgemacht, Siegfried ist ein ziemlich tumb-nassforscher Waldbauernbub, Brünhilde geriert sich als Zicke und Obergott Wotan ist eine Mixtur aus selbstbemitleidendem Looser und berechnendem Betrüger --- also diese Staffage als heroisch, gutdeutsch etc. sehen zu wollen, macht schon Mühe. Nimmt man dann noch die Brüche und Ungereimtheiten der Handlung hinzu, die Wagner bewußt waren, wird das nicht besser (herrlich: auf die Frage, warum der Siegfried denn nicht einfach mitsamt seinem Ring bei der Brünhilde bleibt (genau: da könnte das ganze einfach stoppen!) antwortete Wagner selbstironisch mit Blick auf den Bayernludwig "er muss sich erst ein paar Könige tributpflichtig machen" :):))
Deutschtümelei im Ring? möglicherweise -- bei Dahn allerdings mehr (wenn auch nicht beim Historiker Dahn!)

Ich hoffe, du betrachtest das hier nicht als Widerworte, sondern als Ergänzung.
 
Zuletzt bearbeitet:
Geschichtsfälschung

nein, auch wenn es Publiktionen wie die von Weiner gibt: eine stringente werkimmanente Beweisführung dafür, dass antisemitische Vorurteile zu den Grundlagen der wagnerschen Musikdramen zählen, gibt es nicht.
So, so. Dann lesen Sie doch einmal "Das Judenthum in der Musik" und vergleichen Sie damit die Beckmesser-Geschichte in den "Meistersingern".
Nützlich ist wäre es auch "Heldentum und Christentum" zu studieren (so mühsam das bei diesem Kraut-und-Rüben-Gewäsch auch sein mag) und den "Parsifal", Wagners "letzte Karte"(so meines Wissens der Meister selbst) parallellzulesen.

Als sich die Wiener Juden über die Judenkarikatur in der Meistersinger-Musik aufregten (die werden wohl ihre Musik auch ganz gut gekannt haben), da hat Wagner die karikierende Absicht keineswegs in Abrede gestellt, sondern sich nur darüber empört, dass jetzt die Juden auch schon darüber bestimmen wollten, was man in der Oper spielen dürfe.

Mahler, seiner Herkunft nach ebenfalls sachkundig in Judaicis, noch dazu ziemlich zeitnah an Wagner, erkannte in Mime ("Ring des Nibelungen") klar eine Judenkarikatur: ""Diese Gestalt (Mime) ist die leibhaftige, von Wagner gewollte Persiflage eines Juden (in allen Zügen, mit denen er sie ausstattete: der kleinlichen Gescheitheit, Habsucht und dem musikalisch wie textlich treffenden Jargon)."

Wagnerianer pflegen in diesen Dingen die blauäugig Ahnungslosen zu spielen, auch Leute, die es garantiert besser wissen. Die Häufigkeit und Durchgängigkeit dieser Scheinunwissenheit kann man nur mit gezielter Geschichtsfälschung erklären.
 
Warum bringen eigentlich einige immer gern den Wagner mit dem Dritten Reich in Verbindung?<?xml:namespace prefix = o ns = "urn:schemas-microsoft-com:eek:ffice:eek:ffice" /><o:p></o:p>
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Mit Kriegsbeginn war tagtäglich mehrmals der Liszt zu hören.<o:p></o:p>
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Norwegens Verhältnis zu Wagner scheint mir da etwas klarer zu sein.<o:p></o:p>
Kirsten Flagstad (1895 – 1962), erlebte also die Besatzungszeit, wird hoch verehrt.<o:p></o:p>
Der norwegische Staat verehrt sie u.a. auch auf den 100 Kronen Schein.<o:p></o:p>
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Was Dostojewski anbelangt...<o:p></o:p>
Der hat jetzt ein Denkmal in Dresden erhalten.<o:p></o:p>
Am 10.10.2006 wurde es u.a. eingeweiht von einem Landsmann der auch in Dresden, allerdings zu einer späteren Zeit, gewohnt und gearbeitet hat :). <o:p></o:p>
 
@ElQ
die Stabreime finden sich einzig in den Texten des "Ring des Nibelungen" - Holländer, Tannhäuser, Lohengrin, Tristan, Meistersinger und Parsifal sind frei von Stabreimen.
Verzeihung, das ist schon einigermaßen erheiternd: "einzig in den Texten des 'Ring des Nibelungen' - das bedeutet in vier von zehn in Bayreuth zugelassenen Opern oder in 16 von zirka 45 Opernstunden.
Außerdem würde ich korrekterweise von Alliteration als von Stabreim sprechen. Der Stabreim folgte nämlich angenehmerweise bestimmten Regeln, die Wagner unangenehmerweise ignoriert hat.
 
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