Waklplakat KPD 1924

Dieses Thema im Forum "Die Weimarer Republik" wurde erstellt von Strizzy, 20. Dezember 2020.

  1. Strizzy

    Strizzy Neues Mitglied

    Hallo zusammen,

    möglicherweise könnt ihr mir vielleicht mit einem politischen Plakat der KPD ("Prolet, wie lange noch? Wirf ab das Hakenjoch!") aus dem Jahr 1924 weiterhelfen..

    [​IMG]

    Meine Frage betrifft die abgebildeten Personen auf dem Hakenkreuz. Nach meinen Überlegungen/Recherchen könnten dies - ohne Anspruch auf Korrektheit - von links im Uhrzeigersinn sein:
    ?, General Hans von Seeckt, der Großindustrielle Hugo Stinnes und General Jean Marie Degoutte (Oberbefehlshaber der franz. Rheinarmee; verhandelt u.a. mit Stinnes im Kontext des MICUM-Abkommens), Wilhelm Marx (Zentrum); Mitte: Friedrich Ebert (SPD).

    Bei der ersten Person links bin ich mir völlig unsicher..Noske, Strasser, Ludendorff? Vielleicht hat ja von euch wer ne Idee?

    Danke schon mal für eure Hilfe, viele Grüße!
    strizzy
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Militärstiefel untenrum, zivil obenrum, Bürste unter der Nase? Ich würde auf Ludendorff tippen, allerdings der Gamsbart am Hut?
     
    flavius-sterius gefällt das.
  3. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    Vielleicht ist der Gamsbart am Hut von Ludendorff (?) eine Anspielung auf den gescheiterteten Münchner Putschversuch von 1923. Ritter von Kahr, zu Lerchenfeld auf Köfering und Schönberg, Ritter von Knilling oder Heinrich Held als Politiker der BVP (Gamsbart) passen rein optisch nicht so gut zu dieser Figur.
     
  4. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Wenn es schwer ist, bestimmte Persönlichkeiten zu identifizieren, liegt die Annahme nahe, dass eben keine bestimmten Persönlichkeiten gemeint sind. Auf dem Plakat sieht man "den Arbeiter" (auch keine bestimmte Persönlichkeit), "den Kleriker" usw.
     
  5. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Da durchaus einiges für von Seeckt, Stinnes und Ebert spricht, Wilhelm Marx zumindest denkbar ist (wenn auch etwas dick geraten), wäre es schon recht seltsam, wenn diese halb-militärische, halb-zivile Figur nicht eine konkrete Person meint. Der Arbeiter hingegen steht für die anonyme geknechtete Masse der Arbeiterschaft und gehört zu einer ganz anderen Bildebene.
     
    flavius-sterius gefällt das.
  6. Traklson

    Traklson Aktives Mitglied

    Wäre Gregor Strasser möglich, der kam doch aus Bayern?
     
  7. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    Ein Plakat.
    Das Wahlplakat der KPD zur Reichstagewahl in Mai oder Dezember 1924.

    Dieses Plakat stamm wohl wie ich lese aus dem Stadtarchiv Mannheim.
    Im Netz unter „Baden 1918 – 1945, Geschichtsportal des Projektes Lernort Kislau“.

    Jagd und Lustschloss Kislau - ein KZ von 1933 – 1939 und war dem badischen Innenministerium unterstellt. Dies Schloss befindet sich auf der Gemarkung Bad Mingolsheim.

    Die Personen des Plakates m.E.:

    * In der Mitte RK Friedrich Ebert,

    * Rechts oben Hugo Stinnes und Adolf aus Braunau/Inn würde ich meinen,

    * Links oben würde ich Hans von Seeckt meinen,

    * Rechts würde ich Gustav Stresemann meinen und

    * Links würde ich Heinrich Claß meinen.

    Mit diesem Plakat zur Reichstagswahl 1924 macht die KPD auf den entstehenden, sich formierenden Faschismus aufmerksam.
    Die Gegner der KPD wurden ja damals als „Geschmeiß“ und „reaktionäre Kräfte“ bezeichnet.
     
  8. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Nee, das ist schon ne französische Uniform, da ist Strizzys Identifikation mit Gral. Degoutte schon recht schlüssig.

    Stresemann hätte man nicht zum Verwechseln ähnlich mit einem kath. Kleriker gezeichnet. Wenn es eine reale Figur ist - und da es sich bei allen anderen um reale Figuren handelt, wäre es sehr seltsam, wenn es keine wäre, müsste man entweder unter dem kath. Klerus jener Zeit suchen oder beim Zentrum. Wilhelm Marx (siehe Strizzys Vorschlag) halte ich für physiognomisch zwar schwierig, aber noch denkbar.

    Wie kommst du denn auf den? Der war doch in der Realpolitik damals eher unbedeutend.
     
  9. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    Ich habe mich bei diesen Wahlplakat von 1924 an einem Wahlplakat der KPD selben Jahr orientiert.

    Wahlplakat der KPD
    Druckerei: Runge und Co.
    Reichenberg, 1924

    Dieses Plakat hat als Überschrift: „Hinab mit dem Geschmeiß! Wählt Kommunisten!"
    Und da tauchen diese Namen in der Erläuterung auf.
    Ich meine die KPD hatte damals so einige Feindbilder/ - namen und auf solchen Plakaten zur selben Sache werden die nicht immer mit neuen Namen hantiert haben.
    Und der Hugo steht auf dem Plakat mit dem Hakenkreuz.

    https://www.dhm.de/lemo/bestand/objekt/hinab-mit-dem-geschmeiss-1924.html
     
    Ugh Valencia gefällt das.
  10. Strizzy

    Strizzy Neues Mitglied

    Zunächst ganz herzlichen Dank euch für die vielen Vorschläge.. find die Beiträge allesamt höchst interessant.

    Den Vorschlag mit Heinrich Claß finde ich gar nicht abwegig. Auf dem recht bekannten "Hinab mit dem Geschmeiß"-Plakat aus dem selben Jahr hat man ihn ja tatsächlich auch mit drauf genommen (Gerade auf LeMO gesehen: LeMO Bestand ). Insofern taugt er wohl doch (immer noch) als lohnenswertes Feindbild. (ok, Ralf.M, warst schneller :) )

    Bei der Darstellungsweise Claß' lassen sich vllt. auch Paralleln finden:

    [​IMG]
     
    Ralf.M gefällt das.
  11. hatl

    hatl Premiummitglied

    ..... offensichtlich der gleiche Zeichner.
     
  12. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

    Auf dem Plakat "Hinab..." ist Stresemann unverkennbar in dem nach ihm benannten Anzug dargestellt.
    Der Kleriker ist mMn Ludwig Kaas, der sich 1928 im Kampf um den Zentrumsvorsitz gegen den Gewerkschafter Adam Stegerwald durchsetzte.
     
  13. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Kaas war natürlich tatsächlich Kleriker, aber doch eher schlank. Zudem eben erst 1928 Parteivorsitzender. Ihn bereits vier Jahre zuvor als das Gesicht seiner Partei präsentiert zu sehen, halte ich für anachronistisch.
     

Diese Seite empfehlen