Gabriel Zuchtriegel (
Vom Zauber des Untergangs. Was Pompei über uns erzählt, S. 90 ff.) gibt da eine interessante Antwort, die auch in manchen Beiträge von
@tela ,
@Gegenkaiser und anderen anklingt:
Keine Bekehrung, keine eingeschworene Kultgemeinde, keine Erlösung. Im Vergleich mit den Initiationskulten wie dem des Dionysus, aber auch mit dem Chrisentum, lässt sich das spirituelle Angebot der traditionellen Religionen Griechenlands und Roms auf diese Formel bringen. Wir haben es bei den alteingesessenen Gottheiten mit einem Defizit an Heilsversprechen zu tun, das sicher[lich] wesentlich zum Erfolg des 'neuen Gottes' - sei es nun Dionysus oder der christliche Gott - beigetragen hat. Menschen, die auf der Suche nach dem [...] persönlichen Glauben oder spirituellen Weg [waren] [...] wurden bei den traditionellen Religionen des Mittelmeerraums einfach nicht fündig.
[...]
An zahlreichen Beispielen, die zeigen, dass die traditionelle Religion den meisten Menschen der klassischen Zeit nur noch wenig sagte, sei hier ein besonders krasses zitiert: Die römischen Flamines. Das waren die Priester der wichtigsten Gottheiten des römischen Staates, insgesamt fünfzehn [...] drei flamines maiores und zwölf flamines minores. Doch geht man die Namen der Götter durch, denen sie dienten, stellt man fest: Kaum einer ist aus historischer Zeit näher bekannt! Die obesten Staatspriester Roms dienten Gottheiten, von denen man in den meisten Fällen wenig mehr als die Namen kennt. Von zwei der flamines minores ist sogar gänzlich unbekannt, welchen Göttern sie zugeordnet waren. Die drei großen Flamines dienten Jupiter, Mars und Quirinius [...] schwierig wird es bei den kleinen Flamines. Sie waren zuständig für die Kulte von Carmenta, Ceres, Falacer, Flora, Furrina, Palatua, Pomona, Portunus, Vulcan, Volturnus. Wer hier wenig Vertrautes findet: Keine Sorge, abgesehen von Ceres [...] und Vulcan [...] sind diese Namen auch gestandenen Altertumswissenschaftlern kaum geläufig.
[...]
Es handelt sich also um Gottheiten, die mit Natur, Landwirtschaft und dörflichem Leben verbunden waren. In Rom haben sich Spuren dieser urtümlichen Religion erhalten, weil das Dorf zur Welthauptstadt wurde. Ähnlich müssen wir uns die archaischen Kultre am Vesuvs um 600 v. Chr, vorstellen, nur dass hier viel weniger schriftliche Quellen überlebt haben.