Warum begann die Renaissance in Florenz?

Dieses Thema im Forum "Krisenzeiten und Renaissance (14. - 15. Jhd.)" wurde erstellt von brauchehilfe, 25. August 2009.

  1. brauchehilfe

    brauchehilfe Neues Mitglied

    Hi liebe Community,

    Bräuchte dringend ein paar Gründe warum die Renaissance ihren Anfang in Florenz hatte. Google hat mir da leider nicht wirklich weitergeholfen. :(

    Vielen Dank schonmal für eure Hilfe!!!

    mfg
     
  2. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Hallo,

    drei Gründe liefert schon mal Tante Wiki

    :winke:
     
  3. brauchehilfe

    brauchehilfe Neues Mitglied

    danke dir schonmal, hat denn zufällig noch jemand einen oder mehrere gründe?
     
  4. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Vielleicht wäre es leichter deine Frage zu beantworten, wenn du uns noch ein bisschen Zusatzfutter gibst. Wofür brauchst du denn die unterschiedlichen Gründe für die Entsheung der Renaissance? Schule? Persönliches Interesse?
     
  5. brauchehilfe

    brauchehilfe Neues Mitglied

    ich brauch die gründe für die schule(morgen) und konnte auch im lehrbuch nicht viel dazu finden

    und leider habe ich auch so nicht viel ahnung von geschichte...

    EDIT: ich will dann mal schlafen gehn damit ich für die schule topfit bin, ich schaue morgen früh nochmal hier vorbei und würde mich freuen, wenn jemand noch ein paar kleine gründe hier gepostet hat...danke
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. August 2009
  6. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Na da bist ja mächtig früh dran... (Welches arme Bundesland muss eigentlich jetzt schon wieder in die Schule?)

    Wieviel brauchst du denn?
     
  7. brauchehilfe

    brauchehilfe Neues Mitglied

    thüringen und das schon seit etwa 3 wochen glaube ich...

    natürlich so viel es geht, aba ich verlange nicht, dass hier jemand 10 punkte nennt ;)
     
  8. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Wie, glaubst du? Solltest du das nicht wissen :rofl:

    Ich hab jetzt mal für dich gegoogelt und doch einiges gefunden:

    Emergence of the Renaissance - Google-Suche

    Bliebe nur zu hoffen, dass es um dein Englisch besser bestellt ist, als um deine Geschichtskenntnisse.

    Auf jeden Fall viel Erfolg morgen. :winke:
     
  9. brauchehilfe

    brauchehilfe Neues Mitglied

    vielen dank,
    englisch geht schon und wenn nicht dann hilft halt ein wörterbuch weiter^^
     
  10. brauchehilfe

    brauchehilfe Neues Mitglied

    so ich brauch nix mehr dazu, kam zum glück nicht dran (hatte aber ein paar sachen^^)
     
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  11. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Das Geschichtsforum mal wieder als Hausaufgabenbeantwortungsmaschine!

    Zuerst selber suchen, dann fragen! :motz:
     
  12. Rovere

    Rovere Premiummitglied

    Naja, die Frage ist an und für sich nicht uninteressant und wäre einer vertiefenden Betrachtung und Diskussion durchaus wert. Ausserdem gibts eh viel zu wenig Renaissance- und Italien-Diskussionen hier!

    Aus meiner Sicht unterscheidet sich Florenz von anderen Kommunen durch seine große soziale Durchlässigkeit. Aufsteiger wie die Medici aber auch die Pazzi kommen innerhalb weniger Generationen an die Spitze der gesellschaftlichen Pyramide und vertreiben die alteingesessenen Familien wie die Albizzi. Anders als in Siena wo das ghibelinische Stadtpatriziat viel abgeschlossener war. Siena verharrt viel stärker in der mittelalterlichen Tradition und Donatella schreibt während eines Aufenthalts dort dass er es kaum erwarten kann wieder ins moderne Florenz zu kommen.
     
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  13. pelzer

    pelzer Aktives Mitglied

    Hoi Rovere

    Was du schreibst ist bestimmt richtig, erklärt aber nicht zwingend, weshalb aus „grosser sozialer Durchlässigkeit“ eine neue Architektur (oder Kultur) entsteht.

    Meiner Ansicht nach, gibt es noch einen anderen Grund. Nach dem Fall von Konstantinopel (und später Athen) flohen zahlreiche Intellektuelle nach Italien. Viele liessen sich in Rom, Bologna oder Florenz nieder. Diese geflüchteten Gelehrten nutzten in ihrer neuen Heimat die gewonnen geistigen (und religiösen) Freiheiten und versuchten eine neue humanistische Welt zu gestalten. Das Mittelalter und die Gotik wurden überwunden. Und in der Architektur wurde die Wiedergeburt der grichischen Antike gefeiert. Und so weiter...


    Gruss Pelzer


    .
     
  14. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Wenn man nach den Wurzeln der Renaissance fragt, so ist das so genannte Mediceische Zeitalter von größter Wichtigkeit, das eine Epoche hoher Blüte hervorbrachte. Im Gegensatz zur erobernden Politik des bisherigen Staats verfolgten die Medici eine friedliche Politik. Zwar waren sie auf Erhaltung der Hegemonie über die toskanischen Städte bedacht, vor allem aber pflegten sie Handel und Industrie, Kunst und Wissenschaft, um Florenz zum Mittelpunkt der italienischen Kultur zu machen. Das führte zu einem offeneren und liberaleren Klima als in einigen anderen oberitalienischen Kommunen, wobei Siena ein gutes Gegenbeispiel ist, das noch an der Spätgotik festhielt, als sich anderswo bereits die Bauten der Renaissance durchsetzten.

    So muss man also sagen, dass die Entstehung der Renaissance unter dem Mäzenat florentinischer Kaufleute erfolgte, den "Bankiers" der Könige von Europa und so entstand in der reichsten Handelsrepublik des Südens die Wiege dieses Kunststils. Den Medici und anderen fürstlichen Kaufleuten wie den Pitti, Rucellai und Strozzi ist es zu verdanken, dass die Renaissance sofort und uneingeschränkt in Florenz akzeptiert wurde, ehe die anderen italienischen Städte - vom Ausland gar nicht zu reden - auch nur ihre Bedeutung zu verstehen begannen.

    Allerdings sind es nicht nur diese Bedingungen, die der Renaissance zum Durchbruch verhalfen, denn in den flandrischen Städten herrschten z.B. ähnliche wirtschaftliche Bedingungen wie in Florenz. Es ist die soziologische Struktur, wie du völlig richtig gesagt hast, die zusammen mit den geografischen und nationalen Eigenschaften der Toskana und ihrer Bevölkerung eine Basis für die Entstehung der Renaissance bot.
     
  15. Rovere

    Rovere Premiummitglied

    Ich kann Dieter nur zustimmen - es ist der Wettstreit der reichen Familien der die kreative Explosion am Arno anheizte. Um im Florenz des beginnenden Quatrocento aufzufallen musste man Neues bringen - das beste Beispiel ist die Unterstützung Brunelleschis durch Giovanni di Bicci beim Dombau. Die Medici waren zwar schon in Florenz präsent, zählten aber zur zweien oder dritten Reihe. Durch die Protektion des (eigentlich bis heute) unglaublichen Kuppelprojekts spielten sie sich geschickt ins öffentliche Interesse - und beim berühmten Streit um die Paradiestür spielte er bereits eine wichtige Rolle als Schiedsrichter.
    Dieses sich gegenseite Anfeuern der Familien in der Produktion künstlerischens Schaffens fehlt in allen anderen Städten Italiens, von Resteuropa mal ganz zu schweigen.

    Den Fall Konstantinopels hingegen sollte man nicht überbewerten. Konstantinopel war längst ein Schatten seiner selbst, das geistige Leben weitgehend erloschen. Einen Wissenstransfer von Ost nach West würde ich 1439 beim Konzil in Florenz sehen, und der Übersiedlung Bessarions samt Bibliothek in Folge davon. Die Renaissance war da aber längst in Blüte.
     
  16. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Dieser Einschätzung kann man nur zustimmen. Besonders wenn man bedenkt, dass die erstarrte byzantinische Kunst geradezu der Gegenentwurf zur Renaissance ist, die den Körper naturgetreu abbildete, Raumtiefe und Zentralperspektive berücksichtigte und den Menschen ins Zentrum ihrer Kunst stellte.
     
  17. Caro1

    Caro1 Neues Mitglied

    Ein wichtiger Grund war sicher dass Italiens (Geld-)Adel in Florenz sass und es waren nicht wenige, wenn auch vermuten wird, dass viele zugewandert waren, was vielleicht erklärt warum sie sich durchaus auch als Gönner hervortaten und Architektur und Künste unterstützten, darin sogar wetteiferten Viertes Kapitel: Der Ursprung der berhmtesten italienischen Familien

    Interessanter ist für mich die Frage, warum eine Renaissance, also Wiedergeburt als Wiederbelebung antiker Ideale, gerade in Kunst und Architektur. Wurde damit die Sehnsucht nach der glorreichen Vergangenheit bedient, der "guten, alten Zeit"?
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. August 2009
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  18. Rovere

    Rovere Premiummitglied

    Caro, da muss ich dir widersprechen. Italien um 1400 war ein Land der vielen Zentren. Florenz war eine reiche Kommune, aber bei weitem nicht die führende Wirtschaftsmacht, das war Venedig. An Einwohnern wurde die Arno-Metropole von Neapel, Palermo, Venedig und Mailand (bei letzterem bin ich mir nicht 100% sicher) in den Schatten gestellt. Selbst in der Toskana war die Stadt nicht allein dominant. Siena war immer noch stark, Arezzo und Pisa wurden beide erst um 1400 unterworfen.

    Nur ein, zwei Generationen zuvor reisen die innovativen Künstler wie Giotto noch durch ganz Zentral- und Norditalien und werden vom reichen Adel und Patriziat zwischen Padua und Rom gesponsert. Um 1400 geht Florenz aber einen Sonderweg wie oben beschrieben: Liberales Klima, wirtschaftlicher Aufschwung und soziale Durchlässigkeit sind das ideale Biotop für die Entstehung einer neuen Zeit.

    Die Faszination an der Antike und die Beeinflussung der Kunst durch die in Italien omnipräsenten Hinterlassenschaften Roms sind hingegen keine Erfindung dieser Epoche. Allein in der Toskana gibt´s etliche "Protorenaissancen" - man denke nur an die antikisierende Fassade von San Miniato al Monte aus dem 12. Jhdt. oder die Reliefs der Pisanos (1250-1300) die antike Sarkophage nachahmen. Das Revolutionäre der Zeit ab 1400 ist das radikale Schaffen von Neuen, ja das selbstbewusste Übertreffen der Antike. Es ist daher kein Zufall dass der Begriff Renaissance bzw Rinascita für die Zeit ab 1400/20 erst von Giorgio Vasari um 1560 eingeführt wurde.
     
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  19. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Meine zwei Cent zu den Protorenaissancen, die ich damit allerdings nicht völlig in Abrede stellen will: Es gibt durchaus Kunsthistoriker, welche die Renaissance in Neapel als eng mit Alfonos I./V. el/il Magnánimo ('der Edelmütige') verbunden sehen. Dieser aragonesische König aus dem kastilischen Geschlecht der Trastámara eroberte das Königreich Neapel von den Anjou und setzte ein Bauprogramm in Bewegung. Unter seiner Herrschaft wird erst das antike Neapel, Heimat der Parthenope wieder entdeckt. Zwar war die Geschichte der Parthenope im MA nicht gänzlich vergessen gewesen, aber aus der Sirene wurde eine gestrandete arabische Prinzessin. Erst unter Alfonso, der im Übrigen viele Gelehrte an seinem Hof versammelte u.a. den späteren Papst Pius II., Enea Silvio Piccolomini, oder mit Gelehrten korrespondierte wurde der antike Mythos der Parthenope wieder richtig rezipiert. Um mit Enea Silvio Piccolomini dann auch wieder die Brücke zurück nach Florenz zu schlagen: dieser hatte u.a. in Siena und Florenz studiert.
     
  20. Rovere

    Rovere Premiummitglied

    Dass Alfonso I. die neapolitanische Renaissance begründete sei ausser Streit gestellt. Sein Triumphbogen am Castel Nuovo zählt zum Schönsten der Epoche. Aber auch dieser entstand erst nach 1450. Es ist ja faszinierend wir rasch sich der neue Stil verbreitete. Um 1420 legen die Florentiner los: Ospedale degli Innocenti und San Lorenzo sprechen eine vollkommen neue architektonische Sprache, Massacio malt in Santa Maria Novella unter Zuhilfenahme der eben erst erfundenen Zentralperspektive und Donatello arbeitet an Skulpturen in antiker Nacktheit. Der Rest Italiens verharrt hingegen in der Formensprache des Spätmittelalters.

    Doch nur 30 Jahre danach hat sich der neue Stil verbreitet und wird wie es das Beispiel Castel Nuovo in Neapel zeigt, ins Monumentale gesteigert. Doch erst die nächste Künstlergeneration um Bramante, Raffael und Michelangelo wird die Formensprache der Frührenaissance überwinden und die Hochrenaissance eröffnen. Die Bühne wird aber nicht mehr Florenz sein, sondern das Rom der Päpste.

    (Vor allem die della Rovere waren da nicht ganz unschuldig dran, hehehe)
     

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