Warum ließ Offa eine "arabische" Münze prägen?

Dieses Thema im Forum "Die angelsächsischen Reiche" wurde erstellt von El Quijote, 14. September 2011.

  1. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Nein, ich bilde Hypothesen und zwar nicht aus dem Nichts heraus, sondern auf den Fakten, dass wir
    a) eine Münze von Offa haben, die einen Dinar von 752 imitiert
    b) einen Dinar von 752 mit einem Gegenstempel von Offa haben
    c) wissen, dass Offa dem Papst Geld versprach und zwar einen "mancus"/Tag bzw. 365 mancusae/Jahr, also arabische Goldmünzen (manqūš) und
    d) wir wissen, dass Offa mindestens einmal selbst nach Rom gepilgert ist.

    Hypothesenbildung ist nicht nur erlaubt sondern auch notwendig. Ohne Annahme keine Fragestellung, ohne Fragestellung keine Forschung, ohne Forschung kein Ergebnis. Für zwei Hypothesen haben wir ausreichend Hinweise. Dass "wir" sie vermutlich nie werden beweisen können, damit müssen wir halt leben.
     
  2. Karakel

    Karakel Neues Mitglied

    Der Hr. Offa war, wie viele andere Europäer auch, ein Monotheist, und mit der Münze hat er das dem Papst klar gemacht.
     
  3. Traklson

    Traklson Aktives Mitglied

    Das halte ich für sehr weit hergeholt.

    Der Begriff "Monotheismus" stammt aus dem 17. Jahrhundert. Ich bezweifle dass zur Zeit Offas in diesen Kategorien gedacht wurde.

    Offa war Christ, was ein viel stärkeres Band zwischen ihm und dem Papst ist. Warum also eine arabische Münze prägen, statt einer "christlichen"? Warum auf eine fremde, statt auf die gemeinsame Religion verweisen?

    Und dass Offa Christ war, war dem Papst klar.
     
  4. Karakel

    Karakel Neues Mitglied

    Sie unterschätzen Offa sehr, ich glaube er hat mehr in seinem Kopf gehabt alls Sie denken. Er war wohl ein sehr mutiger und stolzer Mensch.
     
  5. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Nun stellt sich die Frage, warum ein christlicher Herrscher eine Münzprägung wählen sollte, auf der aufgrund Unkundigkeit des Arabischen eine deffektive aber im ursprünglichen Sinn - des abbasidischen Vorbilds - noch erkennbare Umschrift steht, um damit seinen Monotheismus zu erklären. Um seinen Monotheismus zu erklären, hätte er besser ein Kreuz in die Münze prägen lassen. Stattdessen hat er - gegenüber der arabischen Schrift im Zentrum der Münze auf den Kopf gestellt, was ein zweites Mal die Unkenntnis des Arabischen sowie des Inhalts der Münze demonstriert, OFFA REX in die Münze prägen lassen. Wie soll das dem Papst verdeutlichen, dass er Monotheist war (wovon der Papst eh ausgegangen wäre)?
     
    Carolus gefällt das.
  6. Karakel

    Karakel Neues Mitglied

    Was hat wohl der Papst gedacht als er die Münzen sah? Ich sehe diese Münze als ein Zeichen der Ablehnung gegenüber Papst und Institution der Kirche. Hier stellt sich die Frage, war das Christentum für ihn genug Monotheistisch.
    Btw christianisierung europas war zur damalige zeit grade am anfang.
     
  7. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Nee. Die Münze hier ist von jemadem geprägt worden, der vom Arabischen NULL Ahnung hatte. Es ist eine KOPIE einer abbasidischen Münze, die KEINERLEI Interesse für den abbasidischen Prägeherren in der Umschrift oder für den Auszug aus der šahāda (nämlich Muḥammadan rasūlu ʿllāhi) hatte. Sonst stünde die šahāda nicht auf dem Kopf und die Umschrift wäre leserlich ausgeführt.

    Die arabischen Nominalen sind die Leitwährung dieser Zeit (weil es in dieser Zeit in Europa kaum eine eigene Münzprägung gab) und Offa macht nichts weiter, als diese Leitwährung zu nehmen und prägt darauf seinen Namen: OFFA REX.

    Vergleichbar wäre es, wenn du dir heute als Staatenlenker einen 100 $-Schein nehmen würdest. Du erkennst den Wert des 100 $-Scheins an und kopierst ihn, ersetzt aber das Porträt von Benjamin Franklin durch das von Karakel. Damit würdest du nicht sagen wollen, dass Amerika toll ist, sondern dass das Geld vom Karakel-Staat dieselbe Deckung hat, wie US$. Offa unterstrich mit dem Kopieren des abbasidischen manqūš, dass seine Münze nicht nur vergoldet war, sondern genauso massiv, wie die arabischen Goldmünzen.

    Dies kann man auch der Tatsache entnehmen, dass Offa dem Papst jährlich 365 mancusae versprach. Das war ein arabischer Goldmünzen-Standard (manqūš). Das Problem der Europäer war nämlich, dass sie zum damaligen Zeitpunkt und mit der damaligen Technik kaum ausbeutbare Goldquellen hatten - selbst Spanien, das El Dorado der Römer, war damals vom Goldhandel aus der Subsahara abhängig. Die römischen Goldminen in Spanien sind z.T. im 19. Jhdt. wieder in Betrieb genommen worden, aber sind fast alle pleite gegangen. Sprich: Das Gold, was man noch fand, was die Römer 2000 Jahre zuvor übrig gelassen hatten, warf nicht genug Geld ab, um die Arbeitskosten zu decken.
     
    Sepiola und Carolus gefällt das.
  8. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Man könnte eher behaupten - ich tue das nicht, ich skizziere nur eine mögliche Interpretation -, dass die auf den Kopf gestellte šahāda die Ablehnung des Islam bedeutet hätte, so wie analog Satanisten das christliche Kreuz als ihr Erkennungsmal auf den Kopf stellen (und dabei übersehen, dass es auch christliche Märtyrer gibt, die (angeblich) kopfüber gekreuzigt wurden). Diese Interpretation - also dass Offa die šahāda absichtlich auf den Kopf stellte - ist natürlich Quatsch, aber dabei wesentlich näherliegender als deine Monotheismushypothese.
     

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