Reinecke
Aktives Mitglied
Die Wurfspeere, die Peltasten oder Velites einsetzten, waren schon sehr auf den Fernkampf optimiert, und taugten mE nicht vie im Nahkampf; war ja auch nicht die Aufgabe dieser Truppen. Aber es sagt mE zumindest: Auch wenn man auf Bögen verzichtet, braucht man spezialisierte Fernwaffen, oder sie sind wenigstens nützlich genug sie herzustellen; auch in Masse, denn wie gesagt trugen solche Plänkler oft ein ganzes Bündel.Der Speer ist Nahkampf- und Distanzwaffe zugleich.
Die Streitwagen der Ägypter und anderer Völker dieser Epoche waren va schnelle Plattformen für Bogenschützen, vergleichbar berittenen Bogenschützen. Ob es für Homers "Schlachtfeldtaxi" ein Grundlagen in der Realität gibt ist mWn fraglich.Ein Schwerbewaffneter der später im Orient auf dem Streitwagen mitfuhr und für den Nahkampf abstieg, war schon mit Schwert und Lanze und schwerer Rüstung gut bediehnt.
- der Trainingsaufwand für effektives Bogenschießen ist zeitaufwendiger als bspw. jener für den Speerkampf
Beide Punkte sind richtig.Die Wurfarme waren innen aus Holz , der Bauch (innen,da wo die Sehne ist) aus Horn.
Außen (vorne) wurden Sehnenbündel auf geleimt. Bis so ein Bogen fertig war dauerte es einige Monate
weil alles nacheinander geleimt werden konnte. Lange Trocknungszeit der Leimverbindungen.
Das konnte nicht jeder.
Kompositbögen sind hochkomplexe Angelenheiten, und auch für Eibenbögen uä (zumindest für die guten mit hoher Zugkraft) braucht man oft genau richtig gewachsene Bäume. Nach denen muss man entweder suchen (selten & so), oder man musste sie wie die Engländer mWn importieren oder gezielt anpflanzen. Beides sind größere Projekte und für einzelne oder kleine Gruppen kaum umsetzbar, und für größere Gruppen immer noch teuer und aufwendig.
Auch das mit dem Training ist nicht zu unterschätzen, korrekt. Die Römer besorgten sich ihre Bogenschützen va von dort, wo das Tradition hatte, von der man ohne großen eigenen Aufwand profitieren konnte. Die Engländer sind dann später im Mittelalter all in gegangen, aber das funktionierte auch nur, weil das Bogenschießen einen entsprechend hohen Stellenwert erhielt (vom Gesetz forciert...).
Vielleicht kann man wirklich sagen, dass man keine Massen an Bogenschützen bekommt, ohne dass das Bogenschießen eine gewisse Verankerung in der allgemeinen Kultur hat (abseits von Spezialisten wie "Leuten, die auf die Jagd gehen").
Bei solchen Erklärung bin ich hoch skeptisch. Wenn etwas einen echten Vorteil darstellt, wird es sich auch durchsetzen, zumindest wenn der Nachbar es nutzt... oder nutzen könnte... Und selbst der Verzicht auf Bögen hat Siegfried nicht vor dem Wurfspeer in den Rücken gerettet... Außerdem haben die Römer, Griechen und alle anderen ja Fernwaffen verwendet, nur eben keine (bzw nicht so viele) Bögen.
- kulturell bedingt konnte Fernkampf als weniger ehrenhaft erachtet werden (für Griechen u. Römer fassbar, vielleicht auch für andere Kulturen geltend)
Viel eher vermute ich hier den umgekehrten Effekt: Weil sich (aus welchen Gründen jetzt auch immer) die Mehrheit der Kämpfer und besonders die Elite sich vor allem im Nahkampf betätigte, bekam der Fernkampf einen schlechten Ruch. Denn das man als Krieger/Ritter/Legionär/Hoplit/whatever ein Problem damit hat, erst jahrelang seine Fechtkunst zu vervollkommnen, um dann von irgend einem Heckenschützen umgelegt zu werden, das glaub ich sofort...
Wie war das eigentlich bei den Persern, die ja laut Herodot va das Reiten, das Bogenschießen und das Die-Wahrheit-Sagen lernten, oder bei anderen entsprechenden Völkern? Jemanden von hinten zu erschießen, wenn der nicht damit rechnet, ist nirgendwo hoch angesehen. Aber sich in einer Schlacht einen Pfeil zu fangen, kann ja so unehrenhaft nicht gewesen sein, wenn man selbst einen Bogen in der Hand hat... Weiß man da was?