Warum wird Alexander der Große der "Große" genannt?

Dieses Thema im Forum "Antikes Griechenland" wurde erstellt von Backup, 18. März 2004.

  1. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Da Dir die Schlacht von Knidos nicht passt, wie wäre es damit: 391 wurde der spartanische Feldherr Thibron in Kleinasien vom persischen Satrapen Struthas vernichtend geschlagen, auch Thibron selbst kam um.
     
  2. inti

    inti Gesperrt

    Philipp II von Mazedonien gilt unter Experten unstreitig als der am meisten unterschätzte Feldherr der Antike. Er allein hat die makedonische Grossmacht erschaffen, er hat die zur damaligen Zeit weltbeste Armee, das unschlagbare makedonische Heer, respektive die unbesiegbare Phalanx, das effektive Offiziers-korps und den überragenden Generalsstab um Antipater, Attalos und den später auf Anweisung AdG ermordeten genialen Parmenion kreiert, und sogar persönlich den persischen Feldzug geplant und vorbereitet. Allein auf seinen Erfolgen beruhte der spätere Erfolf von AdG. Das hat auch General Kleitos ausgesprochen, wofür er von AdG ermordet wurde. Jeder am damaligen Hof wusste, dass er, mit Anfang 40, allein wegen seiner Heirat mit einer echten Mazedonin aus erstem Adel, der blutjungen Kleopatra, auf Veranlassung von einer seiner 7 oder 8 Ehefrauen, der abgehalfteterten, eifersüchtigen, irren und rachesüchtigen Psycho Migrantin aus Epirus, Olympias und ihrem Sohn Alexander, einem Halb-Makedonen, von P. heimtückisch von hinten ermordet wurde. Sie hat diesem feigen Meuchelmörder sogar noch Pferde bereit gestellt, und zur Flucht verholfen. Und das konnte nicht mal die spätere offiziellen Hof-Lügen-Propaganda-Presse des makedonischen Hofes um AdG ganz vertuschen.

    Gezeichnet hcirbor
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. Juni 2016
  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ganz schön viel Emotion für ein Ereignis, welches über 2300 Jahre her ist.
    Egal, was die tatsächlichen Hintergründe für die Ermordung Philipps waren - eine Beteiligung Alexanders und der Olympias daran wird erst von Quellen insinuiert, die mehrere Jahrhunderte später entstanden, ist aber selbstverständlich nicht ganz unwahrscheinlich - so muss man Alexander bei all seinen Charakterfehlern doch zugestehen, dass er politisch wie militärisch äußerst erfolgreich war. Er war es schließlich, der die Perser in mehreren wichtigen Schlachten besiegte und bis an den Indus zog. Dazu bedurfte es Charismas und Erfolg. Denn ohne beides wären ihm seine Leute nicht jahrelang immer weiter von zuhause weg gefolgt. Irgendwann waren sie es dann ja auch leid - und trotzdem gelang es ihm da noch einmal, sie mit seinem Charisma zu überzeugen weiter zu ziehen.
    Auch politisch war Alexander nicht so ungeschickt... Dass er die Perser durch Heirat und Rekrutierungen in sein Herrschaftssystem einband und nicht einfach unterjochte, machte zwar einen Teil seiner Leute wütend, ersparte ihnen aber sicher auch manche Ungemach. Perser, die unter der makedonischen Herrschaft eine Perspektive sahen, ihren gewohnten Lebensgang weiter zu verfolgen, waren leichter zu beherrschen als solche, die mit dem Verlust all dessen, was sie vor Alexander genossen hatten, rechnen mussten.
     
  4. inti

    inti Gesperrt

    Nein, keine Emotion, ich schildere völlig emotionslos, dafür unverblümt Fakten und Tatsachen. Natürlich gab es zu Lebzeiten Alexanders und seiner Diadochen keinerlei Hinweise auf seine Beteiligung an dem Attentat, galt doch allein die blosse Erwähnung eines Verdachts als Hochverrat, und mit dem Tod zu betrafendes Verbrechen. Alexander hatte ja Dutzende gekaufte,Lügen -Presse-Schmierfinken, pardon offizielle Hofbericherstatter, von denen Kallisthenes der bekannteste war, die natürlich nur wiedergeben durften, was ihrem Herrn gefielen. Und als er ausnahmsweise mal die Wahrheit schrieb, wurde er promt gefoltert und hingerichtet.

    Alexander hat zwar die Perser mit einer von seinem Vater erschaffenen, und damit ererbten und vor allem unbesiegbaren Armee und einem genialen Generalsstab in drei grossen Schlachten geschlagen, was vor ihm aber ohnhin fast jedem anderen griechischen General seit Militades bei Marathon gelungen war. Das gelang ja sogar einem militärisch völlig unerfahrenen Anfänger wie Xenophon in der Anabasis.

    Nicht umsonst hat der fähigste Heerführer der Perser, der Grieche Memnon von Rhodos, der am Hofe de Mazedonen gelebt und ihre furcherregende Militätmaschine kannte, bereits vor der ersten Schlacht am Granikos den Grosskönnig gewarnt, die Perser hätten gegen die mazedonische Armee in einer offenen Feldschlacht nicht die Spur einer Chance. Und sollten besser ihre Flotte einsetzen, und Alexander den Nachschub abschneiden.

    Zwar kämpften auf Seiten der Perser auch viele griechischen Söldner und erfahrene Generäle wie der Mazedone Amyntas und der Phoker Patron, aber unter einem völlig unfähigen persischen Kommando, respektive Grosskönig Dareos III, ein noch nicht mal von allen anerkannter, sondern schwacher und militärich unerfahrener Dilletant , der sich nicht durchsetzen konnte, und noch dazu zweimal vom Schlachtfeld geflohen war, obwohl die Schlachten noch gar nicht verloren waren. Einmalig in der Miltärgeschichte....

    Gezeichnet hcirbor
     
    Zuletzt bearbeitet: 28. Juni 2016
  5. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Unbesiegbar ist keine Armee. Keiner wird die Vorarbeit von Philipp kleinreden, aber es wäre idiotisch einen so großen Feldherren wie Alexander darauf zu beschränken. Immerhin gewann nicht die Phalanx sondern vor allem der Einsatz der Kavallerie die Schlachten.
     
  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Na gut, dann eben eine völlig emotionslose Schwarz-weiß-Malerei... :cool:
     
  7. inti

    inti Gesperrt

    Stimmt, es wäre völlig idiotisch zu verschweigen, dass seit 200 Jahren jede griechische Armee- sogar unter einem Nicht-militär wie Xenophon- jede persische geschlagen hat. :cool:
     
  8. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Das wage ich zu bezweifeln.
    Da gibt's noch einige andere wie Caesar oder Philipps Sohn Alexander.
     
  9. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Du hast da etwas missverstanden. Ganz unabhängig von dem Gehalt seiner Aussage schrieb Inti/Robrich:

    Weder Caesar noch Alexander werden unterschätzt. Insbesondere Alexander nach Intis/Robrichs Auffassung ja sogar überschätzt.
    Wie dem auch sei, es ist mir unverständlich, wie man wie inti einen solchen Hass auf Leute hegen kann, die mehr als 2300 Jahre tot sind.
     
  10. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Es ist mir nicht klar, wer als "Experte" angesprochen wird. Zur Beurteilung eines Heerführers sollten - zumindest unter militärischen Gesichtspunkten - Militärhistoriker qualifiziert sein.

    Mit Liddell Hart möchte ich obiger Einschätzung widersprechen. Sofern es aus seiner Sicht einen Heerführer gab, der in der Beurteilung seiner militärischen Leistung unterschätzt wurde, dann ist es Scipio Africanus (vgl. Link zum Buch)

    Insofern trifft obiges Urteil kaum zu, da es durch - anerkannte - Experten bestritten wird

    https://books.google.de/books?id=jl4GTtDITVoC&printsec=frontcover&dq=liddell+hart+scipio+africanus&hl=de&sa=X&redir_esc=y#v=onepage&q=liddell%20hart%20scipio%20africanus&f=false

    https://de.wikipedia.org/wiki/Publius_Cornelius_Scipio_Africanus
     
    Zuletzt bearbeitet: 28. Juni 2016
  11. CABINA

    CABINA Neues Mitglied

    Hallo:
    Kann man Alexander der Große überhaupt als " der Große" bezeichnen & weshalb?
     
  12. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Hallo Cabina,

    schau mal hier: http://www.geschichtsforum.de/f27/warum-wird-alexander-der-gro-e-der-gro-e-genannt-139/

    Der Name hat sich natürlich eingebürgert. Insofern ist Alexander der Große eben der Große. So kennt man ihn. Wenn du ihn Alexander III. nennst, weiß kein Mensch, dass du Alexander den Großen meinst. Ob du den Umstand dass er der Große genannt wird für richtig oder falsch hältst, musst du anhand deiner eigenen Wertvorstellungen selber entscheiden.
     
  13. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Wobei Sikander e Aazem (arab./pers./paschtu ʿaẓīm) auch 'groß(artig)' bedeutet. Ḏū l-qarnain (Inhaber der zwei Hörner) geht wohl auf eine Stelle im Alexanderroman zurück.
     
  14. drmarkuse

    drmarkuse Mitglied

    Das was Alexander von Phillipp abhebt sind sein jugendlicher Übermut, seine Abenteuerlust, seine Ausbildung und sein manisches Interesse am Anderen.
    Er hat Wissenschaftler und Kartierer im Schlepptau, er respektiert oder übernimmt die Religion und Bräuche der Perser, er zieht ihre Führungsschichten hoch in seinen Stab, er zollt Marduk Respekt, er lässt sich zum Pharao Ägyptens krönen, er macht Babylon zu seiner Hauptstadt und nicht Pella.
    Das alles ist seine persönliche Vision.
    Sie mag zusammenhängen mit seiner Ausbildung durch Aristoteles, aber sie geht darüber hinaus. Und er setzt sie unbeirrt durch gegen die die makedonischen Generäle seines Vaters.
    Mag sein dass Phillip der grosse Stratege und Organisator war und Alexander ein jugendlicher Hasadeur, der sein will wie Achilles.
    Aber es ist seine Fähigkeit über den Tellerrand Nordgriechenlands hinwegzuschauen und die Gefolgschaft auch bei denen einzufordern die er besiegt hat. Leadership würde man das heute nennen. Das ist was ihn über Philipp und den griechisschen Generalstab erhebt und was ihm den Titel "Der Grosse" eingebracht hat.
     
  15. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das wage ich zu bezweifeln, denn das sind doch eher die Dinge, die wir heute an Alexander bewundern. Die antike Zuschreibung dürfte eher auf seine militärischen Erfolge, die ihn von Makedonien bis an den Indus führten zurückgehen.
     
  16. Alexander "der Große" erschien mir lange als eine der beeindruckendsten Herrscherfiguren der Geschichte, auf die Griechen, Römer und die die ihnen Nacheiferten hatte er jedenfalls diese Wirkung. Doch hab ich mittlerweile gelesen, dass einige Historiker ihn überbewertet finden, so führt angeführt, dass sein Heer nur so effektiv war wegen der Reformen seines Vaters Philip. Dazu kommt noch, dass er nur so großartige Militärerfolge feiern konnte, weil sein Gegner Darius ein in sich zusammenfallendes Reich beherrschte. Außerdem sei er als Taktiker überbewertet, seine Pläne zu komplex in einer realen Kampfsituation, bekanntlich zerfällt ja jeder Plan beim Kontakt mit dem Feind. Auch soll er viel zu übermütig gehandelt haben und unbestreitbar ist ja, dass sein Reich nach seiner Mega-Kampagne zerfiel. Kulturell haben andere Herrscher viel mehr erreicht. Wie würdet ihr das bewerten? Kann man bei genauerer Betrachtung einen Sargnagel in die Theorie des "Big Man" Alexanders schlagen? xD
     
  17. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Ich zitier mich mal selbst:

    Ist zehn Jahre her, kann deswegen nicht mehr viel sagen. Meiner Erinnerung nach hielt der Autor Alexander für einen blutrünstigen Irren...
     
  18. Ist wirklich interessant... Naja hab mal nen Prof sagen hören bei seinen vielen Städtegründungen seien Menschen oft vertrieben/getötet worden. Wie das genau ablief kann ich nicht sagen, sollte man aber wohl bedenken wenn man die Quellen liest.

    Vielleicht hat er auch die Sklaverei im großen Stil verbreitet. Soll es ja wohl bei den Persern nicht so in der Form gegeben haben, oder weniger.
     
  19. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Dass er einen enormen Krieg vom Zaun gebrochen hat, bei dem sicher ungezählte Menschenmassen massakriert, vertrieben, versklavt etc wurden, steht ja außer Frage. Dazu kommen wohl noch zahlreiche Morde, und vermutlich eine Hybris, die von hier bis zur Andromedar-Galaxis reichte. ME ist die eigentlich Frage: Inwieweit verzeiht man "großen Männern" solche Taten, bzw "verrechnet" sie mit positiven Dingen, die man ihrem Wirken attestiert. Alexander hat war massiv für die Ausbreitung des Hellenismus verantwortlich (wenn man das für was Gutes hält...).

    Gleiches kann man sich bspw bei Napoleon fragen. Unzählige Tote vs Verbreitung (mancher) Ideale der frz. Revolution.

    "Unterm Strich: Für das Licht!" oder so ähnlich... ;)

    Ich halt's eigentlich für sinnlos, moralische Urteile über Leute wie Alexander abzugeben. Meist sagt das mehr über den Urteilenden als über die betreffende Person.

    Eigentlich Off Topic, aber diese Betrachtungsweise habe ich nie verstanden. Das Perserreich war eine Tyrannei. Letztendlich war da jeder Sklave, wenn der Großkönig es wollte, die Mächtigsten und Reichsten vielleicht ausgenommen.

    Die, ich sag mal, "kapitalistische" Form der Sklaverei, bei der Sklaven wie Nutztiere auf dem Markt gehandelt wurden, mag eine geringere Rolle gespielt haben*, ja. Aber das ließe sich auch über Sparta sagen. Heloten wurden mWn auch nicht gehandelt, bzw nur zusammen mit dem Land, an das sie gebunden waren. Macht es das i-wie besser?

    Theoretisch könnte man hier (in Sparta, oder dem Perserreich) vielleicht eher von Leibeigenschaft sprechen, aber auch die kann extrem grausam und unmenschlich sein. Außerdem zeigt hier das Beispiel Sparta, wie arbiträr solche Bezeichnungen sind. Heloten werden eigentlich immer als Sklaven oder Staatssklaven bezeichnet.

    * gegeben hat es auch die in jedem Fall, und sei es in den eroberten griechischen oder phönizischen Städten...
     
    Hannes gefällt das.
  20. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Ein effektives Heer ist kein Selbstläufer. Ein effektives Heer hatten auch die Römer, trotzdem gelang ihnen nie die Unterwerfung des Parther- oder Sassanidenreiches.

    Diese Aussage kann ich nicht nachvollziehen. Zunehmend instabil war das Reich unter Artaxerxes II., aber dann stabilisierte es sich wieder. Einigermaßen kritisch war der große Satrapenaufstand (der sich allerdings auch nie aufs ganze Reich ausweitete), aber der war Jahrzehnte her. Danach wurde sogar noch Ägypten unterworfen. Zu Dareios III.' Zeiten war das Reich recht stabil, was man schon daran erkennen kann, dass es trotz verheerender Misserfolge und obwohl Dareios III. nur einer Nebenlinie der Achaimenidendynastie entstammte, nicht sofort zusammenfiel, sondern erst nach der Niederlage bei Gaugamela und Dareios' Flucht in den Osten.

    Gesiegt hat er trotzdem.

    Seinen frühen Tod kann man ihm schwerlich zum Vorwurf machen. (Es sei denn, man lastet ihm seinen nicht gerade gesunden Lebensstil an.)
    Wir wissen nicht, wie sich sein Reich entwickelt hätte, wenn er ein "normales" Alter erreicht hätte und es einem Sohn im Mannesalter (und mit ersten militärischen Meriten) hinterlassen hätte. Zerfallen ist sein Reich ja nicht durch erfolgreiche Aufstände der unterworfenen Völker, sondern weil seine Generäle ausnutzten, dass seine Erben ein ungeborenes Kind und ein nicht regierungsfähiger (oder zumindest nicht durchsetzungsfähiger) Halbbruder waren, und sich das Reich selbst unter den Nagel rissen.
    Zum Vergleich: Auch der Perserkönig Kyros eroberte ein riesiges, recht inhomogenes Reich zusammen, und es hatte nach seinem Tod noch 200 Jahre Bestand.
    Also vorprogrammiert war der Zerfall meiner Meinung nach keineswegs.

    Immerhin verbreitete sich dank Alexander die griechische Kultur bis Zentralasien und Indien. Außerdem gründete er mit Alexandria in Ägypten die Wissenschafts- und Kulturmetropole des Mittelmeerraums für den Rest der Antike schlechthin.

    Ausgehend von einem eher armen kleinen Reich in Nordgriechenland eroberte er das bis dahin größte Reich der Geschichte und schuf im östlichen Mittelmeerraum einen Kulturraum, der bis zur islamischen Expansion Bestand hatte. Makedonische Truppen zogen unter seiner Führung durch die Steppen Zentralasiens und das heutige Pakistan. Wenn das alles nichts Besonderes war, warum kam derartiges dann nicht laufend vor?
     
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