Was waren Beweise gegen die griechischen Götter/Religion?

Dieses Thema im Forum "Das Christentum" wurde erstellt von Suzan, 17. Februar 2020.

  1. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Eigentlich könnte man doch alles ab #11 in diesen Thread verfrachten:
    Reste des Heidentums in der Folklore
     
  2. Eumolp

    Eumolp Aktives Mitglied

    Um noch einmal auf das Thema zurückkommen, dafür ist es doch zu interessant, als dass man es einfach absaufen lässt: wie hat das Christentum die antike Religion "besiegt"? Wenn man es ganz einfach ausdrücken will, wie hier im Faden schon geschehen: die Götterwelt hat den Menschen nichts mehr gesagt, sie hat nicht mehr Bezug auf ihre Lebenswirklichkeit genommen und verlor dadurch an Lebendigkeit.

    Meine These über den Ablauf dieser Umwälzung:

    1. die antike Götterwelt hat sich selbst ausgehöhlt, die Götter hatten nichts mehr mit den Menschen zu tun.
    Schon im 2. Jh v.Chr. gab es Risse in der röm. Götterwelt, als die gr. Philosophie in das römische Denken einzog. Da wird man z.B. den älteren Cato d.Ä. dem jüngeren Scipio gegenüberstellen: während der erste noch vehement die römischen Sitten vertreten hat (obgleich er die Griechen bewunderte), hat sich der zweite schon voll und ganz auf die gr. Kultur eingelassen. Neue Kulte wie der Dionysos-Kult, der im sog. Bacchanalienskandal hochkochte, oder der Magna-Mater-Kult (Kybele) zeigen, dass die Menschen neue religiöse Ausdrucksformen suchten. Und das bereits im 2. vorchristlichen Jahrhundert.

    2. in das Vakuum stießen vor allem östliche Heilsreligionen hinein: Dionysos, Magna Mater (erwähnte ich schon), Mithras, Isis, selbst der syrische Kult unter Elagabal, eine Zeitlang auch ein missionierendes Judentum, selbstverständlich auch das Christentum, aber nur als eine Religion unter mehreren.

    3. aufgrund verschiedener Faktoren hat sich das Christentum durchgesetzt. Meine unvollständige Auflistung:
    vor allem die heroische Haltung der Fanatiker (Märtyrer, Confessores, Eremiten, Säulenheilige), die zunehmend straffer werdende Organisation einer kirchlichen Hierarchie, die Unterstützung armer Kirchenmitglieder, die Gleichheitsidee (Frauen und Sklaven hatten als Christen zunächst einmal dieselben Rechte), der Besitz einer durchgehenden Schöpfungsgeschichte (Septuaginta), die weit über die Mythen des Hesiod hinausgeht. Und die Entstehung des Individualismus, dem offenbar das Christentum am ehesten entsprach.
     
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  3. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Eine gewisse Rolle mag vielleicht auch gespielt haben, dass der Zugang zum Christentum vergleichsweise niederschwellig war. Manche anderen Kulte versuchten sich eine gewisse Exklusivität zu wahren oder sahen komplizierte Initiationsriten vor. (Z. B. war es ein begehrtes Privileg, als Nichtathener in die Eleusinischen Mysterien eingeweiht zu werden, und so mancher ausländische Prominente wurde damit geehrt.) Das mag sie zwar faszinierend gemacht haben, aber damit standen sie ihrer Verbreitung selbst im Weg. (Sich etwa für Kybele selbst zu kastrieren, war nicht jedermanns Sache.)
     
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  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das gab es aber - wohl sehr vereinzelt - auch im Christentum, zumindest wurde Origines vorgeworfen, er habe sich selbst kastriert.
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. März 2021
  5. Eumolp

    Eumolp Aktives Mitglied

    Ein Segen für die Christen, was ihren Zutritt betrifft, denn sonst wären sie alsbald ausgestorben^^.

    OT: Weiß man eigentlich, woher die Taufe mit dem Wasser stammt? Sicher, von Johannes dem Täufer. Woher aber hatte der diese Idee?
     
  6. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Quellenmäßig wird sich das nicht mehr eruieren lassen.
    Die Idee eines rituellen Tauchbades dürfte im damaligen Judentum schon verbreitet gewesen sein, die Tradition der Mikwe entstand wohl auch in jener Zeit.
    Die Spezialität des Täufers war vielleicht, dass eben ein Täufer zugegen war, der das Untertauchen vornahm...
     
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