Wein mit Meerwasser gemischt?

El Quijote

Moderator
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Folgende Aussage fand ich auf einem Bierdeckel:

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Dass Wein verdünnt wurde, okay, das Wein gewürzt wurde (> mulsum), okay. Aber Wein mit Meereswasser versetzt? Habe ich noch nie gehört. Irrtum, oder quellenbasiert?
 
Man glaubt es kaum, aber es ist so:
"Im Weinkeller Tourelles, der die historische Stätte nachbildet, komplett mit Töpferöfen, einer Hebelpresse aus Holz und Steingutgefäßen, streuen sie in von den Römern bevorzugte Zutaten wie gemahlenen Bockshornklee und Iris. Dann fügen sie eine überraschende letzte Zutat hinzu: Meerwasser, das dem Wein einen merkwürdigen und unerwarteten Salzgehalt verleiht". (Übersetzt mit Google) Quelle
 
Wer sich für gr.-röm. Weinmischungen interessiert, wird bei Athenaios fündig:

Homeros lobt denjenigen Wein, der eine reichliche Mischung zuläßt, wie der des Maron. Der alte Wein erlaubt mehr Wasserzusatz, weil er mehr Wärme aufnimmt, wenn er lange lagert. Manche sagen aber auch, daß die Flucht des Dionysos in das Meer anzeige, daß die Vermischung von Wein schon in alter Zeit bekannt war. Der Wein ist nämlich mild, wenn Meerwasser dazugegossen wird. Homeros hebt besonders den ganz dunklen roten Wein hervor und nennt ihn oft `feurig'. Denn von ihm geht eine höchst belebende Wirkung aus, und er läßt diesen Zustand in denen, die davon getrunken haben, außerordentlich lange anhalten. Theopompos berichtet, dieser dunkle Rotwein sei zuerst auf Chios gewachsen und die Chier hätten das Anpflanzen und Aufziehen der Rebstöcke als erste von Oinopion, dem Sohn des Dionysos, gelernt, der die Besiedlung dieser Insel mit begründete, und hätten es den übrigen Menschen mitgeteilt. Der helle Wein ist dagegen schwach und dünn. Der goldfarbene aber verdaut leichter, weil er eine austrocknende Wirkung hat.

(Ath. Deipnospohistes. I.47 (26))
 
Man glaubt es kaum, aber es ist so:
"Im Weinkeller Tourelles, der die historische Stätte nachbildet, komplett mit Töpferöfen, einer Hebelpresse aus Holz und Steingutgefäßen, streuen sie in von den Römern bevorzugte Zutaten wie gemahlenen Bockshornklee und Iris. Dann fügen sie eine überraschende letzte Zutat hinzu: Meerwasser, das dem Wein einen merkwürdigen und unerwarteten Salzgehalt verleiht". (Übersetzt mit Google) Quelle
Vor Jahren war ich mal auf einer Veranstaltung, wo ein Moselwinzer war, der auch in der Reenactment-Szene aktiv ist (ich habe es hier im Forum schon ein, zwie Mal erzählt). Der verbindet Reenactment mit seinem Beruf. Er hatte Wein dabei, einmal normalen Flaschenwein und zum anderen Wein in der Amphore - es war derselbe Wein. Er ließ die Leute beides probieren, den aus der Flasche und den aus der Amphore, der einen deutlich - für mich unangenehm - erdigen Geschmack hatte. Aber natürlich waren darin keine Zusätze (außer denen, die der Ton abgab).
 
Aus medizinischer Sicht riet Pedanios Dioskurides vom Genuss solchen Weines ab:
Der aber mit Meerwasser versetzte ist dein Magen zuwider, Durst erregend, nachtheilig für die Nerven, er macht offenen Leib, ist aber den Reconvalescenten nicht zuträglich.
...
Der Koer und Klazomenier sind wegen ihres hohen Gehaltes an Meerwasser leicht dem Verderben ausgesetzt und verursachen Blähungen, sie beunruhigen auch den Bauch sehr und schaden den Nerven.
...
Zum Gebrauch in gesunden Tagen sind die ohne Meerwasser, die hellen und weissen zu empfehlen.
Des Pedanios Dioskurides aus Anazarbos Arzneimittellehre in fünf Büchern. übersetzt von Julius Berendes.

Er meinte dann noch, dass Salz in die "Deuteria" gehörte und berichtete von einem kraftlosen Wein, dem "einige" Meerwasser beimischten.
Zweiter und kraftloser Wein.

Der als Deuteria bezeichnete Wein, welchen Einige auch Potimos nennen, wird auf folgende Weise bereitet:
Auf die Trester, aus denen du 30 Metretes Wein ausgepresst hast, gib 3 Metretes Wasser, mische und stampfe es durcheinander, presse aus und koche es auf den dritten Theil ein. Auf jeden Chus der zurückbleibenden Metretes setze 2 Xestes Salz und fülle nach dem Winter in irdene Krüge ab. Verbrauche ihn aber im Jahre, denn er verliert rasch. Er ist ein gutes Mittel für solche, denen Wein zu geben wir Bedenken tragen, da wir durch das Verlangen der Kranken und bei solchen, welche sich nach der Krankheit langsam erholen, dazu gezwungen werden.
Man macht auch einen sogen. kraftlosen Wein, welcher dieselbe Wirkung hat wie Deuteria; man muss das gleiche Maass Wasser und Most mit einander mischen und über schwachem Feuer gelinde kochen, bis das Wasser verzehrt ist, danach abkühlen lassen und in ein ausgepichtes Gefäss umgiessen. Einige mischen auch gleiche Theile Seewasser mitten aus dem Meere, Regenwasser, Honig und Most mit einander, füllen es um und stellen es vierzig Tage an die Sonne. Man gebraucht dieses zu denselben Zwecken ein Jahr hindurch.

Am Bierdeckel stört mich ein wenig das Wort "häufig" im Kleingedruckten.
 
Wir müssen davon ausgehen, dass die Ernährung damals weniger Salz enthielt. Es gab nicht die Fertiggerichte der Nahrungsmittelindustrie, die uns mit viel zu viel Salz zuschüttet (fragt mal den Nephrologen Eures Vertrauens), und auch weniger Käse, und auch weniger Fleisch. Brot, Käse und Wurst bzw. Schinken tragen zu unserem hohen Salzkonsum bei. Gepökelten Fisch gab es damals schon.

Für römische Soldaten und für draußen arbeitende Menschen: Arbeit oder Aufenthalt in der Sonne führt zu hohem Verlust an Kochsalz (NaCl) über die Haut. Trinkt man dann nur Wasser oder Tee, kommt es leicht zu Muskelkrämpfen (hatte ich gestern bei der Fahrt nach Südtirol bei 34° C in Deutschland mal wieder schmerzhaft gemerkt).

Die Vorliebe für Salz im Garum und auch für Salz im Wein hätte dann auch einen medizinischen und praktischen Grund.
 
Zuletzt bearbeitet:
Wir müssen davon ausgehen, dass die Ernährung damals weniger Salz enthielt.
Das ist sicher ein entscheidender Unterschied! Ansonsten: entspricht der durchschnittliche römische Speiseplan denn nicht dem, was heutzutage als gesunde Mittelmeerdiät bezeichnet wird? Das würzen mit Garum und paar gepökelte Sachen zwischendurch hat die Senatoren und Legionäre sicher nicht so versalzen wie wir uns heute.
 
Warum? Wäre "manchmal" treffender?
Wie verbreitet die Beigabe von Meerwasser zu Wein war, konnte ich bisher nirgends lesen. Darum halte ich die Aussage zur Häufigkeit für gewagt.

Cato der Ältere gibt ein Rezept für "griechischen" Wein, bei dem Salz beigemischt werden soll und meint, dass dieser Wein dann auch nicht schlechter, als jener der Insel Kos werden sollte.
Auch für die Herstellung des Weins von Kos hat er ein Rezept, bei dem Salzwasser zugefügt werden muss.
Es kann ja sein, dass seine Rezepte häufig nachgemacht und sich großer Beliebtheit erfreuten und mich würde es freuen zu erfahren, ob dem so war.
 
Zur Herstellung des Weines von Kos beschreibt Cato ein relativ kompliziertes Verfahren. Das Meerwasser musste 70 Tage vor der Weinlese auf hoher See, außerhalb des Einflusses von Süßwasser und bei ruhiger See geholt werden. Dann musste es noch zweimal umgefüllt werden etc.
Er wollte mit seiner Bemerkung wohl nur ausdrücken, dass man sich das Verfahren mit einfacher Salzbeigabe auch sparen kann, vor allem dann, wenn man nicht am Meer wohnt.
Sonst fand ich nichts, wo er sich zur Qualität der Weine oder seinen Vorlieben geäußert hat.
 
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