Das Triebverhalten (Angaben ohne Gewähr) wird sich
Ich habe das mal freigeschaltet.
Ich bitte zu bedenken, dass wir ein Geschichtsforum sind und unter diesem Aspekt sollte das Thema diskutiert werden.
Hypo- und Hypergamie sind doch im Prinzip keine verhaltensbiologischen/psychologischen/sexuellen Charakteristika, sondern soziologisch bedingt (Thema: arrangierte Ehe). Insofern halte ich Äußerungen, wie "Frauen sind hypergam, Männer sind hypogam" für fragwürdig. In patriarchalen Gesellschaften mag es Tendenzen dazu geben, vor allem dann, wenn die Herkunft des Mannes zählt, wie etwa im europäischen Feudalsystem oder im kolonialspanischen Kastensystem oder in der Sklavenhaltergesellschaft Virginias, wo der soziale Status eines Menschen danach bemessen wurde, wer Mutter und wer Vater war.
Ein weißer Baumwollfarmer, der mit einer schwarzen Sklavin ein Kind zeugte, hat im Prinzip sein Eigentum benutzt, eine weiße Frau, die mit einem schwarzen Sklaven ein Kind zeugte, hat sich erniedrigt und beide mussten damit rechnen geteert und gefedert zu werden. So unterschiedlich waren die Bewertungen.
Ein in Europa geborener Spanier galt mehr, als ein in den Amerikas geborener Spanier, selbst wenn es hundertprozentige Geschwister waren. Dementsprechend wäre eine Ehe einer Europaspanierin mit einem Amerikaspanier eine Ehe nach unten gewesen, aber die Ehe einer Amerikaspanierin mit einem Europaspanier eine Ehe nach oben, auch wenn der Statusunterschied gering war.
Dazu nur ein paar Anmerkungen:
Frederick Douglass war mit hoher Wahrscheinlichkeit der leibliche Sohn seines Masters Aaron Anthony. Anthony besaß selbst 2-3 Farmen und er war sozusagen der Aufseher der Aufseher auf der Plantage von Mr. Floyd, dem Gouverneur von Maryland. Auch Floyd hatte Sklaven, die seine Söhne waren. Douglass erwähnt den Kutscher William Wilkes. Wilkes war offensichtlich der Sohn von Mr. Floyd, und er sah seinem Halbbruder Murray Lloyd sehr ähnlich. Dafür hasste ihn Murray, und er lag seinem Vater in den Ohren, ihn zu verkaufen, und er schaffte es auch, den Alten weichzukriegen. Wilkes sollte versteigert werden, vorher aber sollte er ausgepeitscht werden, was aber anscheinend eine halbe Sache war, der Aufseher schlug nur einige male zu, und der alte Floyd schenkte Wilkes eine goldene Uhr als Entschädigung. Am nächsten Tag war Versteigerung in Baltimore, und es geschah etwas Eigenartiges: William Wilkes bot auf der Versteigerung mit, überbot alle Interessenten und kaufte sich selbst frei. Die Sklaven dachten, dass wieder der alte Lloyd einsprang, es stellte sich aber heraus, dass Wilkes sich das Geld teils durch eigene Ersparnisse beschafft hatte und den Rest lieh er sich von freien Schwarzen und zog nach Baltimore.
Douglass sagte, dass es eine Menge Sklavenhalter gab, die Master und Vater ihrer Sklaven waren. Wilkes gehörte zweifellos zu der "schwarzen Aristokratie" wie Douglass sie nannte, und er wurde bevorzugt behandelt. Douglass schrieb aber, dass solche Kinder in der Regel kein leichtes Leben hatten. Sie galten als "white niggers", als Herren-Lieblinge, und sie bekamen in der Regel den ganzen Zorn der Mistress und der Halbgeschwister ab.
Thomas Jefferson hatte Kinder mit Sally Hemming, sie und ihre Kinder gehörten zu den wenigen Sklaven, die Jefferson freiließ. Er verglich Schwarze mal mit Wölfen, aber es kann wohl kein Zweifel bestehen, wer da die Wölfe wirklich waren. Jefferson war sicher kein harter Master, aber Beziehungen mit Sklavinnen das war etwas, was sich über Generationen immer wieder wiederholte. Schon Jeffersons Schwiegervater hatte Kontakte mit Sklavinnen.
Harriet Jacobs floh vor allem vor der Lüsternheit ihres Herrn. "Massa started to whisper foul words in my ears" schrieb sie in ihrer Biographie.
Douglass erzählte noch eine andere Geschichte: Mit 15 schickte man ihn zu Mr. Covey, dem "Niggerbrecher". Covey war eigentlich ein armer Schlucker, aber sein Ruf führte dazu, dass Sklavenhalter ihm ihre Sklaven überließen, und mit denen bewirtschaftete er seine herunter gekommene Farm. Covey hatte nur eine Sklavin Caroline. Die benutzte er zur Zucht (for breeding), und er spielte dabei wohl auch selbst den Hengst. 9 Monate später brachte Caroline ein Kind zur Welt, und sie vermehrte damit Coveys Besitz. Es focht den Kirchenvorsitzenden Covey nicht an, dass er sich nicht nur der Unzucht, sondern auch des Ehebruchs schuldig machte.
Beziehungen zwischen Sklavenhaltern und Sklavinnen waren ein häufiges Phänomen, und die "tragische Mulattin", die (tragic mulatto) wurde ein Phänomen und durchzog viele Romane aus dieser Zeit. Frauen wie Cassy, die mit Simon Legree, dem fiesesten aller Sklavenhalter im Herrenhaus lebt, ist nach Bildung, Erziehung und Lebensstil wie eine Weiße, aber ein Tropfen afrikanischen Blutes degradiert sie zur Sklavin, die aber dennoch nicht zu den "niggers" zählt und von Weiß und Schwarz gleichermaßen verachtet wird.
Tragic mulatto - Wikipedia .
Virginia und Maryland gehörten zu den Grenzstaaten, zum oberen Süden nicht zum tiefen Süden, obwohl in Maryland und Virginia die ersten Sklaven schon im 17. Jahrhundert nach Amerika kamen. Baumwolle wurde vor allem in Georgia, Tennessee, Alabama, Mississippi und in den Carolinas gezogen. In Florida, Louisiana war Zuckerrohr die dominierende Agrarpflanze, obwohl in Louisiana keineswegs optimale Bedingungen für Zucker bestanden. In den Carolina war es Reis. Virginia war übrigens nie ein großer Baumwollproduzent. Virginia, auch Maryland, lebte vor allem vom Tabakanbau. Der Tabakanbau bescherte Virginia schon im 17. Jahrhundert einen Tabakboom, Tabak, Mais und Weizen waren auch die Agrarprodukte, die auf Colonel Lloyds Plantage angebaut wurden.
Eine Frau, eine Mistress konnte natürlich sich einen schwarzen Sklaven auch nehmen, es gab hin und wieder solche Fälle, aber niemals konnte sie es sich leisten, dass so etwas herauskam. Eine Frau, die gegen den starren Verhaltenscodex der geschriebenen und ungeschriebenen Regeln verstieß, war sozial erledigt, sie wurde geschnitten, man verkehrte nicht mit ihr, man ließ sehr deutlich durchblicken, dass sie sich ja nicht mehr blicken lassen konnte. So war es mit den Grimke´-Schwestern, zwei bekannte Abolitionistinnen, die aus der Aristokratie von South-Carolina stammten.
Frauen zu teeren und zu federn, womöglich noch Frauen aus der Oberschicht widersprach dem Verhaltenskodex. Sicher konnte ein Mob gewalttätig werden, notfalls auch bei Frauen, die Grimke-Schwestern erhielten jede Menge Drohbriefe, in denen Autoren androhten, was sie mit ihnen anstellen wollten, wenn sie sie erwischten. Trotzdem würde ich sagen, dass teeren und federn sicher nicht unbedingt das typische Schicksal war, das solchen Frauen drohte. Frauen hätte man im Süden auf die kühl distanzierte Art spüren lassen, dass sie damit das Letzte war, weit verächtlicher noch als eine Puffmutter wie "Belle Watling" in Margret Mitchells Roman Vom Winde verweht. Auch ein Schwarzer, der mit einer weißen Frau Sex hatte, womöglich gar noch ein Kind zeugte, der hätte Gott danken können, wenn er nur geteert und gefedert worden wäre. Das war eine Strafe für Gauner und Betrüger wie den Duke und den King in Mark Twains Huckleberry Finn wurde.
In den Jahren der Reconstruction wurden in den USA eine Menge Schwarzer gelyncht, weil man ihnen vorwarf, Frauen belästigt zu haben. Rhett Butler erschießt einen Schwarzen, weil er unverschämt zu einer Dame war. Da waren mit Sicherheit auch viele dabei, die unschuldig waren. In Harper Lees "To kill a mockingbird" (Wer die Nachtigall stört), wollen die Bewohner einer Kleinstadt einen Schwarzen lynchen, nur weil die Dorfschlampe es behauptet, die auch noch aus einer Assi-Familie stammt. Obwohl erhebliche Zweifel an der Tat offensichtlich werden, kann die Jury sich nicht entscheiden, den Angeklagten freizusprechen. Wenn sie gelyncht wurden, konnten Schwarze noch froh sein, wenn es schnell geschah und wenn es nicht auch noch geschah, dass man sie kastrierte und oder mit Benzin übergoss und anzündete. Vom Kuklux-Clan wurden bis in die 1960er Jahre immer wieder Schwarze wegen dieses Vorwurfs gelyncht und einige vorher noch barbarisch geschunden.