Welches Ereignis im 14. Jhdt. meint H. in Mein Kampf?

Dieses Thema im Forum "Fragen & Antworten" wurde erstellt von Bea, 13. November 2020.

  1. Bea

    Bea Gast

    Guten Abend,

    ich soll einen Auszug aus Hitlers "Mein Kampf" für die Schule analysieren. In diesem geht es um den "Lebensraum im Osten". An der fettgedruckten Stell schreibt Hitler, dass er an etwas anknüpfen will, was sechshundert Jahre zuvor geschah, also im 14. Jahrhundert, allerdings weiß ich nicht, worauf er sich damit bezieht. Außerdem weiß ich auch nicht, was genau mit dem Germanenzug nach Süden und Osten Europas gemeint ist. Ich hoffe ihr könnt mir weiterhelfen.

    "Damit ziehen wir Nationalsozialisten bewußt einen Strich unter die außenpolitische Richtung unserer Vorkriegszeit. Wir setzen dort an, wo man vor sechs Jahrhunderten endete. Wir stoppen den ewigen Germanenzug nach dem Süden und Westen Europas und weisen den Blick nach dem Land im Osten. Wir schließen endlich ab die Kolonial- und Handelspolitik der Vorkriegszeit und gehen über zur Bodenpolitik der Zukunft."

    Schon einmal vielen Dank im Voraus :)
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Die deutsche Ostsiedlung ist kein Thema des Geschichtsunterrichts mehr, das hätten Schüler in den 1960er und vielleicht noch 70er Jahren problemlos verstanden.
    Mit dem ewigen Germanenzug ist ein Bild der Völkerwanderung gemeint, wonach ganze germanische Völker aus ihren früheren Siedlungsräumen abwanderten. Es wanderten tatsächlich einige hunderttausend Menschen. Wir fassen die der Einfachheit halber als Sueben, Vandalen, Goten, Langobarden...
    Vereinfacht: Ein Teil der Sueben wanderte zusammen mit den Vandalen (und iranischen Alanen) nach Spanien, die Vandalen und Alanen weiter nach Africa (Tunesien/Algerien). Die West-Goten (ein Begriff, der heute quasi nicht mehr verwendet wird) wanderten vom Schwarzen Meer über den Balkan nach Italien, Frankreich und Spanien, die Ostgoten wanderten gemeinsam mit den (nichtgermanischen) Hunneneine Generation später über den Balkan und Deutschland nach Frankreich und landeten irgendwann in Italien. Später wanderten die Langobarden die Elbe hinunter bis nach Italien.
    Das ist jetzt alles - wie gesagt - sehr vereinfacht dargestellt, aber das ist so in etwa das, an was H. gedacht haben dürfte, als er das schrieb. Dem nationalsozialistischen Geschichtsbild zufolge, welches Menschen nicht als Individuen sah, sondern als Teil eines statischen (ergo reinrassigen) Volkes, hatten Völker "Aufgaben" oder Schicksale und das Schicksal der Deutschen (im NS = Germanen) lag nun mal in ihrer Weltsicht der Besiedlung Osteuropas... Alle historischen Ereignisse, welche Germanen oder im Mittelalter Deutsche nach Süden oder Westen führten, wurden als historische Irrwege verstanden. Also neben den Zügen der Völkerwanderung z.B. auch Barbarossas Kreuzzug. Wir verstehen den heute auch als Irrweg, aber eben aus einer ganz anderen Motivation. Für die Nazis war das nicht etwa ein Irrweg, weil Barbarossa Krieg (im Namen Gottes) führten, sondern weil er sich in Palästina engagierte und dort aus Sicht der Nazis Kraft verschwendete (gewissermaßen Dtld. ausbluten ließ), die man in Osteuropa hätte einsetzen können. Also nicht dass er Krieg führte verurteilten die Nazis, sondern wo.

    Heute wissen wir, dass die Völker bei weitem nicht so homogen waren, wie das in Nationalisten gefallen würde.
     
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  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich weiß gerade nicht, ob Barbarossa in Mein Kampf erwähnt wird, aber bei Klagges (Geschichtsunterricht als nationalpolitische Erziehung. Frankfurt/Main 1936), der passagenweise aus Mein Kampf zitiert oder paraphrasiert, wird das sehr detailliert erklärt.
     
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Mod: Überschrift angepasst.
     
  5. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

  6. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Die erste Frage wäre: Seitenzahl des Zitats?
     
  7. hatl

    hatl Premiummitglied

    S. 742
    851.–855. Auflage 1943
     
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  8. hatl

    hatl Premiummitglied

    Bildung ist bei H. kaum vorhanden, Wahrheitsliebe gar nicht. (..ich grübel grad an wen mich das derzeit erinnert.)
    Ich denke man braucht sich nicht darauf konzentrieren worauf sich seine sehr bruchstückhaften Geschichtskenntnisse bezogen haben könnten,
    sondern darauf was er vorhatte.
     
    beetle gefällt das.
  9. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    Mir fiel da als erstes ein wenn es um „Großes“ im 14. Jahrhundert geht, die Gründung des Osmanischen Reiches.

    Das war zwar bereits 1299, aber der große Sieg über die byzantinische Armee fiel auf den Juli 1302.

    So was sehe nach dem Herrn aus Braunau aus. :)

    Ich glaube nicht dass er die „Abendländische Schisma“ meint.
     
    Zuletzt bearbeitet: 14. November 2020
  10. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    „Wir setzen dort an, wo man vor sechs Jahrhunderten endete.“
     
  11. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    Alles klar.
    Da habe ich was falsch verstanden.

    Es geht hier um die „Goldene Horde“.
    Von Batu Kahn (Enkel von Dschingis Kahn) gegründeter tataro-mongolischer Staat (Kiptschak) auf den Territorium Mittelasien, Westsibirien und Osteuropa (zwischen Irtysch und Dnestr, mittlere Wolga, Kaspisee und Schwarzen Meer).

    Am Unterlauf der Wolga, unweit vom heutigen Astrachan befand sich die Hauptstadt >Sarai<.

    Im 15. Jahrhundert erstarkte das Moskauer Großfürstentum. Es verweigerte den Tribut. Da zog der letzte Chan der „Goldenen Hurde – Achmed Chan bin Kütschük (gest. 1481) – gegen Iwan (Ioann) III. Wassiljewitsch (1440 – 1505), genannt auch Iwan III. der Große.
    Es kam wohl zu keiner kriegerischen Auseinandersetzung. Achmed ordnete den Rückzug an. Bald darauf löste sich die Goldene Horde auf.
     
  12. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

    Nö.
    Immer noch;)
     
  13. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Hat mir nicht geholfen, da ich nur die kommentierte Fassungen habe, u.a. die "kritische Edition" und die hat eine andere Nummerierung, dennoch erscheint mir folgender Bezug als wahrscheinlich: Wiki zu Friedrich II. (HRR)

    .....darunter Ernst Kantorowicz.[163] Dessen 1927 veröffentlichte Friedrich-Biographie gilt bis heute als die bedeutendste und eindrucksvollste Mythisierung des Staufers. Für Kantorowicz war das regnum Siciliae die „erste absolute Monarchie des Abendlandes“, weil „das stahlhart geschmiedete Sizilien“ unter dem staufischen Kaiser ein „glasharter Staat“ gewesen sein soll. Friedrich selbst galt als der „End- und Erfüllungskaiser der deutschen Träume“.[164] Kantorowicz' Darstellung Friedrichs als übermenschliches Herrschergenie wurde später von den Nationalsozialisten missbraucht: NS-Historiker wie Karl Ipser präsentierten Adolf Hitler als den von Kantorowicz ersehnten „Erlöser“ Friedrichs II., der den Deutschen die Bedeutung des Stauferkaisers offenbare und dessen Werk vollende.[165] Ipser bezeichnete Friedrich in seinem 1942 veröffentlichten Buch als die „neben Adolf Hitler [...] größte Führergestalt der deutschen Geschichte“, überdies als den „größte(n) germanisch(en) Bauherrn des Jahrtausends bis Adolf Hitler“.[166] Im Nationalsozialismus blieb aber die Beurteilung Friedrichs ambivalent. Die „Ostpolitik“ des Kaisers, also die Bevorzugung des Deutschen Ordens, ließ sich als Propagandamittel für die Erschließung neuen Lebensraumes im Osten instrumentalisieren. Andererseits passte Friedrichs tolerante Haltung gegenüber den Juden nicht in dieses Bild, sodass man sie meist unerwähnt ließ."
     
    schwedenmann gefällt das.
  14. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Die Seitenüberschrift der Originaledition lautet Wiederaufnahme der Ostlandpolitik

    Code:
    Die Tatsache des Gelingens eines unmäßigen Boden-
    erwerbs durch ein Volk ist keine höhere Verpflichtung zur
    ewigen Anerkennung desselben. Sie beweist höchstens die
    Kraft der Eroberer und die Schwäche der Dulder. Und nur
    in dieser Kraft allein liegt dann das Recht. Wenn das
    deutsche Volk heute, auf unmöglicher Grundfläche zusam-
    mengepfercht, einer jämmerlichen Zukunft entgegengeht,
    so ist dies ebensowenig ein Gebot des Schicksals, wie ein
    Auflehnen dagegen eine Brüskierung desselben darstellt.
    
    Genau so wenig wie etwa eine höhere Macht einem anderen
    Volke mehr Grund und Boden als dem deutschen zugespro-
    chen hat oder durch die Tatsache dieser ungerechten Boden-
    verteilung beleidigt wird. So wie unsere Vorfahren den Bo-
    den, auf dem wir heute leben, nicht vom Himmel geschenkt
    erhielten, sondern durch Lebenseinsatz erkämpfen mußten,
    so wird auch uns in Zukunft den Boden und damit das Le-
    ben für unser Volk keine göttliche Gnade zuweisen, son-
    dern nur die Gewalt eines siegreichen Schwertes.
    
    So sehr wir heute auch alle die Notwendigkeit einer
    Auseinandersetzung mit Frankreich erkennen, so wirkungs-
    los bliebe sie in der großen Linie, wenn sich in ihr unser
    außenpolitisches Ziel erschöpfen würde. Sie kann und wird
    nur Sinn erhalten, wenn sie die Rückendeckung bietet für
    eine Vergrößerung des Lebensraumes unseres Volkes in
    Europa. Denn nicht in einer kolonialen Erwerbung haben
    wir die Lösung dieser Frage zu erblicken, sondern aus-
    schließlich im Gewinn eines Siedlungsgebietes, das die
    Grundfläche des Mutterlandes selbst erhöht und dadurch
    nicht nur die neuen Siedler in innigster Gemeinschaft mit
    dem Stammland erhält, sondern der gesamten Raummenge
    jene Vorteile sichert, die in ihrer vereinten Größe liegen.
    
    Die völkische Bewegung hat nicht der Anwalt anderer
    Völker, sondern der Vorkämpfer des eigenen Volkes zu
    sein. Andernfalls ist sie überflüssig und hat vor allem gar
    kein Recht, über die Vergangenheit zu maulen. Denn dann
    handelt sie wie diese. So wie die alte deutsche Politik zu
    Unrecht von dynastischen Gesichtspunkten bestimmt wurde,
    so wenig darf die künftige von völkischen Allerweltsge-
    fühlsduseleien geleitet werden. Insbesondere aber sind wir
    nicht der Schutzpolizist der bekannten „armen, kleinen Völ-
    ker", sondern Soldaten unseres eigenen.
    
    Wir Nationalsozialisten haben jedoch noch weiter zu
    gehen: Das Recht auf Grund und Boden kann
    zur Pflicht werden, wenn ohne Boden-
    erweiterung ein großes Volk dem Unter-
    gang geweiht erscheint. Noch ganz besonders
    dann, wenn es sich dabei nicht um ein x-beliebiges Neger-
    
    völkchen handelt, sondern um die germanische Mutter all
    des Lebens, das der heutigen Welt ihr kulturelles Bild
    gegeben hat. D e ut s c h l a n d wird entweder Welt-
    macht oder überhaupt nicht sein. Zur Welt-
    macht aber braucht es jene Größe, die ihm in der heu-
    tigen Zeit die notwendige Bedeutung und seinen Bürgern
    das Leben gibt.
    
    Damit ziehen wir Nationalsozialisten
    bewußt einen Strich unter die außenpoli-
    tische Richtung unserer Vorkriegszeit. Wir
    setzen dort an, wo man vor sechs Jahrhun-
    derten endete. Wir stoppen den ewigen
    Germanenzug nach dem Süden und Westen
    Europas und weisen den Blick nach dem
    Land im Osten. Wir schließen endlich ab die
    Kolonial- und Handelspolitik der Vor-
    kriegszeit und gehen über zur Boden-
    politik der Zukunft.
    
    Wenn wir aber heute in Europa von neuem Grund
    und Boden reden, können wir in erster Linie nur an
    Rußland und die ihm Untertanen Randstaaten denken.
    
    Das Schicksal selbst scheint uns hier einen Fingerzeig
    geben zu wollen. Indem es Rußland dem Bolschewismus
    überantwortete, raubte es dem russischen Volke jene Intel-
    ligenz, die bisher dessen staatlichen Bestand herbeiführte
    und garantierte. Denn die Organisation eines russischen
    Staatsgebildes war nicht das Ergebnis der staatspolitischen
    Fähigkeiten des Slawentums in Rußland, sondern vielmehr
    nur ein wundervolles Beispiel für die staatenbildende
    Wirksamkeit des germanischen Elementes in einer minder-
    wertigen Rasse. So sind zahlreiche mächtige Reiche der
    Erde geschaffen worden. Niedere Völker mit germanischen
    Organisatoren und Herren als Leiter derselben sind öfter
    als einmal zu gewaltigen Staatengebilden angeschwollen
    und blieben bestehen, solange der rassische Kern der bil-
    denden Staatsrasse sich erhielt. Seit Jahrhunderten zehrte
    
    Rußland von diesem germanischen Kern seiner oberen
    leitenden Schichten. Er kann heute als fast restlos aus-
    gerottet und ausgelöscht angesehen werden. An seine Stelle
    ist der Jude getreten. So unmöglich es dem Russen an sich
    ist, aus eigener Kraft das Joch der Juden abzuschütteln, so
    unmöglich ist es dem Juden, das mächtige Reich auf die
    Dauer zu erhalten. Er selbst ist kein Element der Organi-
    sation, sondern ein Ferment der Dekomposition. Das Rie-
    senreich im Osten ist reif zum Zusammenbruch. Und das
    Ende der Judenherrschaft in Rußland wird auch das Ende
    Rußlands als Staat sein. Wir sind vom Schicksal ausersehen,
    Zeugen einer Katastrophe zu werden, die die gewaltigste
    Bestätigung für die Richtigkeit der völkischen Rassen-
    theorie sein wird.
    
    Unsere Aufgabe, die Mission der natio-
    nalsozialistischen Bewegung, aber ist, un-
    ser eigenes Volk zu jener politischen Ein-
    sicht zu bringen, daß es sein Zukunftsziel
    nicht im berauschenden Eindruck eines
    neuen A 1 e x a n d e r z u g e s erfüllt sieht, son-
    dern vielmehr in der emsigen Arbeit des
    deutschen Pfluges, dem das Schwert nur
    den Boden zu geben hat.
    
    Daß das Judentum einer solchen Politik gegenüber die
    schärfsten Widerstände ankündigt, ist selbstverständlich.
    Es fühlt besser als irgend jemand anders die Bedeutung
    dieses Handelns für seine eigene Zukunft. Gerade diese
    Tatsache sollte alle wirklich national gesinnten Männer
    über die Richtigkeit einer solchen Neuorientierung belehren.
    Leider aber ist das Gegenteil der Fall. Nicht nur in deutsch-
    nationalen, sondern sogar in „völkischen" Kreisen sagt man
    dem Gedanken solcher Ostpolitik heftigste Fehde an, wobei
    man sich, wie fast immer bei ähnlichen Gelegenheiten, auf
    einen Größeren beruft. Bismarcks Geist wird zitiert, um
    eine Politik zu decken, die ebenso unsinnig wie unmöglich
    und für das deutsche Volk in höchstem Grade schädlich ist.
    S. 740 - 743
     
  15. hatl

    hatl Premiummitglied

    Band II: Kap. 14
     
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  16. Clemens64

    Clemens64 Aktives Mitglied

    Äh, vielleicht kann man die Frage des Threads auch ganz einfach kurz beantworten: Das Ereignis, das nach H. vor 600 Jahren geendet habe, war die deutsche hochmittelalterliche Ostsiedlung.
     
  17. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ungefähr so?

    #2
     
  18. Divico

    Divico Aktives Mitglied

    Das wurde allerdings oben schon beantwortet.

    Nebenbei dürfte die Legende vom Rattenfänger vom Hameln auf genau diese Geschichte zurückgehen. — Jürgen Udolph hat dafür recht überzeugende Beweise vorgelegt.
     
  19. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Seit Jahrhunderten zehrte Rußland von diesem germanischen Kern seiner oberen leitenden Schichten.

    Im Prinzip geht es um die Rolle der "Baltendeutschen" (vgl Kritische Edition, Bd. II, S. 1658, FN 63)
     
  20. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    Man könnte auch die Waräger im Kiewer und Nowgoroder Rus in Hs Geschwurbsel reininterpretieren.
     

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