Weltraum-Archäologie? Oder doch besser Luftbild-Archäologie?

Dieses Thema im Forum "Archäologie" wurde erstellt von Apvar, 1. Januar 2013.

  1. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Hallo Zusammen

    Habe die Tage bei ZDF-History einen interessanten Bericht gesehen. History - Die Römer von oben.
    Dort wurde über eine relativ neue art der Archäologie "Weltraum-Archeologie" berichtet. Dabei werden Satellitenbilder der Nasa und des Amerikanischen Militärs auf Archäologische Befunde ausgewertet. Die Hauptperson war eine Amerikanische Professorin einer Universität in Alabama.
    Dabei hat sie oder soll sie unter anderem Strukturen von Portus, dem Nachfolgehafen von Ostia, gefunden haben.
    Dazu ein Link der University of Southampton:
    Portus Project

    Ist das nun eine eigene Archäologische Richtung oder "nur" ein Zweig der Luftbildarchäologie, der Reißerisch aufgewertet werden soll?
    Weil alleine kann man ja auch mit Satellitenbildern nichts machen, sondern muss sich ja doch die Hilfe der anderen Disziplinen holen.

    Apvar
     
  2. schwedenmann

    schwedenmann Aktives Mitglied

    Luftbildarchäologie

    Hallo

    Das ist für mich Luftbildarchäologie, ob die Aufnahmen nun aus 2000m, oder aus 14km per Spionagesatelliten stammen, ist doch nicht von Bedeutung.
    Beiedes muß ausgewertet werden und da sehe ich keinen Unterschied.
    Schließlich kann ich mit einem Forschungsflugzeug auch Infrarotaufnahmen, magnetroskopische Aufnahmen, etc machen, man muß nur das Equipment an Board haben, dazu brauch ich keinen Satelliten.

    mfg
    schwedenmann
     
  3. hjwien

    hjwien Aktives Mitglied

    Nun, ich denke schon, daß die Auswertung von Satellitenbildern eine qualitativ bessere Luftbildarchäologie ist, als wenn ich sie nur aus dem Flugzeug heraus betreibe. Denn ein Satellit kann flächendeckender arbeiten als ein Flugzeug, kostengünstiger, und er kann bei vielfacher Umrundung auf der stets gleichen Bahn Unregelmäßigkeiten ausgleichen, die zum Beispiel durch schlechte Sicht in einem Moment entstanden sind.
    Ein eigener Zweig der Archäologie ist es sicher nicht, sondern ein Werkzeug, das heute gern angewendet wird und auch viele Erfolge erzielt. Wir sehen das ja auch in unserem Rahmen hier - viele Aspekte können durch Aufnahmen von Google Earth verifiziert werden, eine derartig flächendeckende Vorlage von Flugbildern gibt es nicht. Am günstigsten ist es immer, wenn man beide Möglichkeiten hat und Daten abgleichen kann.
     
  4. edgar

    edgar Aktives Mitglied

    Reißerisch kam der Film bei mir nicht rüber. Das war eher nett medial aufgearbeitetes Material.
    Das ZDF hat das wohl von der BBC gekauft. Deswegen sind da halt Briten und Amerikaner im Bild. (Wir machen das auch)
    Lächerlich find ich eher den Guido, der sich mit dem eingekauften Material versucht sich selbst zu vermarkten.

    @hjwien
    Ein Flugzeug ist hier normalerweise natürlich besser, da Sensoren mit der gleichen Auflösung, je näher sie sind, bessere Ergenisse liefern.
    Allerdings haben die Europäer gerade einen Tandemsatelliten am laufen. Das toppt natürlich alles, da er 3D Bilder erzeugen kann.
     
  5. Xander

    Xander Aktives Mitglied

    Moin Hjwien

    Die Fernerkundung durch Satelliten ist nicht qualitativ besser als die per Ultraleichtflieger! Es kommt primär darauf an, welchem Zweck die Luftbilder dienen sollen. Ist ein Bodenreliefscan erforderlich, so ist der Satellit die erste Wahl. Willst du jedoch für einen Archäologen ein bestimmtes Areal zu einer bestimmten Jahres- und Tageszeit fotografieren (>Vegetation, Schattenwurf), so bist du mit einem Motordrachen oder einer Cessna besser dran!

    Gruß
    Andreas
     
  6. Xander

    Xander Aktives Mitglied

    Stereobilder kannst du auch von allen anderen Fluggeräten aus machen! Ist qualitativ auch nicht schlechter.

    Gruß
    Andreas
     
  7. hjwien

    hjwien Aktives Mitglied

    Natürlich ist es immer davon abhängig, was ich sehen will. Wenn ich einen Schnitt von oben photographieren will, hänge ich die Kamera an einen Ballon und frage nicht nach einem Satelliten, keine Frage.

    Will ich ein Bauwerk von oben betrachten, sind die Bilder aus einem Flugzeug wunderbar.

    Will ich einen großflächigen Survey begleiten, sind Satellitenbilder prima.

    Bei unseren Arbeiten im Libanon haben wir stets beides benutzt, doch alle Flugzeugbilder waren immer punktuell, die Satellitenbilder erlauben uns eine großflächige Analyse des gesamten Landes mit Konstruktion der Geostruktur, wir können Wadis und Flußtäler, die längs ausgetrocknet sind und Siedlungsplätze feststellen.
     

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