What did German families do with orders and medals after the death of a Wehrmacht veteran?

Tatsächlich? Nach dem Völkerrecht bis 1945 war es deiner Meinung nach also zulässig, dass vollkommen unbeteiligte Zivilisten in einem besetzten Gebiet als Rache für Widerstandsmaßnahmen hingerichtet wurden? Das wage ich zu bezweifeln.
"muck' hat tatsaechlich Recht: in keinem Text der acht Hague Conventions 1899/ 1907 steht irendetwas i.B. 'Schutz der Zivilbevoelkerung'. Traurig aber wahr.
Uebrigens, kein Internationaler Vertrag 'Garantiert' oder 'verbietet' etwas, weil mna einem souveraenen Staat nichts vorschreiben , geschweige denn verbieten kann. Ja, man kann 'ban' gewisse Vorgehen usw, aber das ist alles.
Artikel 46 der Haager Landkriegsordnung von 1899 garantiert u.a. auch das Leben der Bürger eines besetzten Gebiets.
Du bist einem Irrtum aufersessen: Article 46 der Geneva Conventions of 1949,
Additional Protocols and their Commentaries wurde 1949 der 1907 Hague Convention IV annexed.
"Family honour and rights, the lives of persons, and private property, as well as religious convictions and practice, must be respected. Private property cannot be confiscated."
Geneva Conventions of 1949,
Additional Protocols and their Commentaries
The Geneva Conventions which were adopted before 1949 were concerned with combatants only, not with civilians. Some provisions concerning the protection of populations against the consequences of war and their protection in occupied territories are contained in the Regulations concerning the laws and customs of war on land, annexed to the Hague Conventions of 1899 and 1907. During World War I the Hague provisions proved to be insufficient in view of the dangers originating from air warfare and of the problems relating to the treatment of civilians in enemy territory and in occupied territories. The International Conferences of the Red Cross of the 1920's took the first steps towards laying down supplementary rules for the protection of civilians in time of war.
 
Nach der Haager Landkriegsordnung dürfen rein zivile Ziele nicht angegriffen werden; Zivilisten wiederum dürfen sich nicht an Kampfhandlungen beteiligen, oder sie verlieren ihren Anspruch auf völkerrechtlichen Schutz.
Auf welche Haager Landkriegsordnung beziehst Du Dich?
Aus diesem Zusammenhang—aber auch aus älteren Rechtsgrundsätzen—wurde bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs völkergewohnheitsrechtlich abgeleitet, dass Gewalt gegen Zivilisten unter bestimmten Umständen legal sei, nämlich dann, wenn sie in eklatanter Weise gegen die Pflichten verstoßen, die das Völkerrecht den Nichtkombattanten auferlegt.
ditto
Wichtiger noch, Du verkennst, dass das Völkerrecht zum ganz überwiegenden Teil das Ergebnis richterlicher Rechtsfortbildung ist.
Nein, es hat etwas mit jus gentium und dem Gewissen der Nationen zu tun.
Dieser neue Rechtsgrundsatz hatte freilich nicht lange Bestand, weil schon 1949 das IV. Genfer Abkommen Kollektivstrafen und Vergeltungsmaßnahmen ausdrücklich verbot (Art. 33).
Stimmt.

Article 33 - Principle of individual responsibility and prohibitions of collective punishment, intimidation, terrorism, pillage and reprisals​

No protected person may be punished for an offence he or she has not personally committed. Collective penalties and likewise all measures of intimidation or of terrorism are prohibited.
Pillage is prohibited.
Reprisals against protected persons and their property are prohibited.
Glaube es oder nicht—Repressalien gegen Zivilisten waren bis 1945 unter bestimmten Umständen erlaubt, erst seit 1949 sind sie ganz verboten.
Sagen wir mal so: sie waren nicht explicitly banned.
 
@Scorpio

Versteh mich nicht falsch. Auch ich komme aus einer alten Bauersfamilie in der alles, aber auch wirklich alles, aufgehoben wird, weil man es ja mal gebrauchen koennte. Aber wenn die Frage aufkommt was ich mit den alten Medaillen meines Nazi Grossvaters mache, dann dreht sich mir der Magen.

Mein Vater ist weisser Deutscher, meine Mutter ist ethnische Koreanerin. Mein weisser, deutscher Grossvater haette mich damals zum Tode verdammen muessen. Es ist unangenehm damit leben zu muessen, dass ich ihn ueber alles geliebt habe und er mich auch, ohne die Medaillen zu sehen die er dafuer erhielt ein System zu unterstuetzen welches mich ermordet haette.

Verkaufen, damit jemand sie glorifizieren kann, moechte ich auch nicht. Das muss niemandem gefallen, aber fuer mich ist Altmetall die richtige Loesung.

Eine absolut nachvollziehbare Reaktion!

Bei manchem historischen Krimskrams, mag man sich tatsächlich fragen, warum man sich von manchem Kitsch nicht trennen kann/will.
Jäger und Sammler-Trieb, Sentimentalität, Nostalgie?

Schwer zu sagen, von allem wohl etwas. Bei Militaria steigt der Wert mit dem Erhaltungszustand, ein EK oder KVK das im Originalzustand ist, wo das Ordensband erhalten ist, wo die Swastika nicht abgefeilt ist, hat natürlich einen höheren Wert. Es mag aber durchaus auch ein morbider Sammlerreiz damit verbunden sein, wenn an einem Fliegerdolch, einem EK oder KVK die Swastika nicht abgefeilt ist.
Ich bin mir aber sehr wohl bewusst, dass eiserne Kreuze und Kriegsverdienstkreuze oft auch für Partisanenkampf und Judenmord verliehen wurden.

Ich würde aber auch die Militaria die ich besitze, alte Erbstücke von Familienangehörigen niemals verkaufen, ebenso wenig wie ich den Davidstern verkaufen würde, den mir eine Holocaust-Überlebende aus Israel geschenkt hat. In Israel habe ich übrigens ganz ähnliche Erfahrungen gemacht wie in D. Auch dort haben Familienangehörige oft sehr wenig von Krieg und Shoah berichtet, auch dort war es sehr schwierig, sie zum Sprechen zu bekommen, wenn auch aus anderen Gründen.

Mein Opa hat sich die Dinger nach dem Krieg auf dem Schwarzmarkt neu besorgt. Er hat sie allerdings nie getragen, bewahrte sie in einer alten Seifendose auf. Er war aber irgendwo schon stolz auf die Auszeichnungen, stolz vor allem darauf, dass er seinen Zug, seine Kompanie heil durchgekriegt hat in die Heimat. Der Sohn unseres Nachbarn hat immer behauptet, dass sein Vater und letztlich auch er selbst meinem Opa das Leben verdankte. Er sprang damals vor Kassel vom Zug und nahm den Nachbar mit.

Ich würde niemals die Orden von meinem Opa wegwerfen oder sie verkaufen, ebenso wenig wie ich jemals den Davidstern verkaufen würde, den mir eine Shoah-Überlebende geschenkt hat. Bevor ich es wegwürfe, würde ich es lieber an eine Gedenkstätte verschenken. Militaria-Sammler gibt es wie alle Menschen in integer und in schrecklich. Ich habe mal einem Sammler gegenüber, den ich nur flüchtig kannte, mit einem Nebensatz erwähnt, dass ein Verwandter von mir das Ritterkreuz bekam. Worauf er einen abenteuerlichen Plan entwickelte, das RK zu stehlen und durch eine Replik zu ersetzen als wäre ich dazu fähig, einem alten Mann die Kriegsauszeichnung zu stehlen, die ihm sehr kostbar war.

Es gab eigene Autogrammkarten für Ritterkreuzträger, und höhere Ränge mussten sie zuerst grüßen. Für Feldwebel, Leutnante und Hauptleute, die es bekamen, erwies es sich oft als Danaergeschenk. Viele von ihnen haben das "Halseisen" nicht lange überlebt. Man sah in ihnen nicht zufällige "Helden", die in einer Extremsituation über sich hinausgewachsen waren, sondern Kriegshelden, die für jedes Himmelfahrtskommando ausgewählt wurden.

Für 100.000 BRT gab es das "Halseisen". Für das stumme Erleiden im Geleitzugskampf, für stundenlange Wabo-Verfolgung gab es nichts. Wie viele Boote mögen abgesoffen sein, im wahrsten Sinne des Wortes "zu Grunde gegangen" sein, nur weil Kommandanten "Halsschmerzen" hatten und zu viel riskierten?

Ich gebe zu, einen gewissen morbiden Reiz hat die verbotene Swastika, wenn ich aber bei Kriegsauszeichnungen oder Devotionalien die Swastika nicht abgefeilt habe, sie im Originalzustand belassen habe so auch aus einem anderen Grund. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Zeitzeugen die sie mir gegeben haben, im großen und Ganzen wahrheitsgemäß berichteten. Jedenfalls haben sie ihre Berichte nicht glatt gefeilt, die eigene Beteiligung nicht geleugnet. Ich habe sehr viel von ihnen erfahren, ich bedaure sehr, dass ich sie nicht mehr fragen kann, aber alles, was ich wissen wollte habe ich am Ende erfahren.
 
Ich achte die Orden meines Vaters, meines Großvaters und meines Urgroßvaters, weil sie ihnen etwas bedeuteten.

Für mich sind sie aber im Fall des 2. Weltkriegs Teil eines Belohnungssystems, das Soldaten zu Mittätern machte.
 
Zurück
Oben