Wie finanzierten die Nazis den Wirtschaftsaufschwung im Dritten Reich?

Dieses Thema im Forum "Das Dritte Reich" wurde erstellt von Gast, 11. März 2005.

  1. Gast

    Gast Gast

    Hallo zusammen!
    Habe da mal eine Frage an die Experten unter Euch: wie schafften es die Nazis, die Wirtschaft im Deutschen Reich so anzukurbeln? Ich meine, woher nahmen sie das Geld?
    Die Juden wurden doch erst nach 1938/39 enteignet, oder nicht? Womit wurden z.B. der Bau der Autobahnen oder die Rüstungsindustrie finanziert? Danke! Dine
     
  2. parago

    parago Neues Mitglied

    Bereits am 27. Juni 1933 wurde das Gesetz zur Begründung des Unternehmens „Reichsautobahn“ erlassen. Die Reichsautobahngesellschaft lieh sich nicht nur den Namen und einen Teil des Images von den - erfolgreichen - Eisenbahnen. Sie wurde auch von der Reichsbahn direkt finanziert. Sie war eine Tochtergesellschaft der Reichsbahn. An direkter Unterstützung mußte die Reichsbahn zur Finanzierung des Reichsautobahnbaus ihrer Tochter 600 Millionen Reichsmark bezahlen.

    Darüberhinaus hatte die Reichsbahn der Reichsautobahngesellschaft den Verwaltungsapparat zu stellen und, für die Materiallieferungen beim Straßenbau, ihren Dienstgut-Tarif zu gewähren. Hinzu kamen Reichsbahnwerkstätten, die im Zweiten Weltkrieg zweckentfremdet für die Reparatur von Wehrmacht-Kfz und Panzermotoren eingesetzt werden mußten. Der Gesamtbetrag an finanzieller und materieller Hilfe der Reichsbahn für den Autobahnbau dürfte sich damit bei weit mehr als 1,5 Milliarden Reichsmark belaufen. Bedenkt man die zuvor erwähnten Reichsbahnmittel, die für die deutschen Reparationen zu zahlen waren, bedenkt man weiter die gewaltigen Summen, die der Kriegseinsatz der Reichsbahn auferlegte, dann fand im Zeitraum 1925-1948 ein kriegsbedingter und von außen aufgezwungener Prozeß des ökonomischen Aussaugens dieses nationalen Schienenverkehrsmittels statt.

    Quelle: http://www.nadeshda.org/archiv/antifa/nsautowo.pdf

    Weiteres interessantes, wenn auch sehr umfangreiches pdf zum Thema Autobahn:
    http://www.wirtschaft.uni-kassel.de/Vahrenkamp/History_Mobility/Arbeitspapiere/WP3_Autobahn_1933.pdf
     
  3. parago

    parago Neues Mitglied

    Zum Thema Ruestung, aus gleicher Quelle wie oben:


    Der Aufstieg der deutschen Autoindustrie zu den in der gesamten Wirtschaft führenden Unternehmen erfolgte im Dritten Reich. Daimler-Benz und BMW konnten in den wenigen Jahren des „Tausendjährigen Reichs“ ihre Umsätze verzehnfachen. Dies war u.a. auch deshalb möglich, weil beide sich in der Lage sahen, in kürzester Zeit eine totale Konversion zu vollziehen und sich von einigermaßen zivilen Autoproduzenten in Konzerne zu verwandeln, die zu 95 bis 100 Prozent für die NS-Rüstung arbeiteten. Denn: Das Rüstunsgeschäft war noch profitabler als die bisherige zivile Fertigung.

    Kaum einer hat den Motor für diese Konversion besser auf den Nenner gebracht als die Nazi-Größe und Chef der deutschen Luftwaffe, Hermann Göring. Am 8.Juli 1938 kündigte er im Namen der NSDAP in einer Rede vor Industrievertretern, darunter Daimler-Benz- und BMW-Vorstandsmitglieder, den bevorstehenden Krieg an und rief zu verstärkten Anstrengungen bei der Aufrüstung auf:

    „Was, meine Herren, bedeutet Ihr Werk gegenüber der Nation? Was bedeutet das alles, wenn Sie eines Tages statt Flugzeugen Nachttöpfe machen! Das ist ja einerlei.“(2) Es ist „einerlei“, solange es Profit bringt. In diesem Sinne gelang es ab 1936/37 in der Autoindustrie auf deutschem Boden - die US-Unternehmen Opel/General Motors und Ford inbegriffen - die Produktion in nur anderthalb Jahren komplett auf Militär-Lkw, Flugzeugmotoren, Panzer und andere militärisch wichtige Güter umzustellen. Eine Fertigung ziviler Pkw fand so gut wie nicht mehr statt.
     
  4. Schini

    Schini Neues Mitglied

  5. hyokkose

    hyokkose Gast

    Wenn ich recht informiert bin, war die Wirtschaft bereits vor der "Machtergreifung" auf dem Wege der Konsolidierung. Die Lausanner Konferenz 1932 hatte zudem eine weitgehnde Entlastung von den Reparationszahlungen gebracht. Ein Teil des Aufschwungs dürfte somit wohl gar nicht auf das Konto der Nazi-Regierung gehen.

    Die Aufrüstung wurde auf weite Strecken auf Pump finanziert. Die Ausgabe der Mefo-Wechsel bedeutete ja im Klartext, daß sich der Staat dramatisch verschuldete. Diese Schuldenpolitik wurde nur teilweise über eine spürbare Geldentwertung aufgefangen. Reichswirtschaftsminister Hjalmar Schacht, der das Mefo-System eingefädelt hatte, trat 1937 zürück, weil er die ruinöse Finanzpolitik schließlich nicht mehr mittragen wollte. Die Reichsbank war im selben Jahr noch unter der direkten Kontrolle des "Führers" unterstellt worden.
     
  6. collo

    collo Aktives Mitglied

    mit diversen tricks und einer raubpolitik in den besetzten gebieten haben die machthaber die illusion aufrechterhalten können, dass alles in ordnung sei und eine inflation vermieden. diese gabs dann nach dem krieg, ist aber nicht ins bewusstsein gedrungen, weil alles kaputt war, nicht nur die währung. die auswirkung, die dann jeder zu spüren bekam, war der miserable umtauschkurs bei den währungsreformen in west und ost:

    • Schulden wurden umgerechnet mit dem Kurs 10 Reichsmark (RM) zu 1 DM (10:1) umgestellt;
    • Löhne und Mieten jedoch mit dem Kurs 1:1;
    • Bargeld wurde zum Kurs 100 Reichsmark zu 6,5 DM umgetauscht.
    (wikipedia)
     
  7. da Pery

    da Pery Gast

    hat was mit wirtschaftentwicklung zu tun... ein wirtschaftsraum eintwickelt sich nie homogen in einer richtung... es gibt immer zyklische aufs und abs... stell es dir wie es eine sinuskurve vor... die nazis hatten das glück das 1933 eben sooo ein aufwärtstrend begann...

    geld bekommt man gemeinhin auch durch ausslandsschulden... :-} die DDR hat es ja nachgemacht (wie so vieles anderes auch...)

    die reichsautobahn ist ein mythos der sich bis heute gehalten hat... es ist unglaublich... da bauen die nazis ein oder zwei hundert kilometer und alle halten sie für die wirtschaftsgötter...

    btw. du musst nur 65 mio juden enteignen... da kommt ne menge geld zusammen... ;-}
     
  8. parago

    parago Neues Mitglied

    Na du kennst dich ja blendend aus, hm?

    "Als die Bauarbeiten infolge der Kriegsauswirkungen Ende 1941 bis auf wenige Ausnahmen eingestellt wurde, hatten die "Reichsautobahnen" eine Gesamtlänge von 3.827 km erreicht."

    Quelle: http://www.ak190x.de/Bauwerke/Die Reichsautobahnen.htm
     
  9. Kirlon

    Kirlon Aktives Mitglied

    Hier will ich dem Gast die Ehre retten: Ja, er kennt sich offensichtlich aus. Zwar ist die Schätzung "ein- oder zweihundert Kilometer" Autobahnbau arg überspitzt, jedoch stellt diese ziemlich genau dar, welche Bedeutung die Autobahnen volkswirtschaftlich, verkehrstechnisch und auch militärisch in der NS-Zeit tatsächlich hatten: so gut wie keine nämlich. Selbst 3827 km sind, bezogen auf die Größe des Deutschen Reiches, nahezu ohne Relevanz.

    Die Autobahnen waren ein Prestige-Vorhaben, das zweierlei Ziele verfolgte. Zum einen sollte die verkehrsplanerische Überlegenheit Deutschlands herausgestellt werden, zum anderen brachte es zigtausend Menschen Arbeit. Arbeit allerdings, die der Staat (resp. das Staatsunternehmen Reichsbahn) vollständig finanzieren musste, ohne anschließend Einnahmen oder sonstige Vorteile aus diesem Projekt realisieren zu können.

    Dass die Autobahnen noch heute fälschlicherweise als "Erfindung" der Nationalsozialisten und als wirtschaftspolitische Meisterleistung gelten, ist eine Fernwirkung Goebbelscher Propaganda. Was ab 1933 den Deutschen vorgegaukelt und von diesen geglaubt wurde, ist offensichtlich leider auch heute noch in vielen Köpfen verankert.
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. März 2005
  10. parago

    parago Neues Mitglied

    Na da bedanke ich mich doch fuer's Richtigstellen. Man lernt halt nie aus.
     
  11. heinz

    heinz Neues Mitglied

    Lieber Kirlon, Du hast völlig recht. Die Pläne für den Autobahnbau gehen bis in die Zwanziger Jahre zurück. Die Nazis nutzten den Autobahnbau nur propagandistisch aus. :(
     
  12. collo

    collo Aktives Mitglied

    bemerkung am rande: die erste autobahn wurde von 29-32 zwischen köln und bonn gebaut. weil das aber unter den nazis nicht wahr sein durfte, wurde sie nie in den status einer "Reichsautobahn" erhoben. erst 1958 wurde sie als A555 offiziell eine Bundesautobahn.

    noch ein paar bemerkungen zu unserem gast da Pery:

    zwar sprang die konjunktur weltweit um 1933 wieder an, aber erst die massive aufrüstung bewirkte den raschen abbau der arbeitslosigkeit. durch diese politik haben die nazis dem aufschwung zusätzlich flügel verliehen.

    auslandschulden wurden praktisch keine gemacht, weil niemand den nazis geld leihen wollte. vielmehr wurde es zu einem gutteil über die sog. Mefo-Wechsel aus der eigenen volkswirtschaft geborgt, d.h. über die druckerpresse.

    die nazis haben zwar nicht die idee zum autobhanbau gehabt, aber der autonarr Hitler setzte ihn durch. und zwar so massiv, dass das Deutsche Reich selbst mit 3.500km europaweit vorreiter und vorbild für andere länder war.

    die anzahl der enteigenten juden ist sicher ein kommafehler. durch die arisierungserlöse und die sonderabgabe nach den novemberprogromen gab es milliarden-erlöse zugunsten des staates. aber nicht nur die juden wurden ausgepresst, sondern alle eroberten länder, angefangen von Österreich und dem reichen Tschechien, bis hin zur plünderung des eroberten ostens.
     
  13. Kirlon

    Kirlon Aktives Mitglied

    Diese Darstellung ist leider sehr verkürzt und entspricht z.T. nicht dem wahren Sachverhalt.

    Schon in den 20er Jahren wurde von der HaFraBa (Verein zum Bau einer Straße für den Kraftwagen-Schnellverkehr von Hamburg über Frankfurt a.M. nach Basel) unter der Leitung von Willy Hof die Planung eines umfassenden Autobahnnetzes in Angriff genommen. Die notwendigen Investitionen sollten von den Gesellschaftern der HaFraBa getragen und durch spätere Mautgebühren refinanziert werden.

    Am 04. Juli 1930 wurden die fertigen Pläne dem Reichstag vorgelegt und dort mit den Stimmen der NSDAP (sic!) und KPD gekippt. Daraufhin wurde das Projekt abgebrochen.

    Erst Fritz Todt, der als Bauunternehmer schon Gesellschafter der HaFraBa war, brachte nach dem 30. Januar 1933 die Pläne zum Bau der Autobahnen Hitler näher. Nachdem auch die propagandistischen Möglichkeiten ausgelotet waren, beschloss man nun auf massive Initiative von Todt, die alten Pläne Realität werden zu lassen. Im August 1933 wurde dann die HaFraBa in die GEZUVOR (Gesellschaft zur Vorbereitung der Reichsautobahnen) umgewandelt, und das Bauvorhaben lief an. Dementsprechend ist auch die Aussage, dass der "Autonarr" Hitler den Autobahnbau durchgesetzt habe, nichts weiter als eine Fernwirkung nationalsozialistischer Propaganda.

    Nebenbei bemerkt: Die deutschen Autobahnen dienten in der Folge nicht nur in europäischen Ländern als Vorbild, sondern auch in den USA, wo zügig 65.000 km realisiert wurden.
     
  14. Klaus P.

    Klaus P. Aktives Mitglied

    Mir scheinen einige Fakten bisher unberücksichtigt:

    - Neben den "Arisierungen", d.h. den illegalen Enteignungen der Juden, wurden auch die Vermögen der verbotenen bzw. aufgelösten Parteien und Gewerkschaften und der politisch verfolgten Einzelpersonen und Exilanten eingezogen;
    - zur Finanzierung auf Pump, feiner auf Kredit: bereits am 1. Juni 1933 legte das „Erste Gesetz zur Verminderung der Arbeitslosigkeit“, das sog. „Erste Reinhardt-Programm“, 1 Mrd. Reichsmark für beschäftigungswirksame öffentliche Ausgaben fest , die mit kurzfristigen „Arbeitsschatzanweisungen finanziert werden sollten;
    - ab 1933 flossen sehr großzügige Spenden aus der Großindustrie;
    - als indirekte Quellen sind auch Sparmaßnahmen der NS-Regierung anzusehen wie die Einsparungen bei den Sozialleistungen durch die relative Verringerung der Arbeitslosigkeit von 20% im Jahr 1933 auf 9,6% im Jahr 1935 (allerdings immer noch fast so hoch wie heute!) durch Aufrüstung und Ersetzung entlassener jüdischer Beschäftigter usw. und durch Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen wie den nahezu kostenneutralen Reichsarbeitsdienst.
    „Der Beschäftigungseffekt dieser Ankurbelungsausgaben wurde durch verschiedene Auflagen in den Durchführungsvorschriften noch vergrößert. So war beispielsweise die geförderte Tätigkeit durch Handarbeit zu verrichten, wenn der Einsatz von Maschinen nicht unabdingbar war; zu 80% mussten die zusätzlich Eingestellten unterstützungsberechtigte Arbeitslose sein…“ (aus: Karl Hardach: Wirtschaftsgeschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert, Göttingen (Vandenhoek) 1976, S. 68 ff - dort sind sehr viele weitere Details nachlesbar.)

    Schließlich sollte nicht vergessen werden, dass die staatlichen Investitionen weitestgehend unproduktive waren, es sei denn, dass man Eroberungskriege als etwas Produktives ansieht, so dass das Reich 1939 kurz vor dem Staatsbankrott stand und auch deshalb den Krieg vom Zaun brach (geplant war er natürlich schon früher).

     
  15. prolimit

    prolimit Neues Mitglied

    Ich habe gestern, glaube ich im MDR, einen Historiker gehört der rech plausibel die These aufstellte, dass es den Deutschen Bürgen während des Krieges sehr gut ging.

    Er nannte zwei Zahlen, für die ich nicht garantieren kann, aber ich schmeiße sie mal in den Raum.

    70 % der Ausgaben des NS-Staates wurden durch Kriegsbeute gedeckt, 10 % wurden durch Enteignung erbeutet.

    Seine Hauptaussage war, dass dem NS-Staat nichts anderes mehr übrig blieb als einen Angriffskrieg zu führen, da die Staatsverschuldung so hoch war. Die Ausgaben für Soziales/Wehrmaterial und vorallem dem laufenden Sold der Soldaten mussten irgendwie gedeckt werden.
     
  16. heinz

    heinz Neues Mitglied

    Lieber Kirlon.
    das war eben das Schlimme an der Situation in den Dreißiger Jahren, vor dem 30.1.1933, dass die demokratischen Parteien keine eigene Mehtheit mehr hatten und damit alle Gesetze blokiert werden konnten. :( Dass die nazis nachher den Autobahnbau für sich nutzten, ist völlig klar.
     
  17. da Pery

    da Pery Gast

    berücksichtigen muss man noch das der bau einer autobahn eigentlich völlig absurd war... der geringste teil der dt. bevölkerung hatte vor 35 oder 36 ein auto... selbst ein theo. "volkswagen" kam erst langsam in die gesellschaft...

    was will man also mit einem netz von autobahnen??? gilt es gar nur als Arbeitsbeschaffungsmassnahmen??? die nazis hatten die gleichen interessen wie auch jede andere regierung das es eine fiktive vollbeschäftigung gibt... und mit tausenden von arbeitern die spitzhacke und schaufel eine autobahn bauen, kann man dies erreichen...

    ok meine ein oder zwei hundert km dürften untertrieben gewesen sein... (die makrosoziologievorlesung zu dem thema is schon etwas länger her :-} ) aber fakt ist das 3000km übertrieben sind... zumindest für die ersten 5 jahre... mag sein das russische und jüd. zwangsarbeiter in den kriegsjahren tausende kilometer autobahn mit ihren händen errichten musste... das lassen wir aussen vor... (es geht ja um den mythos... un dieser kommt aus den jahren 33 - 39) aber in den ersten jahren wurden WENIGE!!! hundert kilometer gebaut... zumal auch etliche einfache strasse umgebaut und umbenannt wurde...

    die Reichsautobahn wie wir sie hier meinen... zwischen den jahren 33 und 39 ist ein reiner propaganda mythos...
     

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