Wie führte die Wirtschaft in der Weimarer Republik zu ihrem Untergang

Dieses Thema im Forum "Die Weimarer Republik" wurde erstellt von Jeli, 27. November 2010.

  1. Jeli

    Jeli Neues Mitglied

    Hey :winke:

    Ich muss für ein Geschichtsprojekt 3-5 Thesen herrausarbeiten wie die Wirtschaftsituation zur Zeit der Weimarer Republik zu ihrem Untergang führte.
    Ich sollte, denk ich, schon mehr zu sagen haben als das" die Deutsche Bevölkerung durch die Weltwirtschaftskrise und die daraus entstehende Armut ein leichtes Opfer für die Propaganda der NSDAP wurde".
    Ich habe bereits eine these erarbeitet, von der ich aber noch nicht vollständig überzeugt bin. Die wäre:
    Durch den Daws-plan und die Auszahlung von hohen Krediten an deutschland, wurde die deutsche Wirtschaft zwar zunächst gestärkt, jedoch machte es sie auch stark von der amerkanischen wirtschaft abhängig und besiegelte somit ihren untergang, als 1929 die Wirtschaftskreise in den USA austrat.


    Ich hab außerdem eine scheinbar gute Website gefunden die eigentlich das beschriebt was ich suche...vieles verstehe ich jedoch einfach nicht ganz.
    Deflationspolitik usw.
    Die letzten Jahre der Weimarer Republik und Gründe für das Scheitern

    Wäre toll wenn jemand mir helfen könnte das cuddelmuddel der damaligen Wirtschaftssituation zu entwirren, sodass ich in eine paar klaren Thesen den Einfluss der Wirtschaft auf den Untergang der Republik vor der Klasse erläutern kann.

    Vieeelen Dank schonmal im Voraus!! <3
    Jeli
     
  2. Scharrukin

    Scharrukin Neues Mitglied

    Da gabs ja verschiedene Aspekte wie die enormen Reparationszahlungen, die nach Zahlungsunfähigkeit zu Beschlagnahmungen bis hin zur Besetzung des Ruhrgebiets zwecks direkter Abführung der Kohle führten.

    Die Grenzziehung, die zB in Oberschlesien die wirtschaftlichen Zentren Polen zusprachen;
    Beschlagnahmung der modernen Produktionsanlagen...

    und in der ohnehin mehr als kritischen Lage kam noch die Weltwirtschaftskrise hinzu,
    gewisse Teilerfolge in Verhandlungen zwecks Lockerung der Bedingungen von Versailles kamen schlichtweg zu spät und waren nicht ausreichend um hier noch eine wirtschaftliche Wende zu bringen.

    Das sollte mal als Ansatz zur weiteren Recherche dienen...
     
  3. Jeli

    Jeli Neues Mitglied

    Ach herje..wie wenig davon mir bekannt vorkommt :S
    Naja ein Ansatz zu Recherche ist es auf jedenfall schon einmal...
    Vielen Dank!
     
  4. Lili

    Lili Neues Mitglied

  5. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Das ist ein guter Ansatz. Ergänzen würde ich:
    Die Weltwirtschaftskrise
    mit den dort zu findenden weiteren Stichtworten.

    Bzgl. Zusammenhang Weltwirtschaftskrise und Deutschem Reich sowie die Frage der Destabilisierung der Weimarer Republik sollte darauf geachtet werden, dass die wirtschaftliche Krise auch in anderen Ländern mit ähnlichen Wirkungen vorhanden war.
     
  6. Jacobum

    Jacobum Neues Mitglied

    Die Bestimmungen des Versailler Vertrages haben zu weiteren schwerwiegenden Einschränkungen geführt:
    - Der Verlust von Elsass-Lothringen bedeutete auch den Verlust von 70% der deutschen Erzförderung.
    - Die Auslieferung von 90% der deutschen Handelsflotte war ein wichtiger Punkt, denn die deutsche Handelsflotte war vor dem Krieg die zweitgrößte der Welt gewesen. Hinzu kam die Abgabe von tausenden von Lokomotiven und LKWs.

    Kurz zu der von Dir erwähnten Weltwirtschaftskrise: Der vorübergehende Aufschwung der deutschen Wirtschaft ab 1924 war zu einem Großteil wegen der us-amerikanischen Kredite möglich geworden. Die Weltwirtschaftskrise führte jedoch dazu, dass ab 1929 diese Kredite abgezogen wurde. Die Folgen waren zahlreiche Firmen, die pleite gingen. Die Industrieproduktion sank und damit auch die Ausführen (Deutschland war schon damals sehr exportorientiert).
    All das führte zu einer Rekord-Arbeitslosigkeit; durch die Verringerung der Kaufkraft sank nun auch noch die Binnennachfrage. Zugleich baute sich ein gefährlich hohes Protestpotential auf, das von den extremen politischen Parteien instrumentalisiert werden konnte.
     
  7. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    @Jacobum: Das sind alles richtige Hinweise auf Ereignisse. Versuch doch einmal, die Bedeutung abzuschätzen, denn diesbezüglich sind inzwischen einige wichtige Diskussionen in der Literatur geführt worden.

    Mit welcher Bedeutung für die deutsche Volkswirtschaft:
    1913 alter Gebietsstand 8,501 Mio. to. Eisengehalt (brutto 28,608 Mio. to.), Wert 115,7 Mio. RM
    1927 neuer Gebietsstand 2,124 Mio. to. Eisengehalt (brutto 6,626 Mio. to.), Wert 65,81 Mio. RM.
    Verloren gegangene Beschäftigung: rd. 24.500 AN, reduzierte Lohnsumme ./. 32 Mio. RM.
    Importe 1927 rd. 342,6 Mio. RM, rd. brutto 17,408 Mio. to.
    Roheisenerzeugung:
    1913 rd. 16,764 Mio. to. im Wert von 1,088 Mrd. RM
    1927 rd. 13,089 Mio. to. im Wert von 0,986 Mrd. RM
    Volkswirtschaftliche Bedeutung des Verlustes der Bergbauproduktion? Das Problem setzt erst bei der Interpretation an.

    Auch das ist vielfach zu lesen. Wie ist zu würdigen, dass aufgrund der staatlichen Bau- und Subventionsprogramme 1927 rd. 2/3 des Bestandes aufgefüllt waren, und der Schiffsneubau rd. das Dreifache der US-Erzeugung ausmachte? Gleiches gilt für Lokomotiven und rollendes Material.

    Dazu gibt es sowohl sehr unterschiedliche Darstellungen, als auch sehr unterschiedliche Interpretationen. Das fängt bei dem relevanten Umfang der Industrieanleihen und der kurz- und langfristigen Anleihen im Bankensystem sowie bei den in- und ausländischen Zeichnungen deutscher Staatsanleihen an, und hört beim Streit um die Abzüge 1929, die Stabilisierung 1930/31 und den nachfolgenden Absturz in der deutschen Bankenkrise auf.

    Für das Schulbuch reichen allerdings sicher ein paar grobe Darstellungen, dennoch der Hinweis, dass das in der Fachliteratur sehr umstritten dargestellt wird.

    Umgekehrt.
    Der Zusammenbruch des globalen Warenaustausches (rd. 40 % in Volumina, 50-70% in wichtigen Segmenten nach Wert - übrigens wurden hier Überkapazitäten der bestehenden Handelsflotten - siehe oben - zu 50% stillgelegt) sowie der folgende Kollaps des deutschen Binnenmarktes führten zu den Unternehmenszusammenbrüchen.

    Sicher wurde die Kaufkraft durch die ansteigende Arbeitslosigkeit beeinträchtigt. Die Nachfrage brach jedoch simultan ein: sehr gute Ursachenanalysen gibt es hier für die exportabhängigen Regionen. Dort sind kettenweise Rückgänge der Nachfrage zu beobachten, ähnlich der Kreise eines ins Wasser geworfenen Steines. Auch das führt hier aber zu weit.


    Da sehe ich genau so. Interessanterweise - hatte wir an anderer Stelle - relativ weniger bei den Beschäftigten als zB in der Landwirtschaft, kleinen Gewerbetreibenden und Selbständigen.

    http://books.google.com/books?id=i7...irtschaft. Zur Geschichte und Wirkung&f=false
    http://personal.lse.ac.uk/ritschl/pdf_files/BorchardtsInterpretation.pdf
     
    Zuletzt bearbeitet: 28. November 2010
  8. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Die Punkte meiner Vorredner sind zutreffend.

    Ergänzend:
    vor der Weltwirtschaftskrise wurde spekuliert wie verrückt, in Deutschland. Auch da träumte so mancher kleine/mittlere Gewerbetreibender davon, seine Zukunft auf dem Golf- oder Tennisplatz und mit dem lesen der neuesten Börsennachrichten (die natürlich seine Kursgewinne verzeichnen) zu verbringen.
    Als die Blase platzte, wurden aus virtuellen Riesen-Vermögen sehr handfeste Schulden, die dann natürlich nicht mehr bedient werden konnten.
    Als typischer Vertreter würde ich mal nach dem Namen "Schapiro" googeln.

    Während der Inflation 1919-1923 produzierte die deutsche Industrie mit niedrigen - geringen - sehr geringen bis fast gar keinen Lohnkosten. Soweit exportiert wurde, schlug sich dies in immensen Gewinnen nieder. Einer der Gründe, warum die Siegerstaaten Deutschland zu der Zeit bei den Reparationen absolut nicht entgegenkommen wollten
    Die Gewinne wurden "reinvestiert" (wenn nicht, waren sie natürlich auch futsch) in Maschinen, Einrichtungen und in Beteiligungen an anderen Unternehmen.
    Hier würde ich als typisch nach dem Namen "Stinnes" googeln.


    Mit anderen Worten: Die Probleme waren zum erheblichen Teil hausgemacht. Weniger der "roten Republik" usw. geschuldet.
     
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  9. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Zu dem Problem der Importüberschüsse, zu den lang- und kurzfristigen Auslandsanleihen sowie zu den Abflüssen aus dem deutschen Bankensektor gab es im Umfeld dieses Themas eine Diskussion:

    http://www.geschichtsforum.de/376239-post96.html
     
  10. Jacobum

    Jacobum Neues Mitglied

  11. Jeli

    Jeli Neues Mitglied

    Vielen Dank für all die Antworten! Das hilft ernorm! Ihr seid toll! :) <3
     

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