Wie war das Leben eines Herrschers?

Dieses Thema im Forum "Absolutismus und Aufklärung (1648-1789)" wurde erstellt von geschichtsfan07, 17. März 2007.

  1. geschichtsfan07

    geschichtsfan07 Neues Mitglied

    Hallo...
    Ich bin ein großer Fan vom Absolutismus und der Aristokratie!

    Ich beschäftige mich hauptsächlich mit den Häusern Reuß, franz. Bourbon und Habsburg ( find alle anderen aber auch interessant :winke: ).
    Ich würde auch mal gern an eigener Haut spüren wie es damals so war z.B. am Hofe des Sonnenkönigs.
    Ich würde darum gerne wissen wie ein Herrscher sein Leben verbrachte!
    Ich würde mich auch freuen wenn mir jemand gute Bücher empfehlen könnte!
    ( Wer sich mit dem Fürstentum Reuß beschäftigt ist bei mir "Gern Gesehen")

    Ich bedanke mich schon mal ! Bis dahin .....
     
  2. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Oh, viele absolutistische Herrscher waren durchaus workoholics. König Friedrich von Preußen, Maria Theresia, Katherina II. standen sehr früh auf und arbeiteten 16 Stunden am Tag. Ein Meister der Zeiteinteilung war der Sonnenkönig, er teilte die Stunden des Tages durch 3, widmete sich acht Stunden der Administration, wobei er sehr fleißig die Akten studierte und seine Minister durch seine Sachkenntnis verblüffte. acht Stunden des Tages aber widmete er sich seinem Vergnügen, der Jagd, dem Ballett und nicht zuletzt der Liebe. Er war in jungen Jahren leicht erregbar und geneigt, mit jeder Dame zu schlafen. Seine ehelichen Pflichten vollzog er einmal in der Woche, der Hof wußte darüber Bescheid, denn Maria Theresia von Spaniens Gesicht leuchtete dann immer, und sie ging am anderen Tag zur Beichte. Als er in den Niederländischen Krieg zog, brachte er es fertig, die Königin und seine Mätressen Louise de La Valliere und Athenais Francoise de Montespan in einer Kutsche mitzunehmen. In Versailles diente alles einzig und allein der Verherrlichung des Königs. Alle Wege trafen im königlichen Schlafzimmer, der chambre du roi zusammen. Er ließ sich um 8.00 wecken und von Höflingen angekleiden und rasieren, es war genau geregelt, wer ihm das Hemd, die Kniehosen und die Robe reichen durfte. Dann verrichtete seine Majestät erst einmal ein Geschäft, das nicht so privat war wie heute. Das Protokoll bestimmte exakt, wer in Gegenwart des Königs auf einem Stil mit Lehne oder nur auf einem Schemel sitzen durfte.

    Einen eher schlichten Stil pflegten dagegen Peter I. von Rußland, sein großer Gegner Karl XII und Friedrich Wilhelm I. von Preußen. Über die Spleens und Marotten und ausführlichst auch über das Privat- und Liebesleben barocker Fürsten berichtet mit spürbarer Lust am Detail Robert K. Massie in seiner Biographie "Peter the Great, his life and his time. Massies Werk läßt sich sehr gut auch von Anfängern der Geschichtswissenschaft lesen. Es wurde mit dem Pulitzer Preis ausgezeichnet und liest sich streckenweise wie ein historischer Roman. Es ist auch bei Fischer in deutsch erhältlich, und wenn du es gelesen hast, weißt du bestens Bescheid, wie es bei Bourbons, Habsburgs, Romanows und Preußens abgegangen ist. Louis XIV., Karl XII., Friedrich Wilhelm I., Friedrich von Dänemark und Georg I. Ludwig von Hannover/England und natürlich Zar Peter werden ausgiebig porträtiert.
     
  3. geschichtsfan07

    geschichtsfan07 Neues Mitglied

    Ganz großes Danke! :anbetung:

    Weis glei gar nicht mehr was ich sagen soll.....

    Heißt das Buch genauso wie im englischen?
    Wenn nein, würde ich mal den Titel auf deutsch noch mal gern haben!

    Klingt sehr gut - danke !

    Bis dahin...........
     
  4. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Peter der Große Sein Leben, eine Zeit heißt es deutsch. Es ist als Taschenbuch erhältlich, und die Investition lohnt sich bestimmt. Massie erzählt darin auch eine Menge Anekdoten über Peter. Er fürchtete sich nicht im Krieg oder auf See, aber vor Kakerlaken ekelte er sich furchtbar. Einmal war er bei einem Adeligen zu Gast. Er fragte, ob es auch keine Kakerlaken gebe. Nein, sagte der Gastgeber, er habe eine zur Abschreckung an die Wand gespießt und wies auf die Wand, worauf Peter schreiend die Flucht ergriff.
     
  5. geschichtsfan07

    geschichtsfan07 Neues Mitglied

    Danke nochmal ! Ich werde den Rat befolgen und mir das Buch zulegen !

    Wenn ich es gelesen habe werde ich schreiben wie ich es fand.

    Ich würde darum bitten das sie zu dem Thema weitere Kommentare schreiben da ich sie sehr lehrreich finde !

    Bis dahin..........geschichtsfan07
     
  6. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Vielen Dank für die Elogen, @geschichtsfan! Übrigens duzen wir uns hier im Forum. So long!
     
  7. Louis le Grand

    Louis le Grand Neues Mitglied


    Bei diesen drei Wünschen könnte ich zwei Lösungsvorschläge machen. ;)

    1. Böten sich da natürlich die Memoiren des Herzogs von Saint-Simon an. Sehr ausführlich, aber mit großer Vorsicht zu genießen Zwar beschreibt er den Alltag in Versailles höchst akriebisch, aber da er Ludwig XIV. nicht leiden konnte, zeichnet er ein stark verzerrtes Bild von diesem.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Louis_de_Rouvroy%2C_duc_de_Saint-Simon

    2. Eine hervorragende Zusammenstellung von Berichten über das Hofleben aus der ganzen Regierungszeit Ludwigs XIV. findet sich bei Gilette Ziegler: Der Hof Ludwigs XIV. in Augenzeugenberichten.

    Beide Bücher sollte man in Bibliotheken oder über ZVAB.com bekommen.
     
  8. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Für Anekdoten waren allerdings auch immer die Welfen gut, die sich untereinander oft erbittert haßten. So z. B. Georg I. Ludwig und sein Sohn Georg August. Bei ihrem Einzug in London gingen sie mit ihren Spazierstöcken aufeinander los.Der König verbot dem Prince of Wales den Hof und nahm ihm die Kinder weg. Vermittlerin zwischen diesen beiden war Caroline vons Ansbach, die Fürstin von Wales. Auch der erste Welfe auf dem englischen Thron pflegte einen eher schlichten Lebensstil und ließ sich vorzugsweise von zwei Türken bedienen, die er im Türkenkrieg als kaiserlicher General gefangen genommen hatte. Die Briten mochte er nicht besonders, machte sich nicht die Mühe englisch zu lernen und ging oft monatelang in sein Kurfürstentum. Die Briten mochten ihn auch nicht sonderlich und zogen über seine beiden deutschen Mätressen her. Mehr Anklang fand sein Lieblingsbarockstar Georg Friedrich Händel, den er nach London einlud.
     
  9. geschichtsfan07

    geschichtsfan07 Neues Mitglied

    Is ja stark was man ihr alles erfährt !

    Freue mich sehr über die "Bücherangebote" und werde mir diese besorgen! Ich denke auch, dass ich eine Bewertung zu diesen abgeben werde. Aber ich denke ich kann mich euren Meinungen voll und ganz anschließen !
     
  10. Rovere

    Rovere Premiummitglied

    Sehr gut dürften dir auch alle Bücher von Thea Leitner und Sylvia Jurewitz-Freischmidt gefallen.
    Die Autorinnen wärmen darin durchaus amüsant eine Fülle von Anekdoten, Memoiren und Gschichterln auf. Dafür sind die Bücher frei von Politik-, Wirtschafts-, Kultur- oder Sozialgeschichte. Die Infos, die dich interessieren, findest du darin aber auf jeden Fall und zum Einlesen sinds durchaus ok. Beide Damen haben gut recherchiert und geben ihre Quellen an.
     

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