Kennt jemand Literatur zum Bankenwesen im Römischen Reich?
Leider nur die Kapitel zum Finanzwesen in den größeren Werken zu römischen Wirtschaftsgeschichte.
Ja, Fellmeth 2008, Pekáry 1979. Beachtenswert sind auch Finley und Drexhage/Konen/Ruffing.
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Kennt jemand Literatur zum Bankenwesen im Römischen Reich?
Leider nur die Kapitel zum Finanzwesen in den größeren Werken zu römischen Wirtschaftsgeschichte.
Mich würde interessieren, wer von den genannten Autoren eine WirtschaftsTHEORIE vertritt - also GLAUBT, Ursachen und Wirkungen identifizieren zu können - wer sich eher auf die anekdotische Schilderung von Einzelsachverhalten beschränkt, und wer auch ausführliches Zahlenmaterial zusammengetragen hat.
Wirtschaftsräume sind in der Antike zunächst viel kleiner als heute, deshalb ist es nicht so einfach, von Umverteilungs- und Konzentrationsprozessen zu sprechen. Überlandtransporte z.B. sind irrsinnig teuer, wenn man Stundenkilometer, Warentransport und Futter für Last- und Zugtiere zusammenrechnet. Sklavennahme kann also zu wirtschaftlichem Aufschwung in der Wirtschaftsregion der militärisch erfolgreichen Gruppierung führen. Für die militärisch unterlegene Seite ist es ein Einbruch. Denn abgesehen von den im Krieg erschlagenen werden die leistungsstärksten Bewohner in die Sklaverei geführt. Auch wurde nicht jedes besiegte Gebiet gleich ins Imperium eingereiht. Makedonien etwa wurden zunächst nicht römisches Staatsgebiet sondern behielt formell seine Autonomie.Das Argument, Beute (Gold, Sklaven) würde zum Reichtum oder Wirtschaftswachstum beitragen, ist zweischneidig... Leider wird das eroberte und ausgeraubte Gebiet dann ein Teil des Imperiums, und es findet alleine ein Umverteilungs- und Konzentrationsprozess statt. Dies KANN allerdings zu einem Investionsverhalten der Kriegsgewinnler führen, den es sonst nicht gegeben hätte.
Ein wesentlicher Gedanke kapitalistischer Wirtschaftstheorien ist immer der "Kredit", d.h. ein Unternehmer wird i.d.R. seine Investitionen vorfinanzieren, indem er sich etwas borgt - schon sehr alt sind die sog. "Seekredite". Die Zinshöhe richtet sich nach dem Risiko und der "Bürgschaft". Solche Geschäfte wurden wohl in erster Line auf Edelmetall- oder Warenbasis getätigt, so dass sie unabhängig von der Währungs(= Inflations)polititik des Staates waren.
Das würde ich nicht unbedingt als Kreditwesen sehen. Die Steuerpächter ersteigerten ja das Recht, die Provinzen auszubeuten. OK, jetzt könnte man natürlich argumentieren, dass der röm. Staat hier einfach den Kreditgeber mit den günstigsten Parametern aussuchte, aber das wäre imho ein perverses Verständnis von Krediten...Aber man kann viele Vorgänge als Kreditvergabe verstehen, z.B. die Verpachtung der Provinzsteuereinnahmen. Hier "leiht" sich der Staat eine Menge an Edelmetall und zahlt es dem Pächter indirekt über die Steuerzahler zurück. Der "Zinssatz" des Steuerpächters ist hierbei allerdings immens!
Bevölkerungsproportionale Effekte sollten überhaupt keine Rolle spielen.("Die Felder konnten wegen der reduzierten Bevölkerung nicht mehr bebaut werden." ist keine sehr plausible Argumentation)
Ja, z.B. so, dass die arbeits- und zeugungsfähige Bevölkerungsgruppe in Teilen wegbricht...Seuchen und Kriege verändern aber den Altersaufbau einer Bevölkerung mit vielen feinsinnigen Konsequenzen für das Wachstum...
Um hier weiterzukommen, müssen die einzelnen Parameter quantitativ bekannt sein. Und selbst dann hängt es von der vertretenen Wirtschaftstheorie ab, welche Folgerungen man daraus zieht.
Demandt schrieb:[Senatoren unterstanden] nicht den ordentlichen Gerichten [...], sondern nur von ihresgleichen gerichtet werden durften... Senatoren durften nicht in Untersuchungshaft genommen, nicht gefoltert werden...
Die Senatoren zahlten außer der annona eine jährliche Grundsteuer... Hinzu kam das qurum oblaticium bei Fünf- und Zehnjahresjubiläen vom Senat als Körperschaft gezahlt. Von Einquartierungen waren Senatoren befreit.... Wo immer ein Senator wohnte, nie unterstand er städtischen Behörden. Er war allein ein echter civis Romanus, reichsunmittelbar. Aus diesem Grunde waren die Senatoren von Curialenpflichten und Frondiensten befreit.
Wir wissen ja selbst heute meist nicht, was die "richtigen" wirtschaftspolitischen Maßnahmen sind...Naja, die 'Modernisten' sind der Auffassung, dass es ein Wirtschaftsbewusstsein in der Antike gab, es allerdings an Erfahrungen mangelte, weshalb manche wirtschaftspolitischen Maßnahmen uns vergleichsweise naiv vorkommen (Pekáry, Fellmeth, Drexhage et al.); die 'Primitivisten' dagegen (z.B. Finley) sind der Meinung, dass es kein Wirtschaftsbewusstsein gab und wirtschaftspolitische Maßnahmen nicht aus theoretischen Erwägungen, sondern aus momentanen Stimmungen oder Charakterzügen (z.B. Philhellenismus) heraus gemacht wurden.
Damit hast Du ein sehr schönes Argument konstruiert für ein zeitverzögertes Problem!Auch wurde nicht jedes besiegte Gebiet gleich ins Imperium eingereiht. Makedonien etwa wurden zunächst nicht römisches Staatsgebiet sondern behielt formell seine Autonomie.
Nach der Formel: Unternehmer = Geld + WagemutÜber riskante aber produktive Kredite haben wir aus der Antike kaum Zeugnis. Banken scheinen diese nicht vergeben zu haben. Dies ging wohl mehr von privat an privat auf verwandtschaftlicher und freundschaftlicher Ebene.
Das ist eine gute Warnung! Letzendlich wird man bei genauerer Kenntnis auch mehrere Dutzend "Konjunkturzyklen" identifizieren können; jeder leicht anders gefärbt.Ich finde, so langsam wird das Ganze hier recht bunt durchmischt, sowohl von den Aspekten als vor allem zeitlich.
Das will mir nicht sofort einleuchten. Sicherlich aufs Stadtproletariat bezogen, aber die Landgüter haben in natürlicher weise eine Quarantänelage...Die Seuchen dezimierten ja vorrangig die ärmere Bevölkerung so das es eben schon zu einem Rückgang der Produktivität kam.
Sehe ich auch nicht.. Wichtige Geschäfte wurden über das Edelmetall-Feingewicht abgewickelt, dessen Wert trotz hoher Förderung m.W. recht konstant geblieben ist.Die dauernde Aufsoldung des Heeres trieb dazu sicher einge gewissen Inflation oder Münzverschlechterung an, letzendlich sehe ich darin jedoch nicht unbedingt ein Problem.
Richtig, möglicherweise wussten die Römer nicht, was sie taten. Aber die Ergebnisse dieses Handeln sollten schon durch moderne Theorien erklärbar sein. Dies wäre sogar ein Teststand für solche Theorien...Vergleich mit einem modernen oder besser neuzeitlichen Wirtschaftsmodel würde ich nicht unbedingt ziehen, da sich die das Verwaltungssystem im Römischen Reich doch so stark von jüngeren Staaten unterscheidet und einen großen Unterschied zu den heute gängigen Theorien im wirtschaftlicher Hinsicht darstellt.
Wenn diese Bautätigkeiten durch die "Superreichen" initiiert wurden, wäre dies kein schlüssiges Argument (sondern vielleicht sogar Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen). Finanziell richtig schlecht scheint es einem Senator selten gegangen zu sein...... Bestreben der Oberschichten in die Senatorenränge aufzusteigen, jedoch lassen sich gleichzeitig noch immer enorme Bautätigkeiten in den Städten feststellen, so das auch hier nicht mit einem wirtschaftlichen Niedergang gerechnet werden sollte.
Ja, weil offenbar (?) nicht die geeigneten Maßnahmen dagegen getroffen wurden. Fehlte einfach nur Roosevelts "New Deal"?Möchte man es modern und überspitzt ausdrücken, so war die Wirtschaftskrise eine große Rezession.
Das will mir nicht sofort einleuchten. Sicherlich aufs Stadtproletariat bezogen, aber die Landgüter haben in natürlicher weise eine Quarantänelage...Die Seuchen dezimierten ja vorrangig die ärmere Bevölkerung so das es eben schon zu einem Rückgang der Produktivität kam.
...war auch die Antoninische "Pest" keine Erkrankung des Pesterregers, der erst in Justinianischer Zeit den Mittelmeerraum erreichte. Aufgrund der überlieferten Symptome wird heute von einer tödlichen Pockenerkrankung ausgegangen. Sie dürfte in zwei Wellen 165 bis 167 und ab 177/178 aufgetreten sein. Nach 180 brannte die Seuche beinahe plötzlich aus, da die Zahl der mittlerweile Immunisierten einen Großteil der Bevölkerung ausmachte. Trotzdem blieben die Pocken endemisch und als genügend Menschen ohne Immunisierung nachgeboren waren konnte es in den 230er Jahren erneut zu einer großflächigen Epidemie kommen. Interessanterweise ist man über das lokale Ausmass der Sterbefälle gut informiert, die sich vor allem in Ägypten über Berichte und Steuerlisten erhalten haben. Demnach kann man eine Mortalitätsrate von 25 bis 30 % annehmen.
Überhaupt war die Krankheit in der Stadt Ursache einer allgemein wachsenden Sittenlosigkeit.
So gab man sich hemmungsloser Gelüsten hin, denen man früher höchstens heimlich gefrönt hätte; zu viele plötzliche Schicksalswenden hatte man schon erlebt, bei denen die Wohlhabenden unversehens starben und gestern noch Mittellose alsbald deren Habe erbten.
Daher strebten die Leute nach rascher Befriedigungen, suchten den Genuss, denn sie selbst wie auch ihr Vermögen waren in ihren Augen ohne jedes Morgen. Sich im voraus für ein als hehr empfundenes Ziel abzumühen, verlockte niemanden, denn jeder sagte sich, man könne schließlich nicht wissen, ob man nicht ohnehin schon vor Erreichen dieses Ziels umgekommen sei. Sofortiges Vergnügen - das war es, was den Platz des Schönen und Nützlichen eingenommen hatte. Furcht vor den Göttern, Gesetze des Menschen – nichts konnte sie im Zaume halten; es schien gleich, für fromm gehalten zu werden oder nicht, kam doch sowieso jedermann ohne Unterschied ums Leben, und beging man ein Verbrechen, so erwartete ohnehin niemand so lange zu leben, dass das Urteil noch gefällt und die Strafe vollstreckt werden könnte: die drohende Krankheit wog mindestens genauso schwer, und man fand es nur recht und billig, das Leben noch ein bisschen zu genießen, bevor man hinweggerafft würde.
Alle.Mich würde interessieren, wer von den genannten Autoren eine WirtschaftsTHEORIE vertritt
Das ist das Problem der Wirtschaftsgeschichte der Antike.- also GLAUBT, Ursachen und Wirkungen identifizieren zu können - wer sich eher auf die anekdotische Schilderung von Einzelsachverhalten beschränkt, und wer auch ausführliches Zahlenmaterial zusammengetragen hat.
Wieso wird es letztlich verbrannt ...Die Frage, die ich mir bei solchen "Konkursproblemen" immer stelle, ist: Wo wurde das Geld denn letztendlich "verbrannt".
Produktivität?...Steuern rundum unproduktiv sind:
Ruin einer Volkswirtschaft? Wie das?Komplexer wird die Angelegenheit, wenn der Staat aktiv als Unternehmer auftritt, ...Da er nicht "pleite" gehen kann ..., entstehen hier sehr leicht "rote Zahlen". Über 100 Jahre hinweg kann alleine dies zum Ruin einer Volkswirtschaft führen.
Inflationsgewinne des Staates? Gewinn ist hier das falsche Wort.So gesehen ist die Erfassung der SICHTBAREN Steuern nur eine stark vereinfachte buchhalterische Sicht. Hinzu kommen die Währungs(Inflations)gewinne des Staates. Abgezogen werden müssen die produktiven Leistungen (in Form von Staatsinvestitionen oder Subventionen), die im eigentlichen Sinne des Wortes den Wirtschaftsprozess "steuern".
Schöne Tautologie: Kapitalismus - Kredit.Ein wesentlicher Gedanke kapitalistischer Wirtschaftstheorien ist immer der "Kredit", d.h. ein Unternehmer wird i.d.R. seine Investitionen vorfinanzieren, indem er sich etwas borgt - schon sehr alt sind die sog. "Seekredite".
Eigentlich steht hinter der "Aufgabe" eher das "Etnscheidungsproblem", wenn man "Kapital" als andere Seite der Medaille "Investition" begreift. Jeder Besitzer von Irgendetwas ist dann "Kapitalbesitzer". Dem Kapital ist zunächst die Art der Investition egal, nur eben ist die Rendite der Investition zugleich Quelle der Rendite des Kapitals. Die "richtige" Investition berührt stets die Frage der Opportunität zwischen zwei unterschiedlichen Anlagenformen, als Kriterium der "Richtigkeit" oder Effizienz der Kapitalbindung.Das ist also die Aufgabe aller Kapitalbesitzer: Richtig (!) zu investieren.
Ruin einer Volkswirtschaft? Wie das?
Gemeint ist Inflation. Der Ruin trifft Sachwertinhaber anders als "Tauschmittelinhaber". Es geht um Wertrelationen/Preise.
Gibt es dafür Anzeichen, Quellen oder archäologische Belege?Worauf ich hinaus will ist eine - vermutete - "Investititionsunwilligkeit" derjenigen, die über den "Mehrwert" verfügen konnten.
Das nennt man Instandsetzungen oder Erneuerungsinvestitionen (was von beiden, hängt von der Abgrenzung des Bewertungsobjektes ab).Ein ganz konkretes Beispiel: Wenn der Schiffsreeder wegen Steuern und Inflation sein Schiff nicht mehr ausreichend "klar machen" kann, dann geht es irgendwann unter. Diese abgeschöpften Mittel hätten eben zur Schiffsreparatur verwendet werden müssen. Stattdessen hat ein Senator damit eine Orgie gefeiert. Unsere modernen Steuersysteme haben hierfür das Konzept der "Abschreibungen" geschaffen, das so eine Besteuerung nicht zulassen würde.
Das verstehe ich nicht. Beispielsweise würde die Schweiz eine solche Werkstatt vielleicht gar nicht benötigen, ist das dann ein Beispiel für das Geldverbrennen?.Das meine ich mit "verbrannt". Das Problem ist nicht die Tatsache der übermäßigen Besteuerung selbst, sondern des fehlenden Gegenwerts! Der Staat hätte mit diesem Steuergeld ja auch eine kostenlose Schiffsreparaturwerkstatt errichten können!
1. Zum Saldo:"Verbrannt" wird Kapital auch durch Käufe im Ausland ("Zahlungsbilanzproblem"); auch dies scheint ein wesentliches Element in der Kaiserzeit gewesen zu sein.
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