ZDF-Doku 'Vikings - Die wahre Geschichte'

muck

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Derzeit in der Mediathek erhältlich: Vikings - Die wahre Geschichte

Von für National Geographic produzierten Dokus erwartet man ja mittlerweile nur noch plumpes, reißerisches Infotainment, doch scheint endlich ein langsames Umdenken eingesetzt zu haben.

Hier kommen immerhin zahlreiche Experten zu Wort, vorrangig Archäologen und Historiker aus Skandinavien, deren Namen auch mit durchaus vielen Veröffentlichungen verbunden sind, und in der Serie verstreut finden sich ab und an wissenswerte Faktenschnipsel. Die einzelnen Folgen enthalten viel füllendes Bildmaterial, aber die Ausstattung der Darsteller ist doch recht authentisch. Positiv ist auch der weitgehende Verzicht auf unnötig dramatische Musik.

Insbesondere die dritte Folge, zum Handelsnetz der Rus, hat mich positiv überrascht.

Mich würde die Meinung des Plenums interessieren.
 
Ich habe mir jetzt die ersten beiden Teile angesehen. Aber ich bin kein Experte, daher nur erst mal meine laienhaften 50ct dazu.
Positiv aufgefallen ist mir, dass ich bislang keine tätowierten Wikinger in den Reenactment-Szenen gesehen habe. Das ist ein Stereotyp, der bei Netflix und bei anderen Serienanbietern gerne verbreitet wird. Wir wissen aber nicht, ob Tattoos bei Wikinger geläufig waren. Es gibt wohl nur eine Textstelle des arabischen Diplomaten Aḥmad ibn Faḍlān, die sich unter Umständen so interpretieren ließe, dass einige Wikinger tätowiert waren. Es ist aber auch möglich, dass es sich dabei um abwaschbare Farbe handelt. Andere Quellen erwähnen nichts von tätowierten Wikinger. Tätowierungen bei Wikingern sind unsicher, also hat man das weggelassen. Finde ich gut.

Am Ende des zweiten Teiles wird kurz auf Thingversammlungen im Danelag des 9. oder 10. Jahrhunderts eingegangen. Dabei sieht man in einer Reenactment-Szene auch eine Frau, die am Thing teilnimmt. Soweit ich weiß waren auf solchen Versammlungen aber nur freie Männer gestattet. Es wird in der Doku dann auch nicht weiter darauf eingegangen, wer beim Thing teilnahmeberechtigt war.
 
Soweit ich weiß waren auf solchen Versammlungen aber nur freie Männer gestattet. Es wird in der Doku dann auch nicht weiter darauf eingegangen, wer beim Thing teilnahmeberechtigt war.

Die fragliche Szene dürfte ein Fall von Film-Recycling sein. Das wird Dir noch öfter begegnen, solltest Du die Serie zu Ende schauen, dass Du Dir denkst: Augenblick, sind dieselben Wikinger in demselben Langschiff nicht schon mal in just derselben Einstellung hundert Jahre früher aufgetaucht, in einem anderen Zusammenhang?

Was mich interessieren würde – leider geht die Doku auch darauf nicht ein –: Gab es weibliche Skalden? Spontan fällt mir nichts dazu ein.
Was natürlich nichts heißen muss, das Frühmittelalter ist nicht mein Steckenpferd.
 
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