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Alt 14.11.2016, 19:02   #21
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In einer wenige Jahre alten Bild der Wissenschaft wurde das AT ein wenig auf Fakten abgeklopft; und nach diesem Artikel ist es so, dass bis heute wohl nichtmal jüdische Religion oder Kultur im alten Ägypten nachgewiesen werden konnte, geschweige denn ein Exodus.
Bezieht man weiter mit ein, dass weite Teile aus anderen Werken zusammengeklaubt wurden (Stichwort Gilgamesch) und ansonsten soweit eine Art "Siegerpropaganda" darstellen (typisch hierfür: die Vernichtung anderer Städte und Länder wird mit Gottes Hilfe beschrieben) muss man die gesamte Story rund um Moses nicht nur in Frage stellen, sondern sollte es geschichtswissenschaftlich einfach ignorieren bis durch dritte Quellen, Arbeiten oder Funde überhaupt erstmal eine Motivation gegeben ist, dem doch mal nachzugehen.

Gruß Alex
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Alt 14.11.2016, 21:38   #22
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Du argumentierst wie folgt: Zur Zeit Cäsars gab es keine Christen in Rom. Die Entstehung des Christentums in der Antike ist daher mehr als fraglich.

Die jüdische Religion entstand erst nach dem Exodus. Die Aufnahme von Nomaden in Ägypten ist eine altbekannte Tatsache. Mitunter wurden sie wieder vertrieben. Solche Vorgänge werden in der Sage gern in einen Sieg umgedeutet. Es gibt sogar eine Quelle, die erwähnt, dass ein Teil der Nomaden einen Gott Jahu verehrte. Natürlich ist heftigst umstritten, ob es sich dabei um Jahwe handelt. Teils wird bei der Zuordnung von Laut und Zeichen direkt gelogen. Alternativ wäre die Lesung beliebig. Ich fürchte ich werde nie genügend Zeit haben, herauszufinden, was stimmt.

Woher weißt Du, das Gilgamesch nicht zu den Vorläufern der israelitische Religion gehört?
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Alt 14.11.2016, 22:10   #23
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Weil das Gilgamesch-Epos min. 600 Jahre vor den Anfängen des Judentums liegt.

Klar, die Frage ist "Was ist Judentum" hinsichtlich der Veränderungen in Religion und Kultur die alle Völker durchmachten und durchmachen.
Der Punkt ist dass eben auch deses Argument sagt: ja, jüdische Kultur die man als solche bezeichnen kann ist im alten Ägypten nicht nachweisbar.
Es gibt daher zwei Möglichkeiten:
Entweder hat sich diese Geschichte im Sagengut einer Nomadengruppe gehalten und wurde dann im Judentum importiert, hätte also zumindest einen wahren Kern. Es würde erklären wieso die Ägypter nie so etwas erwähnten - für die waren die paar Nomaden unwichtig, für die Nomaden stellte es aber ihre ureigenste Herkunftsgeschichte dar.
Oder die Geschichte wurde, angelehnt aus Geschichten anderer Kulturen, weitgehend erfunden. Vergleichbar mit Verschwörungstheorien heutiger Gruppen, was stets den Zweck hat, den Feind groß und viel stärker darzustellen als man selbst war/ist, während man sich selbst über ihn erhaben fühlt.
Beides wurde soweit ich mich erinnern kann in dem Artikel auch angesprochen; ich fand ihn nicht schlecht weil er recht detailliert zeigte wieso die Bibel nicht als Quelle für tatsächliche, historische Ereignisse taugt; grob zusammengefasst: es gibt zu wenige Gemeinsamkeiten mit Werken aus Nachbarkulturen und zu viele Diskrepanzen mit der tatsächlichen Fundsituation.
Muss mal schauen ob ich den Artikel noch irgendwo habe.
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Geändert von Alex74 (14.11.2016 um 22:10 Uhr). Grund: typo
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Alt 15.11.2016, 09:04   #24
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Zitat:
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Bezieht man weiter mit ein, dass weite Teile aus anderen Werken zusammengeklaubt wurden (Stichwort Gilgamesch) und ansonsten soweit eine Art "Siegerpropaganda" darstellen (typisch hierfür: die Vernichtung anderer Städte und Länder wird mit Gottes Hilfe beschrieben) muss man die gesamte Story rund um Moses nicht nur in Frage stellen, sondern sollte es geschichtswissenschaftlich einfach ignorieren bis durch dritte Quellen, Arbeiten oder Funde überhaupt erstmal eine Motivation gegeben ist, dem doch mal nachzugehen.
Dass für Siege die Hilfe der Götter und für Niederlagen der Zorn der Götter verantwortlich gemacht werden, ist doch in der Zeit völlig normal. Auch Siegerpropaganda in antiken Quellen ist völlig normal. Nach diesem Kriterium müssten wir auch ägyptische oder hethitische Quellen ignorieren.

Zitat:
So wird der Ausgang der Schlacht in den ägyptischen Quellen als Sieg dargestellt: Der König, der von seinen Truppen verlassen worden war, konnte mit Hilfe des Gottes Amun den Sieg erringen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_bei_Qade%C5%A1


Zitat:
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Bezieht man weiter mit ein, dass weite Teile aus anderen Werken zusammengeklaubt wurden (Stichwort Gilgamesch)
Welches sind eigentlich die "weiten Teile"? (mal abzüglich der Sintflut, die auf ca. zwei Seiten beschrieben wird)

Und wie soll ich diese beiden Kriterien verstehen?

1. Wenn ein biblisches Ereignis (Beispiel Sintflut) in anderen Quellen beschrieben wird, dann scheidet die biblische Darstellung als Quelle aus - weil: ist ja nur aus anderen Werken zusammengeklaubt.

2. Wenn ein biblisches Ereignis (Beispiel Exodus) nicht in anderen Quellen beschrieben wird, dann scheidet die biblische Darstellung als Quelle aus - weil: ist ja nicht in anderen Werken zu finden.
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Alt 15.11.2016, 09:06   #25
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Zitat:
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Woher weißt Du, das Gilgamesch nicht zu den Vorläufern der israelitische Religion gehört?
Zitat:
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Weil das Gilgamesch-Epos min. 600 Jahre vor den Anfängen des Judentums liegt.
Diese Logik verstehe ich auch nicht.
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Alt 15.11.2016, 10:16   #26
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Sepiola, ich glaube die Argumentation ist völlig klar. Einzelne Aussagen in einem Werk das schonmal so keinen Anspruch auf historische Korrektheit erhebt, und die weder durch Funde noch durch passende Darstellungen in anderen Werken gestützt werden können, müssen in Zweifel gezogen werden.

Und wie weit auseinander dürfen bei Dir denn Ereignisse liegen um sicher nichts mehr miteinander zu tun zu haben?
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Alt 15.11.2016, 10:33   #27
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Alt 15.11.2016, 15:17   #28
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Zitat:
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Sepiola, ich glaube die Argumentation ist völlig klar. Einzelne Aussagen in einem Werk das schonmal so keinen Anspruch auf historische Korrektheit erhebt, und die weder durch Funde noch durch passende Darstellungen in anderen Werken gestützt werden können, müssen in Zweifel gezogen werden.

Und wie weit auseinander dürfen bei Dir denn Ereignisse liegen um sicher nichts mehr miteinander zu tun zu haben?
Ereignisse, die sicher nichts miteinander zu tun haben, gibt es um so weniger, je weiter sie zeitlich auseinanderliegen.

Und die Bibel ist nicht 1 Werk. Auch bei der Sintfluterzählung sind 2 Texte miteinander verwoben worden. Will man die Bibel beurteilen, muss man das berücksichtigen.

Egal wann man die Entstehung der Texte ansetzt, es war Jahrhunderte nach einem angenommenen Exodus. Damit ist eine Sage auf uns gekommen. Wir können also nur darüber diskutieren, was ein wahrer Kern sein kann.

Allerdings ist Sage keine einheitliche Erscheinung. Sagas berichten zuverlässiger als Heldenlieder. In der Ilias sollen 1000 Jahre alte Formulierungen verschriftlicht worden sein.

Die Flucht nach Ägypten war lange Jahrhunderte eine Realität für die Nomaden. Und auch die damit verbundenen Probleme. Dann kamen auch die Hyksos aus oder über Kanaan und beherrschten das Nildelta. Ein Herrscher der Zeit nannte sich Jakobher. Irgendwann entstand aus dem Kuddelmuddel der Erinnerung die Geschichte vom Aufenthalt in Ägypten samt Exodus. Offensichtlicher geht es doch nicht mehr. Und, dass da keine Juden mit eigener Kultur auszogen, sollte auch jedem klar sein. Stichwort Ethnogenese.

Die Frage ist, welche Aspekte in die Bereiche von Sage, Mythologie und Religion gehören, und, welche Aspekte auf historische Realität zurückgehen können. Die Frage ist recht alt und wurde auch schon zu Propagandazwecken missbraucht. Obwohl sie also eine eigene Geschichte hat, bleibt sie für jede Sage relevant.

Wir haben das hier im Forum schon mehrfach thematisiert und die Diskussionen sind vor dem Hintergrund dieses Bewußtseins zu sehen, auch wenn die Formulierungen der Einfachheit halber mitunter etwas anderes zu sagen scheinen.

Geändert von Riothamus (15.11.2016 um 15:24 Uhr).
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Alt 15.11.2016, 15:23   #29
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Interessanter als Wälle in Norddeutschland.

Eine Zeitangabe zur Niederlegung ist nicht bekannt? Oder habe ich es überlesen?
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Alt 16.11.2016, 07:20   #30
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Sepiola, ich glaube die Argumentation ist völlig klar.
Mir nicht.

Zitat:
Einzelne Aussagen in einem Werk das schonmal so keinen Anspruch auf historische Korrektheit erhebt
Welche antike Quelle erhebt denn einen Anspruch auf historische Korrektheit? Ich hatte das Beispiel der pharaonischen Siegespropaganda angeführt. Nach Deiner Argumentation müssten wir solche Quellen ignorieren.
Worauf würdest Du eine Geschichte der Perserkriege stützen? Auf Herodot? Auf archäologische Funde?

Zitat:
müssen in Zweifel gezogen werden.
Müssen in Zweifel gezogen werden - d'accord. Das heißt aber nicht: Quellen müssen ignoriert werden.

Zitat:
Und wie weit auseinander dürfen bei Dir denn Ereignisse liegen um sicher nichts mehr miteinander zu tun zu haben?
Das hängt ganz von den Ereignissen ab.
Die Entstehung einer Religion kann schon viele Jahrhunderte beanspruchen...
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