Berühmte Piraten?

Dieses Thema im Forum "Zeitalter der Entdeckungen (15. - 18. Jhd.)" wurde erstellt von Brissotin, 27. November 2018.

  1. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied


    Ich habe mich bei dem hier rezensierten Film Spielfilme angesiedelt im 18.Jh. gefragt, was macht einen Piraten zu einem berühmten Piraten?

    Woran misst man das?

    Liegt es eventuell an der Quellenlage?
    Hängt es von der Menge an Beute ab?
    An seinem Erfolg? Doch wie definiert man den?

    Nehmen wir als Beispiel Blackbeard, d.h. Edward Teach.
    Was hat er getan? Was wissen wir über ihn?
    Wir wissen, dass er Ende des 17.Jh. geboren wurde. Offenbar hatte er im Spanischen Erbfolgekrieg gedient. Danach findet er sich im Umkreis von Kapitän Hornigold (+1719) mit dem er 2 Jahre zusammen operierte. 1718 war er dann als eigenständiger Pirat ein Anführer eines kleinen Geschwaders, dem sich Major Stede Bonnet (1688-1718) anschloss, der dem damals scheinbar schon recht berüchtigten Teach unterstellte. Blackbeard erkannte wohl Bonnets seemännische Unfähigkeit und dass sich Bonnet auch als Anführer nicht behaupten konnte. Diese Vorstellung mit mehreren Schiffen erfolgreicher unterwegs zu sein d.h. Opfer jagen zu können finden wir auch bei Zeitgenossen wie Charles Vane (+1721) und Edward England (+1720). Besonders viel wissen wir über die Phase als Blackbeard vor allem an der amerikanischen Ostküste seinem Piratenunwesen nachging. Blackbeard war dafür bekannt, dass er vor allem auf seinen Ruf setzte, den er dadurch verfestigte, dass er sich zum einen furchterregend kleidete, zum anderen aber auch möglichst gewaltlos die Schiffe erbeutete. Ähnlich wie andere Piraten nahm auch Blackbeard 1718 das königliche Pardon an, wurde dann aber rückfällig und kaperte mit einem kleinen Fahrzeug, das ihm der Gouverneur Eden zugestanden hatte und er in seiner Piratenlaufbahn genommen hatte, wieder ein französisches Handelsschiff. In dem Fall soll kein Besatzungsmitglied überlebt haben und Teach behauptete das Schiff als herrenloses Fahrzeug gefunden zu haben. Der Gouverneur von North-Carolina Charles Eden (1673-1722) steckte dermaßen mit Teach unter einer Decke, dass er Blackbeards Version bestätigen ließ, woraufhin das Schiff als Beweisstück verbrannt wurde. Interessant an der Stelle ist nämlich dass England damals eigentlich mit Frankreich in dem War of the Quadrupel Alliance verbündet war, die Wegnahme eines französischen Schiffes also höchst fragwürdig war und auf keinen Fall unter das Kriegsrecht fiel, während Spanier damals sowieso als Feinde zu betrachten gewesen wären. Überhaupt soll in recht kurzer Zeit trotz seiner Eheschließung Teach sein übliches Räuberwesen wiederaufgenommen und daher von Gouverneur von Virgina, Spotswood (1676-1740), per Proklamation gesucht wurde. Ein moderates Kopfgeld wurde auf die Piraten ausgesetzt und der Leutnant Maynard hat schließlich Blackbeard mit zwei Sloops zur Strecke gebracht*.

    Was machte Blackbeard nun zu einem erfolgreichen Piraten?
    Er hat wohl gelegentlich auch größere Schiffe wie die "Concorde" genommen, die er unter dem Namen "Queen Anne's Revenge" übernahm; aber er jagte nicht wie andere die großen spanischen Goldschiffe sondern seine Beute waren oftmals kleinere Fahrzeuge. Über seine Beute gibt es unterschiedliche Ansichten. Wir haben anders als bei berühmten Kommandeuren des 17.Jh., die ganze Flotten zusammen brachten, keine zigtausende Pfund, die man damals mit dem Angriff auf große Schiffe oder ganze Städte erbeutete. Nach der Blockade von Charleston scheint Blackbeard auf sowas wie dem Zenit seines Erfolges gestanden zu haben. Nun erwies er sich als besonders ruchlos auch gegenüber seinen Gefährten mit denen er die Beute offenbar nicht teilen wollte. Sein Schiff und die beiden kleineren Schaluppen ließ er auf Grund setzen und machte sich mit einem Teil der Mannschaft von dem er ein paar Leute sogar noch aussetzte aus dem Staub. Stede Bonnet hat die armen Teufel dann später wieder aufgelesen, als er sein Schiff worauf er offenbar wieder als Kommandeur eingesetzt war, selber wieder flott bekam. Später gab es die Legende, er habe seine Beute irgendwo versteckt, was dann die Vorlage zu Robert Louis Stevensons "Die Schatzinsel" war, wo Blackbeard unter dem Namen Käpt'n Flint auftaucht. Angeblich soll man dem famosen Schatz auch in den Befragungen der dann im November 1718 gefangenen Gefolgsleute Blackbeards nachgeforscht haben. Möglicherweise hat Teach aber auch seine ganze Beute in der kurzen Zeit, die ihm nach der (Selbst-)Versenkung seines Schiffes noch von seinem Piratenleben blieb, wieder verprasst.
    Für den individuellen Piraten unter Blackbeard und Bonnet war das Piratenleben offenbar wenig einträglich. An den aufgegriffenen Leuten von Bonnet, die sein Schicksal im Dezember 1718 teilten, fand man nur ein paar wenige Pfund.
    Blackbeards Leben ist enorm gut erforscht. Wir wissen wie er ausgesehen haben könnte und haben Berichte über ihn wie den von Maynard.
    Meine Theorie ist, dass er nie so besonders erfolgreich war und die Truhen voller Goldstücke eher ins Reich der Legende Blackbeard gehören zu der er durch sein martialisches Auftreten und sein zwielichtiges Verhalten selbst beigetragen hat.

    Seine Generation weist eigentlich recht viele Parallelen auf. Mit seiner Generation meine ich jetzt die Piratenführer, die zwischen ca. 1680 und 1690 geboren wurden und um 1720 tätig waren. Sie waren 2-3 Jahre als Anführer mehr oder minder erfolgreich und wurden entweder wie Vane, Bonnet oder Rackham hingerichtet oder starben wie Roberts und Blackbeard im Kampf.
    Durch ich Verflechtung mit den politischen Machthabern wie Eden wurde die Piraterie zum Politikum. Die entschlossene Vorgehensweise wie die Alexander Spotwoods konnte die gefürchtetsten Piraten aber durchaus zur Strecke bringen.

    * Heinz Neukirchen: "Piraten - Seeraub auf allen Meeren" Verlag für Verkehrswesen, Berlin, 1980, S. 191-198
     
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  2. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Das Beispiel Störtebeker und Michels im Konflikt mit der Hanse beleuchtet auch die politische Dimension, neben dem negativen Einfluß auf die "Englandfahrer" der Hanse (vgl. z.B. Puhle)

    Sie waren ein Faktor im machtpolitischen System der damaligen Zeit, das nicht entscheidend war, aber Enfluss nahm.

    Die Bedeutung von Piraten mißt sich an ihrem Erfolg und an dem Umfang der Maßnahmen, die notwendig waren, die Störungen des Handels und der politischen Friktionen zu begrenzen.

    Puhle, Matthias (2012): Die Vitalienbrüder. Klaus Störtebeker und die Seeräuber der Hansezeit. 3., erw. Aufl. Frankfurt am Main: Campus-Verl.
     
  3. Lukullus

    Lukullus Aktives Mitglied


    Einen weiteren Faktor für Berühmtheit würde ich darin sehen, wenn sich, anders als bspw. bei Francis Drake der im Rahmen gewissermaßen vertrauter Grenzen agiert, wie am Beispiel der Vitalienbrüder die Piraterie quasi (auch) nach Innen richtet, da durch solches Handeln die (be)errschenden Ordnungen in Frage gestellt werden, worin ein gewisses Quantum an Faszination bei manch Beherrschten mitschwingt, bis hin zu aktiver Unterstützung.
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. November 2018
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  4. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Francis Drake würde ich als einen der berühmtesten Kaper ansehen, was aber an seiner Weltumseglung und an seiner recht engen Beziehung zur Königin Elizabeth liegen mag.
    Was Du schreibst spricht aber m.E. dafür, dass unabhängige Piraterie mehr Berühmtheit erlangte als staatliche gesteuerte (Stichwort Kaperbriefe). Dagegen sprächen Prominente wie Robert Surcouf oder etwa Sir Henry Morgan. Wobei ich zugeben würde, dass international Blackbeard bspw. mir berühmter vorkommt, allein schon wenn man sich die Auswertung im Filmgeschäft anschaut (auch "Blacksails" und "Crossbones" mehr oder minder erfolgreich orientiert an Blackbeard und die Zeit der Piraten auf New Providence).

    Bei Blackbeard hatte ich daran gedacht, ob es nicht vielleicht damit zusammenhängt, dass er direkt unter der heutigen US-Küste agierte. Das heißt dass die US-Filmindustrie, welche an dem Nachhall bis heute sicher beiträgt, Blackbeard sozusagen vor der Nase hatte.

    Aber vielleicht hast Du Recht, dass es wichtiger ist, dass die Menschen meinten man sähe an den Piraten wie man der Staatsmacht eine Nase drehen konnte.
    Sehr geeignet wären zur Verklärung dann aber auch die Piratenrepubliken und ihre Anführer wie Misson auf Madagaskar. Wobei Libertatias tatsächliche Existenz heute in Frage gestellt wird. Die Frage ist wohl auch, ob sich archäologisch heute noch etwas fände.
     
  5. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Was mir gerade auffällt ist, das fast nur von Piraten aus dem Englischen Sprachraum gesprochen wird.
    Robert Surcouf, Jacques Cassard oder auch Piet Heyn werden kaum erwähnt.

    Robert Surcouf – Wikipedia
    Jacques Cassard – Wikipedia
    Piet Pieterszoon Heyn – Wikipedia

    Liegt das an unseren fremsprachkentnisen, das wir fast nur Englische Piraten kennen oder an Hollywood?

    Oder trennen wir scharf zwischen Piraten, Kaperern, Freibeutern und Kriegsmarine? Wobei hier eigentlich die Übergänge fliessend waren oder auch sind.

    Kaperei – Wikipedia
    Flibustier – Wikipedia

    Von den Korsaren der Barbaresken-Staaten ganz zu schweigen.

    Barbaresken-Korsaren – Wikipedia
     
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  6. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Ich denke sowohl als auch.

    In Deutschland kennt man die französischen Piraten und Kaper einfach weniger, weil über diese höchstens in Gesamtdarstellungen zur Piraterie wie Mondfeld oder Neukirchen auftauchen. In der Literatur, die am meisten verfilmt wurde, wie in der "Schatzinsel" tauchen nunmal auch nur englische Piraten auf. Hornblower ist da vielleicht eine Ausnahme, da sind die Gegner französische Korsaren. Aber die Piratenfilme v.a. die neueren orientieren sich stark an der Vorlage der "Schatzinsel". Wie auch ein verbuddelter Schatz der Klassiker ist (wie z.B. in "Die Piratenbraut". Der Wikipediaartikel hat da schon recht:
    Quelle: Treasure Island - Wikipedia

    Ich wüsste jetzt bspw. nichtmal von neueren französischen Piratenfilmen, obwohl ich ein begeisterter Kinogänger bin.

    In Deutschland scheint mir Störtebeker noch einer der berühmtesten Seeräuber zu sein. Er hat es auch in die öffentliche Wahrnehmung und massiv in die Medien geschafft. Ich sollte auch mal was über ihn schreiben. :)

    Die meisten Dokus, die ich bislang gesehen habe, thematisierten auch eher englische Piraten.
     
  7. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Das Beispiel Klaus Störtebeker finde ich auch ganz interessant. Obwohl oder vielleicht weil (?) man wenig über ihn weiß, ist er wohl der berühmteste deutsche Pirat.

    Störtebeker wurde im 14. Jh. geboren. Verschiedene Städte werden als Geburtsort angegeben so beispielsweise Wismar.
    Allerdings weiß man über sein Leben so gut wie nichts. Von daher ist auch die lange Diskussion um seine Taten als Likedeeleranführer etwas müßig. Die Likedeeler sollen sich dadurch ausgezeichnet haben, dass sie gerecht untereinander die Beute teilten, ein Aspekt der zu einer Verklärung Störtebekers bis hin zu einer Art Robin Hood führte. Gemeinhin nahm man an, dass er ein Kapitän der Vitalienbrüder war, die vom Deutschen Orden aus Visby vertrieben wurden. 1394 sollen er und Gödeke Michels erstmals erwähnt worden sein. Als historische Tatsache wurde gemeinhin der Kampf Störtebekers gegen die von den Hamburgern ausgesendete "Bunte Kuh" vor Helgoland und die Hinrichtung Störtebekers auf dem Grasbrook angenommen. Doch wird dies heute angezweifelt, da ein bisweilen mit Klaus Störtebeker identifizierter Johann Störtebeker noch 1413 in Danzig lebte. Die neueren Forschungen stellen die Gefangennahme und Hinrichtung Störtebekers insgesamt in Frage, v.a. mangels zeitnaher Quellen (die dazu erschienene Doku "Der wahre Schatz des Störtebeker" habe ich damals auch gleich im TV gesehen).

    Relativ rasch aber verbreitete sich das Bild vom mutigen und charismatischen Seeräuberanführer Störtebeker. Die Figur des Gödeke Michels wurde mit der Zeit immer stärker in den Hintergrund gedrängt. Eines der bezeichnendsten Zeugnisse ist ein Lied auf Störtebeker. Es entstand wohl schon deutlich nach der ersten gesicherten Erwähnung in der „Chronica novella“ von 1435. Dann aber erfreute sich das Lied einer großen Beliebtheit im 16. Jahrhundert und erschien in zahlreichen Fassungen. Die Zutaten statteten dann Störtebeker mit einer unglaublichen Vita aus. So fuhr er laut einer Version vom Anfang des 17.Jh. bis ins Morgenland und wollte dort die Tochter des Sultans heiraten. Doch sein Ehrgeiz trieb ihn noch vor der Hochzeit zurück in die Nordsee. So ist auch eine Lehr' aus der Geschichte: "Wären sie in der Heidenschaft gewest,\sie hätten es lieber entboren."
    In Deutschland war noch im 18.Jh. Störtebeker populär und das Störtebekerlied taucht noch um 1783 bspw. in einer Liedersammlung auf. Der Schwerpunkt des Liedes ist aber vor allem der Kampf der Vitalienbrüder gegen die Bunte Kuh, Störtebekers und Michels Ehrgeiz und ihr Ende auf dem Grasbrook. Störtebeker selbst aber ist in dem Lied noch angetrieben von "ihrem bösen Röwersinn" - also hier noch kein Held.
    V.a. im 20.Jh. gaben Romane und Filme dem Kult um Störtebeker einen großen Auftrieb und strichen ihn als eindeutigen Führer der Likedeeler heraus. Bredel und Barthel beispielsweise arbeiten in ihren Romanen mit verschiedenen Spekulationen über die Herkunft Störtebekers und seiner Motivation überhaupt Seeräuber zu werden.
    Bis heute ist Störtebeker als Filmfigur (z.B. "12 Meter ohne Kopf") und auf der Theaterbühne nicht zuletzt auf den nach ihm benannten Störtebeker-Festspielen auf Rügen vielgesehen. Seine Verklärung reicht bis in die Punkszene mit dem Lied "Störtebeker" der Hamburger Band Slime, das auch schon öfter gecovert wurde.

    Es wäre interessant ob unser Klaus Störtebeker auch im Ausland so wahrgenommen wird und irgendwie bekannt ist. Ein bisschen lassen sich ja auch Parallelen zu Robin Hood ziehen, dessen historische Wurzeln immer gesucht werden und gerade die vielen Spekulationen über ihn zu zahlreichen Varianten und Stoff für Legenden führte.
     
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  8. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Obwohl es in Frankreich mit Jean Bart und Admiral de Grammont ein paar bedeutende Kaper gab, sticht doch einer heraus: Robert Surcouf.

    Surcouf hat sich hochgedient. Mit Anfang 20 hatte er sein erstes eigenständiges Kommando, als er mit die Émilie von der Isle-de-France aus im Indischen Ozean britische Handelsschiffe aufbrachte. Seine berühmtesten Erfolge erfocht er mit deutlich kleineren Schiffen gegen das 26-Kanonen-Schiff "Triton" und das 40-Kanonen-Schiff "Kent".
    Die Gemälde der Gefechte verdeutlichen den Großenunterschied von Surcoufs "Hasard" bzw. "Confiance" gegenüber den britischen Ostindienfahrern.
    Robert Surcouf - Wikipedia
    Robert Surcouf - Wikipedia
    Mit 27 war Surcouf nach der Kaperung der "Kent" 1800 bereits sowas wie eine lebende Legende. Was Surcouf auch auszeichnete war eine gewisse Weitsichtigkeit. So gab er die Passagiere der "Kent" auf ein Handelsschiff, dem er kurz nach dem Sieg begegnete. Interessant ist, dass sich Surcouf nach dem Erfolg nicht in die französische Marine stecken ließ. So lehnte er die Beförderung zum Kapitän ab. Das bewahrte ihn wohl vor der Einhaltung einer Befehlskette, die sowieso nicht zum Charakter seiner Kaperfahrten gepasst hätte. Nachdem Surcouf sich von seinen Aktivitäten für einige Jahre zurückgezogen hatte, kam er 1807 wieder nach Isle-de-France und nahm seine Tätigkeit des Kaperns erneut auf. Nun natürlich wieder von den Briten gejagt. Er nahm in dem Jahr im Indischen Ozean nicht weniger als 16 Schiffe, diesmal etwa in der Größe seiner "Revenant" oder kleiner. Trotz eines exorbitanten Kopfgeldes, das auf ihn ausgesetzt wurde, konnten ihn die Briten nicht schnappen und er kehrte nach seiner erfolgreichen Episode 1809 nach St. Malo zurück, um nicht wieder als Kaper zur See zu fahren.

    Sein Leben ist schon sehr interessant. Weder starb er im Kampf, noch ließ er sich wie vor ihm Jean Bart von der Regierung so völlig vereinnahmen, sondern setzte sich mit unter 40 mehr oder minder zur Ruhe, blieb aber als Eigentümer einer Handelsflotte der See treu. Eigentlich das Ideal so manches Seeräubers.

    Sein Leben wurde in Frankreich verfilmt (in den 1960ern, allerdings mit vielen erheblichen Abweichungen von der historischen Figur) und ein Denkmal in seiner Heimatstadt erinnert an wohl einen der erfolgreichsten französischen Kapitäne aller Zeiten.
     
  9. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das einzige zeitgenössische Dokument, was einen Nicolao Stortbeker nennt, ist eines aus Wismar, wo er, wenn ich mich richtig erinnere, als Bürger bezeichnet wird. Er geriet damals in eine Kneipenschlägerei.

    Störtebeker ist, natürlich unter verschiedenen Vorzeichen, auch ein Star der links- und der rechtsradikalen Szene. Bei den Linken als Likedeeler, bei den Rechten als "deutscher Held".
     
  10. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Zu den Rechten: Obwohl er doch eigentlich primär, wenn es ihn denn in der Form gab, gegen deutsche Kaufleute gekämpft hat.
    Ich hatte mich auch schon gefragt, ob dieses Piratenimage vom FC St. Pauli nicht auch von Störtebeker herrührt, auch wenn es etwas absurd ist, wenn er gerade in der Stadt so gefeiert wird, die gegen ihn - so die Geschichte stimmt - am stärksten zu Felde zog.

    Ich kann mich an die Kopfrekonstruktion im Museum für Hamburgische Geschichte, auch an ein Modell des angeblichen Kampfes zwischen Störtebeker und den Hamburger Schiffen erinnern.

    Kennt sich jemand mit der orientalischen Sichtweise aus? Sind im Orient z.B. die Barbaresken auch so legendenumwoben? Ich denke jetzt vornehmlich an Chaireddin und Arudsch Barbarossa.
     

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