Herkunft der Protobulgaren

Dieses Thema im Forum "Russland | Sowjetunion | Osteuropa" wurde erstellt von Kiprian, 3. Juli 2006.

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  1. Kiprian

    Kiprian Neues Mitglied


    Ich finde das Thema interessant. Die Teilnehmer haben schon mehr als 10 Beiträge über dieses Thema geschrieben. Deswegen glaube ich, verdient es eine eigene Diskussion.
     
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  2. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Wir hatten wir diese Diskussion bereits im Thread "Geschichte Bulgariens". Dort wurde festgestellt – hyokkose hat das dort in seinem Posting Nr. 14 zusammengefasst – dass die Protobulgaren eindeutig ein Turkvolk waren und es keinen seriösen Wissenschaftler gibt, der das in Zweifel zieht. Sowohl die Stammesföderation der Chasaren war turkstämmig, was z.B. aus den überlieferten Namen ihrer Khane und anderen Quellen hervorgeht, als auch die Khane der Protobulgaren und die einzelnen protobulgarischen Stämme wie z.B. Kutriguri, Utiguri, Onogunduri usw.

    Die Protobulgaren breiteten sich im 5.–7. Jh. an der unteren Wolga aus, wo sie unter Khan Kubrat mit anderen Stämmen das Großbulgarische Reich bildeten. Um 642, nach dem Tod des Khan Kubrat, verfiel dieses Reich.

    Allein an der Person des Khan Kubrat, der aus dem türkischen Geschlecht Dulo stammte, lässt sich gut die turkstämmige Herkunft demonstrieren. Er war ein Neffe des Hunnenfürsten Organas und wurde eine Zeitlang am Hof von Konstantinopel erzogen. Um 632 befreite er seine bulgarischen Stämme – vor allem Unogunduren – von der Oberherrschaft der Awaren (?) oder der West-Türken. Dadurch gelang ihm – im Bündnis mit Kaiser Herakleios, der ihm auch die Patricius-Würde verlieh – die Gründung "Großbulgariens" (Altbulgariens), d.h. eines die bulgarischen Stämme sowie die Kutriguren umfassenden Herrschaftsgebietes, das sich vom Asowschen Meer bis zum Kuban erstreckte.

    Aufgeteilt auf Kubrats 5 Söhne (Asparuch, Batbajan, Kotrag, Kuber, Alzeco) zerfiel das Großbulgarische Reich bald nach Khan Kubrats Tod. Die reich ausgestattete Fundstätte von Malaja Perescepina bei Poltawa soll sein Grab sein, was freilich noch der Diskussion unterliegt.

    Nach allem, was man von der Herkunft der Protobulgaren, ihrer Khane und ihrer Einzelstämme weiß, unterliegt also die turkstämmige Herkunft der Protobulgaren keinem Zweifel. Jede seriöse wissenschaftliche Publikation bestätigt das, ganz abgesehen von den Sachbüchern über bulgarische Geschichte (vgl. z.B.: V. Besevliev, Die protobulgarische Periode der bulgarischen Geschichte, 1981)

    Khan Kubrats dritter Sohn Asparuch zog mit einem Teil des protobulgarischen Volks nach Westen, an der nördlichen Schwarzmeerküste entlang, erreichte um 678/679 die Donaumündung und drang in das Gebiet südlich des Flusses ein. Das übrige wurde bereits ausführlich erörtert: Die turkstämmigen Protobulgaren bildeten inmitten einer slawischen Bevölkerungsmehrheit die Führungsschicht, die bereits im 8./9. Jh. weitgehend assimiliert wurde. – Der andere Zweig der Protobulgaren zog die Wolga aufwärts, wo das ebenfalls nachweislich turkstämmige Reich der Wolgabulgaren enstand.

    Behauptungen von einer iranischen oder indoeuropäische Herkunft der Protobulgaren entbehren daher jeder Grundlage und sind in das Reich der Fabel zu verweisen.

    Wikipedia berichtet zu diesem Themenkomplex etwas sehr interessantes. Die These von der "indoeuropäischen Herkunft" der Protobulgaren sein nur in Bulgarien populär, da dort eine antitürkische Geschichtsschreibung vorherrsche, und man keine gemeinsamen Wurzeln mit den Türken haben wolle. Auch dort ist zu lesen, dass diese These im Ausland als längst widerlegt gelten würde.
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. Juli 2006
  3. Kiprian

    Kiprian Neues Mitglied


    Dieter, ich danke Dir für deinen Beitrag. Die Information über die Protobulgaren, die aus verschiedenen Quellen uns erreicht, ist leider sehr oft nicht korrekt, sogar verwirrend und widersprüchlich. Dein eigener Satz zeigt das am besten:


    Wer war Organas? Offenbar war er kein Hunnenfürst. Im 7. Jahrhundert existierten die Hunnen und entsprechend ihre Fürsten nicht mehr. Das ist klar. Die Byzantiner nannten ihn Staathalter “einen der statt eines anderen die (Proto)Bulgaren regierte”. Wir haben alle Gründe dafür, Oragana als einen Staathalter des awarischen Kagan zu betrachten.

    Eine der Quellen tatsächlich gibt uns die Auskunft, dass Kubrat am Hof von Konstantinopel erzogen wurde. Diese Information ist sehr fragwürdig, weil sie den anderen bekannten Daten über das Leben Kubrats widerspricht.
     
  4. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Es existieren etwa 100 protobulgarische Sprachreste, die meist Namen, Titel oder ganz kurze Inschriften umfassen. Unter anderem hat Prof. Rüdiger Schmidt diese Sprachreste untersucht, der in einem Link bei Wikipedia unter dem Schlagwort "Protobulgaren" zu finden ist.

    Diese Sprachreste werden von der Forschung eindeutig als türkisch identifiziert mit dem Hinweis, dass einige Namen möglicherweise iranischen Ursprungs sind. Das sei nicht verwunderlich, so die Begründung, weil vermutlich Kontakte zu benachbarten iranischen Völkern bestanden und durch solche Kontaktzonen auch Lehnwörter in die altbulgarische Sprache Eingang gefunden haben könnten. Eine der Grundlagen dieser Untersuchungen sind die altbulgarischen Königslisten.

    Man kann sogar vermuten, dass die nach Westen (Donaubulgaren) und Norden (Wolgabulgaren) ziehenden Protobulgaren bereits in ihren Stammsitzen zur Zeit des Großbulgarischen Reichs andere Volkssplitter assimilierten. So z.B. hunnische und iranische Elemente sowie besonders auch andere turkstämmige Ethnien. Der Kern der Altbulgaren freilich war eindeutig turkstämmig, bis er sich dann im Westen an die Slawen assimilierte, wohingegen das Wolgabulgarische Reich im Kern turkstämmig blieb, auch wenn es dort zur Vermischung mit der ansässigen finno-ugrischen Bevölkerung kam.

    Was den Fürsten Organas betrifft, so ist eine awarische Herkunft durchaus denkbar, da ja die Awaren zu jener Zeit und in der Gegend dominant waren. In den Quellen scheint aber wohl auch hunnische Herkunft angenommen zu werden, sodass man rätseln kann, ob nördlich des Schwarzen Meers versprengte Reste der Hunnen lebten. Wir wissen ja, dass sich die Hunnen nach dem Untergang ihres Reiches nach Osten zurückzogen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. Juli 2006
  5. Kiprian

    Kiprian Neues Mitglied

    Noch etwas, das zu dem ganzen Bild nicht zusammenpasst.

    Wenn dieses Reich nur 10 Jahre existierte, warum nannten es die Byzantiner "Altes Grosses Bulgarien"?! Gut, gross - es ist verständlich, aber warum Altes Bulgarien?
    Offenbar war Kubrat nicht der Gründer dieses Reiches, das Jahrhunderte lang existierte (Manchmal befand sich dieses Reich unter der Dominanz anderer mächtigen Bündnissen und Völker). In diesem Zusammenhang war Kubrat nicht der erste, sondern der letzte Herrscher dieses (Proto)bulgarischen Reiches.
    Unter der Führung von Kubrat, nach einem erfolgreichen Aufstand, war die Oberherrschaft der Awaren beendet. Die awarische Garnison wurde vertrieben. Quellen zufolge hat Kubrat die Mitglieder der awarischen Garnison nicht sehr gut behandelt.
     
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  6. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Zunächst einmal: Die Bezeichnung "Altbulgaren" ist lediglich ein moderner alternativer Name für "Protobulgaren".

    Da ausreichendes Quellenmaterial fehlt, gibt es nur ungenaue Kenntnisse über das Großbulgarische Reich, das allerdings nicht sehr lang Bestand hatte. Ende des 6. Jh. soll sich unter Orchan das Großbulgarische Reich gebildet haben, das sowohl von den Awaren im Westen als auch von den Westtürken im Osten dominiert wurde. Orchan soll zwar Onogur-Hunne gewesen sein, gilt aber dennoch als erster Herrscher der Protobulgaren. Das zeigt deutlich, dass an der Ethnogenese der Protobulgaren zahlreiche Turkvölker sowie auch hunnische Reste beteiligt waren (Hunno-Bulgaren!).

    Orchans Neffe war Khan Kubrat, der das Reich auf einen Höhepunkt führte und von der Vorherrschaft anderer Völker befreite. Mit seinem Tod – der zwischen 640 und 668 angenommen wird, genauere Angaben fehlen – zerfiel das Reich unter seine Söhne. Diese traten die bekannte Wanderung nach Westen und Norden an, um dem Druck der Chasaren auszuweichen. Der in den alten Sitzen verbleibende Rest der Protobulgaren verschwindet aus der Geschichte.
     
  7. Kiprian

    Kiprian Neues Mitglied

    Dieter, ich sage es noch ein Mal: Die die Byzantiner nannten in den Quellen das Reich von Kubrat "Altes Grosses Bulgarien". Ob die moderne Bezeichnung "Altbulgaren" identisch mit ebenso moderner Bezeichnung "Protobulgaren" ist, bezieht sich es auf eine andere Frage.

    Der Name vom Kubrats Onkel ist als „Organas” (und nicht als Orchan) überliefert worden. Ob Organas ein "Onogur-Hunne" war oder die Westtürken einen Teil des Großbulgarischen Reiches dominierten, weiß wirklich niemand. Das sind nur Hypothesen, die einige Wissenschaftler am Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelten.
    Die Behauptung, dass Organas „der erste Herrscher der Protobulgaren” war höre ich zum ersten Mal. Zumindest die Namenliste der (Proto) Bulgarischen Herrscher zeigt ein anderes Bild. Diese Liste erfasst die Periode vom 2. Jahrhundert bis Mitte des 8. Jahrhunderts.
     
  8. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Als erwiesen kann wohl gelten, dass sich die Ethnogenese der Protobulgaren im 6./7. Jh. vollzog, und zwar in einem Raum, der in Südrussland etwa zwischen Dnjepr und Wolga lag. Wie überall, wenn neue Völker entstehen, waren auch hier verschiedene Elemente an der Ethnogenese beteiligt. Wie hoch der jeweilige Bevölkerungsanteil war, lässt sich nicht mehr genau sagen, doch bildeten Turkvölker mit Sicherheit den Kern des neuen Volks, wobei Onoguren vielleicht einen entscheidenden Anteil hatten.

    Hinzu kommen hunnische Elemente, denn die Hunnen waren im Jahr 454 aus Ungarn in die Schwarzmeer-Steppe abgezogen (Altyn Oba Horde). Um 560 wurden sie von den Awaren besiegt, die aber nach Westen weiterzogen. Die besiegten Reste der Hunnen vermischten sich mit benachbarten türkischen Stämmen und aus dieser Fusion – Turkstämme + Hunnen – gingen vermutlich die Protobulgaren hervor.

    Diese Einschätzung ist gegenwärtig die gängige Lehrmeinung und sie scheint mir sehr plausibel zu sein.

    Arbeiten einiger bulgarischer Wissenschaftler (z.B. Petar Dobrew), welche die Protobulgaren mit indogermanischen Stämmen Zentralasiens in Verbindung bringen wollen, stoßen im Ausland auf Ablehnung und werden als hochspekulativ kritisiert.
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. Juli 2006
  9. Kiprian

    Kiprian Neues Mitglied

    Eine fast mathematische Erklärung. Dieter, ist das Deine Überzeugung, oder hast Du darüber irgendwo gelesen? Wenn ja, würdest Du mir die Quelle nennen?
     
  10. hyokkose

    hyokkose Gast

    Petar Dobrew kann man wohl kaum als Sprach-"Wissenschaftler" bezeichnen. Seine Texte verraten, daß er entweder nicht die geringste Ahnung von sprachwissenschaftlichen Methoden hat - oder zumindest sie konsequent ignoriert.
     
  11. Kiprian

    Kiprian Neues Mitglied


    Er ist tatsächlich kein Sprachwissenschaftler. Die eventuelle iranische Herkunft der Protobulgaren wurde Jahrzehnte vor ihm diskutiert, einschließlich von den deutschen Wissenschaftlern.
     
  12. Kiprian

    Kiprian Neues Mitglied

    Ich erlaube mir hyokkose aus unserer früheren Diskussion zu zitieren. Ich habe verstanden (hyokkose behauptet es), dass kein einziger Name aus dieser Liste (Ausnahme "Asparuch") iranisch zu etymologisieren ist.
    Meine Frage: Wie viele Namen der bulgarischen Herrscher sind eindeutig als Türkisch zu etymologisieren?

    ASPARUCH (Isperich, Esperich, Ispor),
    TERWEL
    TELERIG
    BESMER,
    BORIS,
    GOSTUN,
    KARDAM,
    KUBRAT (Kuwrat, Kurt),
    OMURTAG,
    RASATE,
    PERSIAN (PRESIAN).
     
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  13. hyokkose

    hyokkose Gast

    Nicht Hyokkose, sondern der Professor für Iranistik Rüdiger Schmitt kommt zu diesem Schluß. In seinen Worten:

    http://members.tripod.com/~Groznijat/bulgar/schmitt.html

    Bei Namen ist eine "Eindeutigkeit" schwer herzustellen. Allenfalls lassen sich einige vermutete Etymologien als unhaltbar ausscheiden.

    Sogar wenn die Etymologien geklärt wären - was wäre damit gewonnen? Für die Namen der Habsburger Kaiser sind die Etymologien geklärt. Aber was besagt das für die Herkunft der Habsburger?

    - Maximilian (lateinisch)
    - Rudolf (althochdeutsch)
    - Ferdinand (gotisch)
    - Matthias (hebräisch)
    - Leopold (althochdeutsch)
    - Karl (althochdeutsch)
    - Joseph (hebräisch)
    - Stephan (griechisch)
    - Maria (hebräisch)
    - Theresia (griechisch)
    - Franz (italienisch)
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 5. Juli 2006
  14. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Kiprian, ich bin kein Wissenschaftler und natürlich auch kein Spezialist für Protobulgaren, über die ohnehin wenig Literatur vorliegt. Mein Wissen über die Ethnogenese der Protobulgaren stammt aus folgenden Quellen:

    1. Bericht von Prof. Rüdiger Schmitt für die Academie Bulgare des Sciences, Linguistique Balcanique, mit dem Titel "Iranica Protobulgarica, Asparuch und Konsorten im Lichte der iranischen Onomastik" (zu finden im Internet unter: www.kroraina.com/bulgar/schmitt.html)

    2. Schlagworte "Großbulgarisches Reich" und "Protobulgaren" bei Wikipedia

    3. Lexikon der untergegangenen Völker (vom bekannten Sprachwissenschaftler Prof. Harald Haarmann)

    4. Lexikon der Völker und Kulturen (etwas betagt, aber immer noch gut brauchbar)

    In diesen Publikationen herrscht die Meinung vor, dass die Protobulgaren aus einer Verschmelzung mehrer Turkvölker sowie aus Resten der Hunnen bestanden, die nach Zerschlagung ihres europäischen Reichs nach Südrussland zurückfluteten. Mehrfach werden in diesem Zusammenhang die Onoguren genannt, wobei Unklarheit darüber herrscht, ob darunter ein hunnischer Teilstamm oder ein anderes Turkvolk der südrussischen Steppe zu verstehen ist.

    Im Hinblick auf die Sprache der Protobulgaren sagt Prof. Schmitt:

    "An Resten dieser Sprache, die zweifellos zu den Turksprachen gehört ... sind nur eine Reihe von Namen, Titeln und einzelnen Wörtern bekannt ... Hinzu kommen solche Wörter des Bulgarischen und seiner Dialekte, die als "Substratwörter" aus dieser Sprache der Protobulgaren hergeleitet werden."

    Eine iranische Herkunft der Protobulgaren schließen Prof. Schmitt und alle oben genannten Quellen nachdrücklich aus. Schmitt räumt jedoch ein, dass sich Namen iranischen Ursprungs als Entlehnungen im Protobulgarischen finden könnten. Er sagt dazu:

    "So wie die Hunnen sind auch die Protobulgaren zweifellos aus dem Osten gekommen, aus den Steppengebieten nördlich des Schwarzen Meers, des Kaukasus und des Kaspischen Meers. Dass sie in diesem Raum Kontakte hatten mit den dort ansässigen nordiranischen Stämmen, mit Sarmaten, Alanen und wie sie alle heißen mögen, darf füglich angenommen werden, und ebenso ist es dann auch gut vorstellbar, dass bei den Protobulgaren iranische Namen und vielleicht auch iranische Wörter vorkommen. Da es sich dabei in aller Regel um Lehngut handelt, besagen solche Elemente natürlich nichts für die Sprache der Texte, in denen man sie findet, hier also der protobulgarischen, und nichts für das Ethnos der Träger derartiger Namen."

    Schmitt schließ seinen Beitrag mit dem Hinweis, dass die kritische Durchsicht aller iranischen Verknüpfungen ein negatives Ergebnis gehabt hat. Er verweist in diesem Zusammenhang auf den Sprachforscher Prof. Besevliev, der sich intensiv mit den Protobulgaren beschäftigt hat, und dieses Resultat ebenfalls voraussah.

    Das bedeutet also: das Protobulgarische ist eindeutig eine Turksprache, die in entsprechenden Kontaktzonen iranisches Lehngut aufgenommen hat. Ebenso muss man annehmen, dass die Träger dieser Sprache ein Turkvolk waren, dass sich als Mischvolk aus verschiedenen türkischen (und mit den Onoguren vermutlich hunnischen) Elementen zusammensetzte.
     
  15. hugahuga

    hugahuga Gesperrt

    http://de.wikipedia.org/wiki/Protobulgaren

    ich wäre sehr sehr vorsichtig mit nur gök-türkischer Abstammung der Protobulgaren zu begründen. Es waren mehr eine Ethnogenese der Eingewanderten Gok-Türken, Hunen mit ansässigen Proto-Slawen, Fino-Ugren und Skythen. Wobei die Indo-Europäische Linie später überhang gewann.

    Die Khan-reihenfolge bei den Protobulgaren ist auch sehr mit Vorsicht zu geniessen. Vielle Klans und Stämme der Nomaden in Zentralasien haben nur den Khan als gök-türkischen Herrschen. Der Rest bestand ehe aus der ansäßiger Bevölkerung.

    Mit der Annerkennung des Gök-Türkischen Khans wurde einfach die Herrschaft der Gok-Türken anerkannt und besiegelt. (Später war es genauso mit den mongolischen und Kipshak Khanen)

    Wobei diese Herrschaft gewöhnlich mit der Hochzeit der lokalen Herschaftsfamilie mit dem Klan-angehörigen des Eroberungsstammes besiegelt wurde. Der übernamm damit die Herrschaftslinie und verband neue Herschaftshaus mit der lokaler Aristhokratie.

    (in einigen Fällen war die Tochter mit anderen Kindern lokaler Aristhokratie zu den neuen herrsche geschikt worden. Der Eroberer wählte sich eine als Frau aus und der Rest hat dann dort als eine Art Geisel gewonnt.)
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. Juli 2006
  16. Bolgarin

    Bolgarin Neues Mitglied

    Ursprung der Staatlichkeit und die Herkunft der Bulgaren

    Seit einigen Jahren wird von den Geschichtswissenschaftlern unseres Landes erneut die Frage nach der Herkunft der Bulgaren stark diskutiert.
    Im Folgenden wollen wir Sie in Kürze mit den wichtigsten Theorien vertraut machen und Ihnen die Meinung von Prof. Georgi Bakalow vorstellen, der Prorektor der Sofioter Universität "Hl. Kliment Ochridsky" ist.


    Bis heute lesen wir in den bulgarischen Geschichtsbüchern, dass die Urbulgaren in den 60er Jahren des 7. Jh. von Nordosten her kommend die Donau überschritten hätten. Ihr Anführer Khan Asparuch habe die südlich der Donau vorgefundenen sieben slawischen Stämme vereint und einen selbständigen zentralisierten Staat gegründet. Als Gründungsjahr gilt der mit dem Nachbarn Byzanz abgeschlossene Friedensvertrag aus dem Jahre 681. Im Verlaufe einiger Jahrhunderte wäre dann aus den Urbulgaren, den Slawen und den alteingesessenen Thrakern ein einheitliches Volk entstanden. Die staatliche Leitung wäre zuerst einzig in den Händen der Urbulgaren gewesen und das Land selbst nannte sich Bulgarien, nahm aber als offizielle Sprache den hier gesprochenen slawischen Dialekt an.
    Diese Theorie wurde in den Jahrzehnten ausgebaut und die Historiker gingen über, nach den Wurzeln der Protobulgaren in ihrer vermeintlichen Urheimat Mittelasien zu suchen. Einige sind sogar der Ansicht, dass der Ursprung der Bulgaren noch weiter im Osten läge, und zwar bis an die Grenzen Koreas, und ziehen als Beweise einige chinesische Chroniken heran. Unsere Vorfahren seien ein nomadisiertes Steppenvolk gewesen, das die nördlichen Grenzen Chinas unsicher machte und aus diesem Grund hätte es in den alten chinesischen Überlieferungen Aufnahme gefunden.
    Handfeste Beweise legen aber auch andere Forscher vor, die eine ganz andere These vertreten. Die Bulgaren seien überhaupt keine Nomaden gewesen und wären auch nicht von weit her gekommen. Sie hätten hier schon immer auf dem Balkan gelebt und würden zur Gruppe der indoiranischen Völker gehören, die seit Jahrtausenden um das Schwarze Meer herum siedeln. Ein nicht von der Hand zu weisender Beweis sind einige spätantike Karten, auf denen deutlich der Name "Bulgarien" in seinen verschiedenen altertümlichen Schreibweisen, je nach Sprache der Kartographen, zu lesen ist. So z.B. finden wir auf der Karte des Eusebios aus Cäsarea aus dem 4. Jh. die Bezeichnung "vulgaria" genau dort, wo wir heute leben.
    Was die indoiranische Herkunft der Urbulgaren anbelangt, scheint sich die Fachwelt bereits fast einig zu sein. Bislang galten sie als ein Turkvolk. Die Beweise für diese ältere Annahme entpuppten sich als irreführend. Ein sprachlicher Vergleich der angeblich aus dem Urbulgarischen übriggebliebenen Worte deutete auf eine Turksprache hin, denn sie waren auch in diesen Sprachen zu finden. Allerdings stellte sich mit der Zeit heraus, dass ausnahmslos alle diese Wörter im Grunde genommen aus dem Persischen stammen und später als Kulturlexik in die Sprache der Turkvölker Mittelasiens Eingang fanden.
    Auch die ersten Bauwerke der Bulgaren auf der Balkanhalbinsel, namentlich in den alten Reichshauptstädten Pliska und Preslaw, deuten auf eine Bevölkerung hin, die durchaus nicht aus herumziehenden Nomaden bestand. Die Städte bezeugen alte urbanistische Traditionen. So z.B. besaßen sie bereits eine Kanalisation, was selbst mehr als 1000 Jahre später für Westeuropa durchaus nicht die Regel war.
    "Es gibt einen ganz deutlichen Hinweis im Namensregister der bulgarischen Herrscher, demzufolge in der Mitte des zweiten Jahrhunderts der Anfang der bulgarischen Staatlichkeit mit den legendären Herrschern Avitohol und Irnik gesetzt wird", sagt Prof. Bakalow, Prorektor der Sofioter Universität. "Die Angabe der Zeiträume, in denen sie geherrscht hätten, sind wirklich biblisch, zeigen aber eine Tendenz in der Staatlichkeit und den Anfang der Staatenbildung auf. Leider sind wir nicht in der Lage, Grenzen und Hauptstädte zu bestimmen, aber immerhin sprechen wir von einem bulgarischen Staat seit der Mitte des 2. Jh. n.Chr. Die Periode bis zum Jahre 681 ist noch zu wenig erforscht, auch wenn wir bereits eine Reihe von Dokumenten aus altsyrischen, altiranischen, altindischen und vor allem altarmenischen Chroniken veröffentlicht haben, die für uns von großer Bedeutung sind. Sie verweisen auf einen Ursprung im Gebiet von Pamir und Hindukusch, im Gebirge Imeon, wo sich die Bulgaren mit ihrer Sprache in einem ostiranischen Umfeld geformt haben. Wir weisen also die Behauptungen über eine turkstämmige, oder sibirische Herkunft unserer Vorfahren ab, die sie zu Verwandten der Mongolen machen würde."
    Es bleibt die Frage nach der Zahlenstärke der Urbulgaren offen, von denen bislang behauptet wurde, dass sie im großen Meer der Slawen untergegangen sind. Eine Erklärung für diese Theorie finden wir im Wunsch der Bulgaren aus der Zeit der Wiedergeburt im 18. und 19. Jh., als sie noch unter türkischer Fremdherrschaft standen und Hilfe vom slawischen Russland erhofften – etwas, das sich auch erfüllen sollte.
    "Ich kenne kein anderes Volk, das aus ideologischen Gründen auf fünf Jahrhunderte seiner Geschichte verzichtet hat", setzt Prof. Bakalow fort. "Bei uns trifft genau dieser Fall zu. Wir besitzen eine äußerst alte Geschichte, haben aber als Anfang das Jahr 681 festgenagelt, das eigentlich nur einen Zeitpunkt in unserer staatlichen Entwicklung darstellt. Dieses Datum bringt uns aber mit den Slawen in Verbindung und das raubt uns fünf Jahrhunderte Geschichte."
    Prof. Bakalow will sich aber auch nicht auf eine Zahlenstärke der Urbulgaren festlegen, denn das Ganze hat einen Haken. Wenn man sie zu klein wählt, kann man kaum den politischen und kulturellen Einfluss erklären. Sobald man aber die Zahl spürbar erhöht, gerät die These von der allseits angenommenen slawischen Sprache ins Wanken, zumal ja die Staatsführung in den Händen der Protobulgaren lag. Es liegt also der Gedanke nahe, dass sie ihre Sprache, also die urbulgarische und nicht die slawische, durch die Administration und auf Grund ihrer Zahlenstärke hätten durchsetzen können. Dem ist aber anscheinend nicht so, denn unsere Sprache zählt zu den slawischen Sprachen. Fragt sich also, was für eine Sprache die Urbulgaren tatsächlich gesprochen haben und stimmt überhaupt die Theorie über die Verschmelzung mit den Slawen? Die Archäologen haben nämlich bis heute keine einzige slawische Siedlung aus den entsprechenden Jahrhunderten auf ethnisch bulgarischem Territorium freigelegt. Einige Wissenschaftler sind der Ansicht, dass es sich bei den Slawen im Grunde genommen um Nachfahren der Skythen handelt, die nördlich des Schwarzen Meeres lebten. So könnte man sich nämlich auch die problemlose "Verschmelzung" mit den Thrakern als enge Verwandte der Skythen und der Urbulgaren erklären. Die Vertreter der Theorie über die Alteingesessenheit der Bulgaren auf der Balkanhalbinsel gehen sogar weiter und sagen, dass es sich eigentlich bei Skythen und Bulgaren um ein und dasselbe Volk handelt, zumal in den alten Chroniken die Bulgaren häufig als Skythen bezeichnet werden.
    "Wenn wir eine perfekte Untersuchung des Problems anstreben, müssen als erstes Fachleute nach Russland gesandt werden, um die einstigen Wohngebiete der Urbulgaren zu untersuchen", meint Prof. Bakalow und fährt fort: "Ich habe persönlich mit eigenen Augen in einem Museum in der Ukraine typisch bulgarische Gegenstände gesehen, die unter der Bezeichnung "skythisch" ausgestellt sind. Man geht sichtlich einer näheren Zuschreibung aus dem Wege. Des weiteren sollten von unseren Fachleuten die altchinesischen, altindischen und altiranischen Sprachen erlernt werden, damit auch andere Quellen herangezogen werden können."
    Es sei gut, die chinesischen Chroniken näher zu studieren, meinen auch jene Geschichtswissenschaftler, die den Ursprung der Bulgaren auf der Balkanhalbinsel sehen. Das ist jedoch durchaus nicht paradox, denn so merkwürdig es auch auf Anhieb klingen mag, würden die in den entsprechenden Chroniken Chinas geschilderten Ereignisse gerade ihre Theorie untermauern.
    Die russischen Geschichtswissenschaftler Morosow und Fomenko, die die chinesischen Quellen in der Originalsprache grundlegend analysiert haben, sind nämlich zu der Schlussfolgerung gelangt, dass es sich im Grunde genommen um europäische (wahrscheinlich römische und byzantinische) Chroniken handelt und noch dazu in späten Anschriften des 13. bis 15. Jh., die nach China gelangt sind, dort übersetzt und weitergegeben und mit der Zeit als authentische örtliche Originaldokumente angesehen wurden. Falls diese These auch von anderen Wissenschaftlern unterstützt werden sollte, könnte die Theorie über die Alteingesessenheit der Bulgaren auf der Balkanhalbinsel im Endeffekt bedeutend an Kraft gewinnen. Das Sprachproblem bleibt aber leider weiterhin eine große Hürde vor eingehenden Untersuchungen der alten Chroniken.

    http://www.bnr.bg/RadioBulgaria/Emission_German/Theme_Geschichte/Material/gk050331.htm

    und noch etwas von mir:

    eine sehr glaubwuerdige version schildert die Protobulgaren als iranischstaemmiges volk, das viele ugro -finische elemente in sich einbezogen hatte und eine tuerkischsprechende oberschicht besass. der tuerkischsprechende adel kommt daher, da die Protobulgaren im 3. jahrhudert vom khagant der Westtuerken erobert werden. in der zeit der Westtuerkischen besatzung nimmt der adel die turk sprache der Westtuerken an.
    eine andere interessante theorie, die auch nicht geschildert ist sagt, dass der grossteil der Protobulgaren bereits nordlich des Schwarzen Meeres unter slawischen einfluss begonnen hat slawisch zu sprechen. und slawisch sprachen sie als sie die Donau im 7. jahrhundert ueberqueren. das erklaert den niedrigen anteil an uriranische und urtuerkische worte im heutigen Bulgarisch.
     
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  17. hyokkose

    hyokkose Gast

    Dies scheint der Vater des Gedankens zu sein...



    Was für Wissenschaftler das sind, bleibt leider offen. Sprachwissenschaftler können es nicht sein.



    Warum ist diese Version besonders glaubwürdig?
    Weil sie so populär ist? Auch in Kroatien ist heutzutage die Theorie, wonach die Kroaten iranischstämmig sind, sehr populär. Die Beweislage ist allerdings lächerlich dürftig.


    Mich würde interessieren, welche Fachleute die Theorie von der iranischen Abstammung der Protobulgaren vertreten und welches Beweismaterial sie vorlegen können.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 9. Dezember 2006
  18. Bolgarin

    Bolgarin Neues Mitglied

    bei dem satz handelt es sich hoechstwahrscheinlich um eine verschreibung. man wollte bestimmt sagen - "die Bulgaren nachfahren der Skythen."

    es gibt nicht nur theorien, dass Bulgaren und Skythen ein und das selbe sind. es gibt auch theorien - die gar nicht so unbegruendet sind - die sagen, dass Thraker und Protobulgaren ein und das selbe sind. wie erklaert man sich sonst Bulgarien auf geographische karten am heutigen platz jahrhunderte befor sie auf dem balkan gegruendet wurde (der officiaellen wissenschaft nach). und das auf ein paar karten.

    iranische abstammung, da man festgestellt hat dass die uns bekannten worte aus der protobulgarischen sprache sich letztendlich als iranisch erwiesen und nicht als turkisch. die bauten der protobulgaren hatten iranisch - chinesische traditionen. turk - voelker bauten nicht so und hatten nicht so gut gepraegte staatliche tradition wie die Protobulgaren damals.
    eine theorie sagt, dass der bulgarische reichsbund noerdlich des schwarzen meeres eigentlich eine konsolidierung der iranischen staemme um das schwarze meer war - eine rettung im feindlichen turk - meer, das diesen staat umgab. der khaganat der Westtuerken von osten und das awarische khaganat im westen. genau das bedeutet auch das wort "bulg" in den turksprachen um die Wolga - "vermischen, mischen".
     
  19. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Wie? Bulgarien ist auf Karten eingezeichnet, als es noch kein Bulgarien gab? Von wem stammen die Karten und kann man die sich irgendwie anschauen?
     
  20. Bolgarin

    Bolgarin Neues Mitglied

    "So z.B. finden wir auf der Karte des Eusebios aus Cäsarea aus dem 4. Jh. die Bezeichnung "vulgaria" genau dort, wo wir heute leben."

    das ist die eine. such sie im google vielleicht! die anderen muss ich suchen, da es lange her ist.
     

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