Wie findet man ein Buch?

Dieses Thema im Forum "Fragen & Antworten" wurde erstellt von Tannhaeuser, 21. März 2007.



  1. Tannhaeuser

    Tannhaeuser Aktives Mitglied

    Jeder kennt das Problem, wenn er sich mit Geschichte befaßt: auch in den Zeiten von Google und dem Geschichtsforum geht es nicht ohne Bücher ab. Aber wie kommt man an das, was man sucht? Und wie findet man das, was man finden will? Auf Bitten eines Moderators wede ich in diesem und ggf. weiteren Beiträgen ein paar allgemeine Informationen zu diesem Problem geben.
    Für den analogen Datenträger, allgemein als Buch bekannt, gibt es wie im Computerbereich einen ausgezeichnete Massenspeicher: DIE BIBLIOTHEK! Diese gibt es in allen möglichen Größen und Formen: von der Gemeindebücherei, bei der es mit dem neuesten "Spiegel" schon eng wird, bis zur Staats- und Nationalbibliothek mit Dutzenden oder Hunderten von Regalkilometern. In solchen Baulichkeiten sitzen üblicherweise immer ausgesprochen freundliche Menschen (na gut: MEISTENS freundlich), die von ihrem Metier ein bißchen was verstehen. Daher ist die allererste Regel, wie man sein Material findet: in die nächstgelegene Bibliothek gehen und den dort sitzenden Kollegen NETT fragen, ob er einem weiterhelfen kann. Warum soll man versuchen, selbst zu bellen, wenn es Hunde gibt?
    Man kann sich aber auch auf veschiedene Weise selbst helfen. Bibliotheken zeichnen sich dadurch aus, daß ihre Bestände in irgendeiner Form geordnet sind. Öffentliche Büchereien und wissenschaftliche Bibliotheken arbeiten mit Systematiken, die die Wissenschaften ordnen und gliedern. Man kann sich also mit der Systematik vertraut machen und findet dann an der betreffenden Regalstelle etwas zu dem, was man sucht (natürlich immer vorausgesetzt, es ist nicht ausgeliehen, gestohlen oder in ein falsches Regal gestellt). Bei kleinen Stadtbibliotheken ist dies in der Regel kein Problem, was aber tun bei großen Institutionen, die derart komplexe Regelwerke wie die "Regensburger Systematik" oder die "Dewey-Classification" nutzen? Für derlei Zwecke hat jede Bibliothek, die etwas auf sich hält, ein überaus wichtiges Arbeitsinstrument: DEN KATALOG! In alten Häusern stehen da noch meterweise Holzkästen mit Schubfächern, neuere haben da meist Computerterminals aufgebaut. Beschränken wir uns auf letztere. Die Terminals bieten Zugriff auf den sogenannten OPAC - Online Public Access Catalog. In verschiedenen Suchfeldern kann man dort wingeben, was man weiß, und erhält dann nach kurzem Meditieren des Rechners die Information, ob ein bestimmtes Buch im Haus vorhanden ist oder nicht, ob man es ausleihen kann und wo man es findet. Suchbegriffe können der Name des Autors sein sowie Stich- und Schlagwörter (Bibliothekare sind brutale Leute!). Der Unterschied zwischen den beiden letztgenanntnen ist der, daß Stichwörter unmittelbar im Titel des Buchs enthalten sind, Schlagwörter aber vom Bibliothekar nach bestimmten Regeln gebildet werden, um den Inhalt des Werks zu beschreiben.
    Was aber nun, wenn man das, was man sucht, vor Ort nicht findet? Hier gibt es einen überaus nützlichen Service, an dem so ziemlich alle Bibliotheken teilnehmen: DIE FERNLEIHE! Man füllt ein kleines Formular aus, in das man die Angaben einträgt, über die man verfügt, und überreicht es mit einem freundlichen Lächeln dem Bibliothekar. Dieser wirft einen Blick in eine große Datenbank, stellt fest, wo es das Buch gibt, und sendet den Bestellschein dorthin. In angemessener Frist wird das Buch dann geliefert, so daß der freudestrahlende Benutzer es in Empfang nehmen kann. Mitunter kostet diese Dienstleistung ein paar Cent, aber dies kommt immer noch billiger, als sich den Schmöker selber zu kaufen.
    Die erwähnte große Datenbank kann man übrigens auch als Normalsterblicher benutzen. Sie führt den schönen Namen KVK, was für "Karlsruher Virtueller Katalog" steht, und ist unter folgender Webadresse zu finden:
    http://www.ubka.uni-karlsruhe.de/kvk.html

    In dieser Datenbank sind alle deutschen Bibliotheksverbünde miteinander verknüpft, des weiteren die großen Bibliotheken der weiten Welt, von Wien bis Sydney und von Moskau bis Washington. Man gibt in den Suchfeldern der oberen Seitenhälfte die bekannten Angaben ein (je pärziser man dabei ist, um so schneller geht es), klickt in der unteren Hälfte die Bibliotheken und Verbünde an, die man in die Suche mit einbeziehen will (ratsam ist immer der Verbund der eigenen Region - die etwas kryptischen Abkürzungen wie GBV und BVB werden beim Anklicken erklärt - sowie die Nationalbibliothek des Landes, aus dem das betreffende Buch stammt), drückt den "Suchen"-Button und hofft, daß man findet, was man haben möchte. Wenn dies nicht der Fall ist, gibt es mehrere Möglichkeiten: die Suche mit mehr und anderen Verbünden wiederholen, nachsehen, wo man sich vertippt hat oder die Vermutung äußern, daß die vorhandenen Angaben nicht stimmen. Die ersteren beiden Varianten stellen kein Problem dar ; was man in letzterem Falle tut, erzähle ich euch, liebe Kinder, beim nächsten Mal, wenn ihr schön artig seid.
    Zum Abschluß noch eine Literaturempfehlung:
    Wie benutze ich eine Bibliothek? Basiswissen - Strategien - Hilfsmittel. (Broschiert)
    von Uwe Grund (Autor), Armin Heinen (Autor)
    Broschiert: 270 Seiten
    Verlag: UTB, Stuttgart; Auflage: 2. überarb. Aufl. (1996)
    ISBN-10: 3825218341

    Der Thread wird fortgesetzt, und hier dürfen auch gerne konkrete Fragen gestellt werden, wenn jemand ernsthafte Rechercheprobleme hat. Allerdings bitte ich darum, ihn nicht als ersatzauskunftei zu benutzen, ohne daß man sich selber bemüht hat...
     
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  2. Cisco

    Cisco Neues Mitglied

  3. Scarlett

    Scarlett Neues Mitglied

    Weiß jemand, wie Auslandsfernleihen funktionieren? Ich habe ein Buch gefunden, daß nur im britischen Verbundskatalog bzw in der British Library vorhanden ist? Hat jmd Erfahrungen damit?

    Einen Linktipp habe ich auch:
    http://lotse.uni-muenster.de/geschichte/index-de.php

    hier findet Ihr Infos zu den Themen: Literatursuche, - beschaffung, etc..
    Fand ihn wirklich sehr informativ und hilfreich. :)
     
  4. Tannhaeuser

    Tannhaeuser Aktives Mitglied

    Hallo!
    Was Auslandsfernleihe angeht, bin ich nicht ganz auf dem aktuellen Stand. Da ist in jedem Fall die Fernleihstelle der nächsten größeren UB der beste Ansprechpartner (sofern vorhanden). Generell ist es erforderlich nachzuweisen, daß der Band in Deutschland nicht vorhanden ist ; dann kann man die Bestellung in den internationalen Leihverkehr geben. Was die British Library angeht (bzw. die British Lending Library in Boston Spa): da mußt Du Dich darauf einstellen, daß das Buch selbst nicht verliehen wird, sondern eine Kopie angefertigt wird. Die BL hat ja quasi Funktion einer Nationalbibliuothek ; und bei denen ist es meistens so, daß die Bestände nicht außer Haus gegeben werden. Eventuell kannst Du mir ja per PN weitere Informationen geben, dann kann ich mir die Angelegenheit nochmal anschauen.
     
  5. Tannhaeuser

    Tannhaeuser Aktives Mitglied

    Im Übrigen (um zum Thema zu kommen) ist die Buchhandlung um die Ecke nicht unbedingt immer die erste Wahl. Was tut man etwa bei Büchern, die 1890 erschienen sind? Oder bei ausländischer Literatur? Da stößt der örtliche Buchhandel schnell an seine Grenzen. Hinzu kommt, daß man sich die Literatur für eine ernsthaftere wissenschaftliche Arbeit oft aus Kostengründen nicht anschaffen kann und dementsprechend auf Bibliotheken zurückgreifen muß. Es gibt genügend wissenschaftliche Zeitschriften, bei denen ein Jahresabo mehrere Tausend bis zehntausend Dollar kostet...
     
  6. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass auf Flohmärkten oft lange gesuchte und vergriffene Bücher für wenig Geld zu haben sind.
    "Die Vandalen" von H. Schreiber im Festeinband mit intakten Schutzumschlag für 1 Euro - wenn das kein Schnäppchen ist!

    Ansonsten gibt es eine Suchfunktion auf der Homepage des Zentralverbandes der Antiquare (ZVAB), da lässt sich so ziemlich alles finden, auch aus dem Ausland.
    Verlinken klappt bei mir leider momentan nicht, am besten ergooglen...
     
  7. Querdenker

    Querdenker Gast

    Vielleicht kann ich ja helfen.
    Hier der Link:
    ZVAB - Zentrales Verzeichnis Antiquarischer Bücher (antiquarische und vergriffene Bücher online bestellen)
     
  8. Mercy

    Mercy unvergessen

  9. Caecilia

    Caecilia Gast

    Das Thema hat mich heute sehr beschäftigt, denn:
    1. Suche ich ein Buch, das bezieht sich auf den Limes, ist momentan vergriffen und nur über Fernleihe zu bekommen, daher habe ich mir diesen Strang mal genau durchgelesen und mal geschaut, wer das Buch überhaupt hat, Unibibliotheken usw.
    2. Suchen wir ein Buch, bzw. das zweibändige Werk, den "Papyros Ebers" von Georg Ebers herausgegeben, als Farbdruck von 1875. Der schlummert und haust in einigen Staats- u. Universitätsbibliotheken, ist aber nur im Lesesaal zu bestaunen. Und eine Voranmeldung für den Lesesaal läuft in dem Fall persönlich ab. Soweit ich weiß, hat mein Mann sämtliche dt. Unis abgeklappert und bekam immer dieselbe Antwort. Doch schaffen wir es vielleicht, durch unsere Limestour nächsten Monat an einer Uni halt zu machen, uns dort anzumelden und auf den Lesesaal zu "warten". Mal schauen.
    Antiquariate sind daher die einzige Hoffnung, daß Irgendwer irgendwann keine Lust mehr auf diese zwei Bände hat und sie verkaufen möchte. Der Ebers ist in Heidelberg digitalisiert, doch ist die Digitalisierung nicht besondes gelungen. Das Original liegt in Leipzig, wird dort aber selten ausgestellt, soweit ich weiß.
    Der bunte Ebers ist wirklich schwer zu bekommen. Bzw., mir fällt einfach nichts mehr dazu ein.
     
  10. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Den Nachdruck von de Gruyter 1973 gibts antiquarisch. Ich habe aber keine Ahnung, ob das hilfreich ist:
    http://www.eurobuch.com/
     
  11. Caecilia

    Caecilia Gast

    Lieben Dank, silesia. :friends:
    Das ist die "schwarz-weiß-Ausgabe" "von" Ludwig Stern. Auf der Seite war ich heute auch schon deswegen. Weil ich mir eben auch dachte, ab und an mal etwas antiquarisch googlen kann ja nicht schaden.
    Ich weiß noch gut, damals mußten wir hin- u. herüberlegen, ob man sich das Buch einfach so leisten kann oder nicht.
    Diese Faksimile-Ausgabe ist auch schön, keine Frage. Doch in bunt...nun ja...aber hinter den Bergen, bei den sieben Zwergen, gibt es ein Buch, das ist noch viel bunter usw...

    P.S.: Die Preisunterschiede sind ja schon sehr interessant.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 18. Februar 2008
  12. Tannhaeuser

    Tannhaeuser Aktives Mitglied

    Liegt München für euch zu weit ab vom Weg? Dort steht das Dng im Handschriftenlesesaal und kann ohne Voranmeldung benutzt werden, Signatur Hbh/2 Sl 2620-1, 2. Wir selber haben die Ausgabe von 1889, könnte ich bei Bedarf und Voranmeldung für euch in den Lesesaal bestellen.. Und was für ein Limesbuch braucht ihr?
     
  13. Tannhaeuser

    Tannhaeuser Aktives Mitglied

    Korrektur: ich sehe gerade, daß wir die Ausgabe von 1875 ebenfalls haben, steht auch bei uns im Handschriftenlesesaal und ist jederzeit benutzbar.
     
  14. Caecilia

    Caecilia Gast

    Oh, das wäre ja wunderbar. Weshalb meinte heute mein Mann zu mir, daß eine Nachfrage ergeben hätte, daß es umständlich gewesen sei, als er nachfragte?
    Eigentlich liegt MUC nicht auf dem Weg, aber das ist ja egal. Ich danke Dir sehr, kann Dir morgen Abend dann Bescheid geben.
    Das freut mich jetzt sehr!
     
  15. Caecilia

    Caecilia Gast

    Das ist ein Buch, das sich auf den Limes und auf Kastelle in meiner ursprünglichen Heimat bezieht. Danach habe ich heute gesucht, doch ist es käuflich nicht mehr zu erwerben derzeit. Dann suchte ich eben per Fernleihe vorhin danach, an und in sämtlichen Unibibliotheken. Entweder ist es dort nicht gelistet, oder ausgeliehen, oder ich muß auf die Warteliste. Und das lohnt eben nicht...Bis ich das bekomme per Fernleihe, bin ich schon längst wieder hier :S .
    Daher lasse ich mir Zeit, was das Buch betrifft, eilt nicht. Wenn ich vor Ort bin, erfahre ich bestimmt auch schon einiges.
     
  16. Caecilia

    Caecilia Gast

  17. Tannhaeuser

    Tannhaeuser Aktives Mitglied

    Das ist ärgerlich, aber dafür gibt es ja das Forum...
     
  18. Rafael

    Rafael Neues Mitglied

    Da im Eingangsbeitrag zum Schluss kurz Rechercheprobleme angesprochen wurden, möchte ich einen kleinen Tipp - für die Literaturrecherche und nicht für das Auffinden eines schon vom Titel bekannten Buches - loswerden, der vielleicht banal klingt, den aber einige meiner Kommilitonen zum Beispiel anscheinend nicht kennen:

    Bei der Recherche nach Büchern zu einem bestimmten Thema hilft es meist schon für den Anfang nur ein einziges Buch zu finden, da man durch Fußnoten und Literaturangaben noch mehr Werke zum gesuchten Thema finden kann. Es ist aufwendig, doch nach genauer Arbeit und mit einwenig Glück hat man danach ziemlich viele Bücher zur Auswahl, deren Standorte man dann wieder durch die im Eingangsbeitrag genannten Kataloge und weiteren Möglichkeiten herausfinden muss/kann.
     
  19. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

  20. Galgenpapst

    Galgenpapst Neues Mitglied

    Danke Moderator! Bücher kann man/frau auf anderen Wegen gezielter recherchieren. Man kann an diesem Ort (Internetbibliothek) vor allem Fragen stellen und erhält recht ausführliche und nach meinen Erfahrungen kompetente Erklärungen, Links, Literaturtipps; ich habe einmal nach der "Bedeutung mechanischer Schuhfabriken mit Dampfbetrieb am Niederrhein" gefragt! Gruß Galgenpapst
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. Dezember 2008

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