Annexionspläne der Niederlande

Davon hatte ich ja noch nie was gehört. Die haben aber schnell von den Deutschen gelernt. Aber daß die ernsthaft an eine Realisierung von Annexionsplänen geglaubt haben, enttäuscht mich. So dumm zu glauben, die Briten würden wesentliche Teile ihrer Besatzungszone verschenken, kann man doch gar nicht sein.

Ich bilde mir ein, die Dänen hatten auch nach dem WW2 noch mal Lust auf Südschleswig. Ich bin aber nicht sicher, ob ich da nicht was verwechsle.

Deutsche Kriegsgefangene haben nach dem Krieg in belgischen Bergwerken gearbeitet. Von Gebietsansprüchen ist mir aber nichts bekannt.
 
Gab es eigentlich ähnliche Pläne seitens Belgiens und/oder Luxemburgs?
Ähnliche Pläne hatten sehr wahrscheinlich einige Nachbarländer, der anscheinende Umfang der niederländischen Planung überrascht mich aber. Mit dem 2.Weltkrieg (und nicht nur mit dem Ende desselben) waren alle europäischen Grenzen nur noch Linien die beliebig verschoben werden konnten. Auf die einheimische Bevölkerung brauchte gar keine Rücksicht mehr genommen zu werden (nach dem 1.Weltkrieg wurden, bezogen auf die betroffene Bevölkerung ungleich weniger Menschen innerhalb verschobener Gebiete aus ihrer Heimat vertrieben), sie wurde verschoben, vertauscht oder getötet ohne allzuviele Hemmungen.
Ohne das eigentlich nachgefragte Thema beantworten zu können ein paar Schlagworte (die am besten alle in Anführungszeichen gesetzt gehören): Generalgouvernement, Umsiedlung der Südtiroler nach Polen, Bevölkerungsaustausch mit der UdSSR vor allem betreffs der Baltendeutschen, Sudeten, Siebenbürgen (auch während der Koalition Rumäniens und Ungarns mit Hitlerdeutschland).... Die Zeit war enthemmt genug solche Projekte real zu planen oder umzusetzen. Eine gräßliche Zeit...
Die letztliche Lösung der "Saarfrage" scheint mir in seinem humanen und so weit demokratischen Ablauf ein leuchtendes Gegenbeispiel zu den genannten Schlagworten unbedingt erwähnenswert!
 
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In der Villa ten Hompel in Münster ist seit kurzem die Ausstellung Wiedergutmachung als Auftrag zu sehen, darin wird auch ein niederländisches Nachkriegspropagandaplakat gewürdigt, welches die geographischen Vorstellungen zeigt, welche manche Niederländer damals hatten. Ich will jetzt nichts falsches behaupten, deshalb äußere ich meine Erinnerung nicht, sondern verspreche, mich bei Gelegenheit hinzubegeben und nachzuschauen. Vielleicht bekomme ich auch vor Ort ein Photo.
 
zu dänemark/schleswig-holstein
mir sind keine bestrebungen seitens dänemark bekannt, dass man schleswig wiereerlangen wollte. aber in der nachkriegszeit gab es die sog. speckdänen auf deutscher seite, die sich eine bessere versorgung unter dänischer herrschaft erhofften. im ersten bundestag gab es z.b. abgeordnete des ssw!

sorry, zu früh gedrückt:
ein niederländisches prpagandabild, was halb niedersachsen als neues gebiet zeigt, und (für den, der es lesen kann) eine niederländische seite.
 
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viel habe ich nicht gefunden, aber es gab 1949 eine sitzung des sechs-mächte-ausschusses (die drei west-alliierten + benelux-staaten) in der es um die annexionspläne der westlichen nachbarn deutschlands ging (pariser protokoll vom 22.3.1949, ich habe aber noch keine dokumente gefunden)

briten wie amerikaner wollten das unbedingt vermeiden, auch wegen der zu erwartenden flüchtlinge, und haben deshalb nur geringfügigen gebietskorrekturen zugestimmt. dabei wurde auch darauf geachtet, dass keine neuen vertreibungen stattfinden sollten und ein weitgehender schutz der bevölkerung vereinbart, die trotz gebietswechsels weiter deutsch bleiben wollte.

ausserdem zweifelte man in washington und london an der vernunft seiner "kleinen" verbündeten, die scheinbar nichts aus der geschichte gelernt hatten. immerhin gab belgien kurz vor der umsetzung seine pläne auf:
...
Schon wenige Tage später, am 22. März 1949, erfolgte dann, allen Bemühungen des Ministerpräsidenten zum Trotz, die Unterzeichnung des sogenannten Pariser Protokolls.
Am 28. März 1949 wurde eine Verlautbarung der sechs Mächte über eine vorläufige Verwaltungsübertragung über deutsche Grenzgebiete an Belgien, die Niederlande und Luxemburg veröffentlicht. In dieser Verlautbarung wurden 31 Berichtigungen der deutschen Westgrenze angekündigt. Betroffen wurde ein Gebiet von insgesamt 135 Quadratkilometern mit einer Bevölkerung von etwa 13.500 Menschen, wovon etwa die Hälfte auf den Selfkant entfiel. Die Berichtigungen wurden nur in allgemeinen Zügen festgelegt. Die genaue Grenzziehung sollte Aufgabe einer Demarkations-Kommission sein.
In der Verlautbarung wurde versichert, dass alle Maßnahmen unter Berücksichtigung der Interessen der Einwohner getroffen würden. Personen, die die Staatsangehörigkeit des neuen Landes nicht anzunehmen wünschten, sollten denselben Schutz genießen, den die Gesetze des betreffenden Landes für Personen und Eigentum vorsehen.
Sie sollten das Recht haben, sich in Deutschland niederzulassen und ihr bewegliches Vermögen mitzunehmen. Den Haus- und Grundbesitz könnten sie entweder behalten oder veräußern. Im Falle der Veräußerung des unbeweglichen Vermögens sollte ihnen gestattet werden, den Erlös nach noch zu erlassenden besonderen Bestimmungen nach Deutschland zu transferieren.
Diese Versicherungen konnten aber das Unbehagen über die Zukunft nicht aus der Welt schaffen.

...

Am 15. April 1949 gab die belgische Regierung überraschend bekannt, dass sie auf die Einverleibung der ihr durch die Sechsmächtevereinbarung zugesprochenen deutschen Ortschaften Münsterbildchen, Roetgen, Lammersdorf, Konzen, Mützenich und Ruitzhof verzichtete. Aus Anlass dieses belgischen Verzichtes fand am Ostersonntag, 17. April 1949, in Monschau eine Kundgebung der Grenzbevölkerung mit Ansprache des Ministerpräsidenten Arnold statt.
Arnold sagte bei dieser Gelegenheit mit sichtlich bewegter Stimme, dass die Stunde, in der er die Botschaft mit der belgischen Verzichtserklärung erhalten habe, die erste Stunde eines inneren Glückgefühls in seiner ganzen Regierungszeit gewesen sei.
aus einer sehr lesenswerten seite über den selfkant, einem der beiden bewohnten gebiete, die bis 1963 niederländisch waren
 
Annexiospläne Belgiens gab es wohl nicht.
Belgien hatte genug damit zu tun, das nach dem ersten Weltkrieg in Besitz genommene Gebiet Eupen-Malmedy-St.Vith in den belgischen Staat zu integrieren.
Es gab in der deutschen Bevölkerung der Gebiete Eupen und St.Vith einen erheblichen Unmut über den Anschluss an Belgien und die wirkliche Integration in den belgischen Staat war keineswegs abgeschlossen, als durch Führererlass vom 18. Mai 1940 das Gebiet nunmehr wieder von Deutschland annektiert wurde.
Das zwiespältige Verhältnis Belgiens zu seinen "Ostkantonen" in der Zwischenkriegszeit wird schon dadurch dokumentiert, dass die belgische Regierung mit der deutschen nach 1926 geheime Verhandlungen führte mit dem Ziel, das Gebiet wieder an Deutschland zu verkaufen. Dieser Rückkauf kam wegen massiver Proteste Frankreichs nicht zustande, aber die Verhandlungen waren bei der Bevölkerung nicht unbemerkt geblieben. Sie entnahm daraus, dass Belgien eigentlich nicht an dem Gebiet interessiert war.
Im zweiten Weltkrieg litten insbesondere Malmedy und das Gebiet um St.Vith stark durch Bombardements und die Ardennenoffensive 1944. Auch die Verluste der zur Wehrmacht eingezogenen Bewohner dieses Gebietes waren hoch. Von 8700 zur Wehrmacht eingezogenen Männern sind 3200 gefallen oder vermisst.
1945 begannen die Belgier mit einer "Epuration" genannten überaus harten Säuberungswelle, die von der Bevölkerung als übertrieben und ungerechtfertigt empfunden wurde, weil sie auf die besondere Situation der Bewohner dieses Grenzgebietes zu wenig Rücksicht nahm.Außerdem versuchte Belgien, die deutsche Sprache ganz aus dem öffentlichen Leben zu verbannen. Das hat auch für eine ganze Weile nach dem Krieg eine Beruhigung in diesem Gebiet verhindert.
Diese ganze Situation war ein denkbar schlechtes Umfeld für weitere Gebeitsforderungen Belgiens.
Lediglich Losheim ist ein Sonderfall. Der kleine Ort mit rund 400 Einwohnern fiel 1919 zunächst an Belgien, dann bei der endgültigen Grenzfestsetzung 1921 wieder an Deutschland zurück. 1949, bei Gründung der Bundesrepublik, kam er unter belgische Verwaltung. Nach dem deutsch-belgischen Abkommen von 1956 fiel er 1958 erneut an Deutschland zurück.
Heute herrscht Ruhe in den Ostkantonen. Deutsch ist offizielle dritte Landessprache in Belgien und die von der DG (Deutschsprachige Gemeinschaft) vertretenen Bevölkerung ist verfassungsgemäß den Flamen und Wallonen gleichgestellt. Der Rat der deutschsprachigen Gemeinschaft ist das Parlament der deutschsprachigen Belgier und somit eine gesetzgebende Gewalt. Die Dekrete (also Gesetze) des Rates der deutschsprachigen Gemeinschaft haben seit 1983 im deutschen Sprachgebiet Gesetzeskraft und können weder vom Bundesparlament noch von den anderen Räten außer Kraft gesetzt werden.
 
ich finde zwar keine dokumente zu der pariser konferenz im märz 49, aber aus einer schrift der karl- arnold-stiftung, dem ersten gewäjlten ministerpräsidenten nrws geht sehr wohl hervor, dass auch belgien ansprüche angemeldet hat, wie auch aus dem zitat meinses letzten beitrags hervorgeht:
Weitere Rückschläge auf dem Weg zu einem gemeinsamen Europa kamen hinzu: Zwei Jahre nach Endes des Krieges schickten sich die Niederlande und Belgien an, „Grenzkorrekturen“ vorzunehmen, bei denen es sich in den Augen vieler konsternierter Deutscher um nichts anderes als Annexionen zu handeln schien. Die Niederlande beanspruchten nach eigenen Angaben eine Fläche von 1750 Quadratkilometern mit 120 000 betroffenen Einwohnern; Belgien pochte auf 30 Quadratkilometer mit 3850 Einwohnern. Für Arnold waren insbesondere die niederländischen Gebietsansprüche „weder geschichtlich noch ethnografisch“ zu rechtfertigen. Er wurde nicht müde, den europäischen Geist zu beschwören und an die nordrhein-westfälischen Nachbarstaaten zu appellieren, von ihrem Vorhaben abzulassen.
Nach einer Phase relativer Ruhe spitzte sich die Lage im Frühjahr 1949 zu. Zwar schraubten die Niederlande, Belgien und Luxemburg ihre Forderungen auf insgesamt 135 Quadratkilometer (13 500 Einwohner) herunter,doch NRW als das am stärksten betroffene Land mochte dies keinesfalls hinnehmen.Arnold betonte, eine wahrhaft europäische Politik müsse darauf ausgerichtet sein, „dass die staatlichen Grenzen mehr und mehr auf die Bedeutung von Verwaltungsgrenzen zurückgehen“.Als Kompensation für einen Verzicht auf ihre Forderungen bot er den Niederlanden Hilfe bei der Trockenlegung der Zuidersee an.Während Belgien zu Konzessionen bereit war und nur noch eine Grenzarrondierung von 20 Quadratkilometern Fläche anstrebte, zeigte sich Den Haag unnachgiebig. In dieser Situation setzte Arnold alles auf eine Karte und reiste im April 1949 Hals über Kopf in die niederländische Hauptstadt, um die Politiker im letzten Moment umzustimmen. Die aber zeigten sich höchst irritiert über die ungewöhnliche ntervention des NRW-Regierungschefs.Aussenminister Stikker war nur zu einer kurzen Unterredung mit dem ungebetenen Gast bereit. Mit seiner unorthodoxen Diplomatie konnte Arnold letztlich nichts bewirken – er musste sich später allerdings auch niemals vorhalten lassen, nicht alles versucht zu haben, die Annexionen abzuwenden. Die Rückgabe der besetzten Grenzgebiete – darunter das Amt Selfkant und die Gemeinde Elten – im August 1963 hat er nicht mehr erleben können.
 
Davon hatte ich ja noch nie was gehört. Die haben aber schnell von den Deutschen gelernt. Aber daß die ernsthaft an eine Realisierung von Annexionsplänen geglaubt haben, enttäuscht mich. So dumm zu glauben, die Briten würden wesentliche Teile ihrer Besatzungszone verschenken, kann man doch gar nicht sein.

Ich bilde mir ein, die Dänen hatten auch nach dem WW2 noch mal Lust auf Südschleswig. Ich bin aber nicht sicher, ob ich da nicht was verwechsle.

Deutsche Kriegsgefangene haben nach dem Krieg in belgischen Bergwerken gearbeitet. Von Gebietsansprüchen ist mir aber nichts bekannt.

Was mir zur einer Annexion von Schleswig einfällt, ist nur, dass es die Dänen ja schon mal versucht haben und zwar während der Zeit von Bismarck.
 
Was mir zur einer Annexion von Schleswig einfällt, ist nur, dass es die Dänen ja schon mal versucht haben und zwar während der Zeit von Bismarck.

etwas off-topic, aber deine aussage ist falsch: wenn jemand annektiert hat dann war es bismarcks preussen 1866.

im 19. jhdt. gabs mal den spruch (ich glaube vom britischen mp disraeli): "es gibt drei menschen, die sich mit der schleswig-holstein-frage auskennen, einer ist tot, einer ist darüber verrückt geworden und ich habs vergessen."

schleswig war nie bestandteil des hrrdn oder des deutschen bundes, sondern ein selbständiges herzogtum, holstein war auch herzogtum, aber eben bestandteil des deutschen bundes. in beiden ländern war der dänische könig in personalunion herzog. mitte des 19. jhdts. wollte dänemark schleswig dann formell ins königreich eingliedern. praktisch war das schon längst der fall, flensburg galt als der dänische überseehafen schlechthin (deshalb haben einige rum-produzenten in dieser stadt ihren sitz).

blöd für die dänen war nur, dass sie das in einer zeit versucht haben, als das deutsche nationalbewusstein erwachte, und dass es da einen ur-ur-alten vertrag gab, "op ewig ungedeelt", der schleswig an holstein band.

der erste versuch 1848 ging schief und 1864 verlor dann dänemark beide herzogtümer im deutsch-dänischen krieg. nach dem 1. wk gabs dann eine volksabstimmung in nordschleswig und die grenze verläuft seitdem, wie wir sie kennen.
 
wieder beim thema:

bei frankreich weiss ich, dass es um einige grenzkorrekturen entlang der grenze zu rheinland-pfalz ging, unbewohnte waldstücke etc., und insbesondere um die stadt kehl, die tatsächlich bis anfang der 50er annektiert war.

aber zu luxemburg habe ich nichts gefunden, gibt es vielleicht jemanden hier aus der ecke, der was weiss?
 
Zu Luxemburg weiß ich leider nichts, kann aber etwas zum Thema Dänemark beitragen.

Schon am 9. Mai 1945 erklärte die dänische Regierung: "Die Grenze liegt fest."
Auch die britische Militärregierung sah keinen Raum für Grenzveränderungen.

Auf deutscher Seite gab es allerdings eine separatistische Bewegung zugunsten des Anschlussses Südschleswigs an Dänemark ("Wiedervereinigung").
Am 11. Oktober 1945 beantragte Den Sudslesvigske Forening bei der britischen Besatzungsmacht die Anerkennung als politische Partei mit dem erklärten Ziel der Grenzveränderung. Der Antrag wurde von der Militärregierung abgelehnt mit der Begründung, eine Grenzrevision als politisches Ziel sei unzulässig.
Am 28. November 1946 wurde ein erneuter Antrag erstellt, der dazu führte, daß eine zeitlich begrenzte Genehmigung erteilt wurde. Den Sudslesvigske Forening konnte bei den Landtagswahlen am 20. April 1947 mit den Rechten einer politischen Partei antreten. Das Verbot der grenzpolitischen Agitation wurde aber aufrechterhalten. Die Wahl wurde ein großer Erfolg. Die Bewegung erhielt ca. 33% aller Stimmen im Landesteil Schleswig bzw. 55% der einheimischen Stimmen.

Sydslesvigsk Forening erarbeitete im Juni 1948 dann ein Programm für die neue politische Organisation. Sie erhielt den Namen "Südschleswigscher Wählerverband" (SSW), der zusammen mit den National-Friesen gegründet wurde. Die Partei stellte sich allerdings nicht als Partei der Minderheit und der nationalen Friesen vor, sondern gab sich als breit aufgestellter Heimatverband. Das hatte seinen Grund darin, dass man das gute Wahlergebnis der Landtagswahl richtig nicht als eine Äußerung der nationalen Minderheit der Dänen wertete, sondern als Ausdruck der Ablehnung der großen im Lande befindlichen Flüchtlingszahl. Die Kriegsmarine hatte 1945 eine sehr große Zahl von Flüchtlingen aus Ostpreußen, Westpreußen und Pommern über die Ostsee evakuiert und in diesem Gebiet angelandet.
Im Programm des SSW wurde der Anschluss an Dänemark nur in verschlüsselter Form mit dem Satz erwähnt: "Gegenwart und Zukunft Südschleswigs müssen nach dem Willen der südschleswigschen Bevölkerung gestaltet werden."
Politische Hauptforderung war nun, dass der Landesteil Schleswig von Holstein getrennt und ein eigenständiges Land Südschleswig gegründet werden sollte. Aus dessen Gebiet sollten dann alle Flüchtlinge ausgesiedelt werden.
In der Wahlpropaganda stellte sich der SSW als das einzige Sprachrohr für die Interessen der einheimischen Bevölkerung dar. Diese Spitze galt den Flüchtlingen und den Holsteinern. Nur Schleswiger sollten Ämter und Einfluss im selbständigen "Land Südschleswig" bekommen.
Das ganze Programm war ein Kompromiss zwischen denen, die einen Anschluss an Dänemark forderten und denen, die dies angesichts der Haltung der Briten für unrealistisch hielten und im Vordergrund das eigene Land Südschleswig und die Entfernung aller Flüchtlinge sahen. Diese Gegensätze trafen in der Partei heftig aufeinander. Der Zulauf der Wähler zum SSW nahm in den folgenden Jahren nur langsam ab, er drohte aber aus dem Landesparlament zu verschwinden. Im deutsch-dänischen Abkommen von 1955 wurde der SSW dann von der 5%-Klausel befreit und gab sich nun als Minderheitspartei. Da die Grenze sich als nicht veränderbar erwies, konzentrierte er sich nun darauf, den dänischen Einfluss in Südschleswig so weit wie möglich zu verstärken.
 
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Zu Luxemburg habe ich doch noch ein paar bits and pieces gefunden.

Bei der Gründung des selbständigen Großherzogtums Luxemburg 1815 hatte dieses alle Gebiete des vormaligen Herzogtums Luxemburg der Österreichischen Niederlande östlich der Flüsse Our und Sauer an Preußen abtreten müssen, insbesondere also die Gebiete um St. Vith, Prüm und Bitburg.
Die 1944 neu aufgestellte luxemburgische Armee besetzte kleinere Gebiete als Besatzungsmacht, musste sie allerdings auf französischen Druck wieder an Frankreich abgeben.Das erste luxemburgische Nachkriegskabinett unter Pierre Dupong versuchte dann, die 1815 abgetretenen Gebiete, soweit sie nicht inzwischen belgisch geworden waren, zurückzugewinnen, gab das Vorhaben aber 1949 auf.
 
...ein niederländisches Nachkriegspropagandaplakat [...] welches die geographischen Vorstellungen zeigt, welche manche Niederländer damals hatten.

ein niederländisches propagandabild, was halb niedersachsen als neues gebiet zeigt, und (für den, der es lesen kann) eine niederländische seite.

Ich meinte zwar nicht die gleiche Karte, aber eine mit ähnlichen, wenn nicht gar mit denselben Ansprüchen. Und wenn man sich das mal genau anschaut, dann ist nicht nur Niedersachsen betroffen.
 
Zu Luxemburg habe ich doch noch ein paar bits and pieces gefunden.
Die 1944 neu aufgestellte luxemburgische Armee besetzte kleinere Gebiete als Besatzungsmacht, musste sie allerdings auf französischen Druck wieder an Frankreich abgeben.

Das ist nicht ganz richtig. Im Gebiet von Bitburg, also dem Gebiet, das Luxemburg nach dem zweiten Weltkrieg gerne annektiert hätte, blieb das Düdelinger Bataillon der luxemburgischen Armee bis zum Jahr 1955.
Es existierte also tatsächlich so etwas wie eine luxemburgische Besatzungszone
 
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Hallo allerseits,

ist ja echt spitze, was so an Wissen zutage kommt.

Hätte nicht gedacht, dass einzelne Länder solche Pläne hegten...

Gruß,

Andreas
 
Deutsch-Niederländische offene Grenzfrage

Wie ich zu dieser Thematik gekommen bin, fragt mich nicht. Wäre sehr umständlich zu erklären.
Ich hätte gern den aktuellen Stand der offenen Grenzfrage im Emsland zwischen Deutschland und der Niederlande bzw. vielleicht Ortsansäßige mit aktuellen Infos, ob es dort Grenzstreitigkeiten gäbe wie im Link geäußert.
offene Grenzfrage

In dem Zusammenhang bin ich auch zu Niederländische Annexionspläne nach dem Zweiten Weltkrieg gekommen. Die Größe der "Annexionsgebiete", die 1963-2002 an Deutschland zurückgingen, brachten bei mir ein großes Schmunzeln. Und das Annexionsteilgebiet Elten scheint sogar von der Niederlande profitiert zu haben. :rofl:
Und der Landtag NRW u.a. zur Eltener Butternacht 1963.
 
Wie ich zu dieser Thematik gekommen bin, fragt mich nicht. Wäre sehr umständlich zu erklären.
Ich hätte gern den aktuellen Stand der offenen Grenzfrage im Emsland zwischen Deutschland und der Niederlande bzw. vielleicht Ortsansäßige mit aktuellen Infos, ob es dort Grenzstreitigkeiten gäbe wie im Link geäußert.
offene Grenzfrage

Der Begriff offene Grenzfrage impliziert, auch wenn das Problem nicht akut sein mag, dass es sich um eine tagespolitische Fragestellung handelt (für Fischer an der Emsmündung allemal), zumal das ja auch die Fragestellung "aktueller Stand" impliziert. Auf die regeln muss ich nicht näher eingehen, wer Hurvi diesbezüglich etwas mitteilen kann und will, möge das bitte per PN tun.

In dem Zusammenhang bin ich auch zu Niederländische Annexionspläne nach dem Zweiten Weltkrieg gekommen. Die Größe der "Annexionsgebiete", die 1963-2002 an Deutschland zurückgingen, brachten bei mir ein großes Schmunzeln. Und das Annexionsteilgebiet Elten scheint sogar von der Niederlande profitiert zu haben. :rofl:
Und der Landtag NRW u.a. zur Eltener Butternacht 1963.
Hier ist der historische Bezug gegeben. Die Diskussion also frei.
 
Die Größe der "Annexionsgebiete", die 1963-2002 an Deutschland zurückgingen, brachten bei mir ein großes Schmunzeln.

Dazu der Hintergrund bzgl. van Kleffens, ein Rückblick:

1939/40 war er niederländischer Außenminister. In dieser Funktion wurde van Kleffens mit den deutschen Angriffsabsichten ab Oktober 1939 konfrontiert, die er diplomatisch zu vermeiden versuchte. Die Lage spitzte sich dennoch immer weiter zu (und war deutscherseits bereits beschlossene Sache, der erste Angriffsbefehl datiert auf den 12.11.1939).

Im Januar 1940 wurde Kleffens von belgischer Seite vom Mechelen-Zwischenfall und den aufgefundenen deutschen Operationsplänen unterrichtet. In den folgenden Wochen gab es geradezu unterwürfige Noten an die Wilhelmstraße, die die niederländische Neutralität beteuerten, um das Land aus dem Krieg heraus zu halten.

Während bereits die deutsche Offensive am 10.5.1940 lief, bekam Kleffens die entsprechende ultimative Note zur Waffenniederlegung überreicht (vgl. ADAP, zum 9.5.1940, überreicht 10.5.1940). In der Note wurden haltlose Vorwürfe vorgebracht, u.a. eine frei erfundene Anzahl von "Überflügen" über niederländischen Gebiets ("5. Insgesamt sind 127 Überflüge englischer Flieger über niederländisches Gebiet festgestellt worden, die tatsächliche Zahl liegt weit höher." - das war die Begründung für den Angriff und die Neutralitätsverletzung, in den übrigen Punkten ging es ausschließlich um Belgien). Der Rest ist bekannt, inkl. 5-jähriger Besetzung der Niederlande und Verwaltung durch Militärbefehlshaber der Wehrmacht.

Wenn man sich diese Entwicklung vor Augen hält, wird vielleicht die Einstellung dieses Mannes 5 Jahre später plausibel, wenigstens nachvollziehbar.
 
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