L'État c'est moi

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Ist ein Ausspruch des Sonnenkönigs Ludwig XIV. Er stand einem "Staat" im absolutistischen Ancien Regime in der sogenannten vormodernen europäischen Zeit (bis 1789) vor. War das aber ein Staat im Sinne der Moderne? Er hatte sicherlich ein geschlossenes Territorium (Staatsgebiet) und eine diesem zuzuordnende Bevölkerung mit einer Sprache (Staatsangehörige).
Aber war der königliche Hof der einem modernen Staat unablässige rationale Zwangsapparat der gesetzgebenden, ausführenden und überwachenden Gewalt? Oder war Ludwig XIV., wie seine Vorgänger und Nachfolger bis zum Ballhausschwur, nur ein "primus inter pares" einer seit der Antike bestehenden Ständeordnung in einem Personenverbandsstaat oder einer Adelsherrschaft? Und galt das auch für England ab Cromwell?
Wer befreit mich von meinen Zweifeln?
Mit freundlichen Grüssen, Klaus Peter Kraa
 
"L'État c'est moi" ist kein Ausspruch von Louis XIV, jedenfalls gibt es dafür keine Belege.
Das mit dem "Primus inter pares" ist schwerer zu sagen. Einseits gehörte er selbst dem Adel an. Damit befand er sich gewissermaßen innerhalb einer Gruppe.
Was die Macht und Legitimität anbelangt ist es schon deutlich schwieriger. Der "Absolutismus"-Begriff wird ja heute eindeutig kritischer gesehen bis ganz verworfen.
Daher würde ich sagen, er war in eingeschränkter Weise schon ein Primus inter pares, aber doch deutlich weniger als seine Zeitgenossin Königin Anne von England.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ein Staat besteht aus Staatsvolk, Staatsgebiet und Staatsgewalt.
Ich sehe bei Frankreich des Sonnenkönigs alles als gegeben. :winke:
 
Der Primus inter pares, das war Augustus und das trifft auch ein wenig auf die mittelalterlichen Könige und Kaiser zu. Die absolutistischen Könige aber waren das Zentrum von allem, sie waren nicht mehr primi inter pares. Ihnen war alles unterworfen, die Unabhängigkeit der Adeligen war de facto nicht mehr gegeben, da, wer Macht ausüben wollte, dies am königlichen Hofe tun musste, wo die Entscheidungen gefällt wurden. Mehr noch als im Mittelalter, wo es so etwas wie den Strator-Dienst gab, wurden die Adeligen in den Dienst des Königs gezwungen (bzw. drängten sich dahinein, weil Nähe zum König eben auch Macht bedeutete), man denke etwas an das Zeremoniell des Lever.

Jetzt sollen mich die Absolutismusexperten oder Spätfrühneuzeitexperten auseinander nehmen.
 
Der Primus inter pares, das war Augustus und das trifft auch ein wenig auf die mittelalterlichen Könige und Kaiser zu. Die absolutistischen Könige aber waren das Zentrum von allem, sie waren nicht mehr primi inter pares. Ihnen war alles unterworfen, die Unabhängigkeit der Adeligen war de facto nicht mehr gegeben, da, wer Macht ausüben wollte, dies am königlichen Hofe tun musste, wo die Entscheidungen gefällt wurden. Mehr noch als im Mittelalter, wo es so etwas wie den Strator-Dienst gab, wurden die Adeligen in den Dienst des Königs gezwungen (bzw. drängten sich dahinein, weil Nähe zum König eben auch Macht bedeutete), man denke etwas an das Zeremoniell des Lever.
Das mit dem Zentrum "von allem" ist eher ein symbolischer Anspruch gewesen.

Wohlgemerkt sprechen wir hier von Frankreich im Ancien Régime.

Das mit der Macht am Hofe ist nicht ganz richtig. Wer die Macht ausüben wollte, tat dies grundsätzlich wo er konnte. Ein Großteil des Adels wollt wohl auch an der Macht partizipieren, hatte aber garkeine Möglichkeiten an den Hof zu kommen. (Dazu haben wir schon einen ergiebigen Thread: http://www.geschichtsforum.de/f288/hofstaat-von-versailles-31003/ Alles andere ist Legende oder Groschenroman.)
Im Rahmen der Ständeversammlungen, die es auch im "Absolutismus" noch gab, versuchten die minderreichen Adeligen in den verschiedenen Regionen auf die Politik Einfluss zu gewinnen. Eine große Bedeutung hatten in der Folge des Todes von Louis XIV und der Regentschaftsfrage dann die Parlamente, welche zum großen Teil die königliche Autorität in Frage stellten. Man muss wohl davon ausgehen, dass dieser Widerspruch gegen den König schon unter Louis XIV nicht ganz erstorben war, aber nur kaum erfolgreich nach der Niederschlagung der Fronde durchdringen konnte. (Da hatte man ähnlich wie bei den Religionskriegen daraufhin auch schlicht in der Gesellschaft keine Basis mehr zu inneren Unruhen, weil diese die Anstifter selbst durch den Vergleich mit dem Geschehenen kompromittierten.)

Warum der Adel, der dazu das Zeug hatte, an den Hof ging, hatte natürlich viele Ursachen. Als wichtige Ursache wäre allerdings zu nennen, dass der Hochadel in den Provinzversammlungen des Adels kaum überragenden Einfluss gewinnen konnte und somit diese dem Hochadel als zunehmend unattraktiv erschienen. (Ähnliche Entwicklungen gab es auch in anderen "absolutistischen" Staaten.)
 
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