Von einigen barocken Herrschern gibt es reichlich Anekdoten über Handgreiflichkeiten, über Beispiele dass auch Majestäten gelegentlich heftig ausrasteten und dass ihnen da auch das Protokoll ziemlich Wurst war, auch dass sie in Gefahr gerieten, sich selbst zu demontieren. Ein König in Preußen, der sich soweit vergaß, den Thronfolger öffentlich mit Stockschlägen zu traktieren, demütigte ja nicht nur den Kronprinzen, sondern auch sich selbst, wenn er sich selbst und seine Würde so sehr vergaß.
Peter war sehr jähzornig, und wenn er auf Misswirtschaft, Schlendrian, Inkompetenz und Korruption stieß, wurde er leicht handgreiflich. Selbst Fürst Menschikow musste den ein oder anderen Schlag einstecken. Einer der Wenigen, der Peter in solcher Gemütsverfassung widersprechen konnte, war der Schweizer Francis Lefort, eine andere die spätere Zarin Katherina I.
Auch im Haus Hannover hatten einige ein recht hitziges Gemüt, und ein dauerhafter Vater-Sohn-Konfllikt zog sich mit schöner Regelmäßigkeit durch die Historie der "Hanoverians".
Georg I. Ludwig und Georg II. August bekamen sich wegen einer Patenschaft so in die Wolle, dass sie mit ihren Spazierstöcken aufeinander losgingen und kaum gebändigt werden konnten. Georg I. verbot dem Prince of Wales zeitweise den Hof, und nur mühsam konnte die Fürstin von Wales die Wogen.
Auch Georg II. geriet immer wieder mit seinem Sohn aneinander, und dieser schönen Tradition folgten auch der Enkel und Urenkel, Georg III. und Georg IV.
Über Peter I. gab es unzählige Anekdoten von Zeitgenossen. Peters Küchenmeister, ein Deutscher, sagte das Peter zwar großzügig aber jähzornig war. Peter bekam einen Käse geschenkt, den er selbst verzehren wollte. Er ließ den Käse vermessen, und er wurde sehr wütend und handgreiflich, als er feststellte, dass der Käse von der Schwindsucht befallen war.
Bei Dienstboten sollte man bedenken, dass bis
Habe in einem Buch über den Absolutismus gelesen dass Ludwig XIV bei bestimmten Benehmen seiner Bediensteten Schläge verteilt haben soll.
Ebenfalls erwähnt wird dies in der Geo Epoche Ausgabe zu Ludwig XIV, dort heißt es er habe einen Diener, der ein Gebäck von der Tafel nahm und aß, verprügelt.
Stimmen Solche Geschichten oder ist das stark übertrieben bzw. unwahr?
Auch von anderen Herrschern und Zeitgenossen gibt es zahlreiche Berichte und Anekdoten über Vorfälle, bei denen gekrönte Häupter die Contenance verloren und handgreiflich wurden. Peter der Große war sehr jähzornig, und er wurde zuweilen handgreiflich. Besonders dann, wenn er auf Inkompetenz, Schlendrian und Korruption stieß. Selbst hohe Persönlichkeiten wie Menschikow kassierten Ohrfeigen, Faust- und Stockschläge vom Zaren. Nur wenige Persönlichkeiten konnten es riskieren, dem Zar zu widersprechen, wenn er ausrastete. Dazu gehörten der Schweizer Francis Lefort und die spätere Zarin Katherina I. Bei einem Vorfall wurde Lefort sogar leicht mit dem Degen an der Hand verletzt, als er sich für einen Bojaren einsetzte.
Vor Friedrich Wilhelm I., König in Preußen, waren weder hoch noch niedrig sicher, wenn er ausrastete. Dem Soldatenkönig war es anscheinend gleichgültig, dass er nicht bloß den Kronprinzen demütigte, wenn er ihn vor der Öffentlichkeit mit Faust- und Stockschlägen traktierte, sondern auch sich selbst. Bei den Welfen, den "Hanoverians" war ein Vater-Sohn-Konflikt ein Kontinuum. Wegen einer Patenschaft gerieten sich Georg I. Ludwig und Georg II. August so sehr in die Haare, dass sie mit ihren Spazierstöcken aufeinander losgingen.
Aufdringliche Zivilisten und Schaulustige, korrupte Beamte u. v. a. wurden immer wieder Zielscheibe des zornigen Zaren oder kamen FW I. in die Quere, wenn er handgreiflich wurde. Natürlich war es nicht gemäß Protokoll und widersprach dem Zeremoniell, wenn Baumeister, Gärtner, Beamte vor zornigen Majestäten buchstäblich die Flucht ergreifen mussten.
Ich würde aber Handgreiflichkeiten gegen Dienstboten gesondert betrachten. Bis weit ins 20. Jahrhundert existierte vielerorts ein Züchtigungsrecht gegenüber Dienstboten. Bis weit ins 20. Jahrhundert galten Schläge als ein legitimes, zuweilen gar empfohlenes Erziehungsmittel. Wenn ein Herrscher einem Dienstboten oder Domestiken eine mitgab, so bewegte er sich zumindest noch im Rahmen des Üblichen, des Erlaubten und durch Gesindeordnungen und Erziehungsrecht gedeckten.
Dienstboten und Domestiken lebten oft in recht großer Nähe und Intimität mit der Herrschaft, sie bekamen so manches mit, was nicht unbedingt jeder mitbekommen sollte, und das verlieh ihnen zuweilen auch eine gewisse Macht, ein gewisses Erpressungspotenzial. Es kam im 19. Jahrhundert vor, dass Leute Schweigegeld an die Dienerschaft zahlten.
Natürlich geriet ein Fürst oder Monarch in Gefahr, sich lächerlich zu machen, wenn er sich nicht unter Kontrolle hatte. Natürlich konnte auch keiner den Monarchen zum Duell fordern, konnte auch schwer sich gegen ihn wehren, wenn er handgreiflich wurde oder eine Behandlung erdulden musste, die er sich kaum gefallen lassen konnte im Zivilleben.
Domestiken, Dienstboten und Lakaien aber hatten keine Satisfaktionsfähigkeit, nach Gesindeordnungen und Gewohnheitsrecht konnten und durften sie geohrfeigt und misshandelt werden.
Über Peter I. oder FW I. von Preußen, auch über andere Herrscher der Epoche gibt es zahlreiche Berichte über Handgreiflichkeiten. Sie stammen von ausländischen Diplomaten, ehemaligen Bediensteten und Zeitgenossen, die solche Vorfälle unabhängig voneinander berichten. Sicher wurde da auch Manches übertrieben, überspitzt und pointiert überliefert, und man muss den recht unterschiedlichen Quellen durchaus nicht alles glauben. Viele berichten über Dinge, die sie vom Hörensagen kannten. Es ist aber sehr unwahrscheinlich, dass die Zeitgenossen sich das alles aus den Fingern gesaugt haben, einen gewissen Wahrheitsgehalt kann man den sehr unterschiedlichen Quellen kaum absprechen.