Sepiola
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Falls jemand Lust zu einem kleinen Quiz hat: Die Zuordnung der Porträts zur oberen oder unteren Reihe folgt einem bestimmten Kriterium. Nur eines der Porträts fällt aus dem Rahmen, sozusagen.
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Gut, Punkt für die andere Seite, ich habe mich da ungeschickt ausgedrückt.Das würde ich nicht so sehen. Bereits in früheren Jahrhunderten hat man den Hautfarbenrassismus geübt und diesen biblisch begründet. Für den biologistischen Rassismus ist der Text zu früh dran, aber nicht für den Hautfarbenrassismus.
Und da bin ich nach wie vor der Meinung, dass Franklin jedenfalls inhaltlich, aber tölpelhaft versucht in eine ähnliche Kerbe zu hauen.Im iberoamerikanischen Raum hat man ja auch die die castas (der mit Indien bzw. dem Hinduismus verbundene Begriff Kastenwesen hängt mit Portugal als erster europäischer Kolonialmacht in Indien zusammen, es steckt darin also ein portugiesisches, kein indisches oder englisches Wort) nach Hautfarben und Mischungen klassifiziert. Also der Mischling aus "weiß" und "rot" (Mestize) stand höher, als der Mischling aus "weiß" und "schwarz" (Mulatte). Nur war dieser Rassismus nicht allein auf den Hautfarben begründet, sondern auch auf dem Geburtsort: zwei spanische Geschwister, die beide zu 100 % dieselben biologischen Eltern hatten, konnten unterschiedlichen castas angehören, je nachdem, ob ein Kind in Spanien und das andere in den Americas geboren wurde.
Aber nur ähnlich, da er selber ein in den Kolonien geborener war.Und da bin ich nach wie vor der Meinung, dass Franklin jedenfalls inhaltlich, aber tölpelhaft versucht in eine ähnliche Kerbe zu hauen.
Darüber sind wir uns wohl alle einig,ob wir nun akzeptieren, dass die Schrift hautfarbenrassistisch ist oder im Einzelfall eine andere Interpretation bevorzugen.Die Behauptung: "the Saxons only excepted, who with the English, make the principal Body of White People on the Face of the Earth."
Beruht aber offensichtlich nicht auf einer wie auch immer gemachten Beobachtung, sondern ist eine völlig willkürliche zur Schaffung einer exeptionellen Kategorie.
Das ist in der Zeit kein Alleinstellungsmerkmal. Die Schotten und Iren wurden von den Engländern im 17. und 18. Jhdt. ähnlich abschätzig betrachtet, wie die Indianer, praktisch als Wilde (dass gleichzeitig Glasgow und Edinburgh Innovationszentren waren, ist so einer dieser Widersprüche, die wir Menschen so gerne ignorieren, wenn sie uns nicht in den Kram passen).Das wird schon darin deutlich, dass Franklin von "English" spricht, nicht etwa von "British", womit er implizit bereits Schotten, Iren und Waliser rauswirft.
Aber ist das nicht der Kern von Rassismus? Willkür?Und spätestens an diesem Punkt ist es kein rassistisches System oder eine "Rassentheorie" mehr, sondern nur noch eine willkürliche Setzung, die praktischer Weise dazu dient (oder jedenfalls den Effekt hat), alles auf die Vorteile der eigenen Gruppe zuzuschneiden.
Ist durchaus bekannt.Das ist in der Zeit kein Alleinstellungsmerkmal. Die Schotten und Iren wurden von den Engländern im 17. und 18. Jhdt. ähnlich abschätzig betrachtet, wie die Indianer, praktisch als Wilde (dass gleichzeitig Glasgow und Edinburgh Innovationszentren waren, ist so einer dieser Widersprüche, die wir Menschen so gerne ignorieren, wenn sie uns nicht in den Kram passen).
Natürlich, weil um Platz für die englischen Kolonisten und englischen Großgrundbesitz zu schaffen irische Grundbesitzer enteignet und in die kageren Gegenden von Connacht/Connaught in Westirland abgedrängt wurden, für die die Engländer sich weniger interessierten, was dann unter anderem auch dazu geführt hat, dass im Besonderen in Westirland die irisch-gälischen Dialekte überlebt haben, die in weiten Teilen des Ostens der Insel ja verschwunden sind/waren.Ungefähr zeitgleich mit der Besiedlung Amerikas legten die Engländer auch in Irland Plantations an. Das waren keine Pflanzungen sondern englische Siedlungen, die angelegt wurden, um Irland zu anglisieren. Dass 200 Jahre später während der Great Potato-Famine Ostirland Weizen nach England exportierte, während in Westirland die Menschen verhungerten oder - wenn sie noch konnten - aus Hunger auswanderten, hängt auch mit dieser Sichtweise zusammen.
Die Highland Clearances in Schottland waren von einem ähnlichen Zynismus angetrieben.
Ja natürlich ist ein gewisses Maß an Willkür der Kern des Rassismus, auf Vernunft basiert der jedenfalls nicht. Für ein rassistisches System oder eine "Rassentheorie" um bei der Überschrift zu bleiben, wäre in meinen Augen aber durchaus ein notwendiges konstituierendes Kriterium, dass es sich auf irgendein Ordnungssystem nach beobachtbaren Kriterien beruft.Aber ist das nicht der Kern von Rassismus? Willkür?
Ich weiß nicht, ob Franklin jemals, bevor er das geschrieben hat, die Gelegenheit hatte irgendwo Russen kennen zu lernen.Das Ganze wird noch absurder, wenn man in Rechnung stellt, dass Franklin als gebildeter Mann die gemeinsame Geschichte Dänemarks und Schwedens gekannt haben müsste, weswegen es sich ihm hätte verbieten müssen, zwischen Schweden und Dänen solche Unterscheidungen zu treffen.
Und wenn man die "Russen" so wie Franklin definiert, nämlich rassistisch, d.h. unter Ausschluss der nicht-russischen Bevölkerungsteile des damaligen russischen Kaiserreichs, erhält man einen durchschnittlichen Phänotyp, bei dessen Anblick Alfred Rosenberg vor Freude hätte in Ohnmacht fallen müssen: blond, blauäugig, und kalkweiß. Einfach bizarr!
da echauffierst dich da wegen des nebensächlichen Umstands der plakativ-übertriebenen Überschrift; kein eher kurzer Essay dieser Welt enthält eine komplette, in sich abgeschlossene Rassenkunde/Rassentheorie.Ich störe mich, was die Diskussion angeht, weniger an dem Befund, dass da Hautfarbenrassismus mindestens als Teilelement drinnsteckte, sondern ich stoße mich eher an dem Begriff "Rassentheorie".
Was oben zu lesen ist, ist keine Rassentheorie oder sonstige Theorie.
@Clemens64 diese Satire wurde 1773 geschrieben und publiziert - der Essay, den wir hier diskutieren ist von 1751.Franklin spielt auf die angelsächsische Landnahme an:
"Die zweite Satire unter dem Titel An Edict by the King of Prussia war ein fiktives Edikt des preußischen Königs Friedrich II.[79] In dieser fingierten Bekanntmachung ließ Franklin Friedrich den Großen argumentieren, dass die Deutschen vor langer Zeit Siedler nach England geschickt hätten und deshalb nun Einkünfte dieser preußischen Kolonien in Großbritannien an Preußen fließen sollten. Darüber hinaus gebe es die Möglichkeit, preußische Strafgefangene nach England zu schicken und die Kolonien auf der Insel auf diese Weise zu bevölkern. Für diejenigen Leser, die den Sinn der Satire noch nicht verstanden hatten, fügte Franklin hinzu, dass diese Maßnahmen nur gerecht seien, weil sie ein genaues Spiegelbild der Maßnahmen Großbritanniens gegenüber seinen Kolonien in Nordamerika darstellten."
Aus dem Wikipedia-Eintrag zu Franklin.
Warum ist das von Belang?@Clemens64 diese Satire wurde 1773 geschrieben und publiziert - der Essay, den wir hier diskutieren ist von 1751.
war durchaus erwähnt worden:Übrigens, damit Franklin hier nicht gar so schlecht wegkommt:
Sonderbar für einen, der später Gründervater der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung wurde und sich später gegen Sklaverei äusserte.
Die über zwei Jahrzehnte später verfasste Satire erklärt nichts zum EssayWarum ist das von Belang?
Die Satiere zeigt, dass Franklin die angelsächsischen Landnahme als bekannt voraussetzte und macht es wahrscheinlicher, dass er ihretwegen Engländer und Sachsen in einen Topf warf.Die über zwei Jahrzehnte später verfasste Satire erklärt nichts zum Essay
Das hieße aber im Umkehrschluss vorauszusetzen, dass Franklin ein korrektes Urteil über ihr Äußeres abgegeben hätte, wenn er Russen begegnet wäre. Dazu war er aber offensichtlich nicht in der Lage, warum auch immer.Ich weiß nicht, ob Franklin jemals, bevor er das geschrieben hat, die Gelegenheit hatte irgendwo Russen kennen zu lernen. […]
Finde ich gar nicht. Rassismus ist zwar eine notwendige Voraussetzung für ethnisch begründete Sklaverei, führt aber nicht notwendigerweise dazu. Franklins Essay liest sich wie ein Plädoyer gegen das, was man später Überfremdung nennen würde. Da ist es doch eigentlich konsequent, dass er die Sklaverei verbieten wollte, die immerhin zu einem (wenn auch ganz und gar unfreiwilligen) Zuzug von Afrikanern führte.Sonderbar für einen, der später Gründervater der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung wurde und sich später gegen Sklaverei äusserte.
So gesehen muss man natürlich auch konstatieren, dass auch bei den Nazis weder von einem ein rassistischen System noch von einer "Rassentheorie" die Rede sein kann.Da greift dann so zu sagen, frei nach Göring, für ihn auf einmal die Logik: "wer bei mir swarthy ist, bestimme ich".
Und spätestens an diesem Punkt ist es kein rassistisches Systhem oder eine "Rassentheorie" mehr, sondern nur noch eine willkürliche Setzung, die praktischer Weise dazu dient (oder jedenfalls den Effekt hat), alles auf die Vorteile der eigenen Gruppe zuzuschneiden.
Möglicherweise hielt Franklin die Schweden für Kryptokatholiken!Es scheint mir, als benutzte Franklin hier die Hautfarbe als Chiffre für andere Eigenschaften, die ihm unerwünscht waren, z.B. katholischer Glaube oder eine bestimmte Gesellschaftskultur.
Immerhin starb das letzte nativ schwedische Königshaus mit einer Frau aus, die zum Katholizismus konvertierte …Möglicherweise hielt Franklin die Schweden für Kryptokatholiken!
einerseits eine interessante Überlegung - andererseits setzt das aber voraus, dass diese Chiffre*) verständlich für sein Publikum war und in seinem Sinn dechiffriert wird. Wie wahrscheinlich ist um 1751 in Nordamerika ein Publikum, welches ausgerechnet hautfarbenrassistische Ressentiments mal als Chiffre, mal als (Ab)Wertung und vermeintliches Faktum handhabt? nebenbei: ein Publikum, das in weiten Teilen auf Hautfarbenrassismus beruhende Sklaverei betrieb und das für gerechtfertigt hielt.Es scheint mir, als benutzte Franklin hier die Hautfarbe als Chiffre für andere Eigenschaften, die ihm unerwünscht waren, z.B. katholischer Glaube oder eine bestimmte Gesellschaftskultur. Die Hautfarbe würde dann nur als leichtes Erkennungsmerkmal gedient haben.
1706-90 ist eine lange Lebensspanne im 18. Jh. und Franklin war ein enorm talentierter Hans Dampf in allen Gassen:Dass ein Mensch, der anderweitig die Fähigkeit zum wissenschaftlichen Denken bewies, einen solchen Unfug schreiben konnte …
(Wikipedia) und welche Biografie enthält keine Widersprüchlichkeiten zwischen Wiege und Gruft? Und hier haben wir so eine Widersprüchlichkeit, denn derselbe Franklin, der 1751 den Essay verfasste:war ein amerikanischer Drucker, Verleger, Schriftsteller, Naturwissenschaftler, Erfinder und Staatsmann.
Seine 1751 veröffentlichte Schrift Observations Concerning the Increase of Mankind zeigt, dass Franklin damals die Sklavenhaltung größtenteils noch aus wirtschaftlichen Überlegungen verurteilte. In den 1770er Jahren sympathisierte er mit dem Sklavereigegner Anthony Benezet, räumte jedoch ein, ein sofortiger Einfuhrstopp für Sklaven käme erst „mit der Zeit“.[123]
Franklins Engagement gegen die Sklaverei kulminierte in seiner Berufung zum Präsidenten der 1787 gegründeten Pennsylvania Abolition Society. In für ihn typischer Manier gab er der Gesellschaft eine detaillierte Satzung „für die Verbesserung der Lebensumstände freier Schwarzer“.[124] Im Namen der Gesellschaft schickte er schließlich eine Petition an den Kongress, in der er dazu aufrief, die Freiheit der Bürger der Vereinigten Staaten ungeachtet ihrer Hautfarbe zu garantieren.[125] Doch seine Bemühungen waren erfolglos. Angeführt von dem Abgeordneten James Jackson aus Georgia, verwarf der Kongress die Petition mit dem Hinweis, dass die Sklaverei durch die Bibel legitimiert und ohne die Sklaven die harte Arbeit auf den Plantagen nicht zu bewältigen sei.[126]
Franklin hielt es offenbar für notwendig, zwischen Dänen und Schweden zu unterscheiden.
Ich verstehe nicht, warum hier die Wiki-Erwähnung einer Satire von 1773 thematisiert wird. Die sächsische Landnahme wird doch in dem Essay von 1751 explizit angesprochen.@Clemens64 diese Satire wurde 1773 geschrieben und publiziert - der Essay, den wir hier diskutieren ist von 1751.
Ich schlage vor, dass ihr euch den Text von Franklin einmal wissenschaftlich anschaut, das heisst, ihr führt eine saubere Quellenkritik durch. Das Ergebnis könnt ihr dann hier einstellen. Hier die Quelle: Founders Online: Observations Concerning the Increase of Mankind, 1751
Direkt tut er das nicht, aber indirekt.Wo schreibt er denn etwas über die Dänen? Oder den Unterschied zwischen Dänen und Schweden?
Auf den ersten Blick wären die Dänen für Franklin also ebenfalls dunkelhäutig gewesen.The only whites to his mind were the English and the Saxons.
das hatte ich ebenfalls nicht verstanden, denn die Satire (1773) erklärt den Essay (1751) nicht.Ich verstehe nicht, warum hier die Wiki-Erwähnung einer Satire von 1773 thematisiert wird.
Ok ok, die Angelsachsen sind im Text selbst erwähnt, war also überflüssig, die Satire zu zitieren.. (auch wenn ich sie ganz witzig fand).das hatte ich ebenfalls nicht verstanden, denn die Satire (1773) erklärt den Essay (1751) nicht.
Wie gesagt, hier könnte man durchaus die Frage stellen, ob er das tatsächlich so meinte, oder ob eigentlich schon gerne alle "Germans" unter "swarthy" gefasst hätte, das aber unterließ, um König George II. nicht vor's Schienbein zu treten. Diese Inkonsequenz wäre durchaus noch erklärlich.Die sächsischen Deutschen als hellhäutig zu bezeichnen, die übrigen Bewohner des Alten Reiches jedoch nicht, als wären die Sachsen tausend Jahre eine ethnische Insel gewesen?
Du übersiehst mMn wie fließend die Übergänge da im 18. Jahrhundert noch waren.Wie wahrscheinlich ist um 1751 in Nordamerika ein Publikum, welches ausgerechnet hautfarbenrassistische Ressentiments mal als Chiffre, mal als (Ab)Wertung und vermeintliches Faktum handhabt? nebenbei: ein Publikum, das in weiten Teilen auf Hautfarbenrassismus beruhende Sklaverei betrieb und das für gerechtfertigt hielt.
Möglicherweise, weil "protestantisch" für jemanden mit kulturellen Wurzeln auf den britischen Inseln noch lange nicht "rechtgläubig" bedeuten musste, da sich die protestantische Glaubenswelt der britischen Inseln ja doch erheblich von der kontinentaleuropäischen unterschied?Wenn unterstellt wird, dass "katholischer Glauben" mittels der gemutmaßten Chiffrierung negativ konnotiert werden soll, warum sind dann etliche protestantische Ländereien swarthy statt white?
Inwiefern stellt es einen "Freispruch" dar, wenn die Meinungen darüber ob Franklins Abwertung anderer Gruppen eher rassistisch oder kulturell begründet sind, auseinander gehen?Überhaupt stellt sich die Frage, warum andere als hautfarbenrassistisch wahrgenommene Schreibereien verurteilt werden, während hier (Franklin) quasi der Freispruch "der meint doch was ganz anderes damit" praktiziert wird
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