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Varus bestellte seine Vexillationen nirgendwo hin; er reagierte auf eine Anforderung der Cherusker.
Diese wünschten Teile der Armee des Varus für Polizei- und Ordnungszwecke einzusetzen.
Hierbeigehe ich davon aus, daß die Bestimmung der Einsatzorte den Cheruskern oblag.
wenn wir konstatieren, daß das einzige nicht eroberte Lager Aliso hieß und, fama est, Auxilia-Bogenschützen beherbergte und durch diese auch verteidigt wurde, könnte Varus auch diese mitgeführt haben.
@Sepiola ,das ist die einzige Mitteilung Dios über die Besatzung eines der Lager, in welche Varus seine Truppen verteilt hatte. Und diese Besatzung bestand offensichtlich nicht (nur) aus Legionären .
Das sehe ich anders und habe das mit wenig Applaus in der Vergangenheit auch wie folgt vertreten:Davon sprach ich stets:Vernichtung vor oder nach dem Abmarsch.
@flavius-sterius ,
...wäre diese noch vor dem Abmarsch.vernichtet worden.Wie hätte Varus denn von der Vernichtung erfahren sollen?er war ohne diese Kenntnis so oder so in einer unangenehmen Situation...ob die Vexillation aus Legionären bestand oder nicht.
Der Darstellung bei Tacitus zufolge nahmen alle drei (aber mindestens zwei der drei) Legionen an der Varusschlacht teil. Auch wenn die Darstellung natürlich klimakterisch aufgebaut ist: et cladis eius superstites, pugnam aut vincula elapsi, referebant hic cecidisse legatos, illic raptas aquilas...Wären die drei Legionen auf der Sommerkampagne zusammen geblieben, hätte natürlich Varus die direkte Befehlsgewalt gehabt, [...] Aus praktischer Sicht wäre bei einer räumlichen Verteilung der drei Legionen die Legaten mit sinnvollen eigenen Aufgaben betraut gewesen - bis auf jene Legion, die bei Varus blieb.
Ein Narrativ, der ganz offensichtlich auf Segestes zurückgeht, der sich bei Germanicus herausreden möchte und der bei Cassius Dio in seiner Funktion geändert wird (Segestes wird durch Segimer ersetzt, er kommt als Warner nicht mehr vor). Aber die Stelle wäre überstrapaziert, wenn man daraus ableitete, dass Varus alleine mit ein paar germanischen Edlen und ohne seinen eigentlichen Stab gespeist hätte, es würde an der Funktion dieser Quellenstelle vorbei gehen, die zum einen Varus bezichtigen soll, den falschen Leuten geglaubt zu haben, bei Cassius Dio aber das verräterische Treiben von Arminius und Segimer durch den Vertrauensmissbrauch hervorheben soll.die drei Legaten hätte man dann nur für die Cena gebraucht. Und auch da tafelte nach den Quellen ja Varus eher mit den germanischen Edlen.
Ja, der Fund der drei Schleuderbleie durch Tony Clunn 1987 hat zu den ersten systematischen Grabungen in Kalkriese 1988 geführt. Reichlich Münzfunde waren ja bekannt und hatten schon Mommsen zu seiner These veranlasst, dass bei Gut Barenau (i.e. Kalkriese) die Varusschlacht stattgefunden habe, aber die Schleuderbleie waren die ersten in Kalkriese gefundenen/erkannten römischen Militaria.Zu den Auxiliaren: Hat man in Kalkriese nicht auch Schleuderbleie als Einzelfunde im Museum? Falls ja, werden auch solche Spezialisten im Einsatz gewesen sein.
Es wär auch sehr ungewöhnlich, dass ein Heer von der Größe keine Auxiliareinheiten in seinen Reihen hätte, würd ich sagen. Grad Reiterei und Fernwaffen mit größerer Reichweite als ein Pilum hätten Legionen, die alleine operierten, doch sehr gefehlt.Wenn man Velleius‘ Angabe von drei Legionen, drei Alen und sechs Kohorten so versteht, dass damit erstens die in der Varusschlacht vernichteten Einheiten gemeint sind (und nicht die Gesamtheit der damals vernichteten Truppen) und dass zweitens mit den Alen und Kohorten Auxiliareinheiten gemeint sind (und nicht etwa von anderen Legionen detachierte Kohorten), legt allein das bereits die Anwesenheit von Auxiliaren nahe.
Genau daran (Dio 56,22) hatte ich auch gedacht. Der Abschnitt ist leider nur fragmentarisch erhalten, und die Stelle mit der einen Befestigung, in der die Bogenschützen stationiert waren, haben wir nicht mehr im Originalwortlaut, sondern nur bei Zonaras.Ich hatte an Dio 22,2a gedacht, aber das muß wohl falsch sein.
Gefunden, ja, denn es sind ja restaurierte Pfeilspitzen ausgestellt.Zu den drei Schleuderbleien: Weiß jemand, ob und wieviele Pfeilspitzen in Kalkriese gefunden wurden? Ich würd ja die KI fragen, alleine...
Was Frau Schröder zu den Schleuderbleien zu sagen hat, haben wir schon ein paar Mal verlinkt...Die Dissertarion von Uta Schröder wurde ja erfolgreich abgeschlossen, und ich denke dass sie ein Fundverzeichnis enthalten oder auf ein (vorläufiges) Fundverzeichnis Bezug nehmen wird.
Über diese Konstruktion bin ich gestolpert:
Eine andere Lösung bietet Stefan Burmeister, Geschäftsführer Varusschlacht im Osnabrücker Land: „Varus und seine Legionen befanden sich nicht auf einem Kriegszug. Ihr Auftrag war eine Demonstration, um den Bewohnern Germaniens die Macht Roms vor Augen zu führen. Schließlich sollte das Land als Provinz organisiert werden.“ Eine derartige Operation könnte das Fehlen von Tross, Frauen und Sklaven erklären.Der letzte Satz ist kein Zitat von Burmeister, er wirkt in dem Zusammenhang unfreiwillig komisch: Auf einen richtigen Kriegszug würde man also Frauen und Sklaven im Tross mitnehmen?
Den letzten Satz würde ich aber gern dick unterstreichen:
Würde man denselben Maßstab für Plausibilität, wie er für Kalkriese eingefordert wird, an viele andere Überlieferungen anlegen, bliebe von ihnen nur wenig übrig.
Nichts Neues, vielleicht hinter Bezahlschranke, und wenn lesbar, dann auf jeden Fall lesenswert, von Berthold Seewald in der "Welt":
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Roms Legionen: Wo blieben die Frauen und Sklaven? – Verblüffende Funde auf dem Varusschlachtfeld - WELT
Wer auf dem antiken Schlachtfeld von Kalkriese starb, ist umstritten. Neue Studien liefern starke Argumente für Varus. Hier kämpfte eine Legion, die unter dem Kommando des römischen Statthalters stand, als er 9 n. Chr. in Germanien einfiel.www.welt.de
Aber ein Kommentar ist ein Bonbon:
"Die Kontroverse um die Lokalisierung der Varusschlacht dürfte dennoch weitergehen. Dass leidenschaftliche Lokalpatrioten ihre lieb gewordenen Ansichten bis zum Letzten verteidigen, ist verständlich.
Die Hyperkritik jedoch, mit der auch ausgewiesene Wissenschaftler immer wieder neue Zweifel anführen, rührt an einem methodischen Problem der Altertumswissenschaften. Ihre zumeist dürftige Quellengrundlage erlaubt selten eine abschließende Rekonstruktion historischer Vorgänge.
Würde man denselben Maßstab für Plausibilität, wie er für Kalkriese eingefordert wird, an viele andere Überlieferungen anlegen, bliebe von ihnen nur wenig übrig."
„Auffällig ist jedoch, dass nur drei Schleuderbleie gefunden wurden“, sagt Uta Schröder, „und dabei handelt es sich um Altfunde“, sie können also ebenso aus anderen Zusammenhängen stammen. Auch von der hoch entwickelten römischen Artillerie lassen sich nur wenige Bolzen nachweisen.
Schwere Waffen!!! sind auf der Flucht hinderlich und in solch einer Kampfsituation nicht von Nutzen. Ich finde das nur logisch.Ich weiß nicht: Das letzte von dem ich mich trennen würde in einer Schlacht mit Niederlage vor Augen wären Waffen/Rüstung und Lebensmittel.
Das sehe ich auch so, ich bin trotzdem nicht überrascht bestimmte Artefakte nicht/kaum zu finden.Ich sehe jede Menge Unbekannten, wie bspw.:
Ich denke, eine Einordnung von Kalkriese in den Ereignisverlauf wie eine mögliche Anwesenheit/Beteiligung von Auxiliar-Soldaten dürfte sich nur via künftiger archäologischer Funde erhellen lassen.
- Einschätzungen der Entscheidungsträger - von situationsangemessen über inkompetent bis zu stressbedingt irrational
- Wetter - Fernwaffen (Schleudern, Bögen, Torsionsgeschütze) sind bei Schietwetter kaum bis nicht zu gebrauchen
- Chaos - ja oder vielleicht oder nein
- usw.
Was den Ausgang der Schlacht betrifft, müssen wir weder die Zeit vorher noch nachher betrachten, weil der Ausgang der Schlacht eine Niederlage der Römer bedeutete. Demnach ist auch Segestes entbehrlich, denn auch er war für den Ausgang der Schlacht irrelevant.Zu der Frage der Vexillationen: Abgesehen davon, dass ich deren Abordnung für den Verlauf und Ausgang der Schlacht für völlig irrelevant halte, kommen wir doch in der zeitgenössischen Literatur nicht weiter:
Die einzige Antwort kann die Archäologie geben. Aber auch die würde nur eine qualitative Aussage ermöglichen, wenn man im Idealfall archäologische und einer der drei Legionen eindeutig zuzuordnende (z.B. metallurgischer Fingerabdruck) Spuren einer Vexillation fände. Und was würde ein im Kampf untergegangener kleiner Außenposten uns sagen?
Aus dem Thread "Tony Clunn" ergibt sich der Fund von Schleuderbleien.....eventuell balearischer Abkunft.wenn wir konstatieren, daß das einzige nicht eroberte Lager Aliso hieß und, fama est, Auxilia-Bogenschützen beherbergte und durch diese auch verteidigt wurde, könnte Varus auch diese mitgeführt haben.
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