Marienerscheinungen

Danke für den Bericht zu Heroldsbach!
Den Fall kannte ich noch nicht.
Das Verhalten der katholischen Bürokratie finde ich ziemlich diktatorisch.
 
Nein, aber bitte bitte fahrt dorthin! Ich hatte es mit 13 Jahren auf einer beeindruckenden Klassenfahrt entlang der romantischen Straße gezeigt bekommen. Man sagte mir vor 3 Jahren, dass heutzutage Schulklassen viel seltener dort hin kommen. Und parkt das Auto in Creglingen, lauft wie ein Pilger durch den kühlen Wiesengrund dorthin...

Was Lourdes anbetrifft: Kurt Tucholski war ergriffen, in Das Pyrenäenbuch, trotz großer Distanz. Die spirituelle Kraft einer Pilgerfahrt ist etwas Beglückendes.

Aber: Ich bin ganz sicher näher an den prosaischen Freuden von Chaucer's Canterbury Tales als an den Erscheinungen der wundertätigen Jungfrau Maria.
 
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Das Verhalten der katholischen Bürokratie finde ich ziemlich diktatorisch.
Nein. Der Irrglauben und seine weiteren Auswüchse sind etwas, was gegen den Kernbereich des christlichen Glaubens verstößt.

Wäre Calvin Leser des Geschichtsforums, wäre zu befürchten dass er mit der Planierraupe auf die nächstgelegene Wallfahrtskapelle zu rattert. Aber bitte nicht Creglingen.
 
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Nein, aber bitte bitte fahrt dorthin! Ich hatte es mit 13 Jahren auf einer beeindruckenden Klassenfahrt entlang der romantischen Straße gezeigt bekommen. Man sagte mir vor 3 Jahren, dass heutzutage Schulklassen viel seltener dort hin kommen. Und parkt das Auto in Creglingen, lauft wie ein Pilger durch den kühlen Wiesengrund dorthin...

Was Lourdes anbetrifft: Kurt Tucholski war ergriffen, in Das Pyrenäenbuch, trotz großer Distanz. Die spirituelle Kraft einer Pilgerfahrt ist etwas Beglückendes.

Aber: Ich bin ganz sicher näher an den prosaischen Freuden von Chaucer's Canterbury Tales als an den Erscheinungen der wundertätigen Jungfrau Maria.
Die Canterbury Tales habe ich auch gerne gelesen.
Schönes Middle English.
 
Nein. Der Irrglauben und seine weiteren Auswüchse sind etwas, was gegen den Kernbereich des christlichen Glaubens verstößt.

Wäre Calvin Leser des Geschichtsforums, wäre zu befürchten dass er mit der Planierraupe auf die nächstgelegene Wallfahrtskapelle zu rattert. Aber bitte nicht Creglingen.
Verstoßen Lourdes und Fatima dann auch gegen den christlichen Glauben?
 
Verstoßen Lourdes und Fatima dann auch gegen den christlichen Glauben?

Für den christlichen Glauben, und vor allem für den Glauben an Gott, brauche ich keine Marienerscheinigung.

Nein. Der Irrglauben und seine weiteren Auswüchse sind etwas, was gegen den Kernbereich des christlichen Glaubens verstößt.

Ich sprach vom Kernbereich des christlichen Glaubens. Im Neuen Testament ist keine Anbetung der leiblichen Mutter Jesu.
 
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Verstoßen Lourdes und Fatima dann auch gegen den christlichen Glauben?
Aus Sicht der Reformatoren: Ja! Für Kalvin war der Marienkult der RKK mit Götzenverehrung vergleichbar. Marienerscheinungen sind - soweit mir bekannt - ein überwiegend (fast ausschließlich?) römisch-katholisches Phänomen.

Eine interessante Ausnahme wäre wohl die Marienerscheinung von Zeitoun (Ägypten, 1960er), die ersten Zeugen waren koptische Christen und/oder Muslime (?); bzw. die Erscheinung wurde im Umfeld einer koptischen Kirche beobachtet.
 
Aus Sicht der Reformatoren: Ja! Für Kalvin war der Marienkult der RKK mit Götzenverehrung vergleichbar. Marienerscheinungen sind - soweit mir bekannt - ein überwiegend (fast ausschließlich?) römisch-katholisches Phänomen.

Eine interessante Ausnahme wäre wohl die Marienerscheinung von Zeitoun (Ägypten, 1960er), die ersten Zeugen waren koptische Christen und/oder Muslime (?); bzw. die Erscheinung wurde im Umfeld einer koptischen Kirche beobachtet.
Ja, die Erscheinung in Ägypten haben auch Moslems beobachtet.
 
Für außerordentlich interessant halte ich auch die Marienerscheinigungen von Fatima (Portugal, 1915 ... 1917) mit dem anschließenden "Sonnenwunder von Fatima" (1917), unter einer Vielzahl von Aspekten:
  1. Meteorologische bzw. physikalische Erklärungsmodelle für das "Sonnenwunder", sofern man übernatürliche Ursachen o. dgl. (Außerirdische!) ausschließt; wohl nicht Thema dieses Forums.
  2. Der - wohl an sich unbestrittene - Fakt der zeitlich, wenn auch nicht sachlich, korrekten Vorhersage des "Sonnenwunders" durch die Hirtenkinder. Sofern sich andere Erklärungen verbieten, bleibt hier m. E. nur Zufall (was zwar außerordentlich (!) unwahrscheinlich, aber eben nicht vollumfänglich unmöglich ist).
  3. Entwicklung der Zeugenberichte der Hirtenkinder: Frau -> Engel -> Maria, Mutter Gottes -> spätere Berichte der dann erwachsenen Lúcia de Jesus dos Santos aus Sicht einer theologisch gebildeteten katholischen Nonne.
  4. Vergleich der Zeugenberichte zum "Sonnenwunder"; unter den Zeugen neben römisch-katholischen Christen auch ausgewiesene Skeptiker.
Ich denke, die Auswertung der vorgenannten Punkte ergibt in Teilen weitreichende Implikationen für die historische Entwicklung - und Entstehung - des Christentums, bzw. von Religionen im allgemeinen.
Beispiel: Zu 3. fällt mir als Vergleich zu den späteren Berichten der erwachsenen Nonne das Johannesevangelium ein, sofern man (u. a. mit Martin Hengel) eine (Mit-)Verfasserschaft durch einen (möglichen) Augenzeugen annimmt, jedoch Jahrzehnte nach den Ereignissen und stark beeinflusst von ebensolanger (kollektiver) theologischer Reflektion innerhalb einer Gemeinschaft.
 
Das Sonnenwunder wird oft physikalisch erklärt, aber nicht, warum es bei so vielen Menschen gleichzeitig auftrat.
 
Meine Großmutter pilgerte jährlich nach Lourdes und sie war alles andere als hysterisch. Es war wahrscheinlich ihre einzige Reise, die sie im Jahr unternahm und nur schon das machte es für sie besonders. Vielleicht dachte sie, dass es das Einzige an Zerstreuung wäre, was die katholische Dorfgemeinschaft damals einer verwitweten, alleinerziehenden Frau erlaubte und vielleicht war es auch so.

Wenn es mich, trotz allem Widerwillen, in einen unserer Touristen-Hotspots verschlägt (Lauterbrunnen, Grindelwald, Zermatt etc.) sehe ich Ströme von Menschen, die alle irgend etwas anzubeten scheinen (Wasserfälle, Nordwände, Matterhörner) und mich stark an die Bilder der Menschenmengen in Lourdes erinnern.

Bis vor 50 Jahren wäre die Wiederbelebung einer ehemals katholischen Pilgerstätte in Zwinglis Zürich unmöglich gewesen. Heute wird es wahrscheinlich an weltlichen Hindernissen scheitern. Ich gehe davon aus, dass die katholische Kirche das Ansinnen nicht unterstützen wird, gehöre aber nicht zu deren Insidern.
Es gab auch im 20. Jh. bis heute, wie mein Beispiel zeigt, eine Menge von Menschen, denen das bisherige spirituelle Angebot der Kirchen nicht genug war und ist.
Beispiel: Heroldsbach ab 1949. Da wurden angeblich selbst die Kinder exkommuniziert. Für ein katholisches Kind in den 50ern war eine Exkommunikation bestimmt eine harte Strafe, soll sie aber nicht von ihrer Überzeugung abgebracht haben.

Es ist zu hoffen, dass die wunderschöne Kapelle in Creglingen (Danke für den Hinweis @Pardela_cenicienta) weiterhin vor allem Kulturinteressierte anzieht, aber bitte nicht zu viele.
Heroldsbach klingt wie ein deutsches Fatima.
Warum ist es so wenig bekannt?
 
Ist Deutschland echt so überwiegend evangelisch und kaum katholisch?
Halten alle Foristen Lourdes für unchristlich.?
 
Das Christentum ist eine monotheistische Religion. Heilige gelten im katholischen Christentum nicht als mächtig aus sich selbst heraus, sondern sind Fürsprecher für uns vor Gott und eben wunderwirkmächtig durch Gott und nicht durch sich selbst. Der Volksglauben sieht das oft anders und gerade die Marienverehrung mag da manchmal geradezu pagane Züge annehmen. Wenn Muslime Christen als mušrikūn (Vielgötteranbeter, wörtlich: Personen die [Gott andere Götter] beigesellen) bezeichnen, ist das theologisch zwar falsch, aber vielleicht, was den Volksglauben anbelangt, dann doch nicht.
 
Halten alle Foristen Lourdes für unchristlich.?

Ermahnung:

Solche Fragen sind künftig zu unterlassen. Gemäss unseren Forumsregeln ist das Geschichtsforum keine Plattform für religiöse oder weltanschauliche Glaubensbekenntnisse und entsprechende Diskussionen.

Religiöse Themen können selbstverständlich aus historischer Perspektive diskutiert werden. Fragen nach den persönlichen Glaubensüberzeugungen oder religiösen Einstellungen anderer Foristen gehören jedoch nicht hier her.
 
Heroldsbach klingt wie ein deutsches Fatima.
Warum ist es so wenig bekannt?

Weil die katholischen Institutionen die angeblichen Marienerscheinungen nicht anerkannt und den Deckel daraufgehalten haben. Hier die Darstellung auf einer Website der Diözese Bamberg:

"Die angeblichen Marienerscheinungen (1949) in Heroldsbach erregten großes Aufsehen. Die kirchliche Prüfungskommission untersuchte die Phänomene vor Ort und entschied negativ. Ein Dekret aus Rom (1950) bestritt den Heroldsbacher »Erscheinungen« jede übernatürliche Herkunft. Der damit verbundene Kult wurde verboten. Der Zustrom von Pilgern und Neugierigen ging nach diesen einschneidenden Maßnahmen zwar deutlich zurück, zu einem völligen Stillstand kam es jedoch nicht. Erzbischof Dr. Karl Braun von Bamberg regelte am 1.5.1998 die ungeklärte Situation. Seitdem hat das Gelände mit seinen Andachtsstätten den Status einer »Gebetsstätte«."


Es darf dort also gebetet werden, die Auflagen des Erzbischofs lauteten wie folgt:

"Ich weise die Besucherinnen und Besucher darauf hin, dass seitens der zuständigen kirchlichen Stellen die behaupteten "Heroldsbacher Erscheinungen" der Jahre 1949-1952 als nicht-übernatürlich beurteilt worden sind. Deshalb kann es nicht gestattet werden, in öffentlichen Gebeten, Predigten und Vorträgen Gegenteiliges zu vertreten. Bitte berücksichtigen Sie dies auch für Ihre private Bewertung der Geschehnisse."

 
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