Er hat es von einem ursprünglicheren Text abgeschrieben und seinen Dialekt benutzt. Ich gehe nicht von einer Erfindung aus, denn dann hätte er auch Nürnberg als Ausgangsort erfinden können, wie das im Eckenlied einmal für Köln vorkommt, wo dann aber das restliche Geschehen zwischen Verona und Jochgrimm belassen wurde.
Dazu habe ich mich mit dem Zitat nicht geäußert. Ich bezog mich darauf, dass du ihn falsch übersetzt hast, und aus
sein michel St.Michael gemacht hast. Davon, dass er etwas dazu erfunden hat, habe ich nichts gesagt.
Nein, über die av. DE (einschließlich ihrer TS-Anteile) ist nur rund 120 Jahre Entwicklungszeit nachvollziehbar. Für ältere Hinweise (wie: Mer den vierhundert jare ist alt, des der garten ist. L11, 12. Str.) müssen den Epikern ältere historische Dokumente vorgelegen haben.
Auch das hast entweder falsch verstanden, oder willst es nicht verstehen? Du hast aus einem Werk des 15.Jahrhundert eine Alternativroute herausgelesen, erinnerst du dich an das, was du vorgestern um 23:17 Uhr geschrieben hast?
Im Dresdner Laurin wird dazu die Ausweichvariante (semita Carolis) von St. Michael (Kloster der Eppaner) oder Pressano/Lavis über den Berg ("krummen steg") in deutschen Meilen angegeben (noch vier meille... sein michel teille) mit demselben Ergebnis: 4 deutsche Meilen: 30 km.
Zwischen der Abfassung des Laurin im 13. Jahrhundert und dem Dresdner Heldenbuch von 1472 liegen mindestens 170, eher 200 Jahre.
Wenn Kaspar von der Rhön eine Alternativroute abgeschrieben hätte (
was nicht der Fall ist!, aber was du vermutet hattest -du hast ihn falsch interpretiert), müsste eine klare Vorstellung eines Zielortes da gewesen sein, eine Lokalisierung, nur findet sie sich
in keiner Version der älteren Vulgat.
Wenn du ihn richtig liest, hat er aus einer Vorlage nur eine Ausschmückung übernommen:
"
Da sprach Meister Hildebrand: „Ich kenne den Weg dorthin für euch und ziehe sofort mit euch mit. Reitet jetzt noch vier Meilen
und bleibt fest auf diesem Pfad; der Weg zieht sich sehr weit hin und führt über verschlungene Bergstege." (KI-Übersetzung ins neuhochdeutsche)
Da reiten Helden über viele Bergstege ins wilde Land, sehr weit, aber eine genauere Streckenangabe oder Zeitangabe unterbleibt. Dem Autor geht es nicht darum, dass ein heutiger Südtiroler einen Schatz/ein Schloss/historischen Ort findet, sondern
die Vorstellung einer langen Reise in die Berge beim Zuhörenden zu erzeugen.
Da ich nicht zum Familienkreis dieser Epiker gehöre, muss ich forensisch vorgehen und benötige jedes potentiell bedeutsame Fundstück, um die Orte und die Geschehnisse rekonstruieren zu können.
Es geht nicht um dich! Bitte Perspektivwechsel!
Du hast behauptet, dass der Text eine Propagandaschrift, sogar eine Kampfschrift wäre (10.10.26):
1. Es ist eine Kampfschrift und 2. will Kunhild dann doch nicht bei den Heiden bleiben: Du brauchst also nur 1 + 2 zusammenzählen.
Dann muss Sie dem Publikum verständlich sein. Du behauptest, dass Laurin der verunglimpfte Ezzelin I. wäre, dann muss er für das adelige Publikum erkennbar sein - entweder über eine Nähe des Textes zu einem realen Geschehen, eindeutige Kennzeichnungen, Namen etc.
Du behauptest hier wäre der Held Dietrich Meinhard II., die Geschichte alleine gibt doch eher den umgekehrten Fall her: Laurin ist der König von Tyrol, dem wilden Land, und Dietrich der Eindringling und Herausforderer aus Verona. Alleine diese "Verdrehung" müsste ein Publikum umkehren, damit es keine Kopfgeburt des 21.Jahrhunderts wäre - was sie jedoch ist. Um das Geschehen zu lokalisieren benötigst du drei Schriften - ist das die Voraussetzung bei Hof, den Text zu verstehen, oder glaubst du, alle litten so mit den Ennern, und dem Verkauf ihrer Ländereien, dass drei Lieder davon handelten, über 120 Jahre?!? Kam einer der Enner ums Leben? Wurde gefoltert? oder hingerichtet?
Der von dir zitierte fernere Verwandte, Ezzelino III. da Romano
Ezzelino III. da Romano – Wikipedia wurde wegen seiner Grausamkeit berühmt und berüchtigt, und landete bei Dante in der Hölle als einer der Tyrannen:
"Die schwarzbehaarte Stirn sieh neben diesen, Den Ezzelin – und jener Blonde dort, Ist Obiz Este, der, wie’s klar erwiesen."
Dante und Vergil werden in dieser Szene entlang des Phlegethon geführt,, einem Fluss aus kochendem Blut. Hier werden exemplarisch die Gewalttäter gegen den Nächsten (insbesondere grausame Herrscher und Tyrannen) bestraft.
Der Rachedurst gegen die da Romanos (am Ende auch der eigenen Partei, der Ghibellinen) war extrem groß, und zeigt sich am grausamen Ende:
Die Söhne seines Bruders Alberico, darunter noch kleine Kinder, wurden vor seinen Augen in Stücke gehackt. Seine weiblichen Verwandten wurden nackt durch die Straßen getrieben und anschließend lebendig verbrannt. Alberico, der gezwungen wurde, bei ihrer Hinrichtung mitzuwirken, wurde danach mit glühenden Eisen gefoltert, und am Schwanz eines Pferdes durch die Straßen von Treviso zu Tode geschleift. Der Chronist Salimbene de Adam schrieb: „ Vidi ista oculis meis “ („Ich habe es mit eigenen Augen gesehen“). Sieht aus, als hätte hier niemand Urfehde geschworen.
Dagegen war der Konflikt zwischen den Edelfreien von Enn und dem Grafen von Tirol, den sie mit vielen anderen Adeligen gemeinsam hatten,
zum Beispiel den Wangen
Wangen (Adelsgeschlecht) – Wikipedia , deren Burg Runkelstein sich doch auch für den Laurin anbieten würde? - Sie wurde 1274 von Meinhard II. belagert und schwer beschädigt
Schloss Runkelstein – Wikipedia doch recht "harmlos".
Es gab einige mittelalterliche Chronisten, die der Familiengeschichte der Enner, wie Landi schreibt, "
die ihr mehr als eine Zeile widmeten" - das sieht nicht wirklich danach aus, als wäre das Schicksal der Enner weltbewegend gewesen, oder überhaupt im Mittelalter außergewöhnlich rezipiert worden. (W.Landi, die Edelfreien von Enn). Im Gegensatz zum Ezzelino III. da Romano, dem schon im 14.Jahrhundert ein Drama als Tyrann darstellte,
Ecerinis (1314/1315).
Die Edelfreien von Enn stammen ja auch mit großer Wahrscheinlichkeit aus dem schwäbisch-allemannischen Sprachraum und kehrten anschließend wieder dort hin zurück (Raum St. Gallen, Thurgau, Bodensee...).
Genau mit dieser Reaktion habe ich gerechnet. Die Enner, eine richtige Dichterfamilie, haben also erst den Laurin, und dann den Virginal geschaffen, Nikolaus kann es nicht sein, denn der war zwischen 1287 (letzte Erwähnung in Quellen) und 1296 gestorben ((Seine Frau wird als Witwe erwähnt). Aber auch dafür wirst du sicher eine fantasievolle Erklärung haben. Ich schlage vor, Nikolaus hat alle Lieder geschrieben, und hat seinen Vewandten nur den Virginal mitgegeben, damit sie diesen auf allemannisch veröffentlichen, um Spuren zum Autor zu verwischen, denn
Virginal ist diesmal der Bischof Heinrich der II. von Trient, in den sich Meinhard II. (Dietrich) verliebt, aber diese Liebe blieb unerwidert, und der kinderlose Nikolaus, der schon 1276 im Gefolge von Meinhard II. auftaucht, ist eigentlich der schwule Liebhaber des seine Homosexualität verbergenden Meinhards, und daher wusste, dass der Bischof - aber nein, ich überlasse die fantastischen Geschichten lieber dir.