Sah ein Knab' ein Röslein steh'n, Röslein in Laurins Garten

Na wenn das mal keine konkrete Wegbeschreibung ist: Im Tiroler Wald immer schön sieben Meilen geradeaus und dann landet man auf einer grünen Wiese und da ist dann der Rosengarten. :cool:
Zusätzlich ist wichtig zu wissen, dass die Fassungen des Laurin stark variieren, die Autoren / Autorinnen haben gekürzt, abgeschrieben, zugefügt. Beispiel aus zwei Versen Vers 92 und 94, L meint Laurin, es folgt die Nummer der Handschrift:
v. 92: L3 L6 L7 L10 (zcu Tyrolde) – L1 L5 L9 (preysent fur zv tyrollez; L5: nur zuo; L9: nur
fu˙˙r)
– L15 (fur tirol) – L13 L18 (Vers fehlt)
L3 L6 L10 (vor dem walde) – L1 (walde) – L5 (dem walde) – L7 (gegen dem walde)
– L9 (an den wald) – L15 (Jn den waldt)
v. 94: L3 L9 (uf den grunen plan) – L1 L7 L15 (in den grunen tan) – L6 (in den tan) – L10
(vor den grunen plan; Vers verschoben) – L5 L13 L18 (Vers fehlt)

Es ist aber nicht so, dass sich die Handschriften gruppieren lassen, oder sich eine Verwandschaft erhärten lässt (so Elisabeth Lienert). Es handelt sich übrigens hier ausschließlich um die Handschriften der älteren Vulgatversion.

Ich möchte dies auch noch an einem Beispiel zeigen, dass Sternbach öfters eingestreut hat, die sieben Meilen-Angabe, hier im Vergleich von drei Fassungen: Kritischer Text (Leithandschrift L3) ‹Frankfurter Laurin› (L5) und ‹Krakauer Laurin› (L18)

"Do dy zcwene kune man
quamen uf den grunen plan,
du riten sy by eyner wile
dez waldes wol sebin mile. (L3)

"Do riden die zwene balde
pyrzsen zuo Tyrolf dem walde." (L5) Meilenangabe fehlt

"Dye riten bey der weillen
des tages wol acht meilen.
Do kament die hern kune
auf einen anger grune." (L18)

In dieser Varianz sieht man, dass es den Vortragenden um keine Wegbeschreibung im akuraten Sinn geht, sondern in der Abfolge kann eine Reise ins wilde Land in wenigen Versen dargestellt werden, die mit markanten Worten eine Kulisse für die Handlung herstellen. Auf dem grünen Anger oder Plan(Wiese) vor dem Rosengarten werden die Kämpfe zwischen Witege und Laurin, Dietrich und Laurin und Dietrich und Dietleib stattfinden.

In der Leithandschrift L3 mit sehr ausführlicher vollständiger Ausführung erreichen die beiden Recken zwei getrennte Wiesen, zwischen denen die "sieben Meilen" zurückgelegt werden. Mich erinnerte es an Almen: ich besuchte vor vielen Jahren einen Freund, der im Sommer eine Kuhherde auf der Alm hütete. Wir trieben im Juli die Herde um, von der ersten Alm auf ca. 1500 m zur Hochalm auf über 2000 m. Aber das muss nichts heißen, und entspringt einfach meiner Erinnerung...
 
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Allen die sich angesprochen fühlen. Nach den Reaktionen will die Mehrheit von einem (Mönch) Nikolaus von Egra ausgehen. Ob der Text/die Schrift mit der Nikolaus-Unterzeichnung Anfang?Mitte?Ende? des 14. Jahrhunderts oder doch Ende des 13. Jahrhunderts (um 1290) zuzuordnen ist, sollte sich feststellen lassen.

Wer des Lesens mächtig ist, dürfte inzwischen zur Kenntnis genommen haben, dass eine Federprobe keine "Unterzeichnung" ist. Und wenn jemand die Formel "Sehr geehrter Herr Dr. Klöbner" zu Papier bringt, dann handelt es sich beim Schreiber mit allergrößten Wahrscheinlichkeit gerade nicht um Herrn Dr. Klöbner.


Punt (ladinisch) bezeichnet einen steilen Weg.

Im heutigen Ladinisch bedeutet punt (Gadertalisch) bzw. puent (Grödnerisch) 'Brücke'. Vgl. rätoromanisch punt, italienisch ponte. Alle diese Wörter gehen auf lateinisch pons 'Brücke' zurück. Im mittelalterlichen Ladinisch wird das Wort nichts anderes als 'Brücke' bedeutet haben.
 
Tiroldes walde/tann entspricht der Tiroler Grenze bei Salurn, die von den Tiroler Grafen nur wechselhaft gehalten werden konnte und erst ab 1285 ständig. Von: do riten si bî einer wîle... wol siben mîle. das sind welsche Meilen: sieben venezianische/lombardische Meilen: 12,2/12,5 km.
Im Dresdner Laurin wird dazu die Ausweichvariante (semita Carolis) von St. Michael (Kloster der Eppaner) oder Pressano/Lavis über den Berg ("krummen steg") in deutschen Meilen angegeben (noch vier meille... sein michel teille) mit demselben Ergebnis: 4 deutsche Meilen: 30 km.
@Sternbach , damit bin ich nicht einverstanden. Du hast richtig gesagt, dass die Tiroler Grafen bis1284, dem Abschluss der militärischen Auseinandersetzung mit dem Fürstbistum, ihren Einfluss nicht ständig und durchdringend bis vor die Tore Trients ausdehnen konnten. Nikolaus II von Enn verkaufte seine Ländereien 1287 AT-OeStA/HHStA UR AUR 2128 a) Nikolaus von Enn verkauft gegen Zahlung von 3000 Pfund kleiner Veroneser Herzog Meinhard von Kärnten alle seine Besitzungen vom Fluss Avisio aufwärts nach Westen und Norden in der Gegend des Nonstales und bei der Etsch. \ \ b) Nikolaus von Enn ermächtigt seine Proku . Die anderen Enner später, 1292-94. Dabei handelt es sich jedoch nur um einen abschließenden Akt, Vasallen Meinhards II. waren sie vorher schon geworden. Doch in der Urkunde des Verkaufs steht:
"Nikolaus von Enn ermächtigt seine Prokuratoren Ulrich, Sohn des Friedrich de Corado, und den Notar Omnibonus de Rallo, Bischof (Heinrich) von Trient als seinem Lehensherren alle Lehen aufzusagen, die Herzog Meinhard von Kärnten gekauft hatte und mit denen er belehnt werden soll."

Dann hat, so verstehe ich es, Meinhard II. mit dem Kauf das Lehen der Ländereien übernommen, der Fürstbischof Heinrich ist jedoch formell Lehensherr von Meinhard II. Unter Ländereien sollte eine Vorstellung umfassenden Besitzes der Enner relativiert werden. Im Anhang seines Textes zu den Edelfreien von Enn schreibt Landi, dass die Enner z.B. in Auer einen Hof, ein Domus (Schloss), eine Mühle, eine Weinpresse und eine Zehntscheune besaßen.

1. Doch was heißt dies rechtlich, welche Machtbefugnisse hat Meinhard II. damit erworben? Die Gerichtsbarkeit?
2. Und wie wurde die Region von der Bevölkerung und der politischen Öffentlichkeit im Hochmittelalter benannt und kulturell wahrgenommen?

Ich hatte auf die Vorgeschichte der Spätantike hingewiesen, von der römischen Provinz verteilt über die Provinzen Venetia et Histria, Rätien (I und II) und Noricum, die Präfektur Theoderichs, bis zu den langobardischen, baiuwarischen und fränkischen Neuordnungen im frühen Mittelalter.

Rechtlich ist für die Neuordnung "Süd- Tirols" das Leges Langobardorum entscheidend. Südlich von Bozen galt lange dieses Personenrecht für die neue Oberschicht und für die Romanen das spätantike Vulgatrecht. Nach der Einordnung des Regnum Langobardorum in das Reich Karl des Großen erfolgte eine Frankisierung/Angleichung an fränkisches Recht. Noch im 9.Jahrhundert wird der Personenverband aller nach nordalpinen Rechten lebenden Menschen (Überbegriff teutiscus, also Franken, Alamannen und Baiern) im Trienter-Bozener Grenzbereich vom romanisch langobardischen Personenverband (Longobardi) unterschieden. Zusätzlich gab es noch die Sonderrechte für die Natione der Breonen (Alpenromanen): diese Personalisierung des Rechts schwand sicher mit der Territorialisierung von Machtstrukturen im Hochmittelalter: bestand jedoch nicht weiter eine "Kulturgrenze" zwischen "romanisch-langobardischen" Süden und "deutsch-bairischen" Norden, zwischen Trient und Bozen?
Ab wann wurde das Land nördlich vom Avisio als Tirol bezeichnet? Das Fürstbistum Trient hatte nicht aufgehört zu exisitieren.
Letztlich wurde das Fürstbistum erst 1363 von den Habsburgern real unterworfen. Trienter Kompaktaten – Wikipedia

Der Begriff "Tyrol" im Laurin - für welche Region war der Begriff im 13.Jahrhundert sinngebend? Die von Dir proklamierte historische Grenze Tirols an der Salurner Klause, ist dies nicht eine des 16.Jahrhunderts, der habsburgischen Grafschaft Tirol?

"Eine – wenn auch nicht konsistente – Sprachscheide zwischen Nord und Süd entwickelte sich an der Salurner Klause ca. ab 1600 (zunächst links der Etsch) und verfestigte sich erst im 19. Jahrhundert. Die neuere Forschung hat geltend gemacht, dass das Gebiet als „vormodern zu denkende Übergangslinie“ zu sehen sei, welche durch die Überschneidung von divergenten Rechtskreisen und Herrschaftsräumen (Grafschaft Tirol, Erzbistum Trient) gekennzeichnet war.Die Vorstellung von kompakt einander gegenüber stehenden ethnischen Räumen ist erst den im 19. Jahrhundert popularisierten Nationalismen geschuldet, für die die Salurner Klause zum Symbolort für Abwehr- oder Eroberungskämpfe aufrückte."
wikipedia, Salurner Klause


Literatur:
Tobias Boos: Grenzlandstudien zu Südtirol: Das Borderscape-Konzept als historisch-geografisches Analyseinstrument in der regionalen Grenzlandforschung. In: Ders., Daniela Salvucci (Hrsg.): Cultures in Mountain Areas: Comparative Perspectives / Culture in aree di montagna: prospettive comparative / Kulturen in Gebirgsregionen: Vergleichende Perspektiven. bu.press, Bozen 2022
Hannes Obermair: Das Recht der tirolisch-trientinischen „Regio“zwischen Spätantike und Frühmittelalter, 2006
 
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Nach den Reaktionen will die Mehrheit von einem (Mönch) Nikolaus von Egra ausgehen. Ob der Text/die Schrift mit der Nikolaus-Unterzeichnung Anfang?Mitte?Ende? des 14. Jahrhunderts oder doch Ende des 13. Jahrhunderts (um 1290) zuzuordnen ist, sollte sich feststellen lassen.
Strohmann-Argument. Keiner behauptet dass dies eine Unterschrift eines möglichen Nikolaus von Eger ist.

Es ist eher so dass ich z.B. beim Gebrauch des Dativ oder Ablativ (discreto viro) in der isoliert stehenden Federprobe eindeutig nicht von einer Unterschrift ausgehe, es ist die Form einer höflichen Anrede oder einer Widmung. Aber, wie gesagt, es ist nur eine Federprobe.
Und gerade das discreto als Teil einer Höflichkeitsformel schließt eine Unterschrift aus.
 
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Im Dresdner Laurin wird dazu die Ausweichvariante (semita Carolis) von St. Michael (Kloster der Eppaner) oder Pressano/Lavis über den Berg ("krummen steg") in deutschen Meilen angegeben (noch vier meille... sein michel teille) mit demselben Ergebnis: 4 deutsche Meilen: 30 km.
sprach maister Hildeprant,
„so weis ich euch die strosse
und zeuch mit euch zu hant.
So reit ir noch vier meille
und pleibt auf disem weg,
der weg sein michel teille
und auf der krummen steg
Bitte gebt die korrekte Fassung an, die zitiert wird, das richtet sich an alle, die mitdiskutieren. Mir war vor der intensiven Beschäftigung mit der Thematik seit einigen Wochen nicht klar, dass sich die Fassungen derart stark unterscheiden. Dein Zitat stammt aus keiner Handschrift der älteren Vulgatversion, sondern aus dem Dresdner Heldenbuch (Signatur Mscr.Dresd.M.201) aus dem Jahr 1472. Gehört diese Schrift nicht zur jüngeren Vulgat?

Du interpretierst diese Zeilen als Schilderung einer Ausweichroute, ohne zu beachten, aus welcher Zeit die Version stammt, und welcher Schreiber am Werk ist:
"Das Heldenbuch wurde von dem Nürnberger Zollschreiber Kaspar von der Rhön zusammengestellt und niedergeschrieben. Er hat den mittelalterlichen Text in das Frühneuhochdeutsche seiner Zeit übertragen....
Schreibweisen wie „strosse“ (Straße), „zeuch“ (ziehe), „meille“ (Meilen), „pleibt“ (bleibt) und das charakteristische „michel teille“ (viele Teile / Abzweigungen) sind typisch für Kaspars spezifischen Nürnberger Dialekt und seinen Schreibstil des späten 15. Jahrhunderts."
Elisabeth Lienert, Sonja Kerth und Esther Vollmer-Eicken: Laurin, Band II (erschienen im Verlag De Gruyter).


Hier wird ein grundsätzliches Problem deiner Forschungsmethode deutlich. Du gehst davon aus, dass es einen über Jahrhunderte bekannten politischen Kern gibt - angeschlossen an die alte Diskussion, wie historisch sind die Dietrichepen - den alle Autoren verfolgen, als hätten sie eine Landkarte vor sich liegen, oder vor Augen, die sie für ihre Erzählung verwenden. Diese Landkarte hast jedoch nur du vor dir liegen, und Kaspar von der Rhön, aus Münnerstadt in Franken, hat sie nicht, und auch nicht sein Auftraggeber, Herzog Balthasar von Mecklenburg. Die Topographie ist dir vor Augen, weil du dort lebst, die Landschaft kennst, etc., es ist deine Version, für die nur du die Hauptredaktion bist.

Du meintest, dass der uns verborgene historische Kern damals verständlich gewesen ist, benötigst aber drei Lieder/Epen, um eine Lokalisierung zu machen: Virginal, Eckenlied und den Laurin. Gehst du wirklich davon aus, der oberitalienische oder bairische Adel hätte wie in einer Schnitzeljagd aus drei Liedern "Eins und Eins" zusammengezählt, um auf den Gedanken zu kommen, Dietrich wäre Meinhard II, und nicht Theoderich oder Theuderich I. https://de.wikipedia.org/wiki/Theuderich_I., den einige Forschende für den "Dietrich" der Heldensagen halten?
Hatte Meinhard II. auch zwölf Paladine wie Theuderich I. ?

Die ältesten Handschriften des Virginal stammen alle aus dem schwäbisch-allemannischen Sprachraum.
"Das im Bernerton (siehe S. 29) abgefasste aventiurehafte Dietrichepos ‹Virginal› – in der älteren Forschung auch ‹Dietrich und seine Gesellen›, ‹Dietrichs Drachenkämpfe› oder ‹Dietrichs erste Ausfahrt› betitelt – erzählt von Heiden-, Riesen- und Drachenkämpfen Dietrichs von Bern und seiner Helden, die das Reich der Königin Virginal von einem grausamen Heidenkönig befreien; entstanden ist die ‹Virginal› wohl noch im 13. Jahrhundert. Verglichen mit den meisten anderen aventiurehaften Dietrichepen ist sie vergleichsweise schmal überliefert: in drei (weitgehend) vollständigen Handschriften des 15. Jahrhunderts (V10; V11, Kurzversion; V12, Textverluste durch Blattverlust)2 und in zehn Fragmenten
des 14. und 15. Jahrhunderts (V1, V2, V3, V4, V5, V6, V7, V8, V9, V13). Die ältesten Textzeugen (V1, V2, V3, V4, V13) gehen auf die erste Hlfte des 14. Jahrhunderts zurück und entstammen dem schwäbisch-alemannischen Raum. Zwei Fragmente (V3e, V8) gelten
als verschollen; hier existieren nur Abdrucke von Christ (V3e), Haupt (V3e), von der Hagen (V3e) und Huber (V8).3 Drucke der ‹Virginal› sind nicht bekannt."
Virginal. Goldemar -Herausgegeben von Elisabeth Lienert, Elisa Pontini und Katrin Schumacher, 2017

Es sieht gar nicht danach aus, dass es eine einzige Region gibt, die für die Entstehung und Verbreitung der Dietrichepen alleine verantwortlich ist. Schaut man sich die Testemonien vor dem Hildebrand-Lied an, taucht eine sagenhafte (nicht der historische ostgotische Theoderich)
zum Beispiel im Exeter-Buch in England auf: "Der Scop WidsiÞ (‹der Weitgereiste›) erwähnt Völker und Herrscher des 3. bis 6 Jh.,
bei denen er sich aufgehalten habe. Der fiktive Bericht enthält (ältere?) Listen von Heldennamen (auch aus der Nibelungen- und Dietrichüberlieferung), deren Sagenhintergrund als bekannt vorausgesetzt wird, darunter, zugleich als freigebig und wra\es wærlogan (v. 9;
«böse[r] Treuebrecher»?; HAUBRICHS, Held, S. 340) besonders hervorgehoben, der Gotena cyning (‹Gotenkönig›) Eormanric (v. 8, 18, 88f., 111), Wudga ond Hama (v. 130, vgl. auch v. 124), Þeodric (v. 115, der Goten- oder der Frankenkönig?) sowie einige weitere, nicht sicher den entsprechenden Sagen zuzuordnende Namen (Sifeca[n], v. 116; Herelingas, v. 112)." Dietrich-Testimonien,Widsith S.46/47

Das Heldenlied stammt wahrscheinlich aus der 2.Hälfte des siebten Jahrhunderts, ist in altenglisch verfasst, und wurde im Exeter Book um
975/1025 überliefert.

Ebenfalls aus England, in altenglisch verfasst, stammt ein Fragment des Waldere: "Der Kontext der erhaltenen drei Redebruchstücke (Angriff Gunthers und seiner Leute auf das durchreisende Paar Walther/Hiltgunt) ist aus dem lat. ‹Waltharius› zu rekonstruieren.
Guđhere prahlt, er besitze ein noch besseres Schwert als Waldere (der anscheinend den von Wieland geschmiedeten Mimming führt?; Fragment I, 3), dasjenige nämlich, das Đeodric dem Widia, Sohn des Weland, als Dankgeschenk für seine Rettung aus der Gewalt von Riesen zugedacht habe."

Das Fragment stammt aus der zweiten Hälfte des 8.Jahrhunderts. Testimonien, S.48
Faks./Ed.: FRED C. ROBINSON/STANLEY E. G.: Old English Verse Texts from Many Sources. A Comprehensive Collection. Kopenhagen 1991 (Early English Manuscripts in Facsimile 23), Nr. 18, 1–4. −Waldere. Testo e commento a cura di UTE SCHWAB. Messina 1967. − Waltharius. Lateinisch/Deutsch. Übers. und hg. von GREGOR VOGT-SPIRA. Mit einem Anhang Waldere. Englisch/Deutsch. Übers. von URSULA SCHÄFER. Stuttgart 1994

Es spricht vieles dafür, dass der Typus der Epen sich auf ein vergangenes "heroisches" Zeitalter der Völkerwanderungszeit bezieht, und keinen hochmittelalterlichen Konflikt aktualisiert. Und möglicherweise überhaupt nicht eine historische Vorlage (Theoderich oder Theuderich) kennt, sondern aus verschiedenen Erzählungen (auch Artus?) eine neue Geschichte kreativ geschaffen hat, und gerade diese Offenheit der Gestalten machte einen Ausbau, die Veränderung in Versionen möglich.
 
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Da gibt es ein schönes Standardwerk, 100 % HI (human intelligence, von Adriano Capelli.
Wenn man die tironischen Noten kennt (eine Kurzschrift benannt nach Ciceros Schreiber Tiro), dann ist das et (eher "7" als "T" statt &)
Vielen Dank für den Hinweis. Aber allein wegen dem L16-Textzeugen mich in ein neues Programm einzuarbeiten reicht mir die Zeit nicht… komme hier kaum nach. Daher verlasse ich mich vorerst an die Vorarbeit von Pausch, der einen größeren Teil der Schriften dem Statthalter von Mailand zuordnet, also dem Schwager von Nikolaus v. Enn. Leider kannte Pausch dieses Detail nicht.
Man kann das & (<7>) eigentlich ganz gut vom <t> unterscheiden.
Ja, die kleinen <t> sind einfach zu erkennen.
Der Punkt ist der: Du wirfst Zingerle vor, dass er Zupitza nicht helfen konnte, ziehst aber nicht in Betracht, dass Orte schlicht fiktiv sein können. Dass Zingerle Zupitzas Fragen nicht beantworten konnte, lag also nicht unbedingt daran, dass Zingerle bloß ein dummer Germanist war, der keine Ahnung von Südtiroler Topographie hatte, sondern dass Zupitzas Fragen, so wie gestellt, einfach nicht zu beantworten waren.
Zingerle war nicht so "dumm", dass er die Orte für schlicht fiktiv betrachtete. Eher waren das die Generationen, die dann folgten und mehr Möglichkeiten gehabt hätten, den Narrativen auf den Grund zu gehen. Aber er konzentrierte sich hauptsächlich auf Tirol/Meran, Meinhards Machtzentrum, so, wie es sich dieser ausdachte und wünschte. Er war mehr der Romantiker, weniger der Analytiker und Wolff war ganz der Romantiker und machte aus dem Laurin ein Märchen. Seitdem glauben fast alle, dass Laurin ein Märchen ist, auch viele, vielleicht die meisten Germanisten.
Der spanische Autor Antonio Muñoz Molina, der auch Kunsthistoriker ist und auch historische Sachbücher verfasst hat (empfehlenswert Córdoba de los Omeyas, in dt. Übersetzung erhältlich als Córdoba, Stadt der Kalifen) lässt seine Romane bevorzugt in der Stadt Mágina spielen. Diese Stadt gibt es aber gar nicht. Es gibt in der Provinz in der Antonio Muñoz Molina aufwuchs (er kommt aus Úbeda in der Provinz Jaén) einen Gebirgszug, der Sierra de Mágina heißt. Alles, was Antonio Muñoz Molina über Mágina preisgibt, ist, dass die Stadt in Andalusien liegt. Ist es seine Geburtsstadt Úbeda? Die Nachbarstadt Baeza? Die Provinzhauptstadt Jaén? Granada, wo er studierte und (lange) lebt(e)? Oder eine Mixtur dieser?
Molinas Roman mit der av. DE zu vergleichen, ist wie Äpfel mit Birnen vergleichen: Molina ist ein moderner Schriftsteller, der einen historischen Roman erfunden hat. Er hat daraus keine Version 1, 2, 3 …. gemacht und auch sein Sohn und seine Enkel werden das nicht tun. Genau das aber geschah in der av. DE. Es sind Teile von Familienlegenden, die einen historischen und topographischen Hintergrund haben. Es wurde an ihnen quasi ständig herum gefeilt, um so etwas wie eine Familiensituation auf den neuesten Stand zu bringen. Dazu gehört auch die bekannte aber bisher geheimnisvolle Wappenlegende des Drachenverschlungenen, die im Laurin keine Rolle mehr spielte, da diese Adelsfamilie vor kurzem ausgerottet wurde. Die Visconti versuchten sie in dieser Zeit zu übernehmen, was ihnen dann auch im 14. Jh. mit einer eigenen Wappenlegende und mit viel Geld an den deutschen König gelang.
Wobei ich vor ca. 20 Jahren mal bzgl. des Weland-Stoffes die Interpretation las, dass mit Zwergen "italienische" (römische) Bergleute gemeint seien, die eben kleiner als die Germanen gewesen seien und deren bergmännisches Know-how den Germanen wie Zaubermächtigkeit vorgekommen sei, weswegen die Zwerge der Dietrichsepik eben stets unterm Berg lebten und über gewisse Zauberkünste verfügten. Das immerhin ist einigermaßen plausibel.
Das ist wieder so ein typisches Märchennarrativ aus dem deutschen Kulturraum. Wenn, dann könnte das für ladinische Bergleute gelten, da Leute, die in den Bergen leben im Durchschnitt ein paar Zentimeter kleiner sind, als Leute in weiten Ebenen, wie der Poebene. Die Trienter Bischöfe haben aber eigens deutsche Bergleute importieren lassen, da die Italiener nicht diese Erfahrung im Untertagebergbau mitbrachten. Dieses Narrativ der kleinen Zwerge passt in erster Linie zum (nord)deutschen Kulturraum. In Italien musste dieses erst eingeführt werden.
Mit das Gezwerg war hier ursprünglich (Erstellungszeit) das Kleinbürgertum (im modernen Sinne) gemeint, also eher untere Volksschichten, Dienstleute, Lehensleute etc. und kommt immer auf den soziologischen Kontext an.

Wenn also Zupitza sich von Zingerle meinetwegen die Identifizierung Jeraspunts erhoffte, dann stellte er jenem eine nicht zu beantwortende Aufgabe.
Bei einer gründlicheren Inhaltsanalyse der av. DE lässt sich aber eine topographische Analogie zwischen Jeraspunt und Jochgrimm herstellen, wovon Jochgrimm eindeutig zu lokalisieren ist.
a) welche Befestigungsstrukturen hast du entdeckt? (BTW: Was ist mit entdeckt gemeint, hast du auf LIDaR-Scans oder beim Spaziergang im Wald etwas entdeckt oder in einer Publikation)
b) wie sind diese datiert? Nutzungsdauer?
c) wie steht es mit dem Zusammenhang deiner Befestigungstrukturen mit Arone?
Systematische Geländebegehungen, Luftbildanalysen einschließlich Strukturanalysen zur Feststellung zusammenhängender Muster. Die große Festungsanlage muss nach der Römerzeit entstanden sein und mit der karolingischen Eroberung stark reduziert worden sein. Punkt c im Detail würde zu weit führen bzw. ist zeitlich zu aufwändig.
"Dye riten bey der weillen
des tages wol acht meilen.
Do kament die hern kune
auf einen anger grune." (L18)
In dieser Varianz sieht man, dass es den Vortragenden um keine Wegbeschreibung im akuraten Sinn geht, sondern in der Abfolge kann eine Reise ins wilde Land in wenigen Versen dargestellt werden, die mit markanten Worten eine Kulisse für die Handlung herstellen. Auf dem grünen Anger oder Plan(Wiese) vor dem Rosengarten werden die Kämpfe zwischen Witege und Laurin, Dietrich und Laurin und Dietrich und Dietleib stattfinden.
Wenn man von der alten Zollstelle unter der Haderburg misst sind es acht Meilen, misst man ab dem alten Salurner Gerichtsplatz sind es 7 welsche Meilen. Kommt drauf an, welchen Platz man als wichtiger betrachtete.
Im heutigen Ladinisch bedeutet punt (Gadertalisch) bzw. puent (Grödnerisch) 'Brücke'. Vgl. rätoromanisch punt, italienisch ponte. Alle diese Wörter gehen auf lateinisch pons 'Brücke' zurück. Im mittelalterlichen Ladinisch wird das Wort nichts anderes als 'Brücke' bedeutet haben.
Die Information habe ich vor 24 Jahren aus einem älteren (alt)ladinisch-deutsch Vokabular gefischt. Weil es mir sonderbar erschien, habe ich es mir auch gemerkt. Vielleicht finde ich es gelegentlich wieder...
bestand jedoch nicht weiter eine "Kulturgrenze" zwischen "romanisch-langobardischen" Süden und "deutsch-bairischen" Norden, zwischen Trient und Bozen?
Ja, die lag wohl noch längere Zeit bei Lavis und verschob sich dann langsam Richtung Salurn.
Ab wann wurde das Land nördlich vom Avisio als Tirol bezeichnet? Das Fürstbistum Trient hatte nicht aufgehört zu exisitieren.
Wie gesagt, wenn es in den av. DE-Varianten vor 1285 als "Tirol" bezeichnet worden wäre, wäre es noch Tiroler Propaganda gewesen, ab 1290 (nach Bischof Heinrich II. v. Trient) schon ein politisches Faktum.
Der Begriff "Tyrol" im Laurin - für welche Region war der Begriff im 13.Jahrhundert sinngebend?
s.o. In den av. DE ist weder von (Land) "Tyrol" noch von der "Burg Tyrol", sondern von dem Tyroldes walde/tanne die Rede, was auf eine Barriere/Grenze, Grenzwald/Bannwald, ähnlich eines Rosenhags hindeutet. Die Tiroler Grafen hatten im Umfeld von Salurn ab etwa 1200 einige wenige Besitzungen und zeitweise das Salurner Schloss (heute Haderburg) mit Zollstelle, woraus man zuweilen ein Tyroldes walde/tanne konstruieren konnte.
Die Vorstellung von kompakt einander gegenüber stehenden ethnischen Räumen ist erst den im 19. Jahrhundert popularisierten Nationalismen geschuldet, für die die Salurner Klause zum Symbolort für Abwehr- oder Eroberungskämpfe aufrückte."
Abwehr- oder Eroberungskämpfe gab es hier nachweislich seit mindestens der Langobardenzeit.
Und gerade das discreto als Teil einer Höflichkeitsformel schließt eine Unterschrift aus.
Man kann auch höflich zu sich selbst sein. Kreative Leute führen häufig Selbstgespräche etwa in einem Akt der Reflexion bei schwierigen Situationen.
 
Du interpretierst diese Zeilen als Schilderung einer Ausweichroute, ohne zu beachten, aus welcher Zeit die Version stammt, und welcher Schreiber am Werk ist:
"Das Heldenbuch wurde von dem Nürnberger Zollschreiber Kaspar von der Rhön zusammengestellt und niedergeschrieben. Er hat den mittelalterlichen Text in das Frühneuhochdeutsche seiner Zeit übertragen....
Schreibweisen wie „strosse“ (Straße), „zeuch“ (ziehe), „meille“ (Meilen), „pleibt“ (bleibt) und das charakteristische „michel teille“ (viele Teile / Abzweigungen) sind typisch für Kaspars spezifischen Nürnberger Dialekt und seinen Schreibstil des späten 15. Jahrhunderts."
Elisabeth Lienert, Sonja Kerth und Esther Vollmer-Eicken: Laurin, Band II (erschienen im Verlag De Gruyter).
Er hat es von einem ursprünglicheren Text abgeschrieben und seinen Dialekt benutzt. Ich gehe nicht von einer Erfindung aus, denn dann hätte er auch Nürnberg als Ausgangsort erfinden können, wie das im Eckenlied einmal für Köln vorkommt, wo dann aber das restliche Geschehen zwischen Verona und Jochgrimm belassen wurde.
Du gehst davon aus, dass es einen über Jahrhunderte bekannten politischen Kern gibt - angeschlossen an die alte Diskussion, wie historisch sind die Dietrichepen - den alle Autoren verfolgen, als hätten sie eine Landkarte vor sich liegen, oder vor Augen, die sie für ihre Erzählung verwenden.
Nein, über die av. DE (einschließlich ihrer TS-Anteile) ist nur rund 120 Jahre Entwicklungszeit nachvollziehbar. Für ältere Hinweise (wie: Mer den vierhundert jare ist alt, des der garten ist. L11, 12. Str.) müssen den Epikern ältere historische Dokumente vorgelegen haben.
Du meintest, dass der uns verborgene historische Kern damals verständlich gewesen ist, benötigst aber drei Lieder/Epen, um eine Lokalisierung zu machen: Virginal, Eckenlied und den Laurin.
Da ich nicht zum Familienkreis dieser Epiker gehöre, muss ich forensisch vorgehen und benötige jedes potentiell bedeutsame Fundstück, um die Orte und die Geschehnisse rekonstruieren zu können.
Die ältesten Handschriften des Virginal stammen alle aus dem schwäbisch-allemannischen Sprachraum.
Die Edelfreien von Enn stammen ja auch mit großer Wahrscheinlichkeit aus dem schwäbisch-allemannischen Sprachraum und kehrten anschließend wieder dort hin zurück (Raum St. Gallen, Thurgau, Bodensee...).
Es spricht vieles dafür, dass der Typus der Epen sich auf ein vergangenes "heroisches" Zeitalter der Völkerwanderungszeit bezieht, und keinen hochmittelalterlichen Konflikt aktualisiert.
An der Thidreksaga lässt sich beispielhaft erkennen, dass die Welandsaga darin keine Aktualisierung erfahren hat, während die Eccesaga eine hochmittelalterliche Aktualisierung erfuhr, und im 13. Jahrhundert weiter aktualisiert und entwickelt wurde. Man müsste hier also von Fall zu Fall untersuchen und nicht einfach pauschalisieren.
 
Auf den ganzen Kladderadatsch kann ich jetzt nicht eingehen, denn ich habe tatsächlich zu wenig Zeit. Dennoch nehme ich mir die, den Laurîn zu lesen.
Nachdem König Laurîn (die obigen Behauptung getwerc stünde für das Kleinbürgertum entbiehrt jeder historischen GRUNDkenntnis) ausführlich mit seiner Bekleidung und seinen Waffen beschrieben wurde, heißt es im Text weiter:

Dô ez in kam sô nâhen,
sie begunden ez enpfâhen:
sie gruozten's, die vürsten hôchgeborn.
Dô sprach Laurîn ûz grôzem zorn:
'Wer hât iuch tôren geheizen
hernider ûf den plân beizen
und iuwer gurren spannen
ûf mînen grüenen anger,
den ich hân geheien
vor manegen toerschen leien
und beschirmet vor manegem man,
ir müeezet mir swaeriu pfant lân!
Wer hât iuch esel des gebeten,
dâz ir mir hât zertreten
die mîne lieben rôsen rôt?
des komet ir in grze nôt:
iuwer ieglîch gebe mir ein pfant,
den rehten vuoz, die linken hant."

Die Eingangsthese war ja, dass Laurîns Rosengarten eigentlich nur die historische Beschreibung von Dornenbefestigungen gewesen seien. Dies ist offensichtlich nicht der Fall. Der Rosengarten (sie vorherige Zitate) wird eben tatsächlich als Garten beschrieben, der unverteidigt ist, erst nach seiner Zerstörung kommt Laurîn aus seiner Burg, erst da kommt es zum Kampf.
Am schönsten finde ich nebenbei, dass Laurîn Witege und Dietrich als Esel beschimpft.
 
Was ich witzig finde: Laurîn wird als Zwerg als "es" behandelt, aber dennoch gibt es auch weibliche Zwerge - und die werden, anders als bei Pratchett oder Tolkien - auch als schön beschrieben (aber naja, Laurîn ist ja ein Schelm (nicht in literaturwissenschaftlicher Bedeutung)):

Dô sprach der kleine Laurîn:
'nu wir alle gesellen sîn,
sô wil ich uns machen undertân
mit triuwen allez, daz ich hân,
komet mit mit in den berc:
dô diente iu vil manec getwerc
und manec schoeniu getwerginne

mit golde und mit gimme.
 
Er hat es von einem ursprünglicheren Text abgeschrieben und seinen Dialekt benutzt. Ich gehe nicht von einer Erfindung aus, denn dann hätte er auch Nürnberg als Ausgangsort erfinden können, wie das im Eckenlied einmal für Köln vorkommt, wo dann aber das restliche Geschehen zwischen Verona und Jochgrimm belassen wurde.
Dazu habe ich mich mit dem Zitat nicht geäußert. Ich bezog mich darauf, dass du ihn falsch übersetzt hast, und aus sein michel St.Michael gemacht hast. Davon, dass er etwas dazu erfunden hat, habe ich nichts gesagt.
Nein, über die av. DE (einschließlich ihrer TS-Anteile) ist nur rund 120 Jahre Entwicklungszeit nachvollziehbar. Für ältere Hinweise (wie: Mer den vierhundert jare ist alt, des der garten ist. L11, 12. Str.) müssen den Epikern ältere historische Dokumente vorgelegen haben.
Auch das hast entweder falsch verstanden, oder willst es nicht verstehen? Du hast aus einem Werk des 15.Jahrhundert eine Alternativroute herausgelesen, erinnerst du dich an das, was du vorgestern um 23:17 Uhr geschrieben hast?
Im Dresdner Laurin wird dazu die Ausweichvariante (semita Carolis) von St. Michael (Kloster der Eppaner) oder Pressano/Lavis über den Berg ("krummen steg") in deutschen Meilen angegeben (noch vier meille... sein michel teille) mit demselben Ergebnis: 4 deutsche Meilen: 30 km.
Zwischen der Abfassung des Laurin im 13. Jahrhundert und dem Dresdner Heldenbuch von 1472 liegen mindestens 170, eher 200 Jahre.
Wenn Kaspar von der Rhön eine Alternativroute abgeschrieben hätte (was nicht der Fall ist!, aber was du vermutet hattest -du hast ihn falsch interpretiert), müsste eine klare Vorstellung eines Zielortes da gewesen sein, eine Lokalisierung, nur findet sie sich in keiner Version der älteren Vulgat.

Wenn du ihn richtig liest, hat er aus einer Vorlage nur eine Ausschmückung übernommen:
"Da sprach Meister Hildebrand: „Ich kenne den Weg dorthin für euch und ziehe sofort mit euch mit. Reitet jetzt noch vier Meilen
und bleibt fest auf diesem Pfad; der Weg zieht sich sehr weit hin und führt über verschlungene Bergstege."
(KI-Übersetzung ins neuhochdeutsche)

Da reiten Helden über viele Bergstege ins wilde Land, sehr weit, aber eine genauere Streckenangabe oder Zeitangabe unterbleibt. Dem Autor geht es nicht darum, dass ein heutiger Südtiroler einen Schatz/ein Schloss/historischen Ort findet, sondern die Vorstellung einer langen Reise in die Berge beim Zuhörenden zu erzeugen.

Da ich nicht zum Familienkreis dieser Epiker gehöre, muss ich forensisch vorgehen und benötige jedes potentiell bedeutsame Fundstück, um die Orte und die Geschehnisse rekonstruieren zu können.
Es geht nicht um dich! Bitte Perspektivwechsel!
Du hast behauptet, dass der Text eine Propagandaschrift, sogar eine Kampfschrift wäre (10.10.26):
1. Es ist eine Kampfschrift und 2. will Kunhild dann doch nicht bei den Heiden bleiben: Du brauchst also nur 1 + 2 zusammenzählen.
Dann muss Sie dem Publikum verständlich sein. Du behauptest, dass Laurin der verunglimpfte Ezzelin I. wäre, dann muss er für das adelige Publikum erkennbar sein - entweder über eine Nähe des Textes zu einem realen Geschehen, eindeutige Kennzeichnungen, Namen etc.
Du behauptest hier wäre der Held Dietrich Meinhard II., die Geschichte alleine gibt doch eher den umgekehrten Fall her: Laurin ist der König von Tyrol, dem wilden Land, und Dietrich der Eindringling und Herausforderer aus Verona. Alleine diese "Verdrehung" müsste ein Publikum umkehren, damit es keine Kopfgeburt des 21.Jahrhunderts wäre - was sie jedoch ist. Um das Geschehen zu lokalisieren benötigst du drei Schriften - ist das die Voraussetzung bei Hof, den Text zu verstehen, oder glaubst du, alle litten so mit den Ennern, und dem Verkauf ihrer Ländereien, dass drei Lieder davon handelten, über 120 Jahre?!? Kam einer der Enner ums Leben? Wurde gefoltert? oder hingerichtet?

Der von dir zitierte fernere Verwandte, Ezzelino III. da Romano Ezzelino III. da Romano – Wikipedia wurde wegen seiner Grausamkeit berühmt und berüchtigt, und landete bei Dante in der Hölle als einer der Tyrannen:
"Die schwarzbehaarte Stirn sieh neben diesen, Den Ezzelin – und jener Blonde dort, Ist Obiz Este, der, wie’s klar erwiesen."

Dante und Vergil werden in dieser Szene entlang des Phlegethon geführt,, einem Fluss aus kochendem Blut. Hier werden exemplarisch die Gewalttäter gegen den Nächsten (insbesondere grausame Herrscher und Tyrannen) bestraft.

Der Rachedurst gegen die da Romanos (am Ende auch der eigenen Partei, der Ghibellinen) war extrem groß, und zeigt sich am grausamen Ende:
Die Söhne seines Bruders Alberico, darunter noch kleine Kinder, wurden vor seinen Augen in Stücke gehackt. Seine weiblichen Verwandten wurden nackt durch die Straßen getrieben und anschließend lebendig verbrannt. Alberico, der gezwungen wurde, bei ihrer Hinrichtung mitzuwirken, wurde danach mit glühenden Eisen gefoltert, und am Schwanz eines Pferdes durch die Straßen von Treviso zu Tode geschleift. Der Chronist Salimbene de Adam schrieb: „ Vidi ista oculis meis “ („Ich habe es mit eigenen Augen gesehen“). Sieht aus, als hätte hier niemand Urfehde geschworen.

Dagegen war der Konflikt zwischen den Edelfreien von Enn und dem Grafen von Tirol, den sie mit vielen anderen Adeligen gemeinsam hatten,
zum Beispiel den Wangen Wangen (Adelsgeschlecht) – Wikipedia , deren Burg Runkelstein sich doch auch für den Laurin anbieten würde? - Sie wurde 1274 von Meinhard II. belagert und schwer beschädigt Schloss Runkelstein – Wikipedia doch recht "harmlos".

Es gab einige mittelalterliche Chronisten, die der Familiengeschichte der Enner, wie Landi schreibt, "die ihr mehr als eine Zeile widmeten" - das sieht nicht wirklich danach aus, als wäre das Schicksal der Enner weltbewegend gewesen, oder überhaupt im Mittelalter außergewöhnlich rezipiert worden. (W.Landi, die Edelfreien von Enn). Im Gegensatz zum Ezzelino III. da Romano, dem schon im 14.Jahrhundert ein Drama als Tyrann darstellte, Ecerinis (1314/1315).
Die Edelfreien von Enn stammen ja auch mit großer Wahrscheinlichkeit aus dem schwäbisch-allemannischen Sprachraum und kehrten anschließend wieder dort hin zurück (Raum St. Gallen, Thurgau, Bodensee...).

Genau mit dieser Reaktion habe ich gerechnet. Die Enner, eine richtige Dichterfamilie, haben also erst den Laurin, und dann den Virginal geschaffen, Nikolaus kann es nicht sein, denn der war zwischen 1287 (letzte Erwähnung in Quellen) und 1296 gestorben ((Seine Frau wird als Witwe erwähnt). Aber auch dafür wirst du sicher eine fantasievolle Erklärung haben. Ich schlage vor, Nikolaus hat alle Lieder geschrieben, und hat seinen Vewandten nur den Virginal mitgegeben, damit sie diesen auf allemannisch veröffentlichen, um Spuren zum Autor zu verwischen, denn Virginal ist diesmal der Bischof Heinrich der II. von Trient, in den sich Meinhard II. (Dietrich) verliebt, aber diese Liebe blieb unerwidert, und der kinderlose Nikolaus, der schon 1276 im Gefolge von Meinhard II. auftaucht, ist eigentlich der schwule Liebhaber des seine Homosexualität verbergenden Meinhards, und daher wusste, dass der Bischof - aber nein, ich überlasse die fantastischen Geschichten lieber dir.
 
Zuletzt bearbeitet:
Wenn man von der alten Zollstelle unter der Haderburg misst sind es acht Meilen, misst man ab dem alten Salurner Gerichtsplatz sind es 7 welsche Meilen. Kommt drauf an, welchen Platz man als wichtiger betrachtete.
Wie gesagt, wenn es in den av. DE-Varianten vor 1285 als "Tirol" bezeichnet worden wäre, wäre es noch Tiroler Propaganda gewesen, ab 1290 (nach Bischof Heinrich II. v. Trient) schon ein politisches Faktum.
s.o. In den av. DE ist weder von (Land) "Tyrol" noch von der "Burg Tyrol", sondern von dem Tyroldes walde/tanne die Rede, was auf eine Barriere/Grenze, Grenzwald/Bannwald, ähnlich eines Rosenhags hindeutet. Die Tiroler Grafen hatten im Umfeld von Salurn ab etwa 1200 einige wenige Besitzungen und zeitweise das Salurner Schloss (heute Haderburg) mit Zollstelle, woraus man zuweilen ein Tyroldes walde/tanne konstruieren konnte.
Du hast mich wieder nicht verstanden, oder verstehen wollen: du misst deine Meilen ab der Salurner Klause, die erst im 16.Jahrhundert zunehmend zur Sprachgrenze und politischen Grenze geworden war. Beispiel Bozen in der ersten Hälfte des 13.Jahrhundert:

"Als die Bautätigkeiten Alberts III. in Bozen ungefähr 1226 abgeschlossen waren, präsentierte sich die Stadt schließlich dreigeteilt. In der Mitte befand sich die dem Bischof von Trient unterstehende Altstadt. Die Neustadt des Grafen von Tirol lag im Westen und Süden und die Vorstadt der Edelfreien von Wangen im Norden und Osten. Die aufgrund ihrer verkehrstechnischen Bedeutung für Bozen besonders wichtige Brücke über den Eisack unterstand der Kontrolle des Grafen von Tirol." Hugo von Velturns († 1267), qui se pro nobis et ecclesia nostra tutorem et murum inexpugnabilem exposuit. Teil 2. Konstantin Graf von Blumenthal, Seite 70

Ich finde es ein exemplarisches Beispiel wie sich Herrschaften in Territorien und sogar einzelnen Gemeinden kreuzten, und was das von dir kommentierte Zitat (von mir im vorletzten Beitrag zitierte) meint:

"Eine – wenn auch nicht konsistente – Sprachscheide zwischen Nord und Süd entwickelte sich an der Salurner Klause ca. ab 1600 (zunächst links der Etsch) und verfestigte sich erst im 19. Jahrhundert. Die neuere Forschung hat geltend gemacht, dass das Gebiet als „vormodern zu denkende Übergangslinie“ zu sehen sei, welche durch die Überschneidung von divergenten Rechtskreisen und Herrschaftsräumen (Grafschaft Tirol, Erzbistum Trient) gekennzeichnet war. Die Vorstellung von kompakt einander gegenüber stehenden ethnischen Räumen ist erst den im 19. Jahrhundert popularisierten Nationalismen geschuldet, für die die Salurner Klause zum Symbolort für Abwehr- oder Eroberungskämpfe aufrückte."

Durch die Territorialisierung der Macht in den Konflikten des 13.Jahrhunderts bahnt sich eine tendenzielle Arrondierung und Zentralisierung von Herrschaft an, aber sie war noch nicht durchgesetzt: auch wenn Meinhard II. 1284 die Administration des Stiftes auf vier Jahre gegen eine jährliche Pension von 800 Mark vom Fürstbischof erhielt, konnte Heinrich der II. dessen Verurteilung beim Papst erreichen, und hatte beim Reichtag in Augsburg 1275 einen kaiserlichen Schiedssspruch erhalten, der seine Rechte festigte, und den Rudolf 1277 in Wien bestätigte. Nach dem Tod Meinhards II. 1295 einigte sich sein Sohn Otto mit dem Bischof auf die territoriale Grenze beim Einfluss des Avisio in die Etsch, formal waren die Füstbischöfe jedoch immer noch Lehensherren ihrer mächtigeren Vasallen.

(- Diese territoriale Grenze ist 20 Kilometer von Salurn entfernt. Ist das nicht eine weitere Ungenauigkeit, um irgendwie dann doch historio-topographisch bei Castelfeder herauszukommen? Das klingt ganz danach, als wäre dein Messpunkt Salurner Klause - Tiroler Grenze - Bannwald recht willkürlich gewählt. -)

Wer konstruiert denn hier aus den wenigen Besitzungen der Tiroler Grafen bei Salurn: "woraus man zuweilen ein Tyroldes walde/tanne konstruieren konnte "(Sternbach gestern) einen Tiroler Bannwald? Namen und Reiter bitte.

Meiner Ansicht nach ist "Tyrol" im Laurin oder Virginal kein politischer Begriff. Die Etymologie von Tirol (erste Nennung als Tirale, möglicherweise vorrömisch) ist, soweit ich das gelesen habe, unklar, auch wenn es Hypothesen gibt. Ursprünglich war der Name der Grafschaft Vinschgau (im 11. und 12.Jahrhundert), mit der ein Graf namens Albertus de Tyroles zwischen 1140 und 1147 belehnt wurde. https://storiaeregione.eu/attachment/get/up_146_16231426857852.pdf

"Als sich nun die beiden Grafen 1254 über die Teilung jener Güter einigten, die durch den Tod ihres Schwiegervaters an sie gefallen waren, fällt erstmals der Begriff dominium comitis Tyrolis, also „Herrschaft des Grafen von Tirol“. Waren bis zu diesem Zeitpunkt die einzelnen Grafschaften, die Hochstiftsvogteien und andere Rechte stets einzeln aufgezählt worden, so wurden alle diese Besitzungen nunmehr als Gesamtheit unter dem Begriff „Herrschaft“ subsumiert und damit als zusammengehörig betrachtet." Klaus Brandstätter, 2000, Seite 12

"Durch den Ausbau der landesherrlichen Verwaltung und die Schaffung einer geregelten Gerichtsorganisation sowie eines einheitlichen Landrechtes vollzog sich die definitive Zusammenbindung der verschiedenen Grafschaften und der sonstigen Rechtstitel zur „Grafschaft und Herrschaft Tirol“ (comitatus et dominium Tyrolis). Diese Bezeichnung wurde 1271 im Sinne des gesamten damaligen Herrschaftsgebietes verwendet, als Meinhard II. und sein Bruder Albert ihre Besitzungen teilten und als Grenze zwischen den Grafschaften Tirol und Görz die Mühlbacher Klause festlegten. Hatte Meinhard II. in den achtziger Jahren des 13. Jahrhunderts noch die Mehrzahl „Lande“ für seine in der „Grafschaft Tirol“ (comitatus Tyrolis bzw. comitatus Tyrolensis) vereinigten Gebiete gebraucht, so spricht er 1295 erstmals von seinem „Land Tirol“. ebenda, Seite 15

Gleichzeitig und älter waren Bezeichnungen wie Etschland oder Land im Gebirge (in montanis) für den mittleren Alpenraum in Gebrauch. Diese Bezeichnungen wie Etschland als Synonym für Tirol oder in der Tiroler Landesordnung von 1406 gewählte Formulierung an alle Bewohner "unser grafschaft ze Tyrol und des landes an der Etsche und in dem Intal" oder beim Abtritt an die Habsburger 1363 „Grafschaft zu Tirol, an der Etsch, im Gebirge und im Inntal“. belegen dies. Die Bewohner des südlichen Landesteils wurden noch im 15.Jahrhundert als Etschländer bzw. Etscher oder Eytzscher bezeichnet. Geographisch war "Tirol" noch kein Begriff, der für sich selbst stand, es wurde noch zwischen dem Land nördlich des Alpenhauptkamms (Inntal) und südlich davon (Etschtal) unterschieden, und mit im Gebirge (in motanis) stand praktisch noch für einen Begriff, um die Lokalisierung der Länder an Etsch und Inn im Bergland zu bezeichnen und vom Tiefland zu unterscheiden.

Ich vermute, dass Tyrol ein Begriff der höfischen Literatur ist, ein Synomym für "fernes oder wildes Bergland" , so wie Thule im Mittelalter der nördlichste Punkt der bewohnten Welt war, ein literarischer Terminus, den man nur vom Hörensagen kannte, und dessen Kennzeichen und Merkmal ist, dass es unklar ist, wo das "mythische Land der Erzählung" verortet ist. Und genau in dieser Unklarheit lässt einen der Laurin und Virginal.
 
Zuletzt bearbeitet:
Der Punkt ist der: Du wirfst Zingerle vor, dass er Zupitza nicht helfen konnte, ziehst aber nicht in Betracht, dass Orte schlicht fiktiv sein können. Dass Zingerle Zupitzas Fragen nicht beantworten konnte, lag also nicht unbedingt daran, dass Zingerle bloß ein dummer Germanist war, der keine Ahnung von Südtiroler Topographie hatte, sondern dass Zupitzas Fragen, so wie gestellt, einfach nicht zu beantworten waren.

Ich will das mal an einem modernen Bsp. eines berühmten Autors, Träger mehrer Literaturpreise deutlich machen:


Molinas Roman mit der av. DE zu vergleichen, ist wie Äpfel mit Birnen vergleichen:

Der Punkt ist doch, dass Orte schlicht fiktiv sein können, und für erfundene Ortsnamen gibt es nicht nur bei modernen Schriftstellern, sondern auch und gerade in der mittelalterlichen Epik genügend Beispiele. Ein Ort namens "Jeraspunt" hat ebensowenig existiert wie ein Ort namens "Jeroplis".
 
s.o. In den av. DE ist weder von (Land) "Tyrol" noch von der "Burg Tyrol", sondern von dem Tyroldes walde/tanne die Rede, was auf eine Barriere/Grenze, Grenzwald/Bannwald, ähnlich eines Rosenhags hindeutet. Die Tiroler Grafen hatten im Umfeld von Salurn ab etwa 1200 einige wenige Besitzungen und zeitweise das Salurner Schloss (heute Haderburg) mit Zollstelle, woraus man zuweilen ein Tyroldes walde/tanne konstruieren konnte.
@Sternbach wirft den ihm nicht Glaubenden (Fachwelt, Geschichtsforum, Germanisten, Lehrer) vor, die Dietrichepen für Märchen zu halten. Inzwischen denke ich, der einzige Märchenerzähler, den ich erkennen kann, sieht seinem Spiegelbild verdammt ähnlich. Ich musste lachen, als ich doch wieder über die manipulative Suggestionskraft seines Märchens stolperte: @Sternbach schildert unverdrossen die Strecke, die er nachgemessen hat von der Salurner Klause, die er für Tirols Grenze im 13.Jahrhundert hält, um nach Castelfeder und seinen Brombeerhag zu kommen. Mir ist dann doch bei seinem einsamen Marsch am Desktop seines Computers aufgefallen, dass er die "mittelalterliche Autobahn" der alten Via Raetia/Via Claudia Augusta benutzt.

"Im Zusammenhang damit ist die Bedeutung, die Bozen damals bereits hatte, zu berücksichtigen. Zunächst ist der Bozener Talkessel als der natürliche Mittelpunkt der ihn umgebenden Talschaften und als Ort des Zusammenflusses von Eisack, Etsch und Talfer ohnehin als ein zentraler Raum anzusehen. Hinzu kommt seine Lage an der Gabelung der beiden über den Brenner und den Reschen und somit über den Alpenhauptkamm führenden Straßen. Im Hinblick auf die Brennerroute war Bozen die erste beziehungsweise letzte Station nach respektive vor der eigentlichen Alpenüberquerung. Die Bedeutung der Wege über Brenner und Reschen war damals in einem ständigen Wachstumsprozess begriffen. Aufgrund der kommerziellen Revolution des 12. und 13. Jahrhunderts, der führenden Rolle der Apenninenhalbinsel im Finanzwesen, der dominierenden Position Venedigs im Handel mit der Levante und der großen wirtschaftlichen Dynamik der süddeutschen Städte nahm der Verkehr im östlichen Alpenraum stetig zu. Zusätzlich verstärkt wurde dieser Trend noch durch die verhältnismäßig einfache Passierbarkeit beider Pässe. Ein weiterer Aspekt war die südlich von Bozen beginnende Schifffahrt auf der Etsch, die den direkten Transport von Waren von und bis Venedig auf dem Wasserwege erlaubte."Hugo von Velturns († 1267), Teil 2, S.68

Das klingt doch jetzt wirklich nach einem einsamen Weg über Wiesen ins Tann, ohne einer einzigen Menschenseele zu begegnen.
 
Was ich witzig finde: Laurîn wird als Zwerg als "es" behandelt, aber dennoch gibt es auch weibliche Zwerge - und die werden, anders als bei Pratchett oder Tolkien - auch als schön beschrieben (aber naja, Laurîn ist ja ein Schelm (nicht in literaturwissenschaftlicher Bedeutung)):

Dô sprach der kleine Laurîn:
'nu wir alle gesellen sîn,
sô wil ich uns machen undertân
mit triuwen allez, daz ich hân,
komet mit mit in den berc:
dô diente iu vil manec getwerc
und manec schoeniu getwerginne

mit golde und mit gimme.
Bei Tolkien geht es um kleinwüchsige Zwerge. Kleinwuchs widerspricht dem herkömmlichen Schönheitsideal. Eine kleinwüchsige C. Schiffer ist natürlich unmöglich. Hier geht es um normale schöne Frauen eines Zwergenreichs bzw. einer kleinen Grafschaft. Laurin ist klein, da er über ein kleineres Gebiet herrscht als Meinhard.
Dazu habe ich mich mit dem Zitat nicht geäußert. Ich bezog mich darauf, dass du ihn falsch übersetzt hast, und aus sein michel St.Michael gemacht hast. Davon, dass er etwas dazu erfunden hat, habe ich nichts gesagt.
Ich habe nicht "aus sein michel St.Micheael gemacht", sondern "sein groß" im Sinne von sind große Teile/Meilen (deutsche Meilen).
Wenn Kaspar von der Rhön eine Alternativroute abgeschrieben hätte (was nicht der Fall ist!, aber was du vermutet hattest -du hast ihn falsch interpretiert), müsste eine klare Vorstellung eines Zielortes da gewesen sein, eine Lokalisierung, nur findet sie sich in keiner Version der älteren Vulgat.
Wenn er etwas abschreibt, braucht er keine klare Vorstellung eines Zielortes. Die Überlieferung erschöpft sich nicht mit der älteren Vulgat.
aber eine genauere Streckenangabe oder Zeitangabe unterbleibt.
Vier Meilen in großen (deutschen) Teilen.
Es geht nicht um dich! Bitte Perspektivwechsel!
Den zeige ich dir noch…. aber heute geht sichs nicht mehr aus.
Der von dir zitierte fernere Verwandte, Ezzelino III. da Romano Ezzelino III. da Romano – Wikipedia wurde wegen seiner Grausamkeit berühmt und berüchtigt, und landete bei Dante in der Hölle als einer der Tyrannen:
"Die schwarzbehaarte Stirn sieh neben diesen, Den Ezzelin – und jener Blonde dort, Ist Obiz Este, der, wie’s klar erwiesen."
Sogar die Kirche war grausam, vielleicht noch grausamer und auch von Propaganda verstand sie was… hat sie ja schließlich neu erfunden - nach den römischen Kaisern.
Du hast mich wieder nicht verstanden, oder verstehen wollen: du misst deine Meilen ab der Salurner Klause, die erst im 16.Jahrhundert zunehmend zur Sprachgrenze und politischen Grenze geworden war. Beispiel Bozen in der ersten Hälfte des 13.Jahrhundert:
Du hast es wieder nicht verstanden: ich bezog mich nur auf Salurn, weil hier die Tiroler Grafen Stellung bezogen haben. Daher können die Hinweise auf Tiroldes tanne sich wennschon nur auf Salurn bezogen haben.
Ich vermute, dass Tyrol ein Begriff der höfischen Literatur ist, ein Synomym für "fernes oder wildes Bergland"
Höfische Werbung, um den damals noch relativ unbekannten Namen Tirol bekannter zu machen (Propaganda).
Der Punkt ist doch, dass Orte schlicht fiktiv sein können, und für erfundene Ortsnamen gibt es nicht nur bei modernen Schriftstellern, sondern auch und gerade in der mittelalterlichen Epik genügend Beispiele. Ein Ort namens "Jeraspunt" hat ebensowenig existiert wie ein Ort namens "Jeroplis".
Gemäß dem analogen Wegschema von Eckenlied und Virginal (und Laurin) steht, wie gesagt, "Jeraspunt" im Umfeld von Jochgrimm, das bekanntlich existiert. Jeraspunt ist ein Name der dafür erfunden wurde oder existierte und wieder vergessen wurde.
 
Bei Tolkien geht es um kleinwüchsige Zwerge. Kleinwuchs widerspricht dem herkömmlichen Schönheitsideal. Eine kleinwüchsige C. Schiffer ist natürlich unmöglich. Hier geht es um normale schöne Frauen eines Zwergenreichs bzw. einer kleinen Grafschaft. Laurin ist klein, da er über ein kleineres Gebiet herrscht als Meinhard.
Nee, da ist schon eindeutig die körperliche Größe des Zwergs gemeint. Sein Reichtum wird dagegen oft betont.

Gemäß dem analogen Wegschema von Eckenlied und Virginal (und Laurin) steht, wie gesagt, "Jeraspunt" im Umfeld von Jochgrimm, das bekanntlich existiert. Jeraspunt ist ein Name der dafür erfunden wurde oder existierte und wieder vergessen wurde.
Sepiola hat schon sehr genau verstanden, was ich mit dem Mágina-Vergleich sagen wollte.
Ich weiß nicht, ob man Jeraspunt so segmentieren darf, dass das Morphem punt stehen bleibt. Dann wäre es aber die Brücke. Das wirst du als mutmaßlicher Südtiroler ja ganz gut wissen, du wirst ja italienisch ähnlich gut wie deutsch sprechen. Ob es die Brück von Jera sein soll, und das -s- eine Fuge, sei dahingestellt. Dann hätten wir es mit einem Hybridnamen zu tun. Aber vielleicht sollte der Name auch nur exotisch klingen. Oder erst ist mophologisch anders zu segmentieren (also anstatt Jeras|punt oder Jera|s|punt vielleicht Jera|spunt?)
Der Mons Joacrim hieß jedenfalls schon im 13. Jhdt. so.
Ich habe den leisen Verdacht, dass deine Gleichsetzung von Jeraspunt und Jochgrimm auf dem Anlaut <J> basiert und der ungefähren gleichen Länge. Das wäre allerdings ein wenig dürftig.
 
Bei Tolkien geht es um kleinwüchsige Zwerge. Kleinwuchs widerspricht dem herkömmlichen Schönheitsideal. Eine kleinwüchsige C. Schiffer ist natürlich unmöglich. Hier geht es um normale schöne Frauen eines Zwergenreichs bzw. einer kleinen Grafschaft. Laurin ist klein, da er über ein kleineres Gebiet herrscht als Meinhard.
Nicht nur Laurin wird laufend als "klein" bezeichnet, sondern es heißt auch, sein Ross sei so groß wie ein Reh gewesen (V. 165 f.). (Unter einem normal großen, gerüsteten Mann würde das doch zusammenbrechen.) Also der Dichter dachte sich Laurin eindeutig als physisch klein.
 
Nee, da ist schon eindeutig die körperliche Größe des Zwergs gemeint. Sein Reichtum wird dagegen oft betont.
Schon bei seiner ersten Erwähnung heißt es:

ich weiz einen kleinen man, dem ist vil wunders undertân, der ist kûme drier spannen lang​
ich weiß von einem kleinen Mann, dem sind viele Wunder untertan, der kaum drei Spannen (also ca. 60 cm) lang.​
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Später:
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sîn ros was ze der sîten vêch und in der groeze als ein rêch​
sein Ross war an den Seiten buntegeschckt, und von der Größe eines Rehs.​

Dass seine Herrschaft hingegen klein sei, das lässt sich am Text auch nicht festmachen, im Ggt.:

im dienent alliu wildiu lant, alliu getwerge sint im undertân​
im dient das ganze wilde Land, alle Zwerge sind im untertan​
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der vil kleine wigant
 
Sein Rüstzeug ist magisch: Seine Brünne ist in Drachenblut gehärtet, sein Gürtel verleiht ihm die Kraft von zwölf Männern (erst als es Dietrich nach Hildebrnds Rat gelingt, den Gürtel zu zerreißen, kann er Laurîn besiegen. Seine Krone ist so gestaltet, dass darauf Vögel sich befinden, die sich so verhalten, als wären sie echt. Sie bewegen sich und singen.
 
Nicht nur Laurin wird laufend als "klein" bezeichnet, sondern es heißt auch, sein Ross sei so groß wie ein Reh gewesen (V. 165 f.). (Unter einem normal großen, gerüsteten Mann würde das doch zusammenbrechen.) Also der Dichter dachte sich Laurin eindeutig als physisch klein.

Später:
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sîn ros was ze der sîten vêch und in der groeze als ein rêch​
sein Ross war an den Seiten buntegeschckt, und von der Größe eines Rehs.​
Witege sagt später noch:

er rîtet ein ros als ein geiz​
er reitet ein Pferd von der Größe einer Ziege​
 
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