Würde ich nicht so interpretieren. Hier sieht man ein paar Beispiele für Spaten/Schaufeln, manche mit gradem, manche mit rundem Blatt:
www.heraldik-wiki.de
Die Beispiele für Bäckerschaufeln hier sind länger, und überwiegend mit gradem Blatt:
www.heraldik-wiki.de
Ich würde streng zeitgenössische Darstellungen zum Vergleich heranziehen (insbesondere diejenigen vom selben Künstler), weil sich die heraldischen Konventionen wandelten. Ein Adler sieht im 13. Jahrhundert anders aus als im 15. Jahrhundert, ebenso ein Hammer, eine Rose oder sogar ein Mensch.
Auf der
gleichen Seite und in der Reihe darunter findest Du zum Beispiel einen Spaten, der konventionstypisch abgebildet ist, mit der typischen Blattform und einem metallenen Beschlag zur Verstärkung.
Spaten haben seit dem Spätmittelalter in der Heraldik immer diese Form und den Beschlag. Schippen sind am Ende gerade. Die Bäckerschaufel ist am Ende so gerundet, dass der Teig abrutschen bzw. aufgenommen werden kann. Es gibt noch ein paar andere Werkzeuge, die ähnlich aussehen, aber anders dargestellt werden, wie den Bleuel, der immer einen kurzen Griff hat, damit die Wäscherin ihn in einer Hand halten kann.
Ich sehe da beim besten Willen nichts anderes als einen Penis mitsamt Hodensack.
Gegen die Deutung als Blasebalg spricht für mich auch die Körperhaltung der Figur. Selbst wenn man sich eine Figur vorstellt, die sich selber mit einem Blasebalg Luft in den Mund bläst, wäre es viel naheliegender, diesen nicht zwischen den angewinkelten Beinen zu platzieren, sondern in den Händen, wie es sonst bei Handwerksgerät im Oberwappen auch der Regelfall wäre.
Ich denke aber mehr an eine herausgestreckte Zunge einer ursprünglich anders gestalteten Wappenzierde. Das heutige Wappen von Romoos zeigt ja einen Bärenkopf mit ziemlich prominenter, wenn auch nicht ungewöhnlicher Zunge.
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Aus der Webseite der Gemeinde: Der Bär stand im Wappen der Edelknechte von Bärenstoss, heute Bergstoos, die von 1273 bis 1426 den Freiherren von Wolhusen dienten.
Dieser Bärenkopf könnte auch mal über dem Wappen und auf dem, was Tschudi gesehen hatte, nicht mehr klar erkennbar gewesen sein.
Interessanter Vorschlag, aber offen gesagt, erscheint mir das sehr abwegig. Die Alternative, die Dir vorschwebt, scheint mir nicht so speziell, dass der Künstler sie hätte derart missverstehen können. Bären tauchen durchaus nicht selten in Oberwappen auf, gerade auch im Schweizer Raum.
Nebenbei gefragt: Stammen denn die Zeichnungen in Cod. Sang. 1085 von Tschudi selbst?
Erschwerend kommt noch hinzu: In Cod. Sang. 1085 findet sich eine zu 99% explizite Darstellung, die im jüngeren Cod. Don. 499 ist zu 100% explizit. Heraldischen Details kam zu jener Zeit eine immense Bedeutung zu. So konnte etwa die Weglassung des Geschlechts bei einem männlichen Wappentier eine tödliche Beleidigung darstellen. Man kann meiner Meinung nach jedenfalls ausschließen, dass die Künstler in beiden Fällen sich ihrer Deutung nicht völlig sicher waren, sonst hätten sie es nicht gewagt, einer ehrbaren Familie im Wappen ein solches Attribut beizulegen.
Die Helmzier ist echt kurios. Ob die noch wirklich auf einem Helm getragen wurde, oder nur auf dem Papier existierte?
Gute Frage. Möglich scheint es. Mitte des 16. Jahrhunderts hatte das Turnierwesen in Europa seine letzte Blüte, Helmkleinodien wurden damals durchaus noch getragen.
Und was würd passieren, wenn sich ein Reenactor oder LARPer heute daran ein Beispiel nehmen würde?
Nach meiner Erfahrung mit diesen Kreisen: Drei Viertel würden ihm zornig vorwerfen, Unfug zu treiben, und für ein Viertel wäre er der Held des Tages.
Was schade ist, gerade solche Funde machen das Mittelalter für mich so spannend. Es zeigt mir wieder, dass unser von den Romantikern stammendes Mittelalterbild mit Keuschheitsgürtel und kirchlicher Sittenstrenge einfach falsch ist.