19.4.1943 - Aufstand im Warschauer Ghetto

Dieses Thema im Forum "Das Dritte Reich" wurde erstellt von ursi, 19. April 2007.

  1. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Heute vor 64 Jahren begann im Ghetto von Warschau die letzte Aktion. Es war der Tag des jüdischen Pessachfestes, als um vier Uhr am Morgen die deutschen Truppen das Ghetto stürmten um es “judenfrei” zu machen. Zu dieser Zeit lebten noch ca. 56 000 Menschen hinter den 18 Kilometerlangen Mauern des Ghettos. Das Warschauer Ghetto wurde von den Nationalsozialisten am 15. November 1940 wegen angeblicher Seuchengefahr eingerichtet. Es wurden aber nicht nur Juden aus Warschau hinter die Mauern gesperrt, sondern sie pferchten auch Juden aus der Region und andern Ländern in das Ghetto. In der Spitze lebten 445 000 Menschen in diesem hermetisch abgeriegelten Gebiet im Stadtzentrum. Die Überbevölkerung und Hunger lösten Typhus und Gelbfieber aus. Die Sterberate lag bei 6 000 Menschen in einem Monat. Im Juli 1942 begannen die Nationalsozialisten das Ghetto zu räumen, bis zum April 1943 wurden 300 000 Menschen nach Treblinka und andere Vernichtungslager deportiert. Am 19. April sollten nun die letzten aus dem Ghetto gebracht werden, mit einem Widerstand rechnete die SS nicht. 750 spärlich bewaffnete Kämpfer setzten sich gegen die Übermacht der SS zu wehr. Marek Edelmann, einer der Anführer sagte: ” Wir haben sie erwartet und waren bereit, uns zu verteidigen.” Der Überraschungsmoment war auf der Seite der Widerstandskämpfer, 200 SS-Männer wurden getötet, der Rest zieht sich zurück. In den ersten Tagen des Aufstandes konnten die Kämpfer die Angriffe zurückschlagen, doch gegen die zahlenmässig und besser bewaffnete SS hatten sie am Ende keine Chance. Die Nazis begannen das Ghetto systematisch in Brand zu stecken um so die Aufständischen aus ihren Verstecken zu locken. Am 8. Mai 1943 umzingeln deutsche und ukrainische Einheiten das Hauptquartier der Aufständischen an der Mila-Strasse 18. Die übriggebliebenen 120 Kämpfer lieferten sich noch einen zweistündigen Kampf mit den Deutschen, denn keiner wollte sich lebend ergeben.

    Insgesamt forderten die Kämpfe 12.000 Opfer. Weitere 30.000 Menschen wurden nach den Kämpfen erschossen, 7.000 in Vernichtungslager transportiert.

    Quelle der Daten: Enzyklopädie des Nationalsozialismus von Wolfgang Benz
     
  2. kwschaefer

    kwschaefer Aktives Mitglied

    Der Ghetto-Aufstand brach nicht mehr oder weniger spontan aus, sondern er war, soweit die Umstände dies zuließen, gut vorbereitet.

    Die erste große Deportationswelle lief von Juli bis zum 6. September 1942.

    Danach wurden Gerüchte über die Vernichtung im Ghetto bekannt, und es bildeten sich zwei Widerstandsorganisationen unterschiedlicher politischer Herkunft. Die eine wurde vom sog. Antifaschistischen Block und kleineren, im Ghetto tätigen Untergrundgruppen gebildet, die ZOB Zydowska Organizacja Bojowa, etwa Jüdische Kampforganisation, geführt von dem 23-jährigen Mordechai Anielewicz. Die rechtszionistische Partei im Ghetto bildete eine weitere Organisation, die ZZW Zydowski Zwiazek Wojskowy, etwa Jüdische Kampfunion. Zwischen beiden Gruppierungen bestanden zunächst erhebliche Spannungen, doch entschlossen sie sich gegen Ende 1942 zur Zusammenarbeit, um gemeinsam gegen die Zerstörung des Ghettos Widerstand zu leisten.

    Im Januar 1943 sollten die Deportationen wieder aufgenommen werden. Eine Anzahl jüdischer Kämpfer mischte sich in eine Kolonne von Juden, die zum Verladeplatz eskortiert wurden und griffen auf ein verabredetes Zeichen die deutschen Wachmannschaften an. Wegen dieses unerwarteten Widerstandes wurde diese Deportationswelle nach Abtransport von 5000 Juden abgebrochen und die deutschen Truppen zogen sich nach wenigen Tagen aus dem Ghetto zurück.

    Nach diesem Erfolg glaubten ZOB und ZZW, dass sie die Deportationen mindestens aufgehalten hätten und begannen mit Unterstützung der Bevölkerung ein Netz von unterirdischen Bunkern und Unterständen anzulegen. Damit wollten sie sich auf einen erneuten, härteren Widerstand vorbereiten, sollten die Deutschen mit der endgültigen Deportation der verbliebenen Ghetto-Einwohner beginnen, Daneben gelang es ihnen, weitere Waffen in das Ghetto einzuschmuggeln., wobei es der, allerdings kleineren, ZZW dank ihrer besseren Verbindungen zur polnischen Heimatarmee gelang, sich eine weitaus bessere Bewaffnung zu verschaffen.

    Als die Deutschen am 19. April 1943 ins Ghetto einmarschierten, um die Deportationen wieder aufzunehmen, war dies das Signal zum Beginn des Ghetto-Aufstandes. Alle organisierten Widerstandseinheiten von ZOB und ZZW unterstellten sich dem Kommando von Mordechai Anielewicz. Während der ersten zwei Tage führte Anielewicz seine Kämpfer in Straßenkämpfen, doch wurde der organisierte militärische Widerstand bis zum 23. September gebrochen, nachdem am dritten Tage die Truppen unter dem SS-Gruppenführer Jürgen Stroop begannen, das Ghetto Haus für Haus niederzubrennen. Die Kämpfer von ZOB und ZZW führten immer wieder sporadisch überfallartige Aktionen aus ihren Bunkern heraus durch, doch die systematische Zerstörung der Gebäude schränkte ihre Aktionsmöglichkeiten immer mehr ein.
    Am 8. Mai 1943 griffen die deutschen Truppen den Kommandobunker von Anielewicz an und töteten ihn und die bei ihm verbliebenen Kämpfer. Einzelne Kämpfer und kleine Gruppen kämpften noch weiter. Manchen kleinen Gruppen gelang es auch, aus dem Ghetto zu fliehen. Am 16. Mai 1943 ließ Stroop, als Symbol des deutschen Sieges, die Große Synagoge zerstören.
     
  3. Bartek

    Bartek Aktives Mitglied

    Żydowski Związek Wojskowy (Judischer Militar-Verband) wurde in Oktober 1939 von ehem. Offiziere der polnischen Armee gegrundet, die die judische Herkunft gehabt haben. Politisch war ŻZW recht-ŻZW hat immer auf dem Kontakt mit dem polnischen Untergrund basiert. ŻZW hat seine Abteilungen in Lwów, Lublin, Stanisławów und Warschau gehabt. Die Haupt-Aufgabe von ŻZW war am Anfang der Schmuggel der judischen Freiwiligen nach Frankreich (und spater England), wo die polnische Exil-Armee gegrundet wurde.

    AK hat die ersten Guerilla-Kurse fur die judischen Kampfer in 1942 organisiert. Aber die Soldaten von ŻZW haben die Waffen von dem polnischen Untergrund schon in 1939 bekommt. Wahrend dieser Kurse haben die Juden vor allem gelernt wie die Bunkern zu bauen und wie die verschiedenen Waffen-Gattungen selbstandig zu produzieren, zB. MP "Błyskawica", die Kopien von MP Sten, Handgranaten "Filipinka" und "Karbidówka"; Flammenwerfern und Minnen. Um 150 ŻZW-Soldaten wurden von AK bewaffnet und waren in AK-Struktur als die selbststendige Truppe.
    ŻZW war wahrscheinlich der haupte Organisator des Aufstands in Ghetto. Sie haben fruher das Tunnel-Netz vorbereitet und schon wahrend der Aufstand haben die wirksamen Angriffe auf der "arischen" Seite organisiert (zB. 1 Panzer wurde zerstort). ŻZW-Soldaten haben in dem grossten Schlacht des Aufstands gekampft: 19-22. April haben SS-Truppen das Gebaude auf Muranowski-Platz 17 zu erobern versucht haben, wo ŻZW sein Stab gehabt hat. Wahrend dieses Schlachts hat sich besonders Józef Lejbski ausgezeichnet, der selber ein Gross-Kaliber-Maschingewehr in Ghetto gesmuggelt hat. Die einigen Quellen stellen fast, dass Mieczysław Apfelbaum, Paweł Frenkel, Leon Rodal und Dawid Wdowińsk von ŻZW die richtigen Aufstand-Fuhrern in Ghetto waren, nicht Mordechaj Anielewicz von ŻOB.
    Bis 1942 gab es um 500 Soldaten in ŻZW, die in zwei Kompanien (250 Manner) geteilt wurden. Direkt vor dem Aufstand war die Anzahl der Soldaten aber um 1500.
    Fast alle ŻZW-Soldaten sind gefallen. In dem Aufstand haben auch die Polen gekampft haben - die AK-Soldaten unter Hauptmann Henryk Iwański.

    Nach 1945 haben die Kommunisten intensiv versuchen, um das Gedachtnis von ŻZW zu zerstoren. Die sozialistische ŻOB wurde von ihnen stark als die haupte judische Organisation wahrend des Krieges in Medien reklamiert. ŻZW war politisch stark recht und fast ganz mit AK verbunden, was die Kommunisten nicht akzeptieren konnten.
    Was ist besonders traurig - auch die ŻOB-Kampfern (M.Edelmann zB) haben uber ZŻW mit der richtige Verachtung geschrieben. Die beiden Kampf-Organisationen waren immer in starkem Konflikt.

    Die Frage, wie die Teilnamen von ŻOB und ŻZW wahrend des Aufstands proporzionell ausgesehen haben ist bis heute noch geoffnet. Auch die israelischen Historiker konnen eindeutig nicht antworten. Teil von ihnen glauben, dass das Mythos von starkem, gut bewaffnetem, zahlreichem und gut organisiertem ŻZW einfach fur die Grunder des Israel-Staat sehr brauchbar war.

    Nur drei ŻZW-Fuhrern haben den Krieg ubergelebt : Józef Celmajster, Kałmen Mendelson und Dawid Wdowiński.


    Literatur:
    And we are not saved Dawid Wdowiński
    Masada w Warszawie Chaim Lazar-Litai
    Muranowska 7 Chaim Lazar-Litai
    Prawda o powstaniu w getcie warszawskim Aleksander Swiszczew, "Shalom New York"
    Zmienne oblicze pamięci. Kto obronił Getto Warszawskie? Moshe Arens, "The Jerusalem Post"
     
  4. Gudula

    Gudula Neues Mitglied

    Warschauer Ghetto

    Liebes Forum,

    Ich muss einen Vortrag über das Warschauer Ghetto in Religion halten.

    Bei Wikipedia habe ich jetzt gelesen, dass der Judenrat die Einrichtung eines eigenen Stadtteils forderte.

    Zwei Zeilen später steht aber, dass die deutschen 1940 die Errichtung eines Ghettos durchsetzten.

    Das finde ich widersprüchlich, könnt ihr mir erklären, wer die treibende Kraft bei der Errichtung des Ghettos war?

    Vielen Dank! :winke:
     
  5. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

  6. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Es gab vor der Besetzung durch die Deutschen schon ein Jüdisches Viertel in Warschau so wie auch in vielen anderen Osteuropäischen Städten. Nach der Besatzung wurde jedoch die komplette jüdische Bevölkerung dort konzentriert und das Ganze ummauert, womit es den Charakter eines mittelalterlichen Ghettos annahm. Dazu gab es ein Dekret vom deutschen Generalgouverneurs Hans Frank.
     
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  7. rinoabutzile

    rinoabutzile Neues Mitglied

    Ich komm da jetzt auch nicht ganz mit. Ich hab den Artikel gelesen, aber da steht nichts davon, dass der Judenrat einen eigenen Stadtteil forderte. Steht das in einem anderen Artikel? In welchem?

    Nichtsdestotroz kann ich mir nicht vorstellen, dass der Judenrat den Schneid bzw. das Recht hatte, etwas von den Deutschen zu fordern. Schließlich war der Rat komplett den Deutschen unterstellt.

    Und ansonsten wurde meines Wissen der Bau des Warschauer Ghettos ausschließlich von den Deutschen initiiert und vorangetrieben.
     
  8. Gudula

    Gudula Neues Mitglied

    Ich meinte den Artikel vom Aufstand im Warschauer Ghetto sorry!

    Das zitierte finde ich widersprüchlich, weil erst gesagt wird, dass der Judenrat ein jüdischen Wohnbezirk einrichten lassen wollte, dann steht da aber, dass die deutsche das durchsetzten.

    Liegt dass jetzt daran, dass der Judenrat in Wirklichkeit von den deutschen kontrolliert wurde?
    :winke:
     
  9. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Das "diese" bezieht sich auf die deutschen Besatzer....
     
  10. rinoabutzile

    rinoabutzile Neues Mitglied

    Aah, jetzt verstehe ich. Mit "wollten diese" ist nicht der Judenrat gemeint, sondern die deutschen Besatzer. Lies dir den Satz vor deinem Zitat noch einmal genau durch:

    "Der neu gegründete Rat konnte nicht richtig arbeiten, sie konnten fast keine karitativen Einrichtungen unterstützen, die Mitglieder wurden zum Instrument der deutschen Besatzer. Schon 1939 wollten diese einen jüdischen Wohnbezirk, oft Ghetto genannt, in Warschau errichten lassen."

    Es ist also kein Widerspruch ;)
     
  11. Gudula

    Gudula Neues Mitglied

    Ah. Jetzt habe ich das verstanden. Dankeschön!
     
  12. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    @Gudula

    Das Thema "Judenrat" oder auch Sonderkommandos ist sehr emotionsgeladen und m.E. sehr sensibel zu behandeln; vllt. liest Du Dich hier ein:

    Die Judenrat-Frage:Tragisch überfordert oder ewig schuldig?

    @Mod., sorry, die website ist politisch nicht ganz unabhängig, aber ich denke dieser Artikel ist ziemlich o.k. zum Thema.
     
  13. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    shoa.de darf man hier ruhig zitieren. Diese Seiten sind historisch sehr gut aufgearbeitet. Also kein Problem.
     
    Zuletzt bearbeitet: 28. Dezember 2009
  14. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Allgemein zu den Judenräten:

    In den von Deutschland besetzten Gebieten und vor allem in den jüdischen Ghettos im Osten wurden auf Anweisung der deutschen Behörden Vertretungen gebildet. Die Judenräte hatten zwischen 12 und 24 Mitgliedern und waren sowohl für die interne Verwaltung der Gemeinden und Ghettos verantwortlich, dazu gehörten zum Beispiel Verteilung von Wohnraum und Nahrungsmittel oder die Alten- und Krankenpflege, als auch für die Durchführung der Anweisungen der deutschen Behörden. So wurden die Judenräte auch zur Vorbereitung von Deportationen und deren Abwicklungen herangezogen.

    Hier ein Interview mit dem Historiker Raul Hilberg.:

    Interview mit Raul Hilberg
     
  15. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Der Ghettobeschluß läßt sich dem Diensttagebuch des Generalgouverneurs in Polen (Frank) entnehmen: Die "Billigung" dieser Maßnahme auf Vorschlag von Gouverneur Dr. Fischer durch Frank stammt vom 7.11.1939.

    Das Ghetto ist dann auch Thema der Dienstbesprechung des Wirtschaftsrats vom 6.6. und 7.6.1940 in Krakau (Quelle: Diensttagebuch). Dort wird die Einsperrung des Warschauer Ghettos beschlossen, angeblich "um die Ernährungsfrage in den Griff zu bekommen".
     
  16. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Die Behandlung des Ghettos durch die deutsche Besatzung steht auch in Zusammenhang mit den übrigen nationalsozialistischen Plänen, betreffend Gesamt-Warschau.

    Warschau war bereits durch die Kriegshandlung, insbesondere den Artilleriebeschuss und die Bombenangriffe, im September 1939 schwer getroffen worden. Ganze Stadtteile waren Trümmerfelder. Am 6.10.39 nahm Hitler dann persönlich die Siegesparade in den Straßen von Warschau ab, am 8.10. folgte der Erlaß über Gliederung und Verwaltung im besetzten Polen. Gouverneur des "Distrikts Warschau" wird SA-Gruppenführer Fischer. Bei einem persönlichen Gespräch mit Frank verfügt Hitler am 4.11.39 den "Nicht-Wiederaufbau der Stadt". Die Stadt ist zu verkleinern und ihres Status als Mittelpunkt der Polnischen Republik zu "entkleiden".

    Stadtpräsident Dengel läßt daraufhin Pläne von seinen Würzburger Stadtplanungskollegen (u.a. Würzburger Tief- und Hochbauamt, dazu Beamte des Würzburger Rathauses/Finanzabteilung, des Schulwesens etc.) betreiben.

    Die Planungsmappe der Würzburger entstand 1939/40, sie wurde allerdings durch den Ablauf der Ereignisse überholt. Der Entwurf vom 6.2.1940 sah die Vernichtung des Großteils der Stadt vor mit Schrumpfung der Einwohnerzahl von einer Millionenstadt auf 40.000 (!), die kleinen Reste geradezu umkreist von Durchgangs-Magistralen für Straßen- und Schienenverkehr. Diese Pläne wurden durch die Ereignisse überholt, inzwischen sah man lt. Frank "das Generalgouvernement als wertvollen Bestandteil des deutschen Lebensraumes".

    Ab 1940 änderte sich die Zielrichtung der Planungsabteilungen: nun sollte Warschau zu einer deutschen Stadt werden (Planungen der Gruppe PAU bzw. Leitung Oberbaurat Papst, zuvor in Posen und Lodz). Die Entwürfe zogen sich bis 1943 hin und betrafen stets die Teile Warschaus auf dem westlichen Weichselufer. Bereits 1940 - im Zuge der ersten Planungen unter der geänderten Konzeption - wird dann die Behandlung des jüdischen Ghettos angesprochen. Dieses sollte auf die östlich der Weichsel liegenden Stadtteile bezogen werden. Hier liegt eine Kontinuität der Planungen vor, denn selbst die "Würzburger" Vernichtungsplanungen sahen in den östlichen Resten der Stadt zwei Ghetto-Bildungen vor.

    Noch während der großen Umsiedlungsaktionen Oktober 1940 ordnete Fischer die Teilung der Stadt in drei Wohngebiete an. Die darin - neben der jüdischen Ghettobildung - vorgesehene Trennung der deutschen und polnischen Wohngebiete wurde jedoch wegen des Krieges nie vollzogen. Als Ergebnis auch der Umsiedlungen wurde 1941 von deutschen Dienststellen die Zahl der jüdischen Ghettobewohner auf 470. - 590.000 (!) geschätzt. Die Bevölkerungsdichte pro qkm betrug damit im Ghetto über 100.000 (für den Rest der Stadt ca. 38.000/qkm).

    Im März 1941 wurde dann ein Reichskuratorium für Wirtschaftlichkeit in Krakua tätig und untersuchte den "jüdischen Wohnbezirk Warschau" (also das gebildete Ghetto). Es entstand ein 55-seitiger Wirtschaftsbericht mit dem Titel "Die Wirtschaftsbilanz des jüdischen Wohnbezirkes in Warschau", der Grundlage für die weiteren Maßnahmen der deutschen Besatzungsmacht werden sollte.

    Nach dem Bericht hielt man es "für ausgeschlossen, dass der j.W. schnell zu liquidieren sei" und man rechnete aus, dass man einen "jährlichen Zuschuss von mindestens 55 Millionen Reichsmark braucht", wenn man "die Insassen des j.W. am Leben erhalten will". Der Lösungsvorschlag des Wirtschaftskuratoriums: "eine Unterversorgung eintreten zu lassen, ohne Rücksicht auf die sich ergebenden Folgen" und gleichzeitig "Konzessionen auf die jüdische Arbeitskraft an die - hauptsächlich deutschen - Privatfirmen zu vergeben." (Unterschrift: Gater/Meder). Dies war im Kern bereits eine Vernichtungsplanung für das Ghetto. Die Konzeptionen wurden auf den Sitzungen des GG im April 1941 gebilligt: die "Ökonomisierung" des Ghettos Warschau zwecks seiner langsamen Liquidierung.

    Gutschow/Klein: Vernichtung und Utopie - Stadtplanung Warschau 1939-1945, 1994.
     
  17. Gudula

    Gudula Neues Mitglied

    Danke für die Erklärungen!

    Am 22. Januar 1943 wurden die Deutschen von den Widerständler mit Partisanentaktiken angegriffen.

    Der Satz steht im Wikipedia Artikel:Aufstand im Warschauer Ghetto.

    könnt ihr mir erklären, was man unter Partisanentaktiken versteht?

    Vielen Dank.
     
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  18. Treibsand

    Treibsand Neues Mitglied

    Kampfmethoden wie Attentate ; Hinterhalte ; Sprengungen bzw.Sprengfallen ; Überfälle; Brandlegung , Scharfschützen........bis hin zu Vergiftungen etc.

    Nur so ganz allgemein.
     
  19. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

  20. Anselm

    Anselm Aktives Mitglied

    Ein angenehmer Irrtum.

    Man könnte zusammenfassen, dass Partisanentaktiken alle Kampfmethoden umfassen, die aus dem Hinterhalt heraus geführt werden. Der Gegner weiß also zunächst nicht, wo die Partisanen sind.

    Partisanen bauen auch keine dauerhafte Front, also Kampflinie, auf, sondern tauchen "mal hier, mal da" auf.

    Dementsprechend sind sie nicht mit schwerem Gerät, wie Flugzeugen oder Panzern gerüstet, da sie diese schlecht verstecken können.

    Da Partisanengruppen keiner Armee zugehören und sich selbständig im Feidesland gründen, sind sie in der Regel nicht gut ausgebildet und haben - wie im Warschauer Ghetto - manchmal sogar so wenig Waffen, dass nicht jeder Kämpfer eine erhält.

    Wenn du dich weiter für das Thema interessieren solltest, dann kannst du dir mal ansehen, wie die Kämpfer der Résistance in Frankreich gekämpft haben.
     

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