Dariush.
Ich kann dich verstehen. Es gibt immer wieder Verfilmungen voller Klischees und Feindbilder über oder mit Menschen aus dem Nahen Osten. Das ist allgemein sehr schade. (Wir müssen aber aufpassen, nicht zuuu politisch zu werden, da es hier unerwünscht ist.

)
Ich differenziere hier aber:
1. Wie ich oben schon schrieb, bin ich
persönlich beim Medium
Spielfilm was diese Klischees betrifft nicht sooo empfindlich. Ich nehme es erstens kaum einmal persönlich, zweitens ist der Spielfilm für mich in erster Linie Fiktion, Fabel, Kunst, usw. (Natürlich weiß ich um die immense Wirkung des Mediums Spielfilm auf die Meinungsbildung der breiten Masse, aber das ist nicht mein Bier...

)
Zwei Beispiele:
Vergiss bitte nicht: Es gibt zahlreiche Spielfilme aus Hollywood im letzten Jahrhundert, in denen wir Deutsche immer nur als Bösewichter dargestellt wurden.
So what? "Das tangiert mich peripher...", wenn es denn ein gut gemachter Film war. Vielleicht bin ich in diesem Punkt kein Mensch mit Nationalgefühl, im Gegensatz zu meinen Gefühlen zur deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Vielleicht ist das ein Problem des Nationalstolzes? Denn wie gesagt, es gibt Massenhaft Filme, wo gerade wir Deutsche wahrlich verunglimpft werden, die trotzdem keinen großen Aufschrei hier erzeugt haben. Vermutlich eine Auswirkung unseres dunklen historischen Erbes.
Es gab hunderte Western, in denen die Indianer immer als Bösewichter und/oder voller Klischees dargestellt wurden, doch ich erkenne an, wenn es ein gut gemachter Film ist. Manche Western sind ja trotz des fragwürdigen Inhalts Meisterwerke der Filmkunst. Ein Film ist oft dann gut, oder funktioniert dann emotional besonders intensiv, wenn der Antagonist, der Bösewicht besonders gut dargestellt ist, besonders böse ist, wobei mir persönlich für meinen Filmgenuss es erstmal egal ist, ob nun der Indianer der böse ist, oder der Cowboy. Entscheidend für mich ist die Qualität des Films, seine Dramaturgie, glaubwürdige Darstellung, etc.
Wenn ich ein Gemälde sehe, dann bin ich vielleicht auch begeistert von der künstlerischen Qualität, von der meisterhaften Lichtführung, dem Pinselschwung, der künstlerischen Innovation, der Ausdruckskraft, selbst wenn z.B. die "Orientalen" in der "Seeschlacht von Lepanto" als bösartige Monster dargestellt werden, historisch falsch gekleidet sind, usw. Dieses vermiest mir jedenfalls nicht meinen Respekt für den Meister Raffael, für Mozart mit seiner klischeehaften "Entführung aus dem Serail", usw. Gleiches gilt natürlich auch für Meisterwerke der bildenden Kunst, in denen wir Deutsche blöd aus der Wäsche schauen...
2. Anders sieht es bei mir persönlich bei dem Medium der
Dokumentation und der allgemeinen
Berichterstattung aus. Da ist der Anspruch meist anders gelagert. Wenn dort eine Dokumentation z.B. von Peter Scholl-Latour oder anderen voller Feindbilder steckt, voller Klischees, voller Subjektivität steckt, dann ärgere ich mich auch. Oder eine historische Dokumentation voller Fehler steckt, oder in einer Reisedoku Aphrodisias gezeigt wird, aber peinlicherweise mit Milet verwechselt wird.
Oder wenn in den täglichen Nachrichten von einem neuen Ausländergesetz berichtet wird, und dann z.B. immer als Filmbeitrag der Markt gezeigt wird, und die obligatorischen muslimischen Frauen mit Kopftuch abgefilmt werden, oder ihren Run beim Sommerschlussverkauf. Dieses hat auf Dauer eine verheerende psychologische Wirkung beim Zuschauer, und es wäre zu wünschen, wenn die TV-Sender vielleicht mal bei einem solchen Beitrag stattdessen eine orientalische Disko mit bauchnabelfreien Tanzenden zeigt, oder "ausländische" orientalische Vorstandsvorsitzende bei einer Tagung, oder in einem Krankenhaus die ausländischen Ärzte bei der Visite zeigt. Oder eine Fußballmannschaft. Aber nein, das wäre ja nicht so plakativ und der Zuschauer fragt sich vielleicht, wo sind denn da Ausländer.

Also das verantwortungsbewusste Spannungsfeld zwischen Manipulation und Aufklärung in den Massenmedien sehe ich für mich kritischer an, als es bei Spielfilmen und Theater für mich ist.
Außerdem schau mal z.B. ägyptische historische Filme an, wie dort wir Europäer dargestellt werden. (Kabel-TV, Satellit, Internet sei Dank) Oft voller Louis de Funes oder grober Menschenschlächter, usw...

So what?
Nochmals betone ich, dass ich mir bewusst bin, welche (gefährliche) Wirkung solche Spielfilme auf das ägyptische Publikum hat, auf das westliche Publikum hat, wie Feindbilder produziert werden, gefestigt werden, auf
beiden Seiten, aber ich kann es
für mich jedenfalls nicht zu eigen machen. Ich weiß eben, dass die Indianer nicht so waren, ich weiß eben, dass wir Deutsche nicht nur so sind, wie z.B. in den James Bond Filmen, usw.
Vielleicht kann ich deshalb einen guten Spielfilm trotzdem genießen und dabei lachen. (Wobei ich dabei nicht das Gefühl habe, über mich selbst zu lachen, wenn Deutsche dort lächerlich gemacht werden).
Ich vermute, dass leider viele Menschen meine Ansicht oder meine Empfindungen nicht teilen, wenn man sich die Kontroversen von dem türkischen Film "Tal der Wölfe" mal anschaut, auf beiden Seiten des Mittelmeeres...
Das Nationalgefühl wird wohl noch lange eine Rolle bei der Beurteilung von Spielfilmen spielen.
Aloha, LG lynxxx