Aberglaube im MA

Dieses Thema im Forum "Das Papsttum" wurde erstellt von Anabell, 5. April 2008.

  1. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Das ist jetzt aber eine semantische Spitzfindigkeit.
    Die Welt erkennen (im Sinne von Erkenntnis) und die Welt begreifen. Wo liegt da der Unterschied?
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. Mai 2008
  2. Lukrezia Borgia

    Lukrezia Borgia Moderatorin

    Begreifen beinhaltet zwingend eine Verstandesleistung, erkennen nicht. Der Buchtitel spricht nicht von Deinem Sinn von Erkenntnis.
     
  3. hyokkose

    hyokkose Gast

    Darüber hinaus liegt ein Unterschied in de DeSilvas Pochen auf "Alle Vorgänge in der Welt..."
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 25. Mai 2008
  4. fingalo

    fingalo Aktives Mitglied

    Ich erinnere mich schwach, die Leitsätze von @deSilva in populärwissenschaftlichen Büchern aus dem Ende des 19. Jh. gelesen zu haben.

    Schon der Satz "von nichts kommt nichts" mit allen Ausformungen der Erhaltenssätze ist ja ins Schleudern gekommen, seitdem sich mit guten Gründen sagen lässt, dass es ein "Nichts" gar nicht gibt.:fs:

    Und so geht es mit allen diesen Sätzen.

    Aber eines ist ja wohl richtig: Wie haben zwei unterschiedliche Betrachtungsweisen des Seienden: Das eine Mal die funktionale Betrachtungsweise, mit Hilfe derer wir in der Lage sind, ein Auto zu bauen und einen Kaffee zu kochen. Das andere Mal versuchen wir die Wahrheit über das Sein zu ermitteln und stoßen dabei auf immer mehr Beobachtungen, die sich gegenseitig eigentlich ausschließen sollten. Dazu werden Theorien über Räume, die mehr als drei Dimensionen haben, entwickelt usw. Beide Betrachtungsweisen entfernen sich zusehends voneinander. Mit den Experimenten zur Wahrheitsfindung (was immer das sein mag) am CERN oder sonstwo kann man keinen Kaffee kochen.

    Wenn man Gott als ein Wesen außerhalb der Welt definiert (weil er der Schöpfer eben dieser Welt sein soll), dann drängt sich die Frage auf, was denn die "Welt" eigentlich alles umfasst, wenn sie weit über das hinausgeht, was man anfassen, messen und wiegen kann. Man kann sie gar nicht mehr inhaltlich definieren sondern müsste eigentlich sagen: "Welt" ist alles, was vor ca 16 Milliarden Jahren begann und irgendwann aufhört zu sein - im Gegensatz zu Gott, dem man Zeitlosigkeit zuschreibt.

    Deshalb scheint mir die Frage angebracht, was denn nach deSilva die innere Substanz des Glaubens sein soll.
     
  5. deSilva

    deSilva Neues Mitglied

    Na, das ist doch schon mal etwas :)

    Ja, es sind Glaubenssätze.. Die muss man eben glauben - oder auch nicht :)

    Ganz so abgedreht ist das nicht... Z.B, würde keine GPS-Positionierung richtig sein, wenn die Allgemeine Relativitätstheorie einen schwerwiegenden Fehler hätte...

    Wenn das von mir angerissene Glaubenssystem konsistent sein soll, dann darf es keinen Gott geben, weil man dadurch in eine "unheilige" Rekursion käme ("... und wo kommt Gott her?"). Ein Glaubenssystem muss aber nicht notwendigerweise konsistent sein. Solange Gott nur und ausschließlich als "erster Beweger" in Erscheinung tritt, mag es auch hingehen. Dass er aktiv und willkürlich auf den Lauf der Welt Einfluss nimmt, ist für viele Naturwissenschaftler nicht akzeptabel....

    Was meinst Du mit "innerer Substanz"? Ich habe nur ein mögliches Regelwerk für einen "nicht-totalitären Materialismus" vorgestellt :)
    Dies mit dem Ziel aufzuzeigen, dass es in den Naturwissenschaften ohne "Glauben" auch nicht geht....
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. Mai 2008
  6. deSilva

    deSilva Neues Mitglied

  7. fingalo

    fingalo Aktives Mitglied

    Da ist auch die Grenze.

    Der Fehler in diesen Ausführungen liegt darin, dass hier "Gott" als Erklärungsbaustein für die Welt verwendet wird. Das hat in der Geschichte dazu geführt, dass es zu einem Verdrängungsprozess kam. Je mehr die Naturwissenschaftler erklären konnten, desto weniger Raum blieb für Gott, was bei hinreichender Extrapolation zu dessen Abschaffung führen muss, weil er für die Erklärung des Soseins der Welt nicht mehr gebraucht wird. Da haben sich die Materialisten der Aufklärung eine Strohpuppe aufgebaut, die sie dann genüsslich abfackeln (wobei die christlichen Religionen des Abendlandes eifrig mitgewerkelt haben).

    Die Frage lautet zunächst einmal schlicht, ob das Seiende mit dem Erfahrbaren/Erkennbaren kongruent ist. Dafür gibt es keinen Beweis, kann es nicht geben, weil die Existenz von nicht Erkennbarem nicht gezeigt werden kann, ohne dass damit eine Aussage über dessen Existenz verbunden werden kann. Wenn es Nichterkennbares gibt, so gibt es dieses, ohne dass dieses irgendeinen Erklärungswert für etwas Seiendes hat. Ein Stein auf der Rückseite des Mondes 1 m unter der Oberfläche ist oder ist nicht völlig unabhängig davon, ob damit irgendetwas erklärt werden könnte. Und so ist es auch mit Gott.

    Es spricht nun viel dafür, dass das Erkennbare nur einen Teil des Seienden umfasst.

    Dem liegt eine Begriffsverwirrung zu Grunde (Glaube = Für-wahr-halten).

    Natürlich halten sowohl Naturwissenschaft als auch Religion ihre Aussagen und Sätze für wahr. Aber der Inhalt ist prinzipiell verschieden. Das ist aber nicht das Entscheidende. Entscheidend ist vielmehr die Konsequenz.

    Dies lässt sich am Begriff des Zufalls darlegen: Er ist ein naturwissenschaftlicher Begriff, mit dem Ereignisse beschrieben werden, für die wegen der Unschärferelation keine Gesetzmäßigkeit (außer der statistischen) gefunden werden kann. Das heißt, es gibt keine Möglichkeit zu sagen, warum ein bestimmter Prozess zu einem bestimmten Zeitpunkt in einer bestimmten Weise stattfindet. Aber es gibt einen Grund; denn von Nichts kommt nichts. Dieser Grund ist aber endgültig der Erkenntnis entzogen, woraus sich ergibt, dass es prinzipiell der Erkenntnis Entzogenes gibt, also das Seiende mehr ist als das Erkennbare. Das ist nun so gewiss wie, dass die Wurzel aus 2 nicht durch einen Bruch dargestellt werden kann. Wenn man solches als Glaubenssätze, bloß weil man sie für wahr hält, bezeichnet, dann hat man den Begriff des Glaubens wie Hyokkose schon schrieb, so weit ausgedehnt, dass er zu nichts mehr taugt.
    Religion kann aber Zufall nicht akzeptieren. Sie (jedenfalls die christliche) personalisiert das Reich des prinzipiell Unerkennbaren. Und ohne dass irgendein Naturgesetz überhaupt auch nur tangiert würde, kann dieses Unerkennbare, das in der Welt ubiquitär ist, den Lauf der Dinge in begrenztem Umfang beeinflussen, indem es die Wahrscheinlichkeit der "zufälligen" Prozesse verändert, was sich aber auf lange Sicht wieder ausgleicht. Da sich dies alles aber hinter der unüberwindbaren Schranke der Unschärferelation abspielt, ist es weder erkennbar, noch kann es zu irgendeiner Erklärung herangezogen werden.
    In beiden Fällen handelt es sich um Interpretationen vorgefundener Beobachtungen, also um Sätze, die für wahr gehalten werden, nicht um Glauben im christlich-religiösen Sinn. Der beginnt erst dort, wo mittels bestimmter Verhaltensweisen Einfluss auf dieses ubiquitäre Wesen genommen werden soll, z.B. durch Gebet. Die Meinung, die Grenze zwischen hier und drüben von hier aus überschreiten zu können, ist Gegenstand dieses Glaubens.
    Kein Naturwissenschaftler kommt auf eine solche Idee, einen Geschehensablauf durch Gebet verändern zu wollen, einfach, weil sich dies außerhalb seiner Kategorien bewegt. Die Naturwissenschaften kennen keine Entsprechung für einen solchen Glauben.
     

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