Von Clausewitz, der im Alter von 13 Jahren seine ersten militärischen Erfahrungen als Laufbursche im Graben und Fähnrich machte und so den Ersten Koalitionskrieg miterlebte, machte dann militärische Karriere, nahm quasi an den Koalitionskriegen teil.
Er macht sich gleichzeitig als guter Denker einen Namen, der durch seine Erfolge als Klassenbester im ersten Jahrgang der Kriegsschule sich die Türen bis zum Königshof eröffnete und war bei der Niederlage von Jena und Auerstädt dabei, ergab sich mit seinem Bataillon aber erst zwei Wochen später Murat.
Wir haben also jemanden, der über militärische Erfahrungen von Kindesbeinen an verfügte und darüber dann eben auch schrieb.
In seinem Hauptwerk
Vom Kriege, im
zweiten Teil, der mit dem
fünften Buch beginnt, gibt es auch ein Kapitel über
Märsche. In diesem Kapitel beschreibt er den Marsch in Kolonne als einen in Tropfen zerteilten Wasserstrahl und fordert, dass, wenn nicht unbedingt eine Schlacht unmittelbar bevorsteht, am besten gut ausgebaute Straßen verwendet werden, wenn aber ein Schlacht unmittelbar besvorsteht, sollen auch Nebenwege verwendet werden, damit möglichst alle Soldaten zum Schlachtzeitpunkt auch am Schlachtort sich befinden. (Also getrennt marschieren, gemeinsam schlagen, wie Moltke Jahrzehnte später befahl (das berühmte Zitat ist aber eher Paraphrase als Zitat))
dieses Auseinanderreißen, verbunden mit der übermäßigen Anstrengung, welche die Länge der Kolonne für die hintersten zur Folge hat,
würde bald alles in Wirrwarr auflösen
Wo man eine Schlacht erwartet, und es darauf ankommt, den passenden Punkt mit einer Truppenmasse zu erreichen, da trägt
man kein Bedenken, dieselben nötigenfalls durch die schwierigsten Seitenwege dahin gelangen zu lassen; befindet man sich dagegen mit dem Heere gewissermaßen noch auf der Reise zum Kriegstheater, so werden die nächsten großen Straßen für die Kolonnen gewählt und Quartiere und Lager, so gut es gehen will, in ihrer Nähe aufgesucht.
[...]
Zu welcher der beiden Arten der Marsch auch gehören mag, so ist es ein allgemeiner Grundsatz der neueren Kriegskunst, überall, wo nur die Möglichkeit eines Gefechts denkbar ist, d. h. in dem ganzen Bereich des eigentlichen Krieges, die Kolonnen so einzurichten, daß die darin enthaltene Truppenmasse zu einem selbständigen Gefecht geeignet sei. Diese Bedingung wird erfüllt durch die Verbindung der drei Waffen, durch eine organische Einteilung des Ganzen und durch die gehörige Bestellung des Oberbefehls. Es sind also hauptsächlich die Märsche, welche die neuere Schlachtordnung veranlaßt haben, und welche den größten Nutzen von ihr ziehen.
[...]
Als in der Mitte des vorigen Jahrhunderts, besonders auf dem Kriegstheater Friedrichs II., man anfing, die Bewegung als ein eigenes Prinzip des Schlagens anzusehen und den Sieg durch den Einfluß unvermuteter Bewegungen an sich zu reißen, machte der Mangel einer organischen Schlachtordnung die künstlichsten und schwerfälligsten Anordnungen in den Märschen notwendig.
[...]
Neue Not war mit der Artillerie, die ihre eigene durch die Infanterie gedeckte Straße brauchte, weil die Infanterietreffen ununterbrochene Linien bilden sollten, und die Artillerie ihre langen schleppenden Kolonnen noch schleppender gemacht und alle Distanzen in Unordnung gebracht haben würde. Man lese nur die Marschdispositionen in Tempelhoffs Geschichte des Siebenjährigen Krieges, um sich von allen diesen Umständen und von den Fesseln zu überzeugen, welche dadurch dem Kriege angelegt wurden.
Seitdem aber die neuere Kriegskunst dem Heere eine organische Einteilung gegeben, wobei die Hauptteile als kleine Ganze zu betrachten sind, die im Gefecht alle Wirkungen des großen Ganzen hervorbringen können mit dem einzigen Unterschied, daß ihr Wirken von kürzerer Dauer ist, seitdem ist man, selbst da, wo man ein vereintes Schlagen beabsichtigt, nicht mehr genötigt, die Kolonnen in dem Maße nahe beieinander zu haben, daß sich alle vor Anfang des Gefechts vereinigen können, sondern es ist hinreichend, wenn diese Vereinigung im Lauf des Gefechts statthat.
[...]
Je kleiner eine Truppenmasse ist, um so leichter ist sie zu bewegen, um so weniger bedarf es derjenigen Teilung, die nicht eine Folge der geteilten Aufstellung, sondern der Unbehilflichkeit der Masse ist. Ein kleiner Haufen marschiert also in einer Straße, und soll er auf mehreren Linien vorgehen, so finden sich leicht Wege nahe beieinander, gut genug für sein Bedürfnis. Je größer die Massen werden, um so größer wird das Bedürfnis der Teilung, die Anzahl der Kolonnen und das Erfordernis gebahnter Wege oder gar großer Straßen, folglich auch die Entfernung der Kolonnen untereinander. Mit diesem Bedürfnis der Teilung steht nun die Gefahr derselben, arithmetisch gesprochen, in umgekehrtem Verhältnis. Je kleiner die Teile sind, um so eher müssen sie einander beispringen, je größer, um so länger können sie sich selbst überlassen bleiben. Wenn man [...] bedenkt, daß in kultivierten Gegenden sich auf einige Meilen Entfernung von der Hauptstraße immer ziemlich gebahnte parallel laufende Wege finden werden, so wird man leicht einsehen, daß in der Anordnung des Marsches sich keine sehr großen Schwierigkeiten finden, die ein schnelles Vorschreiten und genaues Zutreffen mit der gehörigen Vereinigung der Kräfte unverträglich machte. — In Gebirgen, wo der parallelen Straßen am wenigsten und die Verbindungen derselben untereinander am schwierigsten sind, ist auch die Widerstandsfähigkeit einer einzelnen Kolonne sehr viel größer.
[...]
Seit dem französischen Revolutionskriege haben die Heere die Zelte des großen Trosses wegen, welchen sie veranlassen, ganz abgeschafft. Teils findet man es besser, bei einem Heer von 100000 Mann statt der 6000 Zeltpferde 5000 Mann Reiterei oder ein paar hundert Geschütze mehr zu haben, teils ist bei großen und raschen Bewegungen ein solcher Troß nur hinderlich und wenig nützlich. Dadurch sind aber zwei Rückwirkungen entstanden, nämlich: ein stärkerer Verbrauch von Streitkräften und eine größere Verheerung des Landes.
[...]
Ferner wird man innerhalb einer Stunde rechts und links der Straße, auf welcher man marschiert, in den kultivierten Ländern Mitteleuropas meistens auch Seitenwege finden, welche man für den Marsch benutzen kann, ohne, wie das im Siebenjährigen Kriege so oft geschah, querfeldein zu marschieren.
[...]
Ferner ist es aus der Erfahrung bekannt, daß ein Heer von 4 Divisionen und einer Kavalleriereserve einen Marsch von 3 Meilen [preußische Meile = 7.532,48 m > ca. 23 km] , selbst in nicht guten Wegen, mit der Spitze in 8 Stunden zurückzulegen pflegt; rechnen wir nun für jede Division eine Stunde Tiefe und ebensoviel für die Kavallerie- und Artilleriereserve, so wird der ganze Marsch 13 Stunden dauern. Dies ist keine übermäßige Zeitlänge, und doch würden in diesem Falle an 40000 Mann auf derselben Straße marschiert sein. [...] Wäre die Masse der Truppen, welche auf einer Straße ziehen sollte, noch größer als die obige, so würde auch schon der Fall eintreten, daß die Ankunft derselben an ein und demselben Tage nicht mehr unerläßlich wäre; denn solche Massen liefern sich jetzt die Schlachten niemals in der ersten Stunde des Zusammentreffens und gewöhnlich erst am folgenden Tage.
[...]