Aktion Reinhardt?

Dieses Thema im Forum "Das Dritte Reich" wurde erstellt von Petra_44, 15. November 2008.

  1. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Es hat etwas gedauert, die Aussage nachzuprüfen.

    Heydrich hatte tatsächlich eine Ausbildung auf der Bf 109 erhalten. Der Bezug ergibt sich aus dem Buch von Calic, Reinhard Heydrich, S. 359.

    Am 5.5.1940 schreibt er Himmler folgenden Brief (FpNr. L 02265)
    "Im Felde, 5.5.1940. Reichsführer! Darf ich meinen Dienstantritt bei meinem Fronttruppenteil melden. Natürlich brauche ich fliegerisch eine gewisse Einlaufzeit, doch hoffe ich, daß ich in 8 Tagen schon meinen Platz als Rottenknecht zur Zufriedenheit meiner Vorgesetzten ausfüllen werde. Das Leben in Norwegen .... Bitte glauben sie, daß Unkraut nicht so schnell vergeht. ... Mit gehorsamsten und herzlichen Grüßen bin ich mit ... Ihr getreuer und dankbarer Reinh. Heydrich".

    Himmler verlangte am 15.5. tägliche Meldung bei ihm. Der Vorgang war von Himmler somit gebilligt.

    Die Feldpostnummer weist auf die 6. Staffel, II./Jagdgeschwader 77 hin. Dazu ist im Prien, S. 223, Band 1 der Geschwaderhistorie, folgendes zu finden (Angaben von Berthold Jung und Frank-Werner Rott sowie Karl Holland):

    "Mitte April 1940 kam ich zusammen mit R. Heydrich ... zur II./JG 77 nach Norwegen. Ich verdanke dies dem Umstand, dass ich bei der Jagdfliegerschule Werneuchen, zu der ich als Staffelkapitän gehörte, damit beauftragt worden war, Heydrich trotz seines nach Jagdfliegermaßstäben fortgeschrittenen Alters zum Jagdflieger auszubilden. Nun sollte ich ihn als "Aufpasser" in den Fronteinsatz begleiten. Er war ein sehr forscher Flieger, ob nun aus Unkenntnis der drohenden Gefahren, ich kann es nicht mehr sagen."

    "Heydrich blieb ungefähr 4 Wochen bei uns und flog, wie jeder Flugzeugführer, sämtliche Einsätze (der 6. Staffel) mit."

    "In Norwegen war Reinhard Heydrich ... etwa 4-6 Wochen, als Flugzeugführer bei uns in der II./JG 77. Man hatte ihm dafür den Dienstgrad eines Hauptmanns verliehen. Seine hervorstechenste Leistung bei uns bestand darin, dass er bei einem Start in Stavanger einen Überschlag machte und nachher mühsam unter den Trümmern seiner Maschine wieder hervorgezogen werden mußte. Ich war ... überrascht von ihm, als er das für seinen "Fronteinsatz" verliehene EK II ablehnte und dies damit begründete, dass man für die Zerlegung des eigenen Flugzeuges als einziger Leistung wohl kaum das Eiserne Kreuz bekommen dürfte.
    Während seiner Zeit bei der II./JG 77 hatte Heydrich ständig Verbindung mit seiner SS-Dienststelle.
    (Prien, JG 77 - I, S. 209, 223)

    Verluste 13.5.1940
    Hauptmann Reinhard Heydrich, Stab II./JG 77, Grund: beim Start ausgebrochen, Flugplatz Stavanger-Sola, Beschädigung 90%, Bf 109 E-1.

    Von "Abschuss" und "hinter feindlichen Linien" keine Spur.

    Das Verlangen Himmlers nach "täglicher Meldung" kann man wohl höchstwahrscheinlich mit dem Startunfall in Zusammenhang bringen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. November 2008
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  2. mcneal_de

    mcneal_de Neues Mitglied

    Gemäß Wikipedia steht über Heydrich und seine fliegerischen Einsätze folgende:


    Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges nahm Heydrich als Reserveoffizier der Luftwaffe zunächst als Bordschütze in Bombern am Polenfeldzug teil, später als Jagdflieger über Norwegen, Norddeutschland und Holland teil. Er flog eine Messerschmitt Bf 109E-7. Sein Aufenthalt in den Jagdverbänden endete immer schnell durch Unfälle, da er nur wenige Trainingsflüge absolviert und nie die nötige Professionalität als Flieger erlangt hatte.
    Heydrich missachtete den ausdrücklichen Befehl des Reichsführers-SS Himmler zum Verbot von Kampfeinsätzen und flog im Juni 1941 in Richtung Osten. Er erschien am Flugplatz Bălţi im Südabschnitt der Ostfront in der Uniform eines Luftwaffenmajors und wurde in der II. Gruppe/JG 77 „Herz As“ zugeteilt, in der er schon früher geflogen war. Sein Flugzeug wurde am Nachmittag des 22. Juli über Jampol von einem sowjetischen Flakgeschoss getroffen und der Motor fiel aus. Heydrich wurde gezwungen zwischen den Frontlinien notzulanden. Er floh in Richtung der deutschen Stellungen und hatte Glück, bald auf deutsche Soldaten zu treffen.
    Die Anzahl der Feindflüge Heydrichs ist nicht bekannt; dokumentiert ist nur, dass er abgeschossen wurde. Er erhielt trotzdem nach seiner Rückkehr in Berlin das Eiserne Kreuz 1. Klasse und die Frontflugspange in Silber, die üblicherweise nach 60 erfolgreichen Feindflügen verliehen wurde. Nach diesem Abenteuer verbot ihm Himmler und nun auch Hitler endgültig jeden weiteren Kampfeinsatz. Denn Heydrich hätte so in sowjetische Gefangenschaft geraten können, wobei die Folgen aus der Sicht der Führung für das Dritte Reich unabsehbar gewesen wären.
    Heydrich versuchte mit dem Fliegen seinem eigenen Ideal nahe zu kommen, nicht nur „Schreibtischtäter” oder „Asphaltsoldat“ zu sein, sondern auch als Kämpfer an der Front zu bestehen.
     
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  3. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Dem liegt Folgendes zugrunde:

    Jambol liegt etwas östlich von MOGILEV PODOLBSKII, am Dnjestr.

    Heydrich tauchte vermutlich Mitte Juli 1941 (bei Prien Erwähnung zum 20.7.1941: "in diesen Tagen") erneut beim II./JG 77 auf, das für diesen Abschnitt zuständig war. Er flog mit einer eigenen Bf-109 E ein, WNr. 3265, die er nach seinen angaben von Udet "geschenkt" bekommen habe (weil er ihm für sein Auto ein Polizei-Kennzeichen besorgt habe, so dass er auch bei Fliegeralarm in Berlin fahren könne).

    Der Auftritt von Heydrich erfolgte unter Umgehung des "Dienstweges" und überraschend, weswegen der Gruppenstab in einiger Sorge und um Schutz für Heydrich sehr bemüht war. Feindberührungen gab es bei seinen Flügen wohl nicht gegeben, ansonsten bis auf den 22.7. auch wenig Aufregung (da die Verleihungen von EK I und Flugspange als unbegründet angegeben werden). Heydrich war mehr durch Doppelkopfspielen und Weintrinken in Erinnerung, sowie durch Reden zur Einverleibung Rußlands und durch Abwerbeversuche bei Piloten zur SS.

    Am 22.7.1941 hatte die II. Gruppe/JG 77 mit einigen Flugzeugen "Brückensicherung" (Brücken über den Dnjestr) zu fliegen, die russische Front befand sich dagegen seit dem 20.7. bereits ostwärts im eiligen Rückzug auf Uman-Perwomaisk.

    Heydrich machte am 22.7. bei diesem Einsatz eine Bauchlandung bei Jambol, der Schaden an der Maschine wird mit 30% angegeben (also kein Totalverlust). In der Verlustliste des GQM ist als Grund "Luftkampf mit Jäger" angegeben. Dieses "müsse" nach JG77 (Prien, Band 2, Basis Kriegstagebuch) falsch sein, da an dem Tag keine Luftkämpfe bzw. Luftberührungen stattgefunden haben. Prien gibt stattdessen möglicherweise Flaktreffer an. Dafür ist mir kein Nachweis bekannt, warum also nicht auch trivialer Motorschaden? Die genannten Dnjestr-Brücken waren am 22.7. bereits hinter den deutschen Linien.

    Mit dem Ausbleiben von Heydrich entstand im Geschwaderstab erhebliche Unruhe. Dieses klärte sich nach Anruf aus einem Stab einer deutschen Infanteriedivision, die folgendes angab: Man habe eine Bauchlandung eines Flugzeuges des JG 77 im "Niemandsland", der Pilot sei durch einen Trupp sofort eingebracht worden und etwas durcheinander, da er sich als Reinhard Heydrich ausgeben würde. Der Stab II./JG 77 ließ Heydrich danach abholen, wenige Tage später sei er zurück nach Berlin.
    (nach KTB der II./JG 77, gemäß Prien).
    Niemandsland heißt nicht zwingend "zwischen den Frontlinien", sondern dass in diesem Bereich gar keine Truppen standen. Von russischen Truppen in der Nähe wird nichts berichtet, was auch aufgrund des bereits weiter östlich stattfindenden Rückzuges in den Kessel von Uman kaum möglich erscheint.
     
  4. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Nachtrag zum Zeitraum:

    Am 30.6. und zuletzt am 11.7.1941 waren Himmler und Heydrich gemeinsam in Grodno unterwegs, Himmler "bereiste" die besetzten Gebiete. Dabei kam es auch zu verschärfenden Vorgaben für die Einsatzgruppen, SS-Kavallerieeinheiten etc. Quelle: Dienstkalender Heinrich Himmler, entsprechende Eintragungen.

    In der Zusammenfassung beider Hinweise würde ich somit vermuten, dass Heydrich nach dem 11.7.1941, vermutlich also kurz vor dem 20.7.1941 (lt. Prien) beim JG 77 eingetroffen ist.

    Um den 20.8. plante Heydrich eine Reise nach Norwegen (Terboven), die von Himmler genehmigt wurde (Dienstkalender 26.8.1941).

    Und noch ein Nachtrag zu dem fraglichen Zeitraum:
    Schreiben Görings an Reinhard Heydrich vom 31.7.1941 betr. Beauftragung "über die organisatorischen, sachlichen und materiellen Vorausmaßnahmen zur Durchführung der angestrebten Endlösung der Judenfrage"
    http://www.ghwk.de/deut/goering.htm
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. Dezember 2008

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