Antisemitismus

Dieses Thema im Forum "Das Dritte Reich" wurde erstellt von Gast, 15. Oktober 2010.

  1. Gast

    Gast Gast

    Antisemetismus... ein veralteter Begriff?

    Ich bin mir nicht sicher und würde gerne eure Meinung dazu erfahren.
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Was meinst du damit, dass der Begriff Antisemitismus veraltet sei?
    Meinst du damit, dass der Antisemitismus keine Rolle mehr spiele, oder das man für den Antisemitismus einen anderen Begriff finden müsse?
     
  3. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    Unabhängigkeit von einer Konkretisierung ist aber zu betonen, daß es sich in keinster Weise um einen veralteten Begriff handelt. Auf Wunsch würde ich dafür sogar einen Freund bitten, mir die einschlägige Literatur zu nennen, um entsprechende Literaturhinweise zu posten.
    Edit: Ansonsten wäre es ein Fall für http://www.geschichtsforum.de/526046-post5.html
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. Oktober 2010
  4. Klaus

    Klaus Neues Mitglied

    Interessieren würde mich die Frage, welcher andere Begriff dem "Antisemitismus", etwa bezogen auf eine andere Bevölkerungsgruppe, verwandt wäre, bzw. was der Oberbegriff für Antisemitismus ist.
     
  5. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Der Begriff Antisemitismus wurde von Wilhelm Marr 1879 geprägt und bezeichnet den Hass einzelner Menschen oder ganzer Völker gegen die Juden.

    Antisemitismus muss in den verschieden und national geprägten Ausformungen als eine Konstante in der Geschichte gesehen werden. Antisemitismus ist ein Teil des Rassimus. Antisemitismus enthält neben der rassistischen Komponente die Idee der "jüdischen Weltverschwöhrung" und macht pauschal "die Juden" zu Sündenböcken für alle möglichen sozialen, politischen udn gesellschafltichen Übel. Gerade in solchen Phantasien zeigt sich ein Charakteristikum des Antisemitismus: Er lässt sich ja nach Lage mit neuen Inhalten füllen und kann damit in jeder politischen Lage als manipulatives Instrument eingesetzt werden.

    Antisemitismus ist wohl ein Begriff der 1879 geprägt wurde, er ist aber alles andere als veraltet.
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. Oktober 2010
  6. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Rassimus....
     
  7. Sasaki

    Sasaki Neues Mitglied

    Da der Antisemitismus nicht mit dem Antijudaismus verwechselt werden sollte, denke ich, dass Rassismus ein einigermaßen guter Überbegriff wäre.


    Desweiteren denke ich, dass der Begriff keinsewegs veraltet ist, da es immer noch genung Judenfeindlichkeit gibt.
    Es wäre außerdem freundlich, deine Frage genauer zu erläutern.


    Nachtrag: ursi war schneller
     
  8. Klaus

    Klaus Neues Mitglied

    Damit bin ich nicht einverstanden. Das Judentum ist keine "Rasse", sondern eine Religion. Natürlich gab es mal eine nahöstliche Ethnie, aus der das Judentum hervorgegangen ist, die Hautfarbe ist aber heute kein charakteristisches Merkmal mehr.

    Dass "Judentum" vererbbar sein soll - auch bei Konvertiten - und es daher auch Halb- und Vierteljuden gäbe, ist nicht realistisch.
     
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  9. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Die Argumentation ist verfehlt. Rassismus bleibt Rassismus, egal wie unsinnig er ist. Ein Rassist definiert erst, wer "rassisch gut" und wer "rassisch schlecht" ist, es ist dabei völlig unerheblich, ob es dafür eine sinnvolle Grundlage gibt oder nicht, da die Kriterien durch den Rassisten und nicht durch die Wirklichkeit festgelegt werden.
     
  10. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Was du meinst, nämlich die religiöse Diskriminierung, nennt sich Antjudaismus. Der Antisemitismus ist sehr wohl rassistisch begründet, die Einteilung der entsprechenden Rassen steht sogar direkt in der Bibel. Die Herleitung erfolgt über die Völkertafel in Gen 10: Sem, einem der Söhne Noahs als der Stammvater der "semitischen Rasse". Dass derartiges heute überholt und längst widerlegt ist, ändert allerdings nichts an der Grundsatzmotivation, die den Begriff prägten und eben auch nichts an dem definitorischen Zusammenhang, in dem er heute verwendet wird.
     
  11. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Erklär' das einem Rassisten bzw. Antisemiten! Manche gehen ja sogar so weit zu behaupten, dass eine Frau, die einmal mit einem Juden geschlafen hat, für immer "verdorben" sei und künftig nur noch jüdische Kinder gebären könne ...
    Ein Rassist bestimmt selber, was eine "Rasse" ist. Die seriöse Wissenschaft interessiert ihn nicht.
     
  12. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Antisemitismus und Rassismus gehören zusammen, das ist ein Fakt.

    Ich werde mal auf den heutigen Antisemitismus zu sprechen kommen.

    Der heutige Antisemitismus enthält Elemente des alten, regliös geprägten Antijudaisumus und solche aus dem modernen Rassimus, der mit der Aufklärung und der naturwissenschaftlichen "Menschenkunde" entstand. Die sich allmählich entwickelte Fähigkeit, Menschen zu vermessen, zu katagorisieren und zu klassifizieren verband sich von Anfang an mit einer klaren Hierachisierung.

    - Menschen werden aufgrund bestimmter körperlicher oder kultureller Eigenarten oder aufgrund ihrer ethnischen, nationalen oder religiösen Zugehörigkeit in naturgegebene, gleichsam wie durch Blutsverwandtschaft verbundene Gruppen eingeteilt.

    - Mitglieder solcher pseudo-verwandtschaftlicher Gruppen werden durch bestimmte gemeinsame weitgehend unveränderbare psychische Eigenschaften gekennzeichnet.

    Heute verschränken Antisemitismus und andere Formen des Rassimus in vielfältiger Weise. Menschen, die antisemitische Regungen zeigen, können auch andern Minderheiten rassitisch eingestellt sein.

    Antisemitismus ist eine Form des Rassimus!
     
  13. Neddy

    Neddy Aktives Mitglied

    Das ist etwas komplizierter, da in der Rezeption ein "Jude" sowohl Angehöriger des jüdischen Glaubens, als auch Angehöriger einer Ethnie ist. (Wie merkwürdig das ist, zeigt sich ja an der weiteren Unterteilung in "Aschkenasim" Aschkenasim ? Wikipedia (europäische Juden) und "Mizrachim" Mizrachim ? Wikipedia (orientalische Juden): gemeinsamer Glaube, unterschiedliche Volkszugehörigkeit). Nach jüdischer Auffassung ist Jude, wer von einer jüdischen Mutter geboren wurde. (Siehe hier: Zentralrat der Juden in Deutschland) Auch wenn ein Jude sich taufen ließ oder zumindest die jüdische Glaubensgemeinschaft verließ, blieb er in der Wahrnehmung der Goim - gerade des ausgehenden 19. / frühen 20. Jahrhunderts eben immer noch Jude. Ein Jude, der sich taufen ließ, wurde durch die Taufe noch lange kein Christ, sondern war danach eben ein "getaufter Jude".

    Wie schwer man sich als Jude mit seiner jüdischen Identität tun kann, zeigt (schon fast klischeehaft) dieser hochinteressante Artikel: Chajms Sicht Wieder Identität
    Hier besteht eben doch eine ganz erhebliche Ambivalenz aus Religions- und Volkszugehörigkeit.

    Ergo: "Judentum" ist doch vererbbar, der Weg hinein und hinaus ist zwar möglich; diese Möglichkeit wird und wurde in der Wahrnehmung der Umgebung aber bei weitem nicht so abschließend anerkannt, wie eine Konversion z. B. vom Christentum zum Islam. Nach der oben verlinkten jüdischen Auffassung ist aber das Kind einer zum Judentum konvertierten Frau ebenfalls Jude. In Vergangenheit bis hin zur Gegenwart gibt es genügend Beispiele, dass selbst innerhalb des "jüdischen Volkes" durchaus an Hautfarbe und Nasenkrümmung diskriminiert wurde und wird, ob man nun europäischer oder orientalischer Jude war. Ein volks- bzw. religionsinterner "Mini-Rassismus" also. (siehe z. B. Shabi, Rachel: Sie sehen aus wie der Feind. Arabische Juden in Israel, 2009). (Naja, wer so eine komplizierte Geschichte hat, muss ja schizophren werden.;))

    Further Reading: «Jüdische Zeitung» :: Das Taufverhalten der deutschen Juden
    Jüdische Identität: Wer sind wir? | Gesellschaft | ZEIT ONLINE
     
  14. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Könnte es sein, dass Antisemitismus aus 3 "verschwurbelten" Teilen besteht und deswegen kein veralteter Begriff ist.
    1.Ich denke auch, dass ein Teil des Antisemitismus sich ähnlich auswirkt wie gewöhnlicher Rassismus. Da werden Klischees über Eigenarten definiert und mit den eigenen "wertvolleren" verglichen, was dem Rassisten oder Antisemiten ein anstrengungsloses Überlegenheitsgefühl beschert.
    2.Ähnliche Überlegenheitsgefühle lassen sich aus der Zugehörigheit zur "richtigen" Religion ableiten, sogar fast ohne schlechtes Gewissen.
    Bei den Vorbehalten gegenüber dem Judentum schleicht sich vielleicht ein gewisser Zweifel ein, weil Christentum und Islam jünger sind und sich auf denselben Gott beziehen. Da ist ein Erheben über den unwissenden Heiden nicht so ganz einfach.
    3. Zu den Problemen des Antijudaisten mit dem eigenen Standort, kommt ein diffuser Generalverdacht, der sich in der "jüdischen Weltverschwörung" niederschlug und den man mit der aktuellen "Bänkerschelte" vergleichen könnte. Der Diskriminierende versucht seine Ängste und Machtlosigkeitsgefühle an Feindbildern festzumachen und ist dabei anfällig für Manipulationen.
    Je nach Zeitgeist überwiegt mal das eine, mal das andere Gefühl.
     
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  15. melli100

    melli100 Neues Mitglied

    Ich habe für die schule eine aufgabe bekommen mit der ich nicht wirklich weiter komme.

    Es geht darum ein paar hauptmerkmale der entwiklung des nazistischen antisemetismus auszuarbeiten in der zeit des holocaust.

    inwiefern hat er sich weiterentwickelt? habt ihr da ideen? ich finde im internet nichts passendes
     
  16. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Ich bin mir nicht sicher, wie die Frage gemeint ist, würde sie aber wie folgt interpretieren:

    Wie hat sich die antisemitische Politik der Nazis nach der Machtergreifung entwickelt? Welche Schritte haben die unternommen, um, ihrer rassistischen Ideologie folgend, Juden zu entrechten, aus der Gesellschaft auszuschließen und schließlich en masse zu ermorden?

    Natürlich gab es auch vorher eine Entwicklung des (NS-) Antisemitismus, aber wenn der Bezug klar auf dem Holocaust liegt geht es wohl eher um die Regierungspolitik der Nazis.

    Eine Grundlage der Pollitik der NSdAP war ein 25 Punkt umfassendes Parteiprogramm von 1920. MWn galt das zumindest theoretisch bis zur Auflösung der NSdAP 1945:

    documentArchiv.de - Das 25-Punkte-Programm der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (24.02.1920)

    Wie haben die Nazis das nun umgsetzt, als sie 1933 die Macht dazu bekamen? Ein paar Stichpunkt, die du dann aber selber ausarbeiten bzw dazu recherchieren musst (nicht unbedingt chronologisch):

    - Juden wurden aus Beamtentum und Staatsdient gedrängt
    - Ehen oder Beziehungen zwischen Juden und "Ariern" wurden unter Strafe gestellt
    - An einem Tag brannten zahllose Synagogen ua jüdische Einrichtungen
    - Juden mussten einen gelben Stern tragen
    - Wannsee-Konferenz, "Endlösung", Holocaust

    Da gibt es noch zahlreiche weitere Punkte und Ereignisse; Kreativität kann man den Nazis halt nicht absprechen, wenn es ums sch***-sein geht...

    Bring die Geschehnisse zwischen 1933 und 1945 in eine (chrono-) logische Reihenfolge und denk drüber nach, wie hier a auf b aufbaute und schlißelich zu x (Exitus) führte; und immer im Hinterkopf behalten, was das von Anfang propafgierte Ziel der Nazis war.
     
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  17. Matze007

    Matze007 Aktives Mitglied

    Eine Frage die mir selber da einfällt:
    War die antisemitische biologistische Rassenlehre der Nazis etwas genuin Neues ?
     
  18. melli100

    melli100 Neues Mitglied

    eine frage habe ich noch
    was versteht man unter industrialisierter Vernichtung?
     
  19. Matze007

    Matze007 Aktives Mitglied

    Massenmord unter rein ökonomischen Gesichtspunkten, als logistische Aufgabe. Das Merkmal, das die Naziverbrechen beispiellos macht.
     
  20. hatl

    hatl Premiummitglied

    Matze,

    der Massenmord, und insbesondere der beabsichtigte vollkommen durchgeführte Mord, an einer, durch die Täter definierte, Gruppe von Menschen,
    konnte nicht "rein ökonomisch" begründet sein und war es auch nicht.

    Die Mittel der sich die Mörder dabei bedienten, jedoch waren "industriell".
    Das hier in dem Sinne, dass man die fortschrittlichsten Mittel dieser Zeit nutzte um einem Streben zu folgen, welches nur vordergründig rational begründet war.
     

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