Archivwesen der Zukunft

Dieses Thema im Forum "Historische Hilfswissenschaften mit Genealogie" wurde erstellt von Stilicho, 28. August 2019.

  1. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich rede über reelle Probleme der Archivierung. Probleme über die sich Archivare Gedanken machen. Bin aber womöglich nicht auf dem allerneuesten Stand. Als ich gegen Ende meines Studiums meine Archivpraktika gemacht habe, war das ein virulentes Thema, da ich persönlich aber an dem Thema der Speicherung eher desinteressiert bin und mich an Archiven Archivalien bis max. 1990, eher älter interessieren, ist das Archivieren von digitalem Archivgut überhaupt nicht meine Baustelle. Warum über die reellen Problem der digitalen Archivierung allerdings plötzlich moralisiert werden muss, verstehe ich nicht. Es geht doch in erster Linie darum, dass sich herausgestellt hat, dass digitale Daten mitnichten sicherer sind, als Papier (wenn es sich nicht um das vermaledeite Industriepapier handelt was zwischen 1850 und 1950 bei behördlichen Vorgängen benutzt wurde und heute schon beim Anschauen zerbröselt).

    Ob der Staat ein Gesetz erlassen hat, dass Behörden verpflichtet, Daten digital vorzuhalten, weiß ich nicht. Behörden sind verpflichtet, ihre Akten den Archiven zu überlassen und die Archive sind verpflichtet, gewisse Daten zu 100 % zu sichern (nämlich die, die juristisch relevant bleiben, auch wenn die Akte geschlossen ist), andere so, dass in der Zukunft ein realistisches Abbild der Vergangenheit abgebildet werden kann, also nicht zu 100 %, die Archive müssen entscheide, was davon sie archivieren und was sie kassieren.
    Wie das nun mal bei den meisten Gesetzen so ist, sind sie irgendwann zwischen 1870 und heute geschaffen worden. Eine Anpassung an die Probleme, welche die Digitalisierung mit sich bringt (obwohl in der Fassung des Bundesearchivgesetzes immerhin die Rede von Digitalisierung von Daten ist und von einem digitalen Zwischenarchiv) muss dazu nicht extra in Gesetzesform gekleidet werden. Die Archive haben aufzubewahren und müssen für die adäquatest mögliche Form der Aufbewahrung Sorge tragen. Und wenn die Daten eben nicht mehr in physischer sondern in digitaler Form als Reposita eingehen, was wertvollen Raum spart, dann können die Archive die digitalen Medien nicht einfach ausdrucken.
     
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  2. Stilicho

    Stilicho Aktives Mitglied

    Jetzt muss ich doch mal fragen ob es sich hier um Satire handelt (#40).
     
  3. Stilicho

    Stilicho Aktives Mitglied

    Vor allem sind sie verpflichtet, die Originaldokumente vorzuhalten. Von wem und auf wessen Kosten eine Digitalisierung stattzufinden habe, steht in den Sternen und ist in den meisten Fällen nicht leistbar.
     
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Digitalisierung und die Vorhaltung digitaler Dokumente sind zwei verschiedene Dinge.
    Digitalisierung heißt, Digitalisierung physisch vorhandenen Archivguts.
    Vorhaltung digitaler Dokumente heißt: Behördliche Vorgänge werden nicht mehr in dicken Aktenordnern auf Papier festgehalten sondern alles digital gespeichert. Wenn die Akte dann geschlossen ist, geht sie, wie ihre papiernen Vorgänger nach einer gewissen Frist, welche je nach Behörde/Bundesland anders sein kann, an das zuständige Archiv. (Da Behörden und Ämter manchmal etwas langsamer sind, sind wir da durchaus noch in einer Übergangsphase von Papier zu digital).

    Wie die einzelnen Archive das mit der Digitalisierung des physisch vorhandenen Archivguts halten, ist sehr unterschiedlich. Manche Archive digitalisieren alles durch, damit sie die Digitalisate den Archivnutzern zur Verfügung stellen können (was natürlich ein Aufwand auch an Manpower ist), andere Archive gehen zögerlicher vor. Wenn ein Benutzer eine Archivalie anfordert und zwar über die Zeit im Lesesaal des Archivs hinaus, dann wird die entweder kopiert (Papier>Papier) oder aber digitalisiert und die Kopie oder Digitalisat entsprechend der Gebührenordnung des Archivs zur Verfügung gestellt.
     
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  5. Stilicho

    Stilicho Aktives Mitglied

    Mit Originaldokumenten meinte ich natürlich die in Papierform, mit Originalunterschriften usw. .
    Und diese sind vorzuhalten. Ob sie zusätzlich digitalisiert werden, ist eben die Frage.
     
  6. drmarkuse

    drmarkuse Mitglied

    Haha, ja das frage ich mich auch schon die ganze Zeit und kann mir ein Schmunzeln an der ein oder anderen Stelle nicht verkneifen.
    Mich belustigt vor allem die hintergründige Technikfeindlichkeit im Hinblick auf Datenerhalt in der Zukunft und die vorgetragenen Argumente , z.B. ob man denn noch eine Floppy Disk von 1995 ans Laufen bringen könnte.

    Gleichzeitig wird der Scherbenhaufen des Datenverlusts aus der Vergangenheit als nicht so wichtig angesehen. Dort wurden dann qualitative Neagtiventscheidungen getroffen und der Verlust mit Rosamunde Pilcher und dem Vereinsblatt von Schalke 04 gleichgesetzt.

    Aber es ist nicht schlimm- es macht trotzdem Spass.:)

    Meine Lieblingsformulierung war übrigens das Archiv, das nicht mehr nachvollziehbar durch die virtuelle und flüchtige Welt des globalen Netzes irrlichterliert
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. August 2019
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  7. Stilicho

    Stilicho Aktives Mitglied

    #46:
    Da du weder die von verschiedenen Diskutanten vorgebrachten Argumente zur Kenntnis nimmst, noch bereit bist, dein naives Weltbild bezüglich Computerdaten zu hinterfragen und auch die Themen Arbeitsaufwand und Kosten nicht wahrnehmen möchtest, kann ich diese Beiträge tatsächlich nicht ernst nehmen.
     
  8. drmarkuse

    drmarkuse Mitglied

    Aber wir sind doch hier Historiker und keine Erbsenzähler, oder nicht? Wir wollen doch dass die Quellen erhalten bleiben und nicht verbrennen oder auf Disketten verrotten. Oder gibts darüber auch noch eine Diskussion? Das bedeutet seit je her sie müssen vervielfältigt und an verschiedenen Orten verwahrt werden auf die best mögliche Art und Weise. Das ist heute nicht anderes als gestern. Wenn sie das naiv nennen wollen, dann bitte.
     
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  9. Shinigami

    Shinigami Aktives Mitglied

    Was hat die Frage, was man denn nun sei mit der Problematik begrenzter menschlicher und finanzieller Ressourcen, so wie Problematiken mit der Sicherheit reiner Digitalisate zu tun?

    Wir wollen vor alle Dingen, dass die Quellen aussagekräftig sind, ergo nicht leicht manipulierbar. In Sachen Papirener Originaldokumente hat man das Problem nicht in der Weise, in Sachen reiner Digitalisate, reicht ein Administrator der seiner Aufgabe nicht gewachsen ist oder sich mit unlauteren Absichten trägt und der Erhalt der Inhalte des Archivs zu Zwecken der Wissensvermittlung kann komplett verfallen. In diesem Fall würde das betroffene Archiv dann zu einer Ausgangsstelle für Desinformation. Ein unvorsichtiger Benutzer reicht ebenfalls aus.

    Zwangsläufig, das es mit dem "das" nicht getan ist, sondern dazu unabdinglich auch das "wie" gehört, dass mit Problemen, Risikoabwägungen und zur Verfügung stehenden Ressourcen zu tun hat, sprich mit den Erwägungen und Problemen, die du einfach fröhlich ignorierst.

    Im Besonderen müssen sie an sicheren Orten verwahrt werden und da kann der altmodische Archivraum wesentlich sicherer sein, als ein digitaler Raum.
    Ein weiteres noch nicht angesprochenes Problem ist, dass man durch eine weitgehende Digitalisierung Angelegenheiten öffentlichen Interesses weitgehend in die Hand privater, gewinnorientierter IT- und Sicherheitsunternehmen legen würde.
    Wie geht man z.B. damit um, wenn diese in finanzielle Schwierigkeitten geraten, den Besitzer wechseln oder what ever?
    Wir reden hier mitunter immerhin von Aktenbeständen die mitunter zum Schutz der Perssönlichkeitsrechte in die Vorgänge involvierte Personen auf Jahrzehnte (je nach Lagerung des Falls) gesperrt sind und von Rechts wegen der breiten öffentlichkeit nicht zugänglich gemacht werden dürfen.

    Wie gedenkt man das zu gewährleisten, wenn man die Daten durch Digitalisierung und weitere Verbreitung innerhalb des Systems von Beginn an in die Hände dritter legt, indem man sie über Leitungen und Server jagt, die von anderer Seite her ausgelesen werden können? Wie gewährleistet man, dass diese darin keine nicht legalen Einsichten vornehmen oder die Daten gar weiterverkaufen oder sonst etwas.
    Das Problem sollte doch von diversen mit dem Internet verbandelten Konzeneren her bekannt sein.

    Weswegen ich mich frage, warum du hier versuchst uns das Gegenteil weiß zu machen. Heute sind Gesetze genau so einzuhalten wie gestern und heute muss genau so mit knappen Ressourcen gewirtschaftet und Risikomanagement betrieben werden, wie gestern. Du ignorierst das in deinen Ausführungen vollständig.

    So würde ich das in der Tat auch nennen wollen.
     
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  10. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    Ich sehe hier keine Technikfeindlichkeit. Ich lese nur von Dir eine Technikgläubigkeit, die an den wahren Problemen einer langfristigen (mindestens etliche Jahrhunderte) Archivierung vorbeiläuft. Das ständige Umkoperen in einer Cloud löst einige in der Praxis auftretende Probleme, aber nicht alle. Wenn in der Cloud eine 40 Jahre alte Wordstar-Datei gespeichert ist, dann wirst Du die Bits und Bytes mit hoher Wahrscheinlichkeit auslesen. Aber kannst Du sie auch gleich nutzen oder mit einem Aufwand in ein modernes Dateiformat umwandeln? Und danach die Frage nochmal mit einem Horizont von 400 Jahren.
     
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  11. drmarkuse

    drmarkuse Mitglied

    Das Kostenargument dass ich angeblich ignoriere stellt sich in der Realität auch diametral entgegengesetzt dar. Digitale Speicherung von Daten ist natürlich wesentlich kostengünstiger und erfordert wesentlich weniger Aufwand.
    Wir haben vor ein paar Tagen noch darüber gesprochen dass die Bibliothek von Alexandria heute auf einem Memory Stick Platz fände und innerhalb kürzester Zeit ohne Kostenaufwand dupliziert und an mehreren Orten gesichert wäre. Was würden wir heute dafür geben, wenn es diese Möglichkeiten damals gegeben hätte. Dann wird als Argument genannt kopieren ist nicht kapieren.

    Noch vor kurzem haben Sie (und andere) argumentiert dass der Aufwand in der Antike und im Mittelalter zu gross war um Schriftstücke abzuschreiben.
    Nun argumentieren Sie dass der Aufwand für ein digitales Archiv zu gross sei.

    Welchen Schluss ziehen Sie denn eigentlich daraus für die Zukunft und wie stellen Sie sich selbst das Archivwesen der Zukunft vor. Ich habe von Ihnen noch nicht einen Vorschlag gehört der Historiker im Jahr 3.000 zufriedenstellen könnte. Entwickeln sie doch mal eine positive Idee. Denn der Thread Titel lautet ja Archivwesen der Zukunft.
     
  12. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das sind erst mal zwei verschiedene Dinge, das eine ist, was die genannte Person mit der Bibliothek von Alexandria auf dem Stick anfangen kann. Da galt, dass kopiert nicht kapiert ist. Kopieren ist leichter geworden, aber deshalb hat man noch lange nicht alles gelesen und intellektuell verarbeitet, nur, weil man es auf dem Stick gespeichert hat. Das festzustellen ist nicht technikfeindlich, sondern macht darauf aufmerksam, dass der Mensch mit seiner individuellen intellektuellen Fähigkeiten noch immer im Zentrum des Wissens steht.

    Ein ganz anderes Problem ist das der Archivierung. Und hier hatten mehrere darauf hingewiesen, dass es eben nicht damit getan ist, Dinge elektronisch zu sichern, stattdessen muss man sie beständig migrieren, um sie lesbar zu halten, beim Migrieren entsteht aber mitunter Datenverlust, und wenn es nur ein paar Pixel sind. Moralisieren (ein technisches Problem lässt sich nun mal nicht moralisch oder politisch lösen) und das Vorwerfen von Technikfeindlichkeit geht an der skizzierten Problematik vorbei.
     
  13. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das mag dich ja belustigen, sind aber die realen Probleme des modernen Archivwesens.

    Das ist eine Verdrehung der Tatsachen.
     
  14. Stilicho

    Stilicho Aktives Mitglied

    Nach allem was wir heute über die Bibliothek von Alexandria wissen - wieviele Jahrzehnte würde es dauern, diese auf einen Memorystick zu bekommen?
     
  15. drmarkuse

    drmarkuse Mitglied

    Digitale Datenverarbeitung bedarf der ständigen Pflege. Dazu gehören wie gesagt fortlaufende Updates von Software und Hardware und die Anpassung von Datenformaten. Es ist eine falsche Vorstellung von Datenverarbeitung dass man etwas im Jahr 1995 in einem damaligen Format auf einem Datenträger der damaligen Zeit ablegen könnte und es in 400 Jahren noch lesen kann. So funktioniert IT nicht.

    Vom Prinzip her haben sie ihre Daten auf redundanten geclusterten Servern in unterschiedlichen physischen Lokationen, nach Möglichkeit verschlüsselt, wenn es sich um sicherheitsrelevante Daten handelt . Davon laufen regelmässige automatisierte Backups (Images) mit fortlaufenden Versionsnummern. Ihre Software und Hardware muss regelmässige Upgrades durchlaufen schon alleine aus Sicherheitsgründen und um eine End-Of-Life Phase zu verhindern. Sie erarbeiten Pläne die die Redundanz auch im von Ihnen erwähnten Katastrophenfall sicherstellen. Dazu gehört auch Datenmigration für den genannten Fall dass ein Anbieter verschwindet. Viele Organisationen lagern ihre Daten daher bei mehr als einem Anbieter , z.b. bei T-Systems und bei Hewlett Packard. Das ganze ist ein fortlaufender Prozess, in dem sie nicht einfach mal 30 Jahre Pause einlegen können.
    Die Fachbegriffe hierzu lauten IT Continuity Management, Change Management, Availability Management und Information Security Management.
    So funktioniert professionelle IT. Archive und Behörden sind auch nicht die einzigen Organisationen die plötzlich vor solchen Fragen stehen. Diese stellen sich genauso an andere Organisation wie Krankenkassen, Zentralbanken oder Wertpapierbörsen. Auch hier müssen Daten geschützt und gesichert werden und dürfen zum Teil bestimmte Rechtsräume nicht verlassen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. August 2019
  16. drmarkuse

    drmarkuse Mitglied

    Es sind wahnsinnig viele Dokumente von unschätzbarem Wert, aber das Datenvolumen der reinen schriftlichen Information wird ein paar Terabyte nicht übersteigen.
     
  17. Shinigami

    Shinigami Aktives Mitglied

    Vom Wiederholen wird es nicht richtiger. Zunächstmal müsste das ersteinmal geleistet werden, wozu man erheblich Manpower bräuchte, sodann muss das alles fortlaufend aktualisiert, geartet, in relativ kurzen Abständen überholte Software ersetzt werden and so on.


    Letzteres ist auch vollkommen richtig. Was nutzt ein Archiv, wenn am Ende niemand mehr Ahnung hat, was darin aufzufinden ist? Schon einmal mit eingem größeren Archiv zusammengearbeitet oder im Rahmen eines wie auch immer gearteten Praktikums den Betrieb dort kennengelernt?
    Funktioniert ein bisschen anders als eine handelsübliche Bibliothek, wie du es dir vorustellen scheinst. Für das Bibliothekswesen, wäre die Digitalisierung mitunter sicherlich eine praktikabelere Angelegenheit, da hier die Eigenheiten von Facharchiven und die einschlägigen Archivgesetzgebungen in deutlich gerinererm Maße greifen.

    Deswegen macht auch der von die und anderer Seite bemühte Vergleich einer Bibliothek von anno tuck, ohne die Gegebenheiten entsprechenden Rahmenwerks und öffentlicher Sorgfaltspflichten mit einem modernen Archiv überhaupt keinen Sinn.

    Und wieder machen wir uns die Welt, wie sie uns gefällt? Man muss sich ganz einfach einmal der Tatsache stellen, das heute wesentlich größere Mengen an Material über den Tisch gehen. Sicher, die Bibliothek von Alexandria würde heute auf einen Speicherstick bequem passen. Demgegenüber würde der ganz normale Betrieb einer Stadtverwaltung mittlerer Größenordnung über einen Zeitraum von vielleicht ner Woche oder nem Monat, wenn es um das reine Schriftgut geht, die selbe Bibliothek vollständig ausfüllen. das Material muss aber nicht nur kopiert, sondern transportiert, sortiert und ausgewertet werden.
    Für spätere Auswertungen im Rahmen historischer oder sozialwissenschaftlicher Arbeiten, muss dann ohnehin eine stichprobenartige Auswahl getroffen werden.

    Oder meinst du, irgendein Historiker, der sich dazu ausgelassen hat, wäre etwa in der Lage gewesen die Feldpostbriefe von 11 Millionen insgesamt eingezogenen deutschen Soldaten während des 1. Weltkrieges zu lesen?
    Derlei ist nicht möglich und wird auch fernhin nicht möglich sein.

    Die Masse ist zu groß.

    Ich werde mich hüten dem Historiker im Jahr 3.000 irgendwelche Vorschläge zu machen, weil ich keinen Schimmer von den technischen Möglichkeiten und gesellschaftlichen und juristischen Rahmenbedingungen des Jahres 3.000 habe.
    Da ich die nicht habe, kann ich dazu keine sinnvolle Aussage treffen, das ist Phantasterei.

    Man könnte vielleicht sinnvolle Perspektiven für das Jahr 2025 aufzeigen, was dann sicherlich weitere Verwendung der Technologie mit einschließt, aber die große Revolution die alles Alte ablöst, wird es da nicht geben, dafür sind die Rahmenbedingungen zu konstant.

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    Ich hätte demgegenüber eine Gegenfrage anzubringen:

    Deinerseits ist hier über "Demokratisiertung" des Archivwesens bzw. des darin enthaltenen Wissens fabuliert worden. Da auf die von mir genannte Problematik der Sperrfristen und des Transfers nicht freigegebener Daten in die Hände dritter und damit eine Aushälung der öffentlichen Sorgfaltspflicht durch die Herstellung der Abhängigkeit öffentlicher Stellen von privaten Unternehmen, nicht weiter eingegangen wurde, scheinst du das ja nicht für ein näheres Problem zu halten.

    Es beinhaltet aber die Auflösung des öffentlichen Monopols auf den Schutz von Persönlichkeitsrechten, je nach dem um welche Archive es sich handelt potentiell auch polizeilichen und militärischen Geheimnissen etc.. Mit anderen Worten du bist bereit bedenkenlos Informationen dir für das Funktionieren des Staates und seiner Organe sensiblen Charakter besitzen können an privatwirtschaftliche Unternehmen zu deligieren, denen bei Missbrauch schlimmstenfalls ein Verlust des Auftrags und ein Prozess droht, während der Missbrauch auf die hiesige Gesellschaft wesentlich massivere Auswirkungen haben kann.

    Jetzt möchte ich dich Fragen: Sperren sich Diskutanten, die derlei Problemen gegenüber skeptisch eingestellt sind aus Technologiefeindschaft der Demokratisierung von Information.

    Oder aber nehmen Typen wie du, aus Gründen naiven Machbarkeitswahns den Ausverkauf der öffentlichen Kontrolle über die eigenen institutionen zu Gunsten intransparenter und keiner demokratisch legitimierten Kontrollinstanz unterliegender privater Unternehmen bereitwillig eine Autokratisierung der Gesellschaft in Kauf, wenn sie in dieser Weise vorzugehen wünschen?
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. August 2019
  18. drmarkuse

    drmarkuse Mitglied

    Historiker schauen ja bekanntlich in die Vergangenheit mittels Quellen. Damit sie das tun können müssen die Quellen bewahrt werden. Das heisst Sie müssen heute Vorschläge machen wie sie die Quellen ins Jahr 3000 überliefern wollen um die Kollegen der Zukunft gewogen zu stimmen. Bisher habe ich da noch keinen Vorschlag gesehen wie dieses Archiv der Zukunft denn nun aussehen soll.
    Wenn ich Sie richtig verstehe haben Sie einen Vorbehalt der Datenlagerung bei privaten Unternehmen entgegen dem Staat. Ich teile diese Sorge nur sehr bedingt und unterliege nicht der Illusion dass der Staat in irgend einer Weise geeigneter wäre sorgsam oder verantwortungsvoll mit personenbezogenen Daten oder militärischen Geheimnissen umzugehen . Das kommt ganz auf den Staat und seine Politiker oder das Unternehmen an.
    Schwups haben sie in der Demokratie eine Verbrecherclique an die Macht gewählt der sie lieber keine Daten und auch kein Militär überlassen möchten (siehe nach 1933 in Deutschland und auch heute noch in einem Grossteil der Welt). Wenn Sie heute nicht in Westeuropa leben, sondern z.b. in Venezuela, Ägypten, oder Hong Kong, dann wären sie vermutlich froh ihre persönlichen Daten lägen verschlüsselt bei Amazon und nicht beim Geheimdienst des Staates.
    Und was die militärischen Geheimnisse angeht würde ich mich an Ihrer Stelle eher über einen Bundeskanzler AD aufregen der von den Russen bezahlt wird als über Google oder Apple.
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. August 2019
  19. hatl

    hatl Premiummitglied

    Das ist eine wirklich gute Frage (Sie dürfen auch Du sagen).
    Es geht nun um die Überlebensfähigkeit von Information über einen künftigen Zeitraum von 1.000 Jahren. (Information ist etwas was die Unsicherheit vermindert, als Definition)
    Leider hab selber dazu auch noch kein Konzept.
    Und dass Dein Konzept im Rahmen des GF allgemein nicht überzeugt, heißt ja per se noch nichts.

    Indes, was die ungetrübte Überlebensfähigkeit von Archiven über den genannten Zeitraum angeht,
    würde ich eher eine große Menge von schutzgasbefüllten Edelstahlbehältern mit Mikrofilmen in Mooren versenken wollen,
    als ein solches Unterfangen der Flüchtigkeit und Manipulierbarkeit einer sich rasch und unkontrolliert verändernden "Cloud" anzuvertrauen.
    Ich bin mal für die Mikrofilm-Edelstahlbehälter mit Schutzgasfüllung im Moor.
    Wenn die in 1.000 Jahren kein Mikroskop mehr haben, dann werden die ohnehin nichts mehr sehen, falls dann überhaupt noch existent.
    Also die Methode wär sicher vor Veränderungen über einen sehr langen Zeitraum.
    Aber ob man die Info dann auch findet, und auch noch schätzt, ist natürlich mit einer erheblichen Zufallskomponente versehen.
    Deine vorgestellte Methode zeigt dagegen eine sehr leichte Findbarkeit, jedoch mit sehr unsicherer Prognose bezüglich der Dauerhaftigkeit, aber sichererer Prognose der Entwicklung der Möglichkeiten der Manipulation.

    Cloud und Edelstahlbehälter.
    Weitere Vorschläge?
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. August 2019
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  20. drmarkuse

    drmarkuse Mitglied

    Kleine Nachilfestunde :)

    Bei der Migration von Daten, z.B. von einem Server zum nächsten entstehen keine Datenverluste, schon gar nicht in Form von Pixeln. Pixel werden nicht migriert, sondern Bits, Frames, Pakete und Segmente.
    Wenn zwei Computer miteinander kommunizieren tun sie das mit Hilfe von Protokollen, so wie wir beide mit Hilfe der Deutschen Sprache und ihrer Grammatik.
    Verschiedene Protokolle im Bereich des Datentransfers und der Netzwerktechnologie sind zusammengefasst und genormt im sogenannten TCP/IP Protocol Stack. Das ist eine Reihe von Protokollen, über die Computer Daten austauschen.

    Vereinfacht gesagt, was Sie als Pixel wahrnehmen wird auf mehreren Ebenen dekonstruiert, bis dabei letztlich auf der untersten Ebene Bits herauskommen. Dieser Bitstream fliesst von Computer A zu Computer B über eine physikalische Leitung und wird in Computer B wieder rekonstruiert.

    Auf allen Ebenen haben sie Protokolle, die die Datenintegrität checken.
    Die Pakete und Frames enthalten neben den eigentlichen Daten, dem sogenannten Payload auch einen Header. Der Header enthält Checksummen, anhand derer die Integrität des Payloads überprüft wird.

    Im TCP Protokoll haben sie z.B. einen Three-Way-Handshake. Das heißt Computer A sendet Paket Nr 1 und gleichzeitig eine Nachricht " Hey, ich habe Paket 1 gesendet"
    Computer B antwortet darauf hin "Ok. Habe Paket 1 erhalten"
    Computer A antwortet darauf "Ok habe Deine Bestätigung erhalten".
    Erst nach dem Austausch dieser 3 Nachrichten sendet Computer A das Paket Nr 2. an Computer B.

    Wenn Paket Nr 2 in der Nummerierung fehlt und stattdessen Paket Nr 3 ankommt wird Computer B sagen
    "Hey ! habe Paket 2 nicht bekommen. Bitte schick es erneut."

    Erst wenn alle Daten auf diese Weise bei Computer B kontrolliert wurden, werden sie auf den oberen Ebenen wieder zu Ihrem Pixel zusammengebaut. Es kann also kein Pixel fehlen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. August 2019
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