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Baden, Württemberg, und Hohenzollern wurden zu Baden-Württemberg
Um Gottes Willen! Dann hätten wir vielleicht einen nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten mit Pfälzer Dialekt? Und würden Nordrhein-Pfälzer Saumagen essen (übrigens: gesünder als sein Ruf).
Da wäre ich doch eher strikt für die Umsetzung meines alten Vorschlags, Düsseldorf an Bayern abzutreten, oder alternativ als schäl Sick von Neuss linksrheinisch einzugemeinden.
Identität ist zweifellos wandelbar. Die meisten deutschen Länder sind ja in den heutigen Grenzen Neuschöpfungen der Besatzungsmächte, und fast überall hat sich inzwischen eine gewisse Identifikation mit der (neuen) Heimat entwickelt. Baden und Württemberg erlebten das auch schon früher: Beide namensgebenden Dynastien herrschten in der Frühen Neuzeit nur über einen Teil ihres späteren Landes, während besonders im Süden und Osten zahlreiche kleine Reichsstände und das habsburgische Vorderösterreich existierten. Die konfessionell ganz anders geprägten Regierungen in Karlsruhe und Stuttgart wurden in den neu erworbenen Gebieten nach 1803 nicht selten als Fremdherrscher empfunden, und im Gegenzug sah man in den Hauptstädten häufig auf die (angeblich) ungebildeten, abergläubischen Bauern aus dem Oberland herab.
Hätte man 1815 oder 1851 eine solche Volksabstimmung in Erwägung gezogen, wären die Menschen vielleicht mehrheitlich für die Wiedererrichtung ihrer Freien Reichsstadt oder ihrer reichsunmittelbaren Abtei eingetreten. 1951 empfanden die meisten Südbadener Karlsruhe offenbar nicht mehr als fremde Hauptstadt, sondern identifizierten sich mit dem 1802/03 geschaffenen, nach einer lange ungeliebten Dynastie benannten Land. Die im 18. und 19. Jh. noch überall präsente Nord-Süd-Trennung im heutigen Baden-Württemberg hatte sich so weit verflüchtigt, dass ein Fortbestand Südbadens und Württemberg-Hohenzollerns gar nicht mehr in Betracht gezogen wurde.
Vielleicht würden heutige Kölner und Bonner heute auch an "ihrem" Rheinland-Pfalz hängen, wenn die territoriale Zuordnung der Länder 1945/46 anders erfolgt wäre.
Um Gottes Willen! Dann hätten wir vielleicht einen nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten mit Pfälzer Dialekt? Und würden Nordrhein-Pfälzer Saumagen essen (übrigens: gesünder als sein Ruf).
Ist es nicht generell so - gerade wegen der "Zusammenwürfelung" der Länder -, dass man eher Lokalpatriotismus an den Tag legt, als eine Identifikation mit dem Bundesland?
Also sich als Rheinhesse, Pfälzer, Badener, Württemberger, Westfale, usw. fühlt? Sogar die Franken, seit 1815 bayrisch, haben ihre Identifikation nicht aufgegeben.
Vielleicht widerspricht sich das auch gar nicht unbedingt. Selbstidentifikation ist ja vielfältig. Man kann durchaus eine Bindung an das eigene Bundesland Rheinland-Pfalz haben, sich als Meenzer Bub fühlen und zugleich von Kaiserslautern abgrenzen. Ein Unterfranke ist natürlich kein Bayer, aber auch kein Oberfranke und ein Fürther kein Nürnberger. Dennoch gibt es in Bayern keine ernsthafte fränkische oder schwäbische Unabhängigkeitsbewegung.
Wenn man den Atavismus auf die Spitze treibt, ist ohnehin das Nachbardorf (das seit der Kommunalreform tragischerweise auch noch den Bürgermeister mit der eigenen Heimat teilt) der Hauptgegner des kulturellen Lebens auf allen Ebenen.