Bekämpfung der Pest

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Mittelalter" wurde erstellt von Batnam, 3. November 2018.

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  1. prapatro

    prapatro Neues Mitglied

    Ich schrieb ja, dass Menschen und Ratten eng zusammenlebten.
    Die Beobachtung von Tieren und Natur waren ausgeprägter als beim naturentwöhnten, modernen Menschen. Das Überleben hing weit mehr als heute von einer genauen Beobachtung und den daraus resultierenden Rückschlüssen ab.
     
  2. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Na ja. Dann hätte es so einiges nicht geben dürfen oder besser gesagt deutlich früher in die Mülltonne gedurft. Da man noch Gleichgewicht der Säfte philosophierte und z.B. es eigentlich auch nicht erlaubt war Leichen zu öffnen, damit der Verstorbene unbeschädigt im Jenseits ankam.
     
  3. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Zur Kontroverse über Ratten+Pest:
    Human ectoparasites and the spread of plague in Europe during the Second Pandemic

    Und:

    These epidemics were major determinants of medieval history, but their study has not been completed to this day. It was not until the 1970s that archeo-zoologists finally discovered that the black rat had indeed been present in Europe since Roman times. Further extensive research revealed that the rat population had gradually grown from a fairly restricted one in the early Middle Ages to a significant one in the 11th and 13th centuries. The rodents spread along the major highways explaining the very different geographical impact of the various plague epidemics of the early and late medieval periods. However, the mystery of the exact mechanisms by which plague spread has still not been entirely elucidated, since the Asian rat flea, Xenopsylla cheopis, whose role as vector was demonstrated by P. L. Simond, could not have survived in the temperate European climate. Thus, the question of the European vector is still left hanging: was it a human or a rat flea? Was the rat a propagator or simply an initiator?
    [The black rat (Rattus rattus) and the plague in ancient and medieval western Europe]. - PubMed - NCBI
     
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das kenne ich eigentlich nicht für die Pest, nur für Lepra. (Was aber nicht zwangsläufig hieße, dass die Aussage falsch wäre.)
     
  5. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Die Charité ist laut Tante Wiki als Pesthaus gegründet worden. Da Lepra und auch die Pest nicht heilbar war, blieb nur die Isolation der erkrankten übrig. So schlimm das für den betroffenen auch war und es heute noch ist.
     
  6. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Teilweise wurden solche "Isolierstationen " auch in sehr entlegenen Gegenden angesiedelt- so gibt es auf einem Bergsporn in der Gorges der Ardeche bei Saint-Remèze in Südfrankreich Reste der Maladrerie des Templiers, also eines von den Templern betriebenen Hospitals,in dem Pest- und Leprakranke isoliert wurden.
     
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  7. schwedenmann

    schwedenmann Aktives Mitglied

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  8. stefan73at

    stefan73at Mitglied

    Gehört schon mehr in die Neuzeit. Aber der Glaube an die verschiedenen Äthertheorien, die als Folge des angenommenen "horror vacui" die Luft für Materie mit mechanischen Eigenschaften hielten, haben auf absurden Umwegen viel Positives bewirkt. Der Äthergläubige stellte sich ja faktisch eine unsichtbare, mechanische Auffüllung eines Dammes zum Pestbefallenen vor und versuchte darum, sein Vakuum lieber woanders hin, bspw zum nächsten Nußbaum zu füllen. Was richtiges Verhalten beförderte. Ebenso absurd hilfreich waren die späteren Miasmentheorien, Krankheiten würden durch schlechte Gerüche verbreitet werden. Das sorgte auch für den nötigen Abstand zu einer Person mit duftig platzenden Bubonen. Also das hatte schon was, die Tröpfcheninfektion betreffend aber es schloss halt noch keine infektiösen Türschnallen mit ein und vor allem war es auf die Bildungsschicht beschränkt. An allgemeine Maßnahmen war ja schon durch das Chaos des Analphabetismus nicht zu denken. Wer nicht lesen kann tut sich auch mit Warnplakaten denkbar schwer. Und es gibt bis heute eine Gemeinsamkeit: nämlich die Opposition der Wirtschaft. Durch die Nähe zu Venedig hatte Wien von ihnen gelernt und 1679 den besten Sanitätsplan der Welt in der Schublade. Dort blieb er allerdings auch, dafür sorgte die Wiener Kaufmannschaft. Und heute wieder.

    Der geschichtliche Verlauf hat eine unglaubliche Tragik, weil all das Richtige so nahe lag. Chlor war noch unbekannt, aber die desinfizierende Wirkung von gebranntem oder noch besser ungebranntem Kalk war im Mittelalter längst bekannt. Eben darum hat man die Ställe damit verputzt. Eben darum hat man die Massengräber damit bestreut. Es fehlte nur der Schritt, auch seine Hände in kalkhaltiges Wasser zu tauchen. Bin zwar kein Arzt und man kann es gewiss nicht mit Chlor vergleichen, hätte aber schon eine Wirkung gehabt. Seifen sind ja auch seit dem Altertum bekannt.

    Beschränken wir uns aufs Mittelalter.....jede Kräutervettel kannte Pilze mit antibiotischer Wirkung.

    Aber bis Ignaz Semmelweis entstand keine zusammenhängende Wahrnehmung. Der selber Mitte des 19. Jhdts noch von den Wiener Ärzten ausgelacht wurde für seine Forderung, sie sollten ihre Hände in Wasserbecken mit gelöstem Chlorkalk tauchen....."Ha! Ein Ungar will uns solches vorschreiben. Ha!"

    Btw haben wir jetzt in der Pandemie einen Superspreader entdeckt, der damals schon seine Wirkung gehabt haben dürfte. Nämlich die Kirchen. Die Verteilung der Kommunion. Die damals direkt auf die Zunge erfolgte. Wie ich das selbst noch als Ministrant mitbekam. Ich musste das Tablettchen halten für die älteren Leute, die auf klassische Zungengabe bestanden. Und mehr brauchts ja nicht.
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. März 2021

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