Benedikt XVI./Joseph Ratzinger

Immerhin hat er die Vorhölle (Limbus) abgeschafft, also den Aufenthaltsort der ungetauften Säuglinge, falls sie zu früh ins Jenseitige eingehen.
Interessant finde ich dabei, dass ein Papst über Orte gebietet, wenn man doch als Laie eher vermutet, dass der liebe Gott sie eingerichtet hat und sich dabei nicht von einem Papst reinreden lässt.
Aus himmelsrechtlicher Sicht hatte die Abschaffung des Limbus durch den Papst vermutlich eher deklaratorischen als konstituierenden Charakter.
 
ich neige dazu, Dante eher als stilisierenden intellektuellen Literaten mit etwas gelehrsamer Distanz zu theologischen Spezialitäten aufzufassen, d.h. als Fundort für theologische Spezialitäten wäre er mir nicht in den Sinn gekommen - allerdings kann mich mein Eindruck auch täuschen.
Das stimmt natürlich. Es zeigt aber zumindest, dass solche Vorstellungen im Späten Mittelalter unter Gebildeten denkbar blieben, es sich also nicht ausschließlich um einen Ort für Säuglinge und Kleinkinder handeln musste.
 
Ich gebe zu, dass mich die Sache mit dem Limbus mehr interessiert als ich dachte. Es geht dabei um eine "logische" Fortsetzung der Sachlage.
Denn Ungetaufte gibt es doch nicht nur bei den Säuglingen, sondern bei der Mehrzahl der Menschheit, also: Juden, Muslime, Buddhisten, Hinduisten, alle möglichen Heiden und was sonst noch auf dem Planeten rumkreucht.
Ich weiß nicht, inwieweit der Limbus bis in diese Gefilde reicht(e), und ich bin ehrlich gesagt zu faul, das zu recherchieren. Falls sich aber der Limbus auf alle möglichen Ungetauften dieser Welt erstreckt, dann hatte er durchaus eine gewisse religions-politische Bedeutung (über die armen ungetauften Säuglinge hinaus).
 
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