Beschreibung der Volksversammlung bei Thukydides?

Dieses Thema im Forum "Antikes Griechenland" wurde erstellt von gardeningbuddy, 9. August 2019.

  1. gardeningbuddy

    gardeningbuddy Neues Mitglied

    Guten Tag,

    Ich interessiere mich für die athenische Volksversammlung bzw. die Beteiligung der Vollbürger in der Volksversammlung. Nun ist meine Frage, ob es bei Thukydides' Geschichte des Peloponnesischen Krieges
    eine Beschreibung der Volksversammlung, besonders in diesem Aspekt gibt?
    Unabhängig davon: Wie war das Verhalten der normalen Teilnehmer der Volksversammlung?
    Eine Beschreibung in der Totenrede des Perikles habe ich bereits gefunden:

    "Wir vereinigen uns um die Sorge um unser Haus zugleich und unsere Stadt, [...] ist doch auch in staatlichen Dingen keiner ohne Urteil. Denn einzig bei uns heißt einer, der daran gar keinen Teil nimmt, nicht ein stiller Bürger, sondern ein Schlechter,"

    Mit freundlichen Grüßen und Danke im Voraus
     
  2. Tom

    Tom Mitglied

    „Wenn aber über Verwaltung der Stadt etwas zu ratschlagen ist, so steht jeder auf und erteilt ihnen seinen Rat: Zimmermann, Schmied, Schuster, Krämer, Schiffsherr, Reiche, Arme, Vornehme, Geringe, einer wie der andere, und niemand macht einem Vorwürfe darüber …, dass er ohne dies irgendwo gelernt zu haben, oder seinen Meister darin aufzeigen zu können, sich nun doch unterfangen wolle Rat zu geben.“ (Platon: Protagoras)

    Ekklesia (Antike) – Wikipedia

    Viele Hinweise bei Christian Meier: Athen. Ein Neubeginn der Weltgeschichte, Berlin 1993

    Neu ist Klaus Bringmann: Das Volk regiert sich selbst. Eine Geschichte der Demokratie. Ob es hier konkrete Angaben über Volksversammlungen gibt, weiß ich allerdings nicht.
     
  3. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Interessant sind die Entscheidungen über die Zerstörung Mytilenes.

    Gibt Hinweise, dass es einige "schlechte Bürger" unter den Athenern gab. Perikles Meinung dazu ist leider nicht überliefert... ;)

    In Farbe getränktes Seil
     
  4. Parau

    Parau Neues Mitglied

    Wenn man sich zum Beispiel Tragödien des Euripides anschaut findet man dort mehrere Szenen die im Rahmen einer Volksversammlung stehen. Natürlich spielen diese in anderen "legendären" Poleis, aber wenn man sich das attische Selbstverständnis, ihre Einstellung zu sich selbst als Zentrum Hellas und den Sinn von Theaterstücken anschaut kann man sagen, dass es dabei immer um athenische Themen und Probleme geht (Außen- und Innenpolitisch).

    In "Orestes" (Rahmenhandlung kurz: Orestes tötet Mutter auf Befehl Appols, weils sie seinen Vater Agamemnon(!) getötet hat) es kommt zu einer Volksversammlung die über das Schicksal von Orestes entscheiden soll. Ein gewisser Tyndareus will seinen Tod, dabei helfen ihm "Eingebürgerte" und instruierte/bestochene Demagogen(sozusagen Meinungsmacher). Auch kommt ein "ehrlicher" Bauer vom Land (der selten bei Volksversammlungen dabei ist) und ist auf Orestes Seite, dieser streitet sich dann lautstark mit sogenannten "Schwätzern" innerhalb der Versammlung. Die Szene ist sehr geprägt von Zwischenrufen und Unordnung.
    Wichtig: E. urteilt hier nicht und favorisiert eine spezifische Seite sondern zeigt die Schwächen beider auf.

    Also wenn es dich interessiert, schau mal nach Volksversammlungen in Tragödien, da kann man viel daraus ziehen wie das wohl wirklich war. Und wer jetzt meint das sind keine guten Quellen, Perikles ist auch befangen und viel mehr haben wir nicht. (Mit "Heute Show " bei uns oder "House of Cards" in den USA schauen würde man in 2500 Jahren auch viel über unsere Politik erfahren ;), auch wenn das bei uns eher zu einer Komödie passt)
     
    Reinecke gefällt das.

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